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Die Wahrheit · 1929-05-24 · Heft 21 (24.5.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 ausdrücklich festzustellen, daß die Preisträger auch der Konfession angehören dürfen, aus der die Preisstifter hervorgegangen. Es wäre wirklich unvorsichtig, wenn jüdische Freunde der Wissenschaft in unseren Tagen bei ihren Stiftungen diese Vorsicht außeracht ließen. Ego. Iggerot Soferim. (Verlag Josef Schlesinger, Wien 1929.) Im Gegensatz zur biblischen und talmudischen Zeit verhielt sich das Judentum während des ganzen Mittelalters fast gleichgültig gegen das persönliche Moment im Leben seiner großen Männer. Der gewaltige Druck, der auf den jüdischen Massen lastete, hatte nivellierend gewirkt, so daß den Erlebnissen des einzelnen Individuums sowie den mündlichen und schriftlichen Aeußerungen persönlicher Natur fast gar keine Beachtung geschenkt wurde. So lebten die Autoritäten nur in den Titeln ihrer Werke fort, nach denen sie benannt wurden, oder ihre Namen wurden durch Abbreviaturen in sachlich anmutende „Formeln" umgewandelt. Selbst die wichtigsten Briefe und Dokumente" der größten Gelehrten verschwanden bald, es sei denn, daß sie religiöse oder rituelle Entscheidungen enthielten, so z. B. Maimonides „Iggeret Haschemad" oder die zahlreichen „Fragen und Antworten" (Schelot-Teschuwot) als Responsenliteratur. Erst die Neuzeit brachte hierin Wandel. Als der erdrückende Bann, der über dem Judentum lagerte, allmählich zu weichen begann, wandten sich Aufmerksamkeit und Forschung den persönlichen Erlebnissen dar früheren Führer zu. Salomon Juda Rapoport in seinen mosaikartig zusammengefügten Biographien der G a o n i m und Leopold Zunz in seinem tiefschürfenden Raschiwerke gaben für die schnell anwachsende Anzahl jüdischer Historiker die Vorbilder ab. Aber auch die führenden jüdischen Männer des 19. Jahrhunderts selber fanden — kaum daß sie die Augen geschlossen hatten — liebevolle und eingehende Würdigung ihres Erdenwallens und -wirkens in größeren oder kleineren Monographien und Biographien, wobei auch nicht selten die in den verschiedenen Zeitschriften enthaltenen Aufsätze gesammelt und ihre verstreuten Briefe der Oeffentlichkeit übergeben wurden. Dieser Vorgang fand aber nur in neologen Kreisen Uebung und Anwendung. Die Orthodoxie betrug sich fast durchgehends gegen diese „Spielerei" ablehnend und wollte ebensowenig die Porträtierung, wie die literarische Wiedergabe einer Persönlichkeit gutheißen. Eine erfreuliche Aenderung ging nun hierin gerade von einer Seite aus, die einwandfrei als der Hort der Strenggläubigkeit gilt: der Familie Sofer-Schreiber. Rabbiner Salomon Schreiber in Beregszasz hatte bereits vor Jahrzehnten (1887) in einem Werke (Chut Hamschulosch) den Versuch unternommen, den Lebenslauf seiner Ahnen, des berühmten Rabbiners Aluba E g e r in Posen, des noch größeren Schwiegersohnes desselben, Moses Sofer in Preßburg, und dessen bedeutenden Sohnes und Nachfolgers Benjamin Sofer zu schildern. Obschon vom historischen Standpunkt aus manches über die Durchführung der Arbeit zu bemerken wäre, darf dennoch die Schrift als ein dankenswerter Beitrag zur Geschichte der Neuzeit bezeichnet werden. Von weit höherem Niveau ist die letzte Edition des Autors. In Anspielung auf die S. Grüners 303 Restaurant iL, Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 Vorzügl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. Namen Eger und Sofer nennt er sein Buch Iggerot Soferim und veröffentlicht in demselben 242 Briefe und Dokumente verschiedener Art. Rabbiner Akiba Eger tritt uns in demselben nicht bloß als ein heftiger Rufer im Streite gegen die Reform auf (S. 47 u. a.), wir sehen ihn auch in allen seinen menschlichen Zügen. Wir lesen einen Brief, an die Vorsteher seiner ersten Gemeinde, Märkisch-Friedland, gerichtet, worin er klagt, daß sein Einkommen nur zwei Drittel seines Hausbedarfes decke und er demgemäß um Erhöhung seines Gehaltes ersuchen müsse (S. 7). Wir erfahren schließlich auch, daß er die Aufgabe des Rabbinates als zu schwer für seine Schultern finde und einen seiner früheren Schüler bitte, ihm die Möglichkeit zu verschaffen, das Rabbinat gegen das Amt eines einfachen Lehrers vertauschen zu können (S. 12). Die Wiedergabe der seelischen Vorgänge im Innern dieses integren großen Mannes — die sich häufig auch jetzt bei den Trägern des Rabbinates, sei es moderner, sei es orthodoxer Richtung, vorfinden — Ist beachtenswert. Von anderem Formate sind die Schreiben des Rabbiners Moses Sofer, eine Persönlichkeit, die nicht bloß als talmudische Koryphäe, sondern auch als taktisch klug vorgehender Mann faszinierend wirkte. Interessant sind die Empfehlungsschreiben für seine Schüler, die auf die Wanderung sich begeben und in welchen er Bemerkungen gegen die „Irrlehren der Zeit" einzuflechten nicht unterläßt. Lesenswert die Briefe von Hambarg, Nikolsburg, Triest, Amsterdam, die an Moses Sofer gerichtet, von ihm Rat und Unterstützung im Kampfe gegen die „Neuerer" suchen. Von tiefer Menschenkenntnis, aber auch voll grollender Drohung ist ein Mahnschreiben an einen gewesenen Schüler (S. 101, II. Abt.). Dieser hatte gegen den allgemein verehrten Rabbiner Juda Ossad respektlos Stellung genommen. Der Lehrer und Meister R. Moses Sofer erklärt, man mache ihn für die Ueberhebung seiner Schüler und Brüskierung anderer Gelehrter verantwortlich, weshalb er ihn bitte, Frieden zu halten. Die Briefe von und an Rabbiner Benjamin Schreiber in Preßburg und an den auch politisch tätigen Rabbiner Simon Schreiber in Krakau, eine Zeitlang Reichsratsabgeordneter, bieten eine Fülle von Hinweisen auf die Zeitgeschichte. Die Versammlung der Reformer in Braunschweig (1845), die Bildung selbständiger orthedoxer Gemeinden in Frankfurt a. Main und in Großwardein, der Kampf zwischen dem neologen Verein „Schomer Israel" in Lemberg und der orthodoxen Vereinigung „Machsikei-Hadas" in Galizien, sie alle finden ihr kräftiges unmittelbares Echo in den abgedruckten Briefen. Der geschätzte Herausgeber dieser Briefe, die mit Randglossen, Bildern und Faksimilien versehen erschienen sind, meint in der Einleitung, daß nach seinem Dafürhalten „ein ähnliches Werk in der jüdischen Literatur nicht vorhanden sei". Dieser Behauptung wäre nicht ganz zuzustimmen, da die Neuzeit mit der Herausgabe von Briefen jüdischer Koryphäen, wenn auch anderer Richtung, nicht gekargt hat. Wohl aber ist die Erwartung des Autors vollauf berechtigt, daß das Buch jedem Forscher und Leser viel Wissenswertes zu bieten vermag und es so noch meinerseits im Anklang an eine Stelle im Talmud (Moed Katon 18b) hinzufügt, daß die Iggerot Soferim-Iggerot Schum, d. h. Briefe von schätzbarstem Werte darstellen. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detail verkauf zn Fabrikspreisen! Herrenanzug nadi Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ 150.— Henrenkose „ „ 48.— feinst ausgeführt ZeltsemSBe Zahlungsbedingungen! Kein Kalifwang t Freie Besichtigung!

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