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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981), Nachtrag · p. Seite 52

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981), Nachtrag
Date
1981-01-01
Page
Seite 52 (sequence 2599)
Language
German
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rium, das 24 Ortschaften zahlt, 5500, davon, um einige der grössten Gemeinden aufzuzählen, Thionville (Diedenhofen) 450, Sarreguemines (Saargemünd), 270, Sarrebourg (Saarburg) 180, Forbach 800. Die Gemeinde Metz hat ein neues Gotteshaus errichtet, 700 (Plätze und unterhält vier Betstuben, mit polnischen und sephardischen Ritus, einen Kindergarten, Talmudtoraschule, Restaurant und Mikwe. Rabbiner amtieren in Metz, Nancy, Sarreguemines. Die Geschichte einiger kleiner Gemeinden soll helfen, das Bild des untergegangenen Judentums Lothringes abzurunden, wo sich das entwickeln konnte, was man mit ‘Minhage Lothar’, den Sitten und Gebräuchen Lothringens, bezeichnete. In Lunöville werden Juden erstmalig um 1470 erwähnt. Ein Edikt von 1753 gibt Wohnrechte für zwei Familien, schon 1785 wohnen 16 Familien dort. 1791 erhalten sie das Recht einen Friedhof zu eröffnen. Mitte des 19. Jahrhunderts zählt die Gemeinde 400 Seelen. Abraham Brisach eröffnet seine Druckerei 1791, das Machsorim mit deutscher Übersetzung, in hebräischen Lettern, bekannt werden. Die kleine Gemeinde unterhielt ein Krankenhaus von 1S57 bis 1944. Der spätere Oberrabbiner Frankreichs, Alfred Levy, 1840—1919, wurde dort geboren, er amtierte in seiner Heimatstadt von 1869 bis 1880, dann in Lyon, 1880— 1905, bevor er nach Paris gerufen wurde. Heute leben ca 200 Juden dort, die Hälfte aus Nordafrika. In Morhange weiss man von Juden erst seit 1685, als sich die Bürger über die Vergrösserung der Gemeinde beschweren, ein Leopold verordnete Zuzugstop. Die Bürger fordern 1734 eine jüdische Strasse, eine Art Getto, sie erreichen 1739 eine Verkleinerung der Gemeinde, alle bis auf fünf Familien werden ausgewiesen und gehen nach Metz. Die Gemeinde vergrössert sich nach 1789. Die Synagoge wird im Weltkrieg von den Deutschen zerstört. In Diedenhofen, Thionville, werden Juden seit dem 15. Jahrh. erwähnt. Ein jüdischer Friedhof, aber keine Gemeinde, wird 1560 genannt. Zwei Familien aus Metz erhalten Aufenthaltserlaubnis 1665, wir wissen nicht, ob als Zuzugsprivileg zu anderen. Um 1780 leben 20 Juden in der Stadt, am Ende, 1940, waren es 300, die seit 1909 ein Rabbinat unterhielten. Die Synagoge, von den Nazis zerstört, wurde schon 1805 erbaut, und 1957 neu errichtet für die 450 Juden, die heute wieder in der Stadt leben. Seit dem 13. Jahrh. lebten Juden in Saargemünd. Sie wurden 1477 ausgewiesen. Erst unter französischer Besetzung 1690 kam es zu einer neuen Besiedlung, 1721 erhielt eine Familie Wohnrechte, weitere 1753 und 1789, die Synagoge 1769 erbaut — ein Hinweis, dass man mit den Zahlen der 'zugelassenen’- Juden vorsichtig umgehen muss. Die heutigen 250 Juden haben sich 1959 an Stelle der zerstörten ein neues Gotteshaus errichtet. Eine Erzählung, die man fortsetzen könnte... Der Umbruch, die Jahre der Verfolgung, zerstörte nicht nur die Gebäude und vernichtete einen Teil der Menschen, es hat gründlich mit dem aufgeräumt, was einmal als jüdischer Brauch, als Minhage Lothar, bekannt war. Die heutige jüdische Bevölkerung in Lothringen, ungefähr 10.000 Seelen, hat den Anschluss an die ‘Chachme Lothar’, an die Sitten und Gebräuche der Vergangenheit nicht wieder aufnehmen können. Der Ritus ist denen der Heimatgemeinden der Neusiedler gewichen, die ‘Minhage Lothar’ haben den Holocaust nicht überstanden. Jahre, Jahrzehnte werden vergehen bis sich aus den Verschiedenheiten eine neue Synthese entwickeln wird, neue Sitten Lothringens. Akiba Eger— der Wer sich heute bemüht, den Lebensweg einer Persönlichkeit nachzuzeichnen, die vor knapp 200 Jahren einen aktiven Teil an der Gestaltung des jüdischen Lebens Ostdeutschlands hatte, so geschieht das in dem Bewusstsein, den endgültig untergegangenen Gemeinden ein Erinnerungsmal zu setzen. Die Juden der Ostgebiete, der Provinzen Posen und Westpreussen, nach 1919 die Westmark, gehörten zu denen, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Berliner jüdische Gemeinde vergrössern halfen, und aktiv an dem Auf- und Ausbau der Industrie wie des kulturellen Lebens mitgeholfen haben. Das ausgehende 18. Jahrhundert brachte die Aufklärung und die damit verbundene Emanzipation der Juden, ln Berlin konnte Moses Mendelssohn, 1729—1786, wirken. Die Vorgänge, die zur französischen Revolution führen, rütteln die Juden auf. Man glaubt und hofft, dass mit der politischen Umwälzung eine neue, bessere Periode beginnen werde. Und wie ein Pendel, einmal in Bewegung, nach der Gegenseite ausschlägt, verloren sich viele jüdische Kreise in der Selbstaufgabe ihrer Tradition, die der Gemeinschaft moralischen Halt und innere Aufgabe bot. Es dauert lange, bis das Echo dieser Ereignisse in die östliche Provinzen Preussens dringt, wo in dutzenden Kleinstädten eine verhältnismässig starke jüdische Gemeinschaft lebt, die direkt oder indirekt, am ‘Ostwesthandel’ jener Tage profitieren, die einen als Händler, andere stellen die Fuhrleute, die Inhaber kleiner Gasthöfe, Kleingeschäftsleute und Handwerker, später besuchen sie die Messen in Königsberg und Frankfurt/Oder, wo der Warenumschlag zwischen Preussen und Russland, Litauen und Russland und Russisch-Polen durchgeführt wird ln dieses Gebiet kam im Jahre 1781 der knapp zwanzig Jahre alte Akiba Eger, geboren in dem damals ungarischen Eisenstadt, 8.11.1761, Sohn eines Moses ben Samuel Güns, der auch Schlesinger genannt wird, ein Urenkel des Abraham Broida, die Mutter ist die Tochter eines Akiba ben Simcha Uuncm. Eisenstadt im Burgenwald erhält für die jüdische Geschichte insofern Bedeutung, da die Gemeinde bis 1938 bis zum ‘Anschluss’ Österreichs ihre politische Autonomie erhalten kann, die sie wie den anderen, die als die ‘Sieben Gemeinden’ bekannt sind, durch die Schutzbriefe des Grafen Esterhazy 1694 erhalten. Trotz der bekannten Jeschiwa dort, wird er in das nahe Mattersdorf, heute Mattersburg, geschickt, wo Natan Schotten sein Lehrer wird. Die erste Synagoge wurde in Mattersdorf 1354 errichtet, im Jahre 1622 kommt das Gebiet in die Hände der Esterhazys. Die politische Autonomie in Mattersdorf wird 1902 aufgehoben. 1777 finden wir ihn in Breslau, wo ein Onkel, Benjamin Wolff Eger die Jeschiwa leitet. Der junge Schüler wird zum Lehrer, und so wird es nach den damaligen Sitten folgerichtig, dass ein angesehener Kaufmann ln Lissa in der Provinz Posen, Jizchak Margulies, ihn mit seiner Tochter Glückchen verheiratet. Der junge, seit dem fünfzehnten Lebensjahr kränkliche Gelehrte, der den Posten eines beamteten Rabbiners ablehnt, da er sich vor der damit verbundenen Nebenaufgaben fürchtet, den persönlichen Kontakt mit den Gemeindemitgliedern, das, was man später mit ‘Seelsorge’ bezeichnet, verlebt zehn ruhige, glückliche Jahre in Lissa, wo er sich dem Lernen und Unterrichten widmen kann, ohne daraus einen Beruf oder Geschäft zu machen. Am 2. Juni 1790 zerstört ein Grossbrand die Stadt. Das Haus des Schwiegerva- Friedländer Raw ters wie das Akiba Egers wird eingeäschert, beide Familien verlieren ihren Besitz. Akiba Eger weicht in das nahe Ra witsch aus, wo er in grosser Not lebt. Auf Drängen der Familie bewirbt er sich um den Rabbinerposten in Märkisch Friedland, der vacant ist, nachdem Jochanan ben Meier während der Sukkottage 1790 verschieden ist, wo er am 12. Februar 1791 unter elf Bewerbern gewählt wird. Die 24 Jahre, die er dort wirkt, formen aus dem stillen, kränklichen und weltabgeschlossenen Lerner, den Rabbiner und die führende Persönlichkeit Jener Tage, die versucht, ohne die damals modernen Strömungen ganz abzulehnen, die religiösen Inhalte und Formen zu erhalten. Der ‘Friedländer Raw’ wird zum Lehrer einer Generation von Rabbinern und jüdischen Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts. — Die Frau, Glückchen, stirbt 1796, ein Jahr später heiratet er deren Nichte, Brendel, Tochter eines Josua Feibelmann Halevy. -¥■ Für die Heutigen ist Märkisch Friedland kein Begriff. Als der Schreiber dieser Zeilen um 1926 als Kind einmal zwei Tage in dem damals verschlafenen Städten mit 2500 Einwohnern wellte, bekam er einen Eindruck von der Vergangenheit. Für seine Mutter und ihn wurde die Synagoge aufgeschlossen, in der Mitte des 19. Jahrh. nach einem Brand restauriert, wo die grosse Halle imponierte wie die kunstvoll geschnitzten Holzverzierungen um den Toraschrein in dem damals 26 Rollen standen. (Der Gottesdienst wurde in einem kleinen Nebenraum abgehalten). Das Gebäude und der grosse jüdische Friedhof mit den verwitterten Grabsteinen war alles, was an die Vergangenheit erinnerte. In dem einzigen Hotel des Ortes, von zwei älteren jüdischen Damen geführt, ein Erbe der Vergangenheit, waren wir die einzigen Gäste. Die dort bestehende Mazzefabrik war einige Jahre vorher geschlossen worden, von der Familie wurde eine Selterfabrik betrieben. Es lebte noch die Witwe des letzten beamteten Kantors, deren Tochter, Rosa Lichtenstein, eine in Berlin bekannte Schauspielerin war, die später in Tel Aviv im Matate, der Kleinkunstbühne, auftrat, und zu den Gründungsmitgliedern des Kammertheaters gehörte. Die 'königlich-preussische Jüdische Schule’ wurde schon in den ersten Jahren des Jahrhunderts aufgelöst und der Konrektor, später einzige Lehrer, in die Ortsschule überführt, wo er bis zu seinem Tod, 1913, unterrichtete. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Märkisch Friedland Ist vielleicht typisch für alle des geographischen Bezirks. Die Stadt wurde 1314 gegründet. Die jüdische Besiedlung in dem Grenzgebiet beginnt irgendwann im 17. Jahrh. (1671 kamen die ersten Juden nach Berlin und in die Mark Brandenburg, die an Westpreussen grenzt). Die ersten schriftlichen Dokumente werden durch einen Brand 1754 zerstört. Der Grundherr, Friedrich Wilhelm von Blankenburg stellt der Gemeinde 1757 ein neues Privileg aus, das, so verlangen es die politischen Gegebenheiten, der letzte der Polenkönige, Stanislaus August, 1766 bestätigt. Den Juden wird erlaubt, eine Synagoge zu errichten, die wie der Friedhof geschützt ist, und einen Rabbiner anzustellen. Bel der 1. Teilung Polens, 1772, kommt Märkisch Friedland unter preussische Oberhoheit. Damals leben dort 133 jüdische Familien und weitere 25 auf den Gütern des Grundherrn. Im Jahre 1817 werden unter 2300 Einwohnern 1115 Juden gezählt, das ist sicherlich die grösste Zahl Juden, die jemals dort wohnten. Mit 52

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