Židovská ročenka pre Slovensko
- Journal
- Židovská ročenka pre Slovensko
- Volume
- 5700 (1940)
- Date
- 1940-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Gabriel Südfeldj gibt im Hause des Rabbiners selbst Gymnasialunterricht, deutsche Hofmeister werden aus dem Reiche herbeigerufen, um den Söhnen strengfrommer Familien eine gediegenere deutsche Erziehung zu geben. Lessing und Schiller wurden nirgends mehr glorifiziert, als im Preßburger Ghetto, viel weniger Goethe, aber auch Heine durfte nicht mit den beiden Idolen des Ghettos verglichen werden. Die Judengasse war das eigentliche Warenhaus der Stadt Preßburg. Aristokraten gingen in den Häusern der jüdischen Patrizierfamilien ein und aus, man tauschte Visiten mit gräflichen Töchtern, gab sogar gemeinsame Dilettantenvorstellungen mit ihnen. Manche jüdische Familien hatten Remisen für ihre Pferde und Equipagen, auf welchen livrierte Diener saßen. Man gab feine Soireen. Das Alles bedang ja einen höheren Grad von Bildung und savoir vivre! Frau Biedermann machte sogar Ausflüge zu Pferde. In diesem gärenden Ringen von Wollen und Werden konnte die Gemeinde keinen einheitlichen Zug aufweisen. Fanatismus und Liberalismus erzeugten ein ineinander irisierendes Farbenspiel. Man kann aus jener Zeit für Beides den Beweis führen. Hatten im ersten Jahrzehnte des Chatam Sofers die Fortschrittlichen die Oberhand, so hat die legendäre Riesenerbschaft der Schwäger Pappenheim, Bettelheim und Guttmann im Jahre 1822 den Orthodoxen gewaltige materielle Mittel an die Hand gegeben und die Wagschale zu ihren Gunsten entscheiden lassen. Die Rabbinatschule wuchs an Zahl und Bedeutung, zumal die talmudischen Leuchttürme in Böhmen und Mähren, die Jeschiboth von Prag, Nikolsburg, Leipnik und Triesch allmählig erloschen. Preßburg wurde das Mekka der besten jüdischen Köpfe. Diese eine Gasse war ein kleines Reich von Dichtern und Denkern. In den meisten Biographien des Chatam Sofer fehlt die Bedeutung Preßburgs als hebräischer Verlagsort, wo wertvolle Manuskripte aus Pariser und florentinischen Universitäten veröffentlicht worden sind. Auch die historische Rolle der Gemeinde als Vorkämpferin der Gleichberechtigung unter der Leitung Lembergers wird nie genügend gewürdigt. Große Vorsteher waren das Postament, welches die Gestalt des Chatam Sofers erhöht haben. Chatam Sofer war ein schön gefaßter Edelstein. Ideale Vorsteher, Männer von eisernem Charakter, unbegrenzter Opferfreudigkeit und wahrer Gottesfurcht hoben den Glanz des Rabbinates. In den letzten Jahren stieg die Autorität und die Verehrung für den Rabbi trotz aller inneren 36