Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 53 (sequence 29)
- Language
- German
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53 geschichte der Juden in Italien. Außer dem ebengenannten firhrt uns S. Bernfeld noch drei andere kämpfende Geister innerhalb des neuen Judentums vor, deren Lebensschicksale er in interessanter Weise darstellt. Die Biographie einer der letzten großen Vertreter des althergebrachten Talmudstudiums in neuerer Zeit, des berühmten und frommen Akiba Eger, dessen Leben selbst schon vom Glorienschein der Sage umflossen ist, hat L. Wreschner geschrieben. Den Uebergang zur neuen Zeit bildet eine wertvolle Publikation zur Lebensgeschichte von Leopold Zunz, dessen Briefe an den Hamburger Bibliographen H. Michael der unermüdliche A. Berliner herausgegeben hat. Einen Vertreter des modernen Judentums, der zu Zunz vielfach in direktem Gegensatz stand, nämlich Samuel Holdheim, hat anläßlich seines 100. Geburtstages David Philipson gefeiert, einen hervorragenden amerikanischen Arzt und Universitätslehrer Aron Friedenwald, der auch ein begeisterter Jude war, hat sein eigener Sohn treffend charakterisiert. Mit Recht bemerkt ein Beurteiler anläßlich einer Besprechung dieser interessanten Arbeit, daß nichts so sehr die Literatur der Juden kennzeichne als das vollständige Fehlen des persönlichen Moments in derselben. „Nur äußerst selten gewährt uns der Talmud Einblicke in das tägliche Leben seiner Heroen, höchstens werden uns hie und da die Handlungen der Großen ihrer persönlichen Form entkleidet als „Norm" geschlossen hingestellt. Die nachtalmudische Literatur hat trotz ihrer Fülle und Mannigfaltigkeit nur das Sachliche, beinahe niemals das Persönliche zum Gegenstand, abgesehen von dem kabbalistisch-chassidischen Kreisen, für die das „Beten" ihrer Führer von fundamentaler Bedeutung war, scheint bei den Juden kein besonderes Interesse an Persönlichem existiert zu haben. Unsere ungenügende Kenntnis der jüdischen Geschichte ist teilweise darauf zurückzuführen, daß wir beinahe nichts von der Persönlichkeit der schöpferischen Kräfte in Israel wissen. Man muß darum denen aufrichtig dankbar sein, die sich in neuerer Zeit bemühen, diesem Mangel abzuhelfen". Besser geht es schon mit den Persönlichkeiten, die 4