Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 54 (sequence 30)
- Language
- German
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54 zwar aus dem Judentum hervorgegangen, aber zumeist auf anderen Gebieten Bedeutendes geleistet haben. So gewährt uns ein Buch von Ellen Key über Rahel einen fesselnden Einblick in die vielfach bewegte Zeit der Berliner Salonperiode, in der die geistreichen Jüdinnen eine so große Rolle gespielt haben. In die Literaturperiode, welche die Salonherrschaft ablöste, leitet uns A. Bettelheim mit seinem lang erwarteten Buche über Berthold Auerbach. Auerbach wird uns als Mensch, als Dichter und als Jude von einem Literarhistoriker vorgeführt, den er selbst nicht nur zu seinem Testamentsvollstrecker, sondern auch zu seinem Biographen auserkoren. Das Heimatsdorf Nordstetten, die Talmudschule in Hechingen, seine ersten Romane, seine vielfachen Beziehungen zu jüdischen Gelehrten und Schriftstellern und nicht zuletzt die traurigen Erfahrungen am Ende seines Lebens ziehen das Interesse am meisten an. Auerbach führt bekanntlich selbst seinen Stammbaum aus Rabbi Meir von Rothenburg zurück. Er war nicht wenig stolz auf diesen vom Mythus eingehüllten Ahn, „dessen sich jedes stolze Ahnengeschlecht rühmen durfte." Die jüdischen Eindrücke sind am stärksten in der Jugend. Hier weiß Bettelheim sehr viel Neues aus dem bisher ungedruckten Nachlaß mitzuteilen. Großen Einfluß hat auf den Knaben sein Lehrer Bernhard Frankfurter, der Bruder des ehemaligen Hamburger Tempelpredigers gehabt. Später bis zum Tode hatte noch größeren Einfluß Dr. Jacob Auerbach in Frankfurt a. M. Daneben verkehrte er vielfach mit Rabbinern, mit Millstätter, Randegger, N. Frankfurter, vor allem aber mit Abraham Geiger, dem er auch bis zum Lebensende treu blieb. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß Auerbach noch in seinen letzten Lebenstagen sich mit dem Plan zu einer jüdischen Geschichte getragen hat; sie war bald oder „Gottespsennig", bald „Ben Zion" betitelt. Einzelne fertig vorliegende Kapitel lassen Gang und Bedeutung der Arbeit leider nicht mehr erkennen. Merkwürdig und echt im Geiste Auerbachs ist die Episode von dem Friedhof im Judendorf. Die Alten sind aus-