Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. K. Elsaß : Gibt rs eine Mische Religion oder mehrere? 127 Teilen der polnischen und ungarischen Orthodoxie nicht gewichen. —- Lin anderes Gepräge als in Deutschland zeigt die Iudenheit Spaniens, Italiens nnd Frankreichs im Jahrhundert. Selbst Hie Vertreter der Kabbala streben eine gewisse Modernität an. Die Philosophen Joseph Kaspi, Joseph Tob-Llem, Maestro Vidal und Levi b. Gerson sind kritisch gerichtete Denker, die trotz des Barzelonasr Therems für die pflege der Wissenschaft >eintraten. Auch die Vertreter des Talmuds, ein Jesaja da Trani, Isak Barfat, Lhajim -Galipapa, haben Verständnis für das, was außerhalb der „vier Lllen" der Halacha liegt. Auch im J5. Jahrhundert treffen wir -auf eine Reihe gebildeter Talmudisten, wie Simon Duran, Salomon Duran, Josef Kolon, Juda Minz. Ls treten Apologeten -auf, die mit den Waffen der Wissenschaft die Angriffe auf das Judentum zurückzuweisen in der Lage sind, wie Profiat Duran, Lippmann aus Mühlhausen, während die Philosophen den orthodoxen Glauben sstandpunkt vertreten und begründen, wie Thasdai Lrescas, Josef Albo und Josef ibn Schemtow, bei denen der Linfluß der .christlichen Scholastik sich geltend macht. Die religiösen Gebräuche erhalten einen sakramentalen Charakter, die Erlösung der Seele, die ewige Seligkeit stehen im Vordergrund Her religiösen Probleme. Der Humanismus gibt den Anstoß zur <isthetischen 'Würdigung biblischer Schriften Hürch Juda Messer Leon und zur religionskritischen Arbeit des Llia Delmedigo. Gegen Messer Leon tritt im Namen der Tradition .Josef Kolon in die Schranken, während gegenüber Delmedigo Juda Minz den -Talmud deckt. Die geschichtliche Erkenntnis und der Forschungstrieb erwacht in Europa und hat -auch in der Iudenheit im 16. Jahrhundert bedeutende Vertreter in Elia Levita, der die kritische Meinung wagt: Das Interpunktationssystem sei jüngeren Datums, und in Asarja de Rossi, der philo entdeckt und in seinen Septuagintastudien manche traditionelle Annahme über den Kaufen wirft. Verfasser führt uns dann die einzelnen Typen der Juden Hollands, jener flüchtigen Marranen, vor, die ohne Kenntnis des Judentums von inneren Gefühlsmomenten geleitet, unter Gefahren zum Judentum zurückgekehrt waren, und schildert uns die Talmudschulen Polens und ihre Größen, die von einem ganz anderen Geiste durchtränkt waren. Inzwischen entwickelt sich in Palästina die lurjanische Kabbalah, die „neue Dogmen, neue Minhagim, neue Sakramente" schafft. Isak Lurja wird Vorläufer des kommenden Messias. Nicht nur die Massen, sondern auch führende Geister erliegen der suggestiven Macht der messianischen Schwärmerei, als Sabbatai Z'wi auftritt, und selbst sein feiges Ueberläuferüun hatte den Glauben an seine Messianität nicht ganz entwurzelt. Das wissenschaftliche Streben im Jahrhundert wird immer mehr eingeengt, und regt sich nur in einigen wenigen, wie Leon Modena, Josef Delmedigo und Simeone Luzatto. Eine Regeneration, eine Verjüngung des jüdischen Geisteslebens wird in Deutschland durch Moses Mendelssohn angebahnt, der ein neues jüdisches Lebensideal in sich verkörpert. Er ist ein . streng religiöser Jude und dabei Mitarbeiter an der deutschen - Kultur und Philosophie. Er war beides, Jude und Deutscher, und wird so zum Vorbild der späteren Lebensgestaltung der Juden in den Ländern, in denen sie das Staatsbürgertum erlangten. Als Mendelssohn die deutsche Uebersetzung der Thora veröffentlichte, ward er