Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Ar. K. Elsaß: Gibt es rinr jüdische Religion oder mehrere? und sein Werk von den Talmudgrößen der Zeit in Acht und Bann getan. In ihrer ungebrochenen Glaubenseinfalt, jeder geschichtlichen Erkenntnis bar, glaubten die Talmudheroen, wie Ezechiel Landau, pirsch Lharif, Rafael Rohn, durch ihren Bannfluch jene Lebensmächte aufhalten zu können, die an den Toren des Ghetto pochten. Ihr Prinzip „der Unveränderlichkeit" drängte einen großen Teil der Gebildeten aus dem Judentum heraus. Der dürre, trockene Formalismus des „Minhagjudentums" hatte auch in Polen eine Reaktion hervorgerufen, und den Lhassidjsmus mit seinen exaltierten Andachtsübungen und phantastischen Spekulationen zur Folge gehabt. Der Chassidismus, der mit der traditionellen gottesdienstlichen Ordnung bricht, hatte nach K.'s Meinung auch eine „Reform", durchgeführt, die vom lurjanischen Geiste getränkt ins phantastische sich verlor. In Deutschland beginnt man den Gottesdienst von ^ästhetischen Gesichtspunkten umzugestalten, deutscher Gesang, deutsche predigt wird eingeführt. Doch solcher Reform tritt — die preußische Regierung in den Weg. Sie fühlt sich berufen, wie K. sarkastisch bemerkt, den Jargon zu schützen und darüber zu wachen, „daß der arme pittum hakatoreß nicht zu Schanden werde". Akiba Eger, Mordechai Benet und Moses Sofer hatten ja „den Jargon" als die allein „koschere" Sprache erklärt, die von frommen Juden gesprochen werden dürfte. Wer „deutsch" sprach, galt in ihren Augen für das Judentum verloren. „Die Gestaltung des Lebens der Juden in ihrer Zeit sollte für alle Zeit und Ewigkeit unveränderlich und unverändert bleiben." Wirklich sind dje letziwilligen Anordnungen des Thaßam Sofer, der jede Berührung mit moderner Bildung und Kultur xerhoreszierte, für die bildungsfeindliche ungarische- Orthodoxie zur Richtschnur geworden und gaben den Anstoß zu Beschlüssen, die im Jahre ^865 von 80 Rabinern gefaßt und unterzeichnet wurden, hiernach ward für „ewige Zeiten" verboten, in einer Spracheanderer Völker zu predigen und solche predigt anzuhören. Man dürfte nur in dev Sprache der im Lande wohnenden „koscheren" Juden Reden halten. Es sei verboten, die Gebete und Gesänge von Thören vorgetragen anzuhören, einen Thortempel zu betreten, dahin selbst vor dem Feinde oder dem Biß einer giftigen Schlangezu flüchten, denn es seien fallen der Gottesleugner und alle diese Reuerungen fallen unter den Begriff des „Götzendienstes". Diese und ähnliche Bestimmungen bilden die Verfassung der ungarischen Orthodoxie. — Welch andere Gestalt und Prägung, hatte doch inzwischen die Orthodoxie in Deutschland genommen. Hier ward, der Grund zur jüdischen Wissenschaft durch Leopold Zunz gelegt, der das Gesetz der geschichtlichen Entwicklung erkannte, auf wissenschaftlich-kritischer Grundlage baut A. Geiger die jüdische Theologie an, und sein einstiger Schulgenosse, S. Rafael pirsch wird der Bannerträger der nach moderner Bildung strebenden deutschen Orthodoxie. — Wie wäre es wohl S. R. fjurfd* ergangen, wenn Thaßam Sofers Jünger von seinen Schriften Kenntnis erhalten, hätten. Als Israel Hildesheimer die Errichtung eines Rabbinerseminars für daskonservative Judentum ins Auge faßte, da hatte ein anderer Sofer, Thajim aus- Munkacs über ihn das liebliche Urteil gefällt „Er sei gottlos, stehe in Satans- Diensten, sein ganzes Sinnen sei, dir Thora zu entwurzeln, Abtrünnigkeit und- Unglauben in Israel zu mehren." — Beinahe so lieblich wie das Urteil des fjcrrit Dr. Wohlgemüth über die „Richtlinien" und-