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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 313

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 313 (sequence 357)
Language
German
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313 um Verzeihung bat. So weit war es mit mir gekommen! Und wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm, so habe ich nach diesem einzigen Mittel gegriffen, um mir Recht zu verschaffen. Dabei hat mich eine Freude ergriffen, als sollte ich an etwas besonders Angenehmes gehen. Ich habe den Morgen kaum erwarten können; denn es stand fest in mir, Joel Bidschos abzubitten. »Wie neu erwacht, habe ich mich in aller-Frühe, als es Tag geworden war, an Gott gewendet. So wie damals habe ick dann niemals mehr im Leben gebetet. Jedes Wort unserer heiligen Sprache st mir besonders wichtig, intb für meine Lage berechnet vorgekommen. Inzwischen war es Heller Tag geworden, und ich mit dem »Oren« fertig. Jetzt habe ich die Thüre nicht mehr aufgerissen; ich habe mich ja nicht mehr rächen wollen. Langsam und gefaßt, wie ein müder Mensch, bin ich durch die Gassen gegangen. Die Brille hatte ich zu Hause gelassen! »Ist Rebb Joel Bidschos zu Hause?« habe ich wieder gefragt. Er war eben aus »Schul« zurückgekommen und man zeigte mir die Thüre zu seiner Stube. Da ist er wieder, wie gestern, mit dem Rücken mir zugewendet, an seinem Schreibtisch gesessen und hat Geld gezählt. »Guten Morgen, Rebb Joel!« sag' ich fast unhörbar. Er dreht sich nicht einmal um, und schreit nur mit seiner Fistelstimme: »Den guten Morgen zurück.« »Was ich jetzt weiter reden sollte, war mir in btefent Augenblicke ganz unbewußt. Ich weiß nur, daß ich dagestanden bin und kein Wort aus der Kehle herausgebrachr habe; sie war mir wie zugeschnürt. Nach einer guten Weile ruft Joel, ohne sich umzuwenden: »Wer bist Du, und was willst Du?« »Ich bin's, RebbJoel,« sage ich und ein Thränenguß stürzt mir aus den Augen. Da dreht sich Joel Bidschos um und schreit: »Bist Du nicht Anschel Maier's Sohn?«

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