Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2720904-2720915--0059-2721297- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
in Theileh auf einen entweder hellenistisch jüdischen, oder, was wahrscheinlicher sei, auf einen christlichen Verfasser; z. B. entlehne es zwei recht individuell mosaische Gebote, nicht den Muttervogel zugleich mit den Küchlein aus dem Nest zu nehmen (V. 84) und kein Aas oder von wilden Thieren Zerrissenes zu gemessen (V. 139, 147), fast wörtlich aus dem Deuteronomium, Exodus und Leviticus; ferner enthalte es eine klare und ausfuhrliche Einschärfung des Dogma's von der leiblichen Auferstehung der Todten; endlich sei die Phraseologie christlich gefärbt. Hiernach müsse es nun aber sehr auffallen, dass dieses Gedicht bei keinem christlichen Schriftsteller erwähnt werde, nicht einmal bei Clemens und Eusebius, die sich doch auf das Sammlen solcher hellenistischen Erzeugnisse so emsig verlegt haben. Ob es denn wohl schon zur Zeit des Eusebius vorhanden gewesen? Ob es etwa3 — vermuthet er in flüchtigem Hinblick auf die unzuverlässige Fassung des gangbaren Titels Ttoi^ia vov&euxov — cvon dem Naumachius herrühre, dessen ebenfalls christliches tc Mahngedicht1* über Jungfräulichkeit jn einzelnen grösseren Resten bei Stobäus vorliegt? Lernbegierige Jünglinge5 — schliesst er — cmögen alles dieses genauer erwägen und das Gedicht im Einzelnen durchforschen; einem fleissigen Bearbeiter gebe es noch viel Stoff; und die Mühe werde nicht an einen unwürdigen Gegenstand verschwendet sein, da in der ganzen ältern christlichen *) Poesie Nichts diesem phokylideischen Gedicht an gewähltem Schmuck und Glanz der Sprache gleichkomme.1 Diese Aufforderung Scaligers zu weiterführender Prüfung seiner Ansichten und Vermuthungen ist bisher erfolglos geblieben, hauptsächlich wohl deshalb,weil die, von ihm jedenfalls unwiderleglich festgestellte, allgemeine Thatsache der nichtklassischen Herkunft der Verse das Interesse an denselben bei den Philologen gänzlich erstickte. Da der unbekannte Verfasser unter keinen Umständen noch für einen Anbeter des Apollon gelten konnte, so schien es sehr gleichgiltig, ob man ihn schliesslich für einen Bischof oder für einen Rabbi anzusprechen habe. Hatte man doch nach und nach verzichten müssen und im achtzehnten Jahrhundert vielleicht nicht ungern verzichtet auf die enge Vereinigung klassisch-philologischer und geschichtlich-theologischer Studien, welche Scaliger und der ihm nahestehende Gelehrtenkreis erstrebte und erreichte; auch *) Die Worte lauten lateinisch: Neque vero puto ullius veterum carmen erstare quod cum Poeni huius Phocylidis (si modo id ei nornen ßtit) arit elegantia aut nitore aut cultu verborum conferri possit. Bernhardy (Gr. Litt. II, 360) hat * in Scaligers Aeusserungen nichts so auffallend gefunden als diesen mächtigen Lobspruch', offenbar weil er nnter Scaligers veterum die ganze altklassische Litteratur eingeschlossen glaubte. Aber Joseph Scaliger, der seinen eigenen Vater Julius soderb anlässt, weil dieser des Musäus Hero über den Homer setzt, der sollte selbst sich weit grösseren Ungeschmacks schuldig machen und einem noch so schmucken Phokylides den ersten Platz in der ganzen griechischen Dichterreihe geben! Das ist nicht'auffallend', sondern es ist undenkbar. Man wird jedoch weder Undenkbares, noch auch nur Auffallendes in jenen Worten finden, sobald man sich erinnert, dass Scaliger, und überhaupt die Scribenten des sechszehnten Jahrhundertst oft, wo der Zusammenhang vor Zweideutigkeit schützt, veteres schlechthin für das bloss christliche Alterthum gebrauchen, z~. B. Scaligerana I (s. v. mendacia) '. Putaverunt veteres se posse regnum Dei provehere mendacüs' et falsis miraculis, in quo graviter errarunt, womit zu vergleichen die jeden Zweifel hebende, gleichartige Aeusseruug in epp. p. 304: Adeo verbum Dei inefficax esse censuerunt ut regnum Christi sine mendaciis promoveri posse dißiderenl. Ferner Scaligerana II (s. v. Jean): Les Anciens Mennent que Saint Jean a este amene ä JRome et que la il a este brusle dans de l'Jmile: at certum est numquam transivisse mare. — Dass nun der Phokylides unter den älteren christlichen Versificatoren nicht seines Gleichen habe, mag ein wahrer oder unwahrer Lobspruch sein; ein * mächtiger' ist es sicherlich nicht. Wohl aber ist'mächtig' und falsch zugleich, waß der Wirrkopf Caspar Barth, mit ungeschickter Nachsprecherei sagt (Advers. XXVI, 9): Divinum Phocylidis poema cultu omtionis, numerorum aptitudine nulli optimorum vatum concedere arbitror. r