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Das jüdische Literaturblatt · 1874-01-01 · Nr. 5. (1874) · p. Seite 19

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
3 (1874)
Issue
Nr. 5. (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 LilerÄurbericht. Receufioaen. Schv»«rz, Dr. Israel, Rabbiner zu Cöln. VDK תקות, Commentare zum Buche Hiob. 1. Band. Berlin, 1868. XX und 102 und 294 Seiten. 8°. (Schluß.) Sein Berfaffer, R. Serachja, der aus Barcelona nach Rom gekommen war und dort in der zweiten Hälfte des 13. Jhrhdts. als Arzt lebte, hatte ihn aus den Wunsch römischer Jünglinge geschrieben, für di« er auch die ״Proverbien" commentirt hatte. Ein Rationalist aus der Schule des Maimonides, zeigte er sich uns in diesem Werke als denselben Bekämpfe! des Wunderglaubens und der Buchstabenfrömmigkeit, als welchen ihn sein Rundschreiben an R. Hillel in Ferrara kundgiebt isieh« Ozar nechmao II, 124-143). Dabei tritt er mit einem rücksichtslosen Selbstbewußtsein und einer Hochschätzung der eigenen exegetischen Leistung auf, wie man sie vielleicht nur noch bei seinem jüngeren Zeitgenossen, dem römischen Immanuel wiederfindet. Dem Nachmanides spricht er alle philosophische Bildung ab (S. IW), Kimchi, meint er, hat Jbn Esra einfach abgeschricben (S. 283): überhaupt haben auch die bedeutendsten Cxegeten in der Erklärung der beiden Bücher, Pcoverbia und Hiob, nichts Philosophisches vorgebracht und nicht einmal die einfache Wort- und Sinnerläuterung in nöthigem Maße gesördert, ״sei es aus Bergeßlichkeit, sei cs aus Mangel an Einsicht und Begriffen" (3. 194). Das Targum sei ihre gewöhnliche ״Zufluchtsstätte" <214), deshalb ״kam ich, um diese Lücke zu ergänzen und habe, ohne Rücksichtnahme auf die Person der Erklärer, sie, wo es nöthig war, widerlegt und in gehöriger Ausführlichkeit meine eigene Ansicht vorgetragen. Ich ließ mich dabei von der Menge nicht beirren, welche mehr Kürze gewünscht hätte, wie denn dieses böse Geschlecht, der Weisheit baar, dem Mammon ergeben ist und wegen geringer Geldersparniß in Eifer gerathen kann, zum Schaben der Wissenschaft." (S. 277). Doch nicht nur Kargheit in Bezug aus literarische Dinge wirft Serachja seinen Zeitgenossen vor; er läßt auch sonst seinem Unmuth gegen sie fteien Laus. So sagt er in der Einleitung (S. 173): ״Diese Krankheit ist in den Köpfen unserer Zeitgenossen sehr verbreitet, daß sie die Wort« der Propheten durchaus nach ihrem Wortlaute auffassen und keine Allegorie in denselben annehmen, geschweige, daß sie Hiob für ein« Dichtung halten könnten." Besonders verdrießt es ihn, daß Nachmanides in seinen dein Maimonides entgegengesetzten Ansichten so viel Änklang gesunden hat: ״Alle Welt neigt sich seinen Ansichten zu, mit Ausnahme von ״Einem in jeder Stadt und Zweien in jedem Geschlecht«", den wenig Uebriggebliebencn, die Gott berufen." (S. 292) Aus solchen Aeußerungen hört man deutlich dm Klageruf des Epigonen einer großen Zeit, deren Errungenschaften allmälig aushörtcn, Gemeingut zu sein, wir erblicken in ihnen die Charakteristik des 13. Jahrhunderts, das nur in einzelnen hervorragenden Männern die geistigen Bestrebungen des zwölstm fortgesetzt hat. Fragen wir nun, ob Serachja seine Berheißungen in der Auslegung Hiobs auch erfüllt, so fällt die Antwort in mancher Hinsicht zu seinen Gunsten aus. Freilich, was er nach Maimuni's Manier von aristotelischer Weisheit in seinem Texte zu finden weiß, von dem Kampfe zwischm ״Form" und ״Materie", das kann dem heutigm Leser keinen Gejchmack mehr abgewinnen: aber was den Zusammmhang in den einzelnm Reden, was die übersichtliche Auffassung ihres Inhalts betrifft, bat unser Exegct sehr Beachtmswerthes geleistet, wie er dmn dieser Seite mehr Aufmerksamkeit zuwandte, als die andern jüdischen Exegeten. Doch zeugen auch die Einzelerklärungen bei ihm von Verständniß, und seine Mutterspräche, die arabische, hilft ihm oft bei Erklärung der Wörter. Heber die Statthaftigkeit solcher Sprachvergleichung äußerte er sich ziemlich originell (S. 194).*) — Den ästhetischen Theil der Hermeneutik vernachlässigte er auch nicht ganz. Er erkannte den Parallelismus als Hilssmtttel der rhetorischen Schönheit (׳(צחות welche im ganzen Buche Hiob in ungewöhnlichem Maße herrschte, mehr als in irgend einem andern Buche der heiligen Schrift. Besonders findet er diese Schönheit an den Redm des Eliphas (2. 294 zu 5, 8 s.). Da ihm Hiob ein Gedicht ist, so nmnt er den Berfaffer ^2!2!ש und nimmt, wenn auch aus sehr schwachen Gründen, als höchst wahrscheinlich an, daß Moses der Verfasset sei. Als einen Hauptgrund dafür, daß die Reden nicht in Wirklichkeit gehalten worden sind, giebt er den Umstand an, daß ein gleicher Styl im ganzen Buche herrscht, wo doch z. B. die Ausdrucksweise der Propheten bei jedem Einzelnen eine andere ist, wie von den 12 kleinen Prophctm keiner mit dem andern im Style verwechselt werden kann sS. 173). — Als einzelne seine Bemerkung stehe hier, was er zu 11, 1 sagt daß nämlich Zophar im Cap. 11 sich deshalb kürzer fasse, als die Ändern, weil er selbst dem Hiob Länge seiner Reden vorwirft. — Aus den bisherigen Auszügen sieht man, daß die Lectüre dieses Hiobcommentars manches Jntereffe zu bieten im Stande ist. Wenn die übrigen von HerrnIOr ) Zu 6,7 erN. er לךןמי nach dem Arabischen mit ״Fleisch", wie ** Segen alle sonstigen Erklärer. Da nun schon Joseph Kimchi und nach rhm scine beiden Söyne oieselve Erllärung geben, so läßt sich hreraus schließen, daß er ihre Eominentar« nicht kannte: was aber von dem David Kimchi's nicht gilt, da er gegen ihn polemisirt. Schw. veröffentlichten Commentare uni zu keinen ähnlichen Auszügen herausfordern, so liegt diean ihrem mehr dir grarnmattsche Seit« und den Sinn der einzelnen Sä.« ins Auge fassenden Verfahren, sowie daran. daß die Exegese der Kimchiden zur Genüge bekannt ist. Was des Jefaia avs Trani Commcntar bettisst, so ist er in Rasch's Att gehalten, auch dann, daß er einfach« Erscheinungen der Grammatik in breiter We.fe behandelt. Doch ist Chajug als Autorität cittrt. In welchem Gegensätze dieser Jesaja zu seinem Zcitgenoffen Serachja sich befindet, sieht man am besten daraus, daß er zu 5,7 den Unterschied zwstchm den Schedim (!בני רשף) UN» Menschen, Dämonen, gläubig erörtert, und zu 41, 17 אי^ים in craffer Weise als ״die Engel" auffaßt, welch« gleichfalls vor dem Leviachan sich fürchten. In Wotterklärungen hat er bäufig talmudische Ausdrücke mit Glück herbeigezogen. — Was die agadische Compilation des Herausgebers betrifft, so hätten wir gewünscht, daß er den Resultattn der Wissenschaft soweit Rechnung gettagen hätte, nicht den Sohar unter die übrigen talmudisch-midraschischen Qucllenwerke als gleichberechtigt aufzunehmen: wir erkennen aber den großen Fl. iß und Nutzen dieser Arbeit vollständig an. Zum Schluffe hätten wir nur den Wunsch auszusprechen, daß ein reichlicher Absatz des nunmehr zu ermäßigtem Preise zu erlangende« Werkes den Herrn Berfaffer zur baldigen Herausgabe des verheißenen zweiten Bandes ermuntern möge! IV. R. Landau, L. Hi. Das Dasein Gottes und der Materialismus. In zwei Gesprächen und acht Erläuterungen. Wien 1873. Das neunzehnte Jahrhundett, welches nicht blos in der Geschichtt der Staaten, sondern auch in der Entwickelung der Wiffenschasten große Umwälzungen hervorgebracht hat, dürft« füglich als das Jahrhundert der Depoffedirten bezeichnet werden. Denn nicht allein im politischen Leben, auch auf dem Wtbiete des Forfchens müssen die sogenannten historischen Rechte vor dem gebieterischen Erfolge der Thatsachen zurückweichen, und die Höchsten und Allerhöchsten, die von ihrer Höh« herabsteigen, könnttn, wenn sie nicht verblendet wären, in der Philosophie einen Trost und eine Trösterin finden. Hat ja doch auch diese ״Königin" der Wiffenschasten ihre:, alten Thron verlaffen und sich ins Unvermeidliche fügen inüssen, und warum sollten die von gleichem Schicksal Heimgesuchten sich nicht beruhigen, wenn sie solch' eine Erlauchte zur Leidensgenossin haben! Doch nein, die Ph.losophie verdient unser Miüeid nicht, jse hat sich ihr Loos selbst bereitet, weil sie nicht philosophisch genug verfahren, innerhalb ihrer Grenzen zu verharren. Die Naturwiffenschast konnk unmöglich dm metaphysischen Despotismus sich langer gefallen lasten, und darum hat sie ihre Gebieten« entthront. Wenn man nun die Philosophie in unseren Tagen unter ihrer Würde behandelt, so wird an ihr blos Vergeltung-- recht geübt, und sie kann sich dies umsoeher gefallen lasten, als sie auch ihre Hoffnung, wieder ״eingesetzt" zu werdm, nicht aufzugeben braucht. Denn mag auch die Natur.vrschung noch so viele Entdeckungen machen, mag sie Alles, was in der Natur vorgeht, erklärm, ihre Grmze wird sie niemalÄ ungestraft überschreiten, und solange noch etwas ״hinter der Natur" liegt, wird eS auch eine Metaphysik geben. Der Materialismus freilich scheint von dieser Grenze nichts wissen zu wollm; im Dienste der Natuifforschung glaubt er Alles aus dem Wege räumm zu müffm, was der allein herrschenden Materie hindettich im Wege steht, und so kann er nicht umhin, die noch immer sich selbstständig dünkcndc Philosophie für eine gefährliche Schwärmerei zu erklären. Die uns vorliegende Schrift hat es sich nun zur Aufgabe gestellt, den Materialismus in seine Schranken zurückzuweisen und ihm seine Unzulänglichkeit, die geistigen Vorgänge zu erklären, zu Gemüthe zu führen. Der Berfaffer macht in der That dm Eindruck eines ernsten silbstständigen Denkers; die präcise Ausdrucksweise und die ansprechende Darstellung lasten sofort den philosophisch gebildeten Schriftsteller in ihm erkennen. Man kann auch nicht umhin, seinm Auseinandersetzungm mit gespannter Aufmerksamkeit zu folgen und ihn im Stillen zu dem Siege über seinm materialistischen Gegner zu beglückwünschen. Aber seine Schrift hat noch eine zweite Ausgabe, und die besteht in nichts Geringerem, als die kantischen Ideen, oder wie unser Autor sich ausdrückt, die religiösen Wahrheiten theoretisch zu beweisen. Wer die Geschichte der Philosophie kennt, muß cs wissen, wie viele bedeutende Denker der verschiedensten Zeiten zu den absonderlichsten Behauptungen sich verstiegen, weil sie durch einen einzigen Begriff, über den sie nicht hinwegkommen konnten, irregeführt wurden. Unsere»» Autor hat's der Eausalbegriff anaethan, denn dieser ist's, welcher seinem klarm, selbstständigen Denken eine schiefe Richtung gegebm. Um sowohl das Dasein »Lottes als auch die Willensfteiheit mit dem Causalitätsprincip in Einklang zu bringm, kann Herr Landau den Causalbegriff weder mit Hum« aus der Erfahrung »bleiten, noch »nit Kant als eine Denksorin gelten lastm. Bon diesen beiden extremen Ansichten gleich weit entfernt, glaubt er Nachweisen zu können, daß die Laujalität die logische Evnsequenz des höchstm Denkgesetzes, des Satzes der Jdmtität und des Widerspruchs sei. Sehen wir nun näher zu, wie diese Deduction vor sich geht. ״Nieinand kann an seinem eigenen Dasein zweifeln. — Nun bin ich entweder entstanden oder nicht. Ein Drittegiebt es nicht. Sonst müßte es ein Etwas sein, Las weder entstanden, noch nicht entstanden sei, was eben gegm dm Satz der Identität wäre... Was aber entstanden ist. muß auch eine Ursache seiner Entstehung haben, sonst würde cs ebenfalls gegen dieses Denkgesetz sein, indem das, was einm Augenblick zuvor Nichts war, aus einmal ein Etwas gewordm wäre. . . .“ (vgl. S. 63 und auch Revue dea deux mondeg 1874,

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