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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 5. (1874) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 5. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 deS alten Messiasbildes herabdrückte, daim Innern Israels von jeher bestanden haben soll, hatte Renan dieselbe zum Theil daraus, zum Theil aus anderen nicht localen Anlässen zu erkläre,« versucht, so weist Bauer darauf hin, daß wir in Jesus nichts weiter als das Bild des durch die griechischen Philosophenfchulen vorbereiteten, durch den Juden Philo aber zum eigentlichen Austrag gebrachten Gedankens vom Logos oder dem zwischen Gott und der Welt waltenden Mittler zu erblicken haben. Der Gedankenniederschlag des griechischen Philosophirens tritt uns in den Schriften Philo's entgegen und ist aus ihm in das Schriftthun« des neuen Testamentes übergegangen, dessen Aehnlichkeiten mit Philo zwar immer bemerkt, aber nie so ausführlich dargelegt und bedeutsam dargestellt wurden, wie von Bauer. Das Kapitel, das Bauer der Schilderung von der überwältigenden und ausartenden Macht des Jniperialismus und dem im Stillen fortwirkenden Individualismus der epikuräischen Philosophen widmet, in dem er die Auflockerung des Bodens gleichsam uns vorführt, in den später die Saat des Ehvistenthums geworfen wurde, hat manche großartige Seite und einen erhabenen Wurf. Bauers Auffassung möchte man die geschichtliche nennen. Er kann sich das Vorkommen der Berge in der Ebene nicht erklären, er niuß Alles in geschichtlichen Zusammenhang gerückt sehen, die Vorarbeit vergangener Zeiten darf an einer neuen Erscheinung nicht eindruckslos und völlig ohne Antheil geblieben sein, so paßt es denn auch in Bauers Weltanschauung vortresflich, daß das Christenthum nur mit dem Pfunde gleichsam gewuchert, das der Jude Philo aus den, Spargut der griechischen Philosophie zusammengelesen hat. Es läuft viel taubes Erz in der oft phantastischen Darstellung mit unter, aber oft bringt der Fluß der Gedanken nianches Gediegene und Werthvolle. Er stellt ein Buch in Aussicht: ״Seneca und Paulus", das gleichsam die Fortsetzung und geschichtliche Durchführung der in dieser Schrift angedeuteten Gedanken enthalten soll, den eigentlichen Kampf des bis zur Selbstauflösung auSgearteten Imperialismus und der alexandrinischen Weltanschauung oder dem Christenthun«. Man darf auf die Fortführung der bereits tüchtig begonnenen Untersuchungen füglich neugierig sein. Dd K—nu. Das heilige Altarfeuer. Von Rabbiner D. Oppenheim. (Schluß.) Die Geschichte der Herabholung des heiligen Feuers theilt sich demnach in mehrere Perioden. Unter Moses und Salomo war es ein himmlisches Feuer, welches die ersten Opfer bei der Einweihung der Altäre entzündete, und das dann bis zur Zerstörung des ersten Tempels ununterbrochen von den Priestern erhalten wurde. Bei der Einweihung des zweiten Tempels durch Nehemia war es, wie das H. Mackabäerbuch erzählt, das verborgene heilige Feuer, welches die Opferstücke entzündete und bis zur Entweihung des Altars durch Antiochus Epiphanes fortwährend brennend erhalten wurde. Endlich als Juda Mackabi de» Tempel einweihete, da brach aus dem Altar auf wunderbare Weise eine Flamme hervor*) und verzehrte die Opfer, und diese brennende Flamme blieb auf dem Altar bis zur Zerstörung des Tempels durch die Römer. — Werfen wir noch einen flüchtigen Blick auf die Berichte des Talmud, die hier wohl mangelhaft sind, aber sich dennoch mit den obigen Angaben des II. Mackabäerbuches vereinigen lasten. Nach Sebachim 61, 6 brannte das himmlische Feuer, das bei der Einweihung der Stiftshütte durch Moses herabkam auf derselben Stätte bis auf S a l o m o n, wo es erneuert wurde, dieses aber blieb wieder ununterbrochen auf dem salomonischen Altar bis auf Manasse, der cs, nachdem er Buße gethan und einen neuen Altar erbaut hatte, (2. Ehr. 36, 16) von dem alten Altar wegnehmen und auf den neuen übertragen ließ. Dies ist der Sinn, der von christl. Gelehrten mißverstandenen Stelle, da ונסתלקה blos ״entfernen, übertragen" und nicht ״völlig wegschaffen" heißt, wie es der Talmud ausdrücklich sagt: לא נסתלקה לבטלה• Mit der Zerstörung des ersten Tempels hörte eigentlich das himmlische Feuer auf dem Altar zu brennen auf und soll nach der Sage während der babylonischen Gefangenschaft heimlich verwahrt worden sein, bis es bei der Einweihung de- Altars durch Neheniias wieder verivendel wurde. Einer der damaligen Propheten bezeugte die S l e l l e, (wie man offenbar Sebachim 62, 9 emendiren muß), wo das heilige Feuer aufbewahrt wurde, שהעיד על(מקום) אש הטובה• Auf welche Weise aber bei der Einweihung des neuen Altars durch Juda Maccabi das heilige Feuer restaurirt wurde, darüber schweigt der Talmud gänzlich, obwohl es ausdrücklich in Jona 21, 6 heißt, daß obschon ivährend der ganzen zweiten Tempelperiode kein himmlisches Feuer unmittelbar vom Himmel herabkam, wie bei Moses und Salomon, so brannte doch ein heiliges, göttliches Feuer auf dem Altar. Wahrscheinlich dachte hier der Talmud an die beiden im Mackabäerbuche und im Josippon erwähnten Wunder des heiligen Feuers unter Nehemia und Juda Mackabi. Aus allen Berichten gehl nun deutlich hervor, daß man das Verbot des Gebrauches vom ״fremden Feuer", das sich nach 3. B. M. 10, I, blos auf den Räucheralrar bezieht, auch auf den Brandopferaltar ausdehnte. Daraus entstand immer die Verlegenheit, namentlich zur Zeit des Nehemias und Juda Mackabi, wie man sich zum Gebrauche des Opsers heiliges Feuer verschaffen solle. Man bemühete sich daher die Continuität des heiligen Feuers und die Erzeugung desselben auf eine ivllnderbare Weise nachzuweisen. Zur Zeit des Messias, wo der Tempel wieder in seiner ganzen Herrlichkeit nebst den beim zweiten Tempel fehlenden Gegenständen wieder hergestellt werden wird, glaubte man, würde sich auch das Wunder des Herabfallens von himmlischem Feuer gewiß wie ehedem erneuern!! Bekanntlich hatte R. Jechiel aus Paris i. I. 1256 die Idee, ohne Tempel den Opferritus in Jerusalem wieder her-! zustellen. (S. Kaflhor Waferach von Estori K. 6. S. 15.) N. Akiba Eger halte und äußerte den Wunsch, die Erlaubniß zur Wiederherstellung der Opfer von dem Sultan zu erlangen und ivurde nur von den einzuleitenden Schritten von R. Moses Sofer (S. desten Gutachtensamml. J. D. Rr. 236) abgehalten, weil die Erlangung der Erlaubniß ganz und gar unwahrscheinlich sei. Es entspann sich hierauf daraus ein langer, gelehrter Streit, der auch früher von I. Emden, dann von Hirsch Chajes, (s. besten Gutachtensamml. Nr. 76) und vielen Andern geführt wurde; aber Niemand dachte daran, auf ivelche Weise man sich das heilige Feuer zum Gebrauche der Opfer herbeischaffen könne. (S. Litertbl. des Orient 1847 Nr. 26 die Abhandlung von DD. Grätz und Frieomann.) *) *) Vielleicht ist ebenfalls hierher zu rechnen di« dunkle Grelle in Megillat Thaanit, Abfchn. L, wo es heißt: ״Warum wird das Chanukafest 8 Tage gefeiert? Das Wunder mit dem Oellämpchen währte doch nur 7 Tage, weil ja auf einen Tag Oel noch vorhanden war? Es wird darauf geantwortet: Weil nian den Altar 8 Tage baute und mit Kalk übertünchte. ושדוהו בשיד ist unklar und bezieht sich wahrschein» lich aus das Wunder der Feuersteine. — (Auch die Relation in der Peßiktks f מידייך »זמודייי »יי* '■'“יי* יי״יי יי״<* ר״»!.י.'ויייא*>!.׳׳, die man ae- *י" ~ /. J .... tm0 r w | 1 > - funden und zu Feuerbehälrern benützte, scheint mit dem obigen Wunder im Zusammenhang zu stehen. Red.) ) In unseren Tagen ist es bekanntlich Hr. Hirsch Kalischer in Thorn. der für die Idee des Opserdarbringens aus der Tempelstätte zu Jerusalem schwärmt und darüber eine Brochiire ״Derijchath Zion" geschrieben hat, (die sogar einen Uebersetzer in'S Deutsche gesunden) Herr Klausrabbincr Chajim Nathanjon in Hamburg hat sich das Verdienst erworben, in seinem jüngst erschienenen Werke עבודה תטה (Altona 1873) diese Idee selbst von talmudischein Standpunkle aus gründlich widerlegt *u haben, an seinen schlagenden Äeaendeweisen hätte er nach obiger Abhandlung auch die Unmöglichkeit des BeschassenS des heiligen Feuers noch hinzufügen können. Red.)

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