Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 16 (4.9.1928)
- Article
- Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum zu Berlin
- Date
- 1928-09-04
- Page
- Seite 262 (sequence 1)
- Language
- German
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- Leopold Zunz 1× ep/1026402
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- Max Wiener 1× ep/1013532
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262 Bayerische Israelitische Gemeindezeirung Nr. 16 Konferenz des Wellverbandes für religiös-liberales Judentum zu Berlin Berlin, 20. August. (ITA.) Am Samstag, dem 18. August, abends, wurde im ehemaligen Sitzungssaal des Herrenhauses zu Berlin die zweite Konferenz des Weltoerbandes für religiös-liberales Judentum eröffnet. Die Eröffnungssitzung stand im Zeichen einer großen Manifestation für den religiös-liberalen Gedanken und gestaltete sich außerdem zu einer Huldigung der Führer des Liberalismus in der ganzen Welt für den Präsidenten des liberalen Weltverbandes, Claude G. Montefiore, der vor einigen Monaten 70 Jahre alt geworden ist. Der große Sitzungssaal des Herrenhauses und sämtliche Galerien waren von Delegierten, Gästen und Journalisten überfüllt, es herrschte eine Stimmung der Feierlichkeit und der großen Erwartung. Als Vertreter der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung war Graf Tattenbach, als Vertreter der Stadt Berlin der Polizei-Präsident Dr. Bernhard Weiß erschienen. Die Delegierten verteilten sich auf die einzelnen Länder wie folgt: 1. Delegierte der Vereinigten Staaten von Amerika, a) Delegierte der Central Conf. of Am. Rabbis: Dr. Edward N. Calisch (Richmonü, Va.); Dr. H. G. Enelow (Neuyork-City); Dr. Leo M. Franklin (Detroit, Michigan): Dr. Maurice H. Harris (Neuyork- City); Dr. Jacob H. Kaplan (Miami, Florida); Rabbi Charles Lewi (Neuyork-City); Dr. Gerson B. Levi (Chicago, Illinois); Rabbi Joseph Leiser (Helena, Arkansas); Rabbi David Lefkowitz (Dallas, Texas); Rabbi Jsaac Marcuson (Macon, Georgia); Dr. Julian Morgenstern (Cincinnati, Ohio); Dr. David Philippson (Cincinnati, Ohio); Dr. William Rosenau (Ballimore, Maryland); Dr. Joseph Silvermann (Neuyork-City); Dr. Samuel Schulman (Neuyork-City): Dr. Nathan Stern (Neuyork-City); Dr. Louis Wolsey (Philadelphia, Pa); Rabbi Martin Zielonka (El-Paso, Texas); Rabbi Harry S. Stern (Montreal), b) Delegierte der Union of American Hebrew Congregations: Mrs. Jsaac Bauer (Hartford, Conn.); N. Henry Beckmann (Cincinnati, Ohio); Jsaac W. Bernheim (Louisville, Ky.); Mrs. Edgar M. Cahn (Neuorleans, La.); Jsaac W. Frank (Pittsburgh, Pa.); Dr. Lee K. Fränkel (Neuyork- City); Maurice I. Leslie B. Marks (Cincinnati, Ohio); Mrs. Alexander Kohut (Neuyork-City); Leslie B. Marks (Cincinnati, Ohio); Henry L. Meyer (San Franziska, Cal.); Henry Oppenheimer (Baltimore, Md.); Julius I. Peyser (Washington, D. C.); Nathan I. Richman (Neuyork-City); Milford Stern (Detroit, Michigan): A. Leo Weil (Pittsburgh, Pa.); I. Weil (Montgomery, Ala.); Dr. David I. Wolfstein (Cincinnati, Ohio). 2. Delegierte von Frankreich: e) Delegierte der Union Liberale Jsraelite: Rabbin Louis Germain Levy, Salvador Levi, Edouard Memelsdorf, Mme. Memelsdorf, Prof. Thsdore Reinach, Mme. Eugene Simon, alle aus Paris. 3. Delegierte von England: d) Delegierte der Religious for the Advancement of Liberal Judaism, England: Leslie Edgar, The Hon. Mrs. Franklin, Michael Franklin, M. Herz, Mrs. Lionel Jacob, Lionel Jacob, Miß C. P. Lewis, Rabbi Dr. Mattuk, Simon D. Mayer, The Hon. Lily H. Montague, I. P. The Hon. Marian Montague, C. G. Montefiore M. A., D. D., The Rev. M. L. Perlzweig, Leon Reis, Samuel M. Rich, alle aus London, I. H. Hersch (Cambridge); Louis P. Jacobs (Hove). 4. Delegierte von Deutschland: a) Delegierte der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands: Dr. L. Blumenthal (Berlin); Dr. Max Dienemann (Offenbach); Dr. I. Galliner (Berlin); Dn Bruno Italiener (Hamburg); Dr. Arnold Lazarus (Frankfurt a. M.); Dr. Joseph Norden (Elberfeld); Dr. Martin Salomonski (Berlin); Dr. S. Samuel (Essen); Dr. Caesar Seligmann (Frankfurt a. M.); Dr. Max Wiener (Berlin); Dr. Georg Wilde (Magdeburg); Dr. A. Wolf (Dresden). 6) Delegierte der Vereinigung für das liberale Judentum: Erich Bayer (Breslau); Rechtsanwalt Dr. Walter Breslauer (Berlin); Justizrat Max Chodziesner (Berlin): Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger (Frankfurt a. M.); I. Fabian (Königsberg); Frau Bercha Falkenberg (Berlin); Rechtsanwalt Dr. M. Galliner (Berlin); Rechtsanwalt Dr. Rud. Geiger (Frankfurt a. M.); Generalsekretär George Goetz (Berlin); Rabbiner Dr. B. Gottschalk (Frankfurt a. M.); Rechtsanwalt Dr. Hugo Hoffmann (Frankfurt a. M.); Alfred Jaulus (Berlin); Rechtsanwalt Richard Jung (Nürnberg); Rechtsanwalt Dr. S. Kaufmann (Köln); Arthur Rosenberg (Dortmund); Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin); Prof. Dr. M. Türk (Berlin); Jacob Valk (Hamburg): Bruno Woyda (Berlin): ferner Georg Berghold (Danzig). 5. Verschiedene Länder: Schweden: Admiralitätsrat Henrik Wolff (Stockholm): Polen: Leon Bregmann (Warschau); Ing. A. Klebanow (Wilna); Dr. Fritz Leister (Bielitz); Rumänien: Rabbiner Kecskemeti (Großwardein); Tschechoslowakei: Rabbiner Dr. Stern (Saaz); Rabbiner Prof. Dr. Ziegler (Karlsbad). Im Saale bemerkte man den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Kommerzienrat Gerson Simon, den Vorsitzenden der Berliner Repräsentantenversammlung, Geheimrat Dr. Julius Stern, den Präsidenten des Rates des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat Leo Wolfs, die Vorsitzenden anderer Landesverbände, den Präsidenten des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. I. Brodnitz und mehrere Mitglieder des Hauptvorstandes, Vertreter der großen jüdischen wissenschaftlichen Institutionen, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und auch der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Um 8.30 Uhr betritt die Präsidenten-Estrade die hochragende ehrwürdige Gestalt von Claude G. Montefiore, gefolgt von Lily Montague, A. Leo Weil (Pittsburgh), Rabbi Mattuk (London), Heinrich Stern (Berlin) und Justizrat Dr. Blau (Frankfurt a. M). Rabbiner Dr. Blumenthal spricht ein eigens für die Tagung verfaßtes Gebet, das einen Dank enthält für das bisherige Gelingen der Erneuerung des Judentums und eine Bitte um Segen für das Gelingen der Tagung, Erhaltung des Gutes der Väter und gutes Gelingen für die Zukunft. Claude G. Montefiore eröffnet die Tagung in deutscher Sprache. Er dankt für die hohe Ehre, die ihm durch die Übertragung des Präsidiums erwiesen worden ist, und begrüßt Delegierte und Gäste, insbesondere die Vertreter der Regierung, der Stadt Berlin und der großen jüdischen Körperschaften. . Das Wort ergreift der Präsident der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Rechtsanwalt Heinrich Stern, der zuerst englisch, dann deutsch spricht. Er beginnt mit dem hebräischen Spruch: „Se hajom assah Haschern, nagila, wenismecha bo." Er gedenkt —> während sich die Anwesenden von den Sitzen erheben — der großen Väter des Liberalismus, die fast alle in Berlin zur ewigen Ruhe gebracht worden! sind: Israel Jakobsohn, Leopold Zunz, Abraham Geiger, Samuel Holdheim, Chajim Steinthal, Moritz Lazarus, Hermann Cohen, Siegmund Maybaum, Hermann Vogelstein, Eugen Fuchs, Leo Lilienthal, Bernhard Breslauer, sowie zweier weiterer Namen aus der übrigen Welt: Jsaac Wise und Israel Abrahams: „Secher Zad'ikim Liw' rocho!" Rabbiner und Lehrer, Frauen und Männer aus allen Schichten ihrer Heimat — fährt der Redner fort — haben weite Reisen nicht gescheut, um am heutigen Tage bei uns zu sein. Wir begrüßen aus Deutschland die Vertreter unserer Muttergemeinde Berlin und Abgeordnete fast aller jüdischen Organisationen, sozialer und wissenschaftlicher Anstalten. Ganz besonders begrüße ich auch die Vertreter unserer Frauen und der jüdischen Jugend. Lassen Sie mich einen Mann besonders grüßen, der heute wie ein Patriarch aus den Zeiten des liberalen Aufstieges herüberragt: den 86jährigen Dr. Michael Holzmann, der noch Geigers Freund und Schüler war (starker Applaus) Zunächst wendet sich unsere Konferenz an die liberalen Juden. Wie jede wahre Bewegung ist auch das liberale Judentum niemals fertig, sondern stets ein Gegenstand heißen Ringens seiner Anhänger, eines Ringens mit sich selbst und mit der Umwelt. Möge die Arbeit der nächsten Tage dazu beitragen, daß sich jeder einzelne klar werde über die Grundlagen seines Judeseins. Man hat von dem liberalen Judentum mit Recht gesagt, daß es die individuelle Religiosität des einzelnen befreit hat, daß es dem Recht der Gemeinschaft das Recht der Einzelpersönlichkeit entgegengesetzt hat. Dennoch haben wir liberale Juden, und das muß heute auf das Stärkste betont werden, die innige Verbundenheit mit ganz Israel, den Gedanken der jüdischen Gemeinschaft, niemals verleugnet. Wir wollen diese Gemeinschaft nicht zersplittern, wir wollen ihr im Gegenteil einen Inhalt geben, der uns nur fester zusammenschließt. Weil wir mit unserer Weltkonferenz wahre jüdische Gemeinschaftsarbeit zu leisten haben, darum wendet sich unsere Tagung nicht nur an die liberalen Juden, son-