Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1872)
- Date
- 1872-08-27
- Page
- Seite 688 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Stadt, in Rewhork, ruht mir ein sehr Mures Haupt, welchem sein 'Recht nicht widerfahren ist: Isaak No'rdheimer, Verfasser eines hochgeschätzten, in 'den vereinigten Staaten amtlich eingeführten Lehrgebäudes der hebräischen Sprache, 6r1tioal Orammar, wupde beim Abgänge seines Freundes Robinson nach Palästina von der pietistischen Facultät zu Newyork als Jude zum Professor des - Theological Seminarh daselbst ernannt. Die semitischen Gelehrten Amerikas nannten ihn den Gesenius der neuen Welt, welchem er auch nach elf Tagen in's Grab folgte, erst 33 Jahre alt. Der Christ Robinson hat ihm in seiner Bibliotheca Sacra eine liebevolle Lebensbeschreibung geweiht, der jüdische Schriftsteller hat ihn vernachlässigt. Der edle Abbt würde dem gleich früh verstorbenen Nordheimer gern ein Plätzchen neben sich gegönnt haben. Wir haben bisher von Schweigesünden gesprochen, wir haben den Schmerz noch von einer 'Redesünde zu sprechen, deren Gegenstand abermals ein sehr theures j Haupt ist: j Während das Vorwort von zu erweckender Liebe r und zu bewährendem Andenken spricht., wird vom 3. i October gesagt: „Denselben Tag (1839) starb in Preß-' 'bürg der Rabbiner Moses Sofer, ein Feind der- Aufklärung, der 1377 Rechtsbescheide geschrieben." - Daß gerade dem tugendhaftesten Rabbiner ein solcher Vorwurf zugeschleudert wird, während Fanatiker wie Ezechiel Landau, Gins Eger u. «.verschont bleiben, das wag sich erklären wer kann. Und war M. Sofer wirklich ein Feind der Aufklärung? Der wissenschaftlichen nicht, er beschützte sie sogar in vorkommenden Fällen. Mehrere seiner Zühörer beschäftigten sich unter seinen Augen mit Philosophie und Linguistik, und sie waren seine Lieblinge, so Cha.j'im Hollak (ChajimTrebitsch), der Commentator des Akedat Jizchak, so Isaak Nordheimer, Leopold Dukes, zu dessen' Übersetzung Raschi's er eine Approbation geschrieben, und so viele Andere. Er selbst hat seinen täglichen Talmudvorträgen stets ein Pensum des Chobot Ha-Lebabot vorausgeschickt, um sie religionsphilosophisch zu weihen; und das alte Testament hat er nicht, wie viele andere Rabbiner, aus den Anführungen der Gemara dürftig kennen gelernt, son- 'dern hat den Text selber gründlich studirt, wie seine ebensv schönen wie frommen hebräischen Lieder bezeugen. Mer so wie es eine specifische 'Wissenschaft des Judenthums giebt, so gräbt es auch eine specifische Aufklärung des Judenthums, eine Aufklärung, welche ganz einerlei mit Reform rm Judenthume ist. Diese jüdische Reforwaufllürung stand in hartem Widerspruche mit seiner glühenden, wenn auch befangenen Ueberzeugung von der allein selig wachenden Wahrheit des überlieferten Glaubens. Sein Denken und sein Thun war von dieser Ueberzeugung bedingt, und in Liebe zu seinen Mitbrüdern suchte er die Frucht seiner ewigen Wahrheiten'mit diesen zu theilen, suchte sie glücklich zu wissen durch die angestammte Wissenschaft und den altjüdischen Wandel, und suchte fie aufzuklären durch 1377 Rechtsbescheide. Er wollte nicht allein selig werden, wie umgekehrt jene Herren der Neuorthodoxie mit dem erlogenen Judenthuwe, welche den eigenen Sch ulch a n Ar uch aus der christlichen Küche besetzen, dem Volke aber den Sch u lch an Ar uch des Joseph Karo aufzudrängen sich herausnehmen. Ja diese Aufklärung, d. h. die Reform, wollte Moses Sofer vom jüdischen Volke abhalten, wie er fie von seiner eigenen Person abhielt, und sie anzuseinden hatte er von seinem Standpunkte aus eine Pflicht, und er that damit nur, was alle orthodoxen Rabbiner gethan, von Saadia Gaon bis auf S. D. Luzzatto, letztern mit eingeschlossen, von denen Biele mit weit weniger Schonung Reform gehaßt haben als Moses Sofer. Will Herr Dr. Zun'z darauf beharren zu sagen, der hochehrwürdige Rabbiner war ein Feind der Aufklärung, so wag er ihm wenigstens eine Gesellschaft von 1001 gleichgesinnten Rabbinern zur Seite stellen, ^er wag aber daneben auch fürchten, daß seine eigene unberechtigte, im Widerspruche mit der Verläugnung alles historischen Rechtes stehende Mißliebe gegen Reform und Reformer einen solchen dereinst veranlassen konnte zu behaupten: Zunz war bei aller Genialität ein Feind der Aufklärung des jüdischen Volkes. F. Li. Aeituugsnachrichtrn. DeN-t-schtam-d. Berlin, 15. August. (Privatmitth.) Wie man aus dem Unterrichtsministerium hbrt, ist getzt-der-Entwurf eines allgemeinen Unterrichtsgesetzes in Angriff