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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 308

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 308 (sequence 352)
Language
German
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308 »Die Brille Hab' ich natürlich aufbehalten; cs muß, wenn ich darüber nachdenke, doch aus Trotz gewesen sein, wegen der vom Vater erlittenen Kränkung. In solcher Gemüthsverfafsung bin ich fort. »Nach Kollin hat man in jenerZeit beinahe zwei Tage gebraucht, die man jetzt in weniger als einem Tage zurücklegt. Ich habe also Zeit gehabt, darüber uachzudenken, wie ich mit Rebb Joel Bidschof reden wollte. Merkwürdigerweise ist mir auch nicht die geringste Furcht angekommen. »Ist der Joel Bidschof ein Minister oder Kaiser, daß ich mit ihm nicht sollt' reden dürfen? und bin ich nicht auch Rebb Anschel Maier's Sohn?« Hab' ich oft zu mir selbst gesagt. Ich habe mir also vorgenommen, mir von dem Manne nichts gefallen zu lassen, er sollte sehen, daß ick kein Jüngel mehr bin, und wenn er mit mir aufbegehrte, so wollte auch ich mit ihm ausbegehren. Mit solchen und noch andern ähnlichen Vorsätzen bin ich nach Kollin gekommen; es war gerade Mittag. Ich, nicht faul, und schnell entschlossen, lasse mir gleich Rebb Joel Bidschof's Haus zeigen, und ohne daß ich etwas gegessen oder getrunken hätte, gehe ich hin. Das Haus ist nicht weit von dem Wirthshause gelegen, wo ich abgestiegen war. Wie ich davor gestanden bin, hat mir doch das Herz gewaltig <^£>4)4 erst jetzt ist mir recht eingefallen, wieviel von dem Nichtgelingen meines Besuches abhing. Das hat aber nur eine kleine Minute gedauert; ich Hab' in mir Anschel Maier's Sohn gespürt, und Hab' mir die Brille zurecht gerückt. »Ist Rebb Joel Bidschof zu Hause?« frag' ich ganz keck ein Mädchen, welches ich im Vorhaus treffe. »Ja,« sagt sie, »gehen Sie nur hinein, er ist ganz allein in seiner Stube.« Das war mir nicht recht; denn mit Rebb Joel Bidschof hätte ich gern vor der ganzen Welt gesprochen, um ihm zu beweisen, wer ich und wer er sei. Indessen, da dies nicht anging, klopf' ich beherzt an die Thüre an und trete ein. »Im ersten Augenblick Hab' ich in der Stube kein le-

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