Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1861)
- Date
- 1861-06-11
- Page
- Seite 339 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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freiheit und? Gleichberechtigung nicht blos als.: Staatsgrundgesetz, sondern als einfaches, unveräußerliches Menschenrecht verkündete und verwirklichte, so daß diese Thalsache der eigentliche Wendepunkt unseres Geschickes war. Zeder Jude, der die Hand gegen die Union erhebt/ ist als Jude einem Vatermörder gleich zu achten. Wir. schreiben dieses Urtheil aus der tiefsten Ueberzeugung nieder und wollen es einem Jeden gegenüber vertheidigen. Jndeß kann noch ein Motiv vorliegen,, das nicht minder verwerflich, doch etwas entschuldbarer wäre. Je mehr die große Mehrheit der Juden für die Union auftritt, desto mehr werden die Juden in den fanatischen Südstaaten als Feinde betrachtet, ausgeschrien und verfolgt werden. Vielleicht hat die obenerwähnte Anzahl, um diesem entgegenzutreten, erweisen wollen, daß Juden auch für den Abfall fechten können. Mag dies fein; jedenfalls aber irren sie sich, wenn sie glauben, daß in Staaten, wo das Sclaventhum, und zwar in seiner ärgsten Gestalt,, gesetzlich ist, Gleichberechtigung- und Gewissensfreiheit sich erhalten können. Ausschließung und Inhumanität treiben nach dem Gesetze der Notwendigkeit immer weitere Sprossen, bis diese alle gesunden Pflanzen erdrückt haben! — Man vergesse nicht, daß es sich in diesem Bruch der nordamerikanischen Welt wieder um einen großen Nacenkampf handelt zwischen der germanischen und romanischen Race, jener mit dem Princip der persönlichen Freiheit, dieser mit Sclaventhum, Staatskirche u. s. w. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 2. Juni. Wenn in. den.letzten Jahrzehenden die Literatur des Judenthurns etwas erreicht hat, so ist es ihre Mündigkeit oder Selbstständigkeit. Nachdem dieältere jüdische. Literatur gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts ziemlich .abschloß und nur noch in einzelnen Nachläufern sich manifestirte.— denn die halachischen Arbeiten ■ selbst^ der letzten Autoritäten, wie R. Akiba Eger's, R. Moses Sofer's, reichen an den Werth und das Gewicht der Früheren nicht heran — hatte die nach Mendelssohn-entstandene neuere Literatur, indem sie nach Inhalt und Methode einen wissenschaftlichen Charakter erstrebte? und. sich hiermit an die allgemeine Literatur anlehnte und sich ihr aecommodirte, in sich und, außer sich einen schweren Kampf zu bestehen; in sich, weil sie ihre Abhängigkeit :von ihrem äußern Muster wohl fühlte, außer' sich- - weil ihr alle Anerkennung vorenthalten ward/ die sie auch kaumnoch verdiente. Diejüdischen Literaten legten auf irgend ein freundlich es .Urtheil von Nichtjuden ein außerordentliches Gewicht, sie benutzten vor Allem selbst für ihr eigenes Gebiet Schriften von Nichtjuden, während sie jüdische Autoren älterer und neuerer Zeit verschmähten. Damals war es einem jüdischen Gelehrten sehr leicht, das belebendste Privatzeugniß eines christlichen Gelehrten zu erhalten —, denn. man hatte von vornherein eine so geringe Erwartung von jüdischen Leistungen, daß die schwächste derartige die Verwunderung der Christen erregte — zugleich aber wurden die Arbeiten, der Juden vollständig jgnorirt, auch nachdem sie. schon eine höhere Stufe wissenschaftlicher Bedeutung erreicht hatten. Beides hat sich geändert. Und wenn auch von alle Dem noch immer Ueberreste vorhanden sind, wenn es z. B. noch jüdische Autoren giebt, die Alles studiren und benutzen, nur nicht das Werk eines Juden, und eben so christliche Schriftsteller, für welche eine Literatur des Judenthums gar nicht, vorhanden: so verblassen diese Erscheinungen doch immer mehr, das Selbstgefühl der jüdischen Literaten wächst, unsere Literatur gewinnt an Selbstachtung und. hat sich auf ihre eigenen. Füße gestellt und auch außerhalb unserer Kreise sieht man sich immer mehr und mehr genöthigt, auf gewissen Gebieten von uns Notiz zu nehmen. Da thut sich nun wiederum ein Anderes kund. Bekanntlich vertragen sich bedeutende Geistesgaben und wissenschaftliche Verdienste sehr wohl mit kleinlichen Leidenschaften, wie Eifersucht und Neid, und Beide schließen sich durchaus nicht aus. Es ist natürlich , daß Juden, die von Jugend, auf die < hebräische Sprache und die verwandten Dialekte, so wie die gesammte jüdische Literatur studirt haben und in ihnen ausgewachsen sind, wenn sie dieselbe nun auch in wissenschaftlicher Weise bearbeiten, eine. Kenntniß der hebräischen und verwandten Linguistik und Literatur erlangen, loelche christlichen Gelehrten weit voransteht und zu erreichen diesen nicht möglich ist. Man kann dies nach den obwaltenden Umständen anerkennen, ohne Jemandem Unrecht zu thun und ohne anmaßend zu sein, weil. es eben selbstverständlich ist. Da .giebt es nun einige christliche Gelehrte, welche, so viele Verdienste sia auch.haben, engherzig genug sind, eine lebhafte Eifersucht gegen alle jüdischen Autoren zu empfinden, und als ob sie. sich bereits von. ihnen überflügelt glauben, sie zu. unterdrücken, niederzuschlagen, das. allgemeine.Urtheil - gegen sie zu..leiten suchen. . Vor Allem giebt sich hierin Ewald.die größten Blößen. Niemand unter uns? verkennt hie Verdienste