Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1860 (14.3.1961)
- Date
- 1961-03-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISiiicleE'Scliiilie aus Dublin von JOHANNES R. BECHER Von all den Zeugen, die geladen, Vergess ich auch die Zeugen nicht, Als sie in Reihn den Saal betraten, Erhob sich schweigend das Gericht. Wir blickten auf die Kleinen nieder, Ein Zug zog paarweis durch den Saal, Es war, als tönten Kinderlieder, Ganz leise, fern, wie ein Choral. ¿g Es war ein langer bunter Reigen, T" Der durch den ganzen Saal sieh schlang. Und immer tiefer wird das Schweigen Bei diesem Gang und Kindersang. Voran die Kleinsten von den Kleinen, Sie lernten jetzt erst richtig gehn, — auch Schuhchen können lachen, weinen Ward je ein solcher Zug gesehn! Es tritt ein winzig Paar zur Seite, Um sich ein wenig auszuruhn. Und weiter zieht es in die Weite — Es war ein Zuj von Kinderschuhn. Man sieht, wie sie den Fässchen passten Sie haben niemals weh getan. Und Händchen spielten mit den Quasten, Das Kind zog gern die Schuhchen an. Ein Paar aus Samt, ein Paar aus Seiden, Und eines war bestickt sogar Mit Blumen, wie sie ziehn, die beiden, Sind sie ein schmuckes Hochzeitspaar. MR Bändchen, Schnallen und mit Spangen, Zwerghafte Wesen, federleicht — Und ziel sind viel zu lang gegangen Und sind vom Regen durchgeweicht. Man sieht die Mutter, auf den Armen Das Kind, vor einem Laden stehn: ,.Die Schuhchen, die, die weichen, warmen, Ach, Mutter, sind die Schuhchen schön!” Wie soll ich nur die Schuhchen zahlen. Wo nehm das Gele, ich dafür her...’ Es naht ein Paar von Holzsandalen, Es ist schon müd und schleppt sich schwer. Es muss ein Strümpfchen mit sich schleifen, Das wundgescheuert ist am Knie .. Was soll der Zug? Wer kann’s begreifen? Und diese ferne Melodie .. Auch Schuhchen können weinen, lache? Da fährt in einem leeren Schuh Ein Püppchen wie in einem Nachen Und winkt uns wie im Märchen zu. Hier geht ein Paar von einem Jungen, Das hat sich schon als Schuh gefühlt, Das ist gelaufen und gesprungen, Und hat auch wohl schon Ball gespielt. Ein Stiefelchen hat sich verloren und findet den Gefährten nicht, Vielleicht ist er am Weg erfroren — Ach, damals fiel der Schnee so dicht. Zum Schluss ein Paar, ganz abgetragen, Das macht noch immer mit, wozu? Als hätte es noch was zu sagen, * Ein Paar zerriss’ner Kinderschuh. 'S Ihr heimatlosen, kinderlosen, Wer schickte euch? Wer zog euch aus? Wo sind die Füsschen all, die blossen? Liesst ihr sie ohne Schuh nach Haus?”.- Der Richter kann die Frage deuten. Er nennt der toten Kinder Zahl. ftÀIMONIDES Ad 11* * -1*0* Vin Gcöcnkbiicb S 650.- VUILAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA 2289 — T. E. 71-670* X« beziehen durch alle einschlägigen Buch, handlungen und durch die JUEDISCHE WOCHENSCHAU PUEYRREDON 2190 1* — T. E. *3 *613 ... Ein Kinderchor. Ein Totenläuten. Die Zeugen gehen durch den Saal. Die Deutschen waren schon vertrieben, Da fand man diesen schlimmen Fund. Wo sind die Kinde.- nur geblieben? Die Schuhe tun die Wahrheit kund: Es war ein harter, dunkler Wagen. Wir fuhren mit der Eisenbahn. Und wie wir in dem Dunkel lagen, So kamen wir im Dunkel an. Es kamen aus den Ländern allen Viel Schuhchen an in einem fort, Und manche stolpern schon und fallen, Bevor sie treffen ein am Ort. Die Mutter sagte: „Wieviel Wochen Wir hatten schon nichts Warmes mehr! Nun werd’ ich uns ein Süppchen kochen.” Ein Mann mit Hund ging nebenher: ,Es wird sich schon ein Plätzchen finden**, So lachte er, „und warm ist’s auch. Hier braucht sich keiner abzuschinden.. .*’ Bis in den Himmel kroch ein Rauch. „Es wird euch nicht an Wärme fehlen, Wir heizen immer tüchtig ein. Ich kann Lublin nur warm empfehlen, Bei uns herrscht ewiger Sonnenschein.” Und es war eine deutsche Tante, Die »uns im Lager von Lublin Empfing und „Engelspüppchen“ nannte, Um uns die Schuhchen auszuziehen, Und als wir fingen an zu weinen, Da sprach die Tante: „Sollt mal sehn, Gleich wird die Sonne prächtig scheinen, Und darum dürft ihr barfuss gehn... Stellt euch mal auf und lasst euch zählen, So, seid ihr auch hübsch unbeschuht? Es wird euch nicht an Wärme fehlen-, Dafür sorgt unsere Sonnenglut... Was,' weint ihr noch? ‘s ist eine Schande! W7as tut euch denn, ihr Püppchen, weh? , Ich bin die deutsche Märchentante! Die gute deutsche Puppenfee. ‘s ist Zeit, ihr Püppchen, angetreten! W7as fällt euch ein denn, hinzuknien. Auf, lasst uns singen und nicht i eten! Es scheint die Sonne in Lublin!” Es sang ein Lied die deutsche Tante, Strafft sich den Rock und geht voraus, Und dort, wo heiss die Sonne brannte, 'ählt sie uns nochmals vor dem Haus. Zu Hundert, nackt in einer Zelle, Ein letzter Kinderschrei erstickt... Dann wurden von der Sammelstelle Die Schuhchen in das Reich geschickt. Es schien sich das Geschäft zu lohnen, Das Todeslager von Lublin. Gefangenenzügj, Prozessionen, Und — eine deutsche Sonne schien... Wenn Tote einst als Rächer schreiten, und über Deutschland hallt ihr Schritt, Und weithin sich die Schatten breiten — Dann ziehen auch die Schuhcher mit. Ein Zug von abertausend Zwergen, . So ziehn sie dahin in Reihn, Und wo die Schergen sich verbergen, Dort treten sie unheimlich ein. Sie schleichen sich herauf die Stiegen, Sie treten in die Zimmer leis. Die Henker wie gefesselt liegen. Und zittern vor dem Schuldbeweis. Es wird die Sonne brennend scheinen. Die Wahrheit tut sich allen kund. Es ist ein grosses Kinderweinen, Ein Grabgesang aus Kindermund... Der Kiudermord ist klar erwiesen. Die Zeugen all bekunden ihn. Und nie vergass ich unter diesen Die Kinderschuhe aus Lublin. LITERATUR Rabb. Prof. Dr. Lt' . ,11. ESCHEN LUACH (Kalender ) Dienstag, den 14. März 26. Adar Mittwoch, den 15. März 27. Adar Donnerstag, den 16. März 28. Adar Freitag, den 17. März 29. Adar Sonnabend, den 18. März 1. Nissan Rosch chodesch Nissan 1. Sefer Tora — Parschat Wayikra 3. B M. I 1—V 26 2. Sefer Tora. Rosch chodesch 4. B. M. XXVIII 9—15 3. Sefer Tora. Parschat hachodesch 2. B M. XXII 1-17 Haftara Yecheske’el XLV 16 — XLVI 18 Sonntag, den 19. März 2. Nissan Montag, den 20. März 3. Nissan Dienstag, den 21. März 4. Nissan Am 27. Dezember 1960 waren einhundertfünfzig Jahre seit der Geburt von Levi Herzfeld verflossen. Er war bedeutend in seiner Zeit, hervorragend unter den Rabbinern seiner Generation und einer der grossen Erforscher unserer jüdi sehen Geschichte. Am 10. März 1884 ist er gestorben. Im Verlaufe der fünfundsiebzig Jahre seit seinem Tode ist sein Andenken verblasst, aber nicht erloschen. Der kürzliche einhundert, fünfzigste Geburtstag ist ein guter Anlass, es neu zu er. wecken. Er war in Ellrich, im Harz, zwischen Göttingen und Nordhausen, geboren und genoss eine gründliche jüdische Erziehung Der vornehmste Lehrer seiner Jugend war Samuel Egers, ein Vetter von dem grossen Akiba Eger, dem Oberlan. desrabbiner in Posen. Er war der Landesrabbiner von Braunschweig. In einem handschriftlich erhaltenen Curriculum vitae nennt ihn Herzfeld „einen Talmudisten ersten Ranges“. Das war er in Wirklichkeit. Er hat in seiner eigenen Art die Gegensätze, die im neuzehnten Jahrhundert im deutschen Judentum miteinander gerungen haben, in sich ge. tragen und versöhnt. Streng gesetzestreu und in der Tradition lebend hat er doch eine Forderung seiner Ta. ge erfüllt, als er 1831 in Braunschweig die Konfirmation für Knaben und Mäd. chen einführte. Bei ihm hat der junge Herzfeld „den Talmud und die übrige jüdische Theologie“ studiert, und von ihm hat er, noch jung, erst 23 Jahre alt, Hattorath Horaah; die Autorisation als Rabbiner erhal. ten. Nach einem glänzenden Abitur auf dem Braun, schw’eiger Gymnasium bezog er die Universität, wo er Philosophie und Orien. talia studierte. Daneben lernte er dort weiter Talmud bei Jacob Joseph Oettinger. Wie Egers, war auch dieser Rabbi mit der Gabe gesegnet, die widerstrebenden Strömungen der Zeit in sich aufzunehmen und Frieden zwischen ihnen zu stiften. Bis dahin waren die, die sich das Leben genommen hatten, in einem abgesonder. ten Winkel des Friedhofs beigesetzt worden. Aber Oettinger schaffte diesen Brauch ab, als 1827 der Friedhof Schönhauser Allee eröffnet wurde. Er entschied auch, dass Samuel Holdheim, der Wortführer einer radikalen Reform, in der Reihe der Rabbiner beigesetzt werden könne. 1836 promovierte Herzfeld. Egers war erblindet er wurde sein Adjunkt und nach seinem Tode sein Nachfolger. Mehr als vierzig Jahre hindurch, von 1842 bis 1884, hat er sein Amt in Braun, schweig verwaltet. Er stand mitten in dem Kampf um eine Reform unseres Gottesdienstes und ei. von Rabbiner Dr. Israel - Marken und Marken aller Laender — Neuigkeiten — “Temáticos In groesster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTEN¬ NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) — VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDlGE BERATUNG ALFONSO MORIT/SON Guanacachc 2351, dep. 2 esq. CABILDO Seine Wsen* ¡S ©a* erfÖ1 SfvÄ, ne erneute Formulierung des Religionsgesetzes, insbesondere der Ehegesetzgebung. So hat er in seiner Gemeinde gewirkt, und so war er darüber hinaus ein Führer. Die erste Rabbiner-Versammlung dieser Epoche wurde 1845 in Braunschweig abgehalten. Die Wahl des Tagungsortes allein schon erweist, dass Herzfeld ein Vorkämpfer der neuen Bewegung war. Er war gross als Prediger, als einen Propheten im Ta. lar hat ihn sein Amtsnachfolger Rülf an seiner Bahre gefeiert. Aber die praktische Wirksamkeit hat er darüber nicht versäumt. Es wurde ihm nachgerühmt, dass er der Schöpfer vieler wohltätiger Stiftungen und Vereine in Braunschweig und den Landgemeinden gewe. sen sei. Er hatte acht Kinder und war dadurch sein Leben lang aufgeschlossen für die Freuden und die Nöte der Jugend. So sehr er auch als Forscher in sei. ner eigenen Welt lebte, war er doch bis zur Schwelle des Alters allen zugänglich. Erst im letzten Abschnitt seines Lebens, als ein schwer leidender Mann, zog er sich in sich selbst zurück. Dauernd lebt er fort als ein grosser Historiker unse. rer alten Zeit. Sein Hauptwerk ist die grosse „Geschichte des Volkes Israel” in der Periode der Zerstörung des ersten Tempels bis fn die Makabäerzeit, 600 bis 130, in drei Bänden, 1847 bis 1856. Die Jahrhunderte, die er erforscht und dargestellt hat, liegen im Dunkel. Ueber unsere frühere Geschichte unterrichten uns die Bücher der Bibel, die Thora, Josua und Richter, Samuel und die Bücher der Könige. Aber aus der Zeit naeher haben wir in der Bi. bei nur die Bücher Esra und Nehemia und die Chronik, zu denen später die Schriften von Josephus und eine Menge anderer zerstreuter Quellen kommen-.""" Herzberg hat den ganzen Stoff, der zu seiner Zeit vorlag, durchforscht und durchdrungen und in einer endlosen Arbeit aus ungezählten Fragmenten ein Gesamtbild entworfen. Seine Stärke lag dabei in der Un. tersuchung der Einzelhei. ten, - weniger in ihrer Umschaffung zu einem lebendigen Ganzen. Seither sind neue Quellen gefunden worden, von denen er noch nichts wissen konnte. Das Bild jener drei Jahrhunderte, die er erforscht hat, das sich uns heute bietet, ist infolgedessen weit entfernt von dem, das er entwerfen konnte, und insofern ist seine Darstellung veraltet. Aber sein Ruhm als ein Bahnbrecher wird dadurch nicht beinträchtigt. Er stand ja vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Er stellte chronologische Untersuchungen an und setzte aus vielen. vielen an sich wenig besagenden Zeugnissen ein grosses Mosaik dieses halgez^?11' Es ben Jahrtausends zusam. ' Verw’ ^ass men. Dabei erfüllte ihn eine grosse Hoffnung. Er wollte zeigen „wie reich an Geistestätigkeit und an Anziehendem überhaupt auch diese 450 Jahre sich erweisen werden, wenn sie aus ihrem bisherigen Dunkel nur erst völlig hervorgeholt sein werden.” Sei dem and1 &tst geschrieben .‘s'; Ende mit i®“ welchem ich uöe Jahre gearbeitet grosser Lebe, nis darfictl I”*r habe daran g«c guten und in b - diese Arbeit hat mir noch erhob den bösen Tage meinem Trost bi Mit diesem en Lohn bin ich v zufrieden, und G sen Dienst diese: schrieben ist, se dankt für die m geschenkte Kraf mich auch ferr verlassen.” Seine Zuversh füllt wor^n. zwei Jahrzehnte beit an seiner bat er nicht auf beeren ausgeruht sein anderes gros werk, die „Hände te der Juden im in Angriff genon 189' vollendet, schreibt er die i jüdischen Handel Einwanderung i etwa 1200 v.d.g.Z Zeit der Herrs Ptolomäer, im vi hundert, und n bis tief in die t Zeit hinein. Er Münzen, Maass wichte dieser Jahrtausende u und berechnet W er entwickelt au mud die wichti unseres alten H; und erhellt m sen Einzelheiten das bisher im i gen hatte. Auch dieses i hat ihn mit < Selbstgefühl erl ich veiss ist e geschichte der n#ch niemals ' *»Klen, ja, , auch keine Voi au bekannt”, Vorwort. Er w«hJ als den 1 storischen F0 ^asser-Biogr in Israel Die Biograp! Bess-’ die uot« 'den r¡, ¥or kur?a Wblizien u11 Verf«* John lst . wird! ,Steinmatz] 1?el »rüg ^schlag l ’’Kco'v Your ] Fra 7au a's Bai ersten?e Gliale (j P eil)er Fra Ä"SS »is Mü, ‘«oner ílicL kka, den Lit* K ratu,'l C? fi