Mannheim
Compact Memory

Židovská ročenka pre Slovensko · 1940-01-01 · 5700 (1940) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Židovská ročenka pre Slovensko
Volume
5700 (1940)
Date
1940-01-01
Page
Seite 37 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/7957787-8905983--052-7957837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Kämpfe. Auf dem Gebiete der theologischen Dezisiön war er ein Richter in Israel geworden, dessen Entscheid man von den fernsten Gemeinden eingeholt hat. Rabbi Moses Sofer war dreimal verheiratet. Seine Kinder stammen aus der zweiten Ehe mit Sara, Tochter des Rabbi Akiba Eger in Posen, die er im Jahre 1813 einige Monate nach dem Tode der ersten Frau ehelichte. Sie starb nach 20jähriger Ehe, tiefbetrauert von ihrem ehrwürdigen Gatten. Iia Jahre 1835 hat er die Witwe des Altofner Rabbi Hirsch Heller zur Frau genommen. Die letzten Jahre seines erhabenen Lebens waren von schwerem Leiden verdüstert, doch hat hier der Geist einen vollen Sieg über die Materie errungen. Sein Lehramt erlitt keine Störung und seine gelehrte Korrespondenz breitete sich immer mehr aus. An sein Totenbett wurde der Wiener Professor Knobloch berufen. Als der Rabbi bewußtlos dalag, ließ Prof. Knobloch dem Kranken Zwiebelsaft unter die Nase reiben. Da öffneten sich die himmelblauen Augen des Rabbi, er flüsterte lächelnd: „Herr Professor, da nützt kein Knobloch und kein Zwiebel mehr". Das war das letzte der witzigen Wortspiele, die man ihm nacherzählte. Bei all seinem tiefernstem Wesen, liebte er, wie alle Talmudgrößen jener Zeit, den Witz und besonders den Wortwitz. Rabbi Moses Sofer starb am 3. Oktober des Jahres 1839, einen Tag nach dem Thorafeste, welches dem Tode Moses und der Verlesung von dessem Segen an das Volk Israel zum Inhalte hat. Tieferschüttert hörten die Umstehenden die uralten Verse aus dem Munde des hinscheidenden Thorafürsten. Er war der Achron sche-be-Achronim, der Letzte der .,großen Letzten". Seine Dezisionen sind das letzte Wort, der Gipfel der strengsten Oberservanz, der nie mehr erreicht werden wird, und als deren Symbol seine Erscheinung den späteren Generationen sichtbar bleibt. Diese herbe Strenge ward gemildert und verschönt von den Strahlen der Menschenliebe biblischer Erhabenheit. Waisen und Witwen hat er als Anbefohlene seines Gottes behandelt, der arme und fremde Jude waren ihm durch das Bibelwort geheiligt. Diese Hoheit der Seele war es, welche sein Haupt mit dem unverblaßten Nimbus umwoben hat. So leuchtet seine Erscheinung in diesen Tagen, wo die Jahrhundertfeier seines Hinscheidens vom festlichen Gedenktage in Trauer verwandelt worden ist, wie ein göttliches Gestirn aus weiten dunklen Fernen, mahnend, tröstend! 37

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.