Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981), Nachtrag
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 2600)
- Language
- German
- Belongs to
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dein 19. Jahrhundert setzt die Abwanderung ein, so stammte der Grossvater von Max Liebermann aus Märkisch Friedland, der in Berlin einer der ersten grossen Kattunfabrikanten wurde. Ein weiterer Grund des Niederganges der Stadt lieferten um die Mitte des Jahrhunderts die Stadtväter, die sich weigerten, das ‘Dampfross’, die neue Eisenbahn in ihre Nähe kommen zu lassen, und damit ist es um die Entwicklung der Handelsstadt geschehen, der Bahnknotenpunkt wird nach Falkenburg gelegt, und erst um 1890 wird von dort eine Nebenlinie nach Märkisch Friedland gebaut, aber da hat die junge Generation der Juden den Ort schon ver'assen müssen. * Akiba Eger wird auch in Märkisch Friedland kein Kanzelredner. In seiner Aussprache klingt der ungarische Dialekt und Tonfall durch. Aber er findet schnell menschliche Kontakte mit den ungefähr 300 Familien seiner Gemeinde, die knapp die Hälfte der Einwohnerschaft stellen. Wir können nur wenige seiner Schüler nennen, wie Hirsch Kalischer, Jakob Levy, Julius Fürst, der später bekannte Orientalist, der ein hebräisch-chaldäisches Handwörterbuch herausgibt. Er wird als Dajan, als Richter in zivilrechtlichen Fragen, wie Eherecht und Vormundschaftsangelegenheiten und Hinterlassenschaften, bekannt, und als solcher von den Gemeinden der Neumark und dem Netzegebiet anerkannt, er führt eine umfangreiche Korrespondenz mit Gemeinden in Deutschland, Litauen, Mähren, Polen und Russland, — erst im ausgehenden 19. Jahrh. haben sich auch die jüdischen Gemeinden ‘nationalisiert’, dass politische Grenzen auch ihre geistigen wurden. Nach der Niederlage Preussens, 1896, errichtet Napoleon das Herzogtum Polen, wobei Märkisch Friedland preussisch bleibt. Akiba Eger, der in preussischen Staatsbürgerlisten als Jakob Moses Eger geführt wird, anderswo als Akiba Güns, nach seinem Vater, wird zum Sprecher der Delegation erwählt, die in Warschau mit den französischen Behörden verhandelt, um die Rechte der Juden im neuen Herzogtum zu sichern. Die meisten seiner Entscheidungen, Responsen, es sind ungefähr’ Tausend erhalten, werden erst nach seinem Tode veröffentlicht. Die Anfangsjahre in Märkisch Friedland sind wirschaftlich schwer, das Anfangsgehalt beträgt zehn Taler monatlich, fünf Gesuche um Gehaltserhöhung bleiben unbeantwortet. Später muss der Lohn aufgebessert sein, denn noch 1810 lehnt er einen Ruf nach Eisenstadt ab, aber dem nach Posen, 1814, folgt er, wahrscheinlich zu rechten Zeit, denn 1839 werden nur noch 450 Juden in Märkisch Friedland gezählt. In der Provinzhauptstadt hat er in den ‘Reformern’ starke Gegner. Es dauert zehn Jahre, bis er als 'Oberlandesrabbiner der Provinz Posen’ bestätigt wird. Man wirft ihm vor, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig sei, dass er die ‘moderne Zeit’ nicht verstehe, man macht ihm zur Auflage, nur über allgemeine Moralfragen zu predigen, keine aktuellen oder persönlichen Belange vorzutragen. Noch 1825 setzen die Aufklärer bei den königlichen Behörden durch, den Talmudunterricht zu verbieten, eine Verordnung, die nach einem aufklärenden Sendschreiben von Akiba Eger aufgehoben wird. Während der Choleraepidemie in Posen, 1831, zeigt er sich als Menschenkenner und führende Persönlichkeit. Die Krankheit, die Ursachen, die Shabbat Service (Gebete am Schabbath), mit Erläuterungen von Rabbiner B. S. Jacobsohn s.A., Tel Aviv, ist auf englisch erschienen. Zu beziehen durch die Buchhandlung Joseph Freyhan, Tel Aviv, Ben Jehudastr. 60. »»»«>» Übertragung, aber auch die Mittel zur Heilung und zur Verhütung Sind unbekannt. Er erkennt, dass ein psychologisches Mittel vorbeugend helfen kann, "heute spricht man von Placebo, einer Medizin oder Tablette, die keinerlei medizinische Wirkstoffe enthält. Er verordnet, und das wird mit Unterstützung preussischer Soldaten durchgeführt, das immer nur die Hälfte der Beter an den Feiertagen erscheinen dürfen, damit es keine persönlichen Kontakte gebe, er verkürzt den Gottesdienst, und lässt Ärzte anwesend sein, die bei Schwächanfällen einzugreifen haben, bestimmt, dass die Beter nach dem ersten Schofarblasen am Rosch Haschana essen müssen. Diese Anordnungen, verbunden mit den damals noch strikt eingehaltenen Speise und Reinigungsgesetzen und den Hygienevorschriften, helfen, dass die Juden die Epedemie ohne grosse Verluste überstehen. Der König, Friedrich Wilhelm III., ist beeindruckt, und spricnt ihm seinen Dank aus. Einen Ruf nach Wilna lehnt er 1836 ab. Er stirbt am 12.10.1837 ln Posen. Einer seiner Söhne, Salomo, er hatte 7 Söhne und 6 Töchter, folgt ihm in dem Amt in Posen; ein Schwiegersohn ist Moses Sofer, in Frankfurt/Main gebürtig, dessen Talmudhochschule in Pressburg bekannt wird, in Deutschland dieses Jahrhunderts waren es insbesondere Rabb. Dr. Nobel, der in Ungarn geboren wrde und sich als Kanzelredner in Frankfurt einen Namen machte, wie Bleichrode, in Berlin geboren und dort als Rabbiner wirkend. Bei einem Familientreffen im Mörz 1913 waren 250 der direkten Nachkommen erschienen. Um die Familie spinnen sich Legenden, so. sollen sie die Gebetsriemen, Tefillin, anders als gebräuchlich legen. -¥• In die jüdische Geschichte ist Akiba Eger als ‘Friedländer Raw’ eingegangen. Warum es 60 ist, und er nicht als Raw von Posen bezeichnet wird, ist nicht mehr zu klären, denn Posen war die Frovinzhauptstadt, wo er vom König geehrt wird. Vielleicht ist es die Tatsache, dass in den 24 Jahren, in denen er in Märkisch Friedland amtiert, er zum Rabbiner geformt wird, und seine Persönlichkeit entwickelt, wie die vielen Kontakte, die er durch seine Korrespondenz mit den Gemeinden des europäischen Ostens aufrechterhält, in Märkisch Friedland begonnen, wurden. Vielleicht kommt noch dazu, dass ln unserem Jahrhundert Posen zu Polen gekommen ist, und die Mehrzahl der Juden nach 1920 zur Abwanderung gezwungen wurde, Flüchtlingsschicksale, denen auch in der Vergangenheit nie die Bedeutung zugelegt wurde, die ihnen zukommt. Poßen verschwand aus der Karte der bekannten Jüdischen Gemeinschaften. * Der Preussische Landesverband hält am 24. Oktober 1937 eine Eger-Feier in der Synagoge in Märkisch Friedland ab, die damit 'noch einmal’ so der Bericht im Jüdischen Gemeindeblatt, ‘seit langer, langer Zeit mit einer andächtigen festlich gestimmten Gemeinde gefüllt — vielleicht zum letzten Mal? Es ist die Stimmung des Aufbruches und des Unterganges. Aus der Festansprache Dr. Alfred Klees wollen wir die Worte zitieren, ‘Wohin das Schicksal uns verschlagen mag, unser Judentum nehmen wir als unsere Heimat mit’, — Worte, vor knapp fünf Jahrzehnten gesprochen, die vielleicht mit den Anlass darstellen,. über das Leben von Akiba Eger, seiner Welt und seiner Umwelt zu berichten, dass die Heutigen etwas von der grossen Vergangenheit mitbekommen, ein Glied der langen Kette Jüdischer Traditionen und Geschichte. H. W. Goldstein 1 HILFE FÜR MENSCHEN! |_ __ Wir beten im Psalm 71 (9): „Verwirf mich nicht in meinem Alter. Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“. Wenn ein Mensch altert, so werden seine Kräfte langsam schwächer. Man nimmt ihm die gewohnte Berufsarbeit und das geschieht oft gegen seinen Willen. Wenn er reich ist, sucht er sich einen Platz im Altersheim. Fehlt es an Geld, so ist sein Schicksal viel bitterer. Wir rühmen uns, jeden Flüchtling aus Vietnam untergebracht zu haben. Geht es aber um die kranken Alten in unserer Mitte, so haben wir weniger Grund uns zu rühmen. Ich war lange Zeit Lehrer am Bet-Zeirot- Misrachi, Raschistr., Jerusalem. Es ist eine Berufsschule, wo Mädchen nicht nur das Abitur machen, sondern auch viele Berufe erlernen können, darunter auch Hauswirtschaft. Mittagessen gibt es dort mehr als genug. Als man in der Umgebung alte Menschen fand, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen konnten, brachten ihnen die Schülerinnen Essen, räumten die Wohnung auf und säuberten sie. Sie waren auch bereit, Besorgungen auszuführen. Es gibt zwar Sozialhilfe und cs gibt auch mitleidige Nacharn. Aber trotz allem war man den Mädchen für das Einspringen doch sehr dankbar. Sie führten ihre Aufgaben nicht nur gewissenhaft sondern auch mit grosser Liebe aus. Die Gefühle waren ihnen nicht vorgeschrieben, aber die Alten waren gerade darüber besonders glücklich. Enkelersatz? Alten Menschen fällt es oft schwer, lange eu stehen. Leider ist cs aber üblich', Autobusse nach dem Vorbild von Sardinendosen voll zu stopfen. Ich bin seit über zehn Jahren freier Hörer der Universität Jerusalem und komme dorthin nur mit Hilfe von Autobussen, die meistens überfüllt sind. Es ist mir aber noch nie passiert, dass man mir keinen Sitzplatz angeboten hat. Auch andere Fahrgäste, die eines Sitzplatzes bedürfen — Greise, Fusskranke und schwangere Frauen, lässt man nicht stehen und durch die ständigen Erschütterungen bei der schnellen Fahrt leiden. Dieses Lob gilt nur für Autobusse zur Universität und zurück. Woher kommt das wohl? Die meisten Fahrgäste haben Abitur. Das Abitur aber bekommt man nicht ohne Kenntnis des Tnach. Vielleicht beruht darauf das menschenfreundliche Verhalten im Autobus? Weiss ein Leser eine bessere Erklärung? Egged ist grossmütig gegenüber alten Menschen, Frauen über 60 und Männer über 65. Für 15 Fahrten bezahlen sie weniger als den gewöhnlichen Preis Aber die meisten Alten würden darauf < gerne verzichten, wenn man sie überall so behandeln würde wie in den Universitätsautobussen. Was sagt die Thora? Wajikra 19 (32); „Vor einem grauen Haupt sollst Du aufstehen und die Alten ehren und sollst Dich fürchten vor Deinem Gott. Ich bin Dein Gott". Vermutlich war die Erfüllung dieses Gebots auch früher nicht selbstverständlich. Deshalb die letzten Worte, die sonst Ja überflüssig wären. Schlomo Stein (Jerusalem) tr mrm rav rap I DER STEIN SPRICHT Du hast mich verworfen lu tauben Gestein. Dein Hammer zerschlug mich Ich füg’ mich darein Ein Funke vom Schlage durchknistert mich grell. Ich liege geborsten bei Schutt und Geröll. Zu Unrat gestossen. Vom Unrat verführt. Und doch hat mich glühend DEIN Funke berührt. David Neumann, Tel Aviv 53