Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1861)
- Date
- 1861-06-11
- Page
- Seite 338 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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segnet«:, nachhaltige und zuletzt von Allen anerkannte Wirksamkeit haben. —... Dies im großen Ganzem Was nun die, seelsorgerische Thätigkeit im Einzelnen betrifft, so möchte ich durchaus m<J)t an: Stelle des „Geh immer gerade aus" der sogenannten Pastoralklugheit das Wort reden. Es ist damit ein: gefährliches Ding, wo Klugheit und Verschmitztheit oft gleiche Farben tragen. Meint erst das Publikum von seinem Geistlichen, daß er „ein kluger Kopf"-seiso wird man ihn leicht auch für einen listigen Kopf halten, und damit wäre das rechte Vertrauen verloren und das Reich der Auslegung für alle seine Handlungen betreten. Vielmehr möchte ich den Satz so stellen: „Zeige in allen Fällen, daß Du ein warmes, fühlendes Herz hast." Dies allein ist es, was durch alle Klippen, durch alle Schwierigkeiten hindurchführen wird. Hier ist es, wo selbst das Zuviel nicht schaden kann, was bei der Klugheit so gefährlich ist. Man darf nämlich nicht vergessen, daß es vorzugsweise Sachen des Herzens sind, welche die seelsorgerische Thätigkeit in Anspruch nehmen, und daß nichts wahrer ist, als daß das Herz immer den Weg zum Herzen findet, während de«: Weg zum Verstände zu treffen auch dem klarsten und erfindungsreichsten Verstände unmöglich ist, weil zuletzt noch immer Herz vorhanden, wo von Verstand kaum noch eine Spur. Ich könnte hiermit schließen,'will aber dennoch noch eine Bemerkung hinzufügen. Nichts macht dem geistlichen Lehrer seinen Pfad schwieriger, als die Furcht vor hierarchischen Gelüsten, die einmal in den gegenwärtigen Menschen vorhanden ist. Haben wir mit dieser Furcht schon in den Gemeindeangelegenheiten zu kämpfen, so darf man sie noch weniger bei der seelsorgerischen Thätigkeit außer Acht lassen. Ich will hier nicht untersuchenwie weit diese Furcht begründet ist, oder durch die Handlungsweise vieler gegenwärtiger Rabbinen genährt werde: sie muß uns vorsichtig machen und von jeder Einmischung in Familienangelegenheiten zunückhalten, wo wir nicht aufgefordert- oder durch die wohlverstandene Pflicht gebieterisch genöthigt werden. Denn hält erst der gewöhnliche-Mann seinen Geistlichen für zudringlich, so ist dem Einflüsse desselben von vornherein die Spitze abgebrochen. Jedenfalls aber müssen wir uns immer bereit, immer zugänglich erweisen, wo auch nur ein leiser Wunsch nach uns rege wird. Ich fühle es sehr wohl, lieber F., daß diese meine Antwort auf Ihre Frage noch sehr lückenhaft ist. Vielleicht sammle ich einmal die vielfachen Erfahrungen, die ich in meiner Amtsthatigkeit gemacht, und die vielleicht durch. Thatsachen besser belehren, als durch alle theoretischen Auseinandersetzungen. Allein Sie wissen , daß ich gern gebe, was ich gebe,, und niemals, glaube, genug gethan zu haben. Damit wollen wir -uns Beide auch: heute zufrieden geben. Aus Nordamerika. Magdeburg, 4. Juni. Dem zukünftigen Geschichtschreiber der Juden wird es nicht so leicht werden, wie dem Historiker des jüdischen Mittelalters, der nur immer einen und denselben Gegenstand mit veränderten Localitäten und Personennamen abzuspinnen hat. Wo wäre jetzt ein Ereigniß, bei welchem die Juden nicht eine Rolle spielten, so daß der Geschichtschreiber die Zeitverhältniffe ‘ unb Ereignisse aller Weltgegenden zu betrachten haben wird. Wir haben in dem traurigen Drama, welches jetzt in den veruneinigten Vereinigten nordamerikanischen Staaten aufgeführt wird', schon einige Juden auftreten sehen, und während die große Mehrheit unserer: Glaubensgenossen stch für die Auftechterhaltung der Union und die Bekämpfung der Sclaverei begeistert zeigen, und selbst innerhalb der abgefallenen Staaten Verlust und, Gefahr ertragen, erklärte sich der Senator Benjamin, für die Secessionisten und der Prediger Raphall argumentirte für die Sclaverei. Heute liegt uns ein weiteres Factum vor. Die „New-Porker deutsche Handelszeitung" vom 8. Mai berichtet: „In Westpoint, Georgia, hat sich eine Compagnie jüdischer Rebellen gebildet und, den Eid geleistet, ihr Banner aus das, Capitol in Washington zu pflanzen oder in dem Versuch zu sterben. Bei aller Liebe zu unfern Glaubensgenossen, fügt der Redacteur hinzu (Herr Meyer ist Jude), müssen wir doch wünschen, daß sich die zweite, Alternative dieses Eides erfülle." . Wir werden bei Lesung dieser Worte zu der Frage veranlaßt: ob dieses. Häuflein, n das w sich da verschworen hataus lauter jüdischen Banquiers bestehe, die in die-- ser großen Unionskrise: den Schauplatz zu ihren Spekulationen und das bis.- jetzt: erschwindelte-Geld verloren haben, so daß daher -ihre Wuth stammt? Denn würden sie sich nur ein wenig als Juden fühlen, so. müßten sie sich sagen, daß sie erstens eine Untreue -gegen - ihre Religion üben, welche sie gegen; das Scl-aventhum zu - agiren verpflichtet, zweitens die größte Undankbarkeit gegen die Union, welche zuerst auf diesem Erdenrund die Gewissens-