Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Dlfe WAHRHEIT rt9\^^^Mchimcaai\) ^L^fe^poHkr^ WientJ dct Unicn clcutfchcstevveicKifcKev Juden?W»Wid^«ftg9frtt Wie&l&^evqqasM 4t TeUfc^ti^-n Veranstaltungen der „ Union" Die Ortsgruppe Leopoidstadt der „Union deutschösterreichischer Juden" hielt am 15. Mai laufenden Jahres ihren dritten Sprechabend im Restaurant S. Deutschberger ab. Herr Dr. Ernst Feldsberg referierte über die Ziele der „Union" und führte folgendes aus: Es ist notwendig, daß die innerhalb der Wiener Judenschaft bestehende Zerklüftung dadurch beseitigt werde, daß man eine gemeinsame Plattform suchen müsse, um alle Juden Wiens zu vereinigen. Die einheitliche Front der Wiener Juden werde auch imstande sein, die volle Gleichberechtigung der Juden in diesem Staate, die bisher in manchen Fällen nur eine verbriefte war, zur Tatsache zu machen. Es sei daher Zweck der „Union", die energische Verteidigung der verfassungsmäßigen Rechte der österreichischen Juden unter Ablehnung jeder Sonderstellung, die Wahrung der allgemeinen und politischen Rechte jedes einzelnen Juden, die Aufklärung und Beseitigung der über das Judentum verbreiteten Irrtümer und Vorurteile und die Bekämpfung der auf Verschärfung der konfessionellen und Rassengegensätze gerichteten Bestrebungen. Es sei Pflicht der „Union", zu allen das Judentum berührenden Angelegenheiten des öffentlichen Lebens durch Vorträge, Versammlungen, Petitionen u. dgl. Stellung zu nehmen. Jeder Jude ohne Unterschied seiner politischen Einstellung kann für diese gemeinsame Interessenwahrung der Wiener Judenschaft eintreten. Es liegt wohl jedem Juden ferne, das palästinensische Aufbauwerk zu bekämpfen, wohl aber müsse die Nationalisierung der Juden in diesem Staate zurückgewiesen werden, da wir Juden die Kultur dieses Staates angenommen haben, die Pflichten in diesem Staate als Bürger erfüllen und daher auch ein Recht haben, volle Rechte eines Bürgers in diesem Staate zu genießen. Es wäre Sache der gesamten Judenschaft, offen zu erklären, daß sie mit jenen Juden nicht gemeinsame Sache machen wolle, die offen Formationen und Bestrebungen mit ihren Geldern unterstützen, die die Träger des Antisemitismus sind, es sei aber ebenso Pflicht der Wiener Juden, zu erklären, daß sie auch diejenigen Juden nicht als zu ihnen gehörig ansehen, die offen zum Abfall von der Kirche hetzen. Der Redner beschäftigte sich dann noch mit der Frage der Wahrung der Rechte jener heimatlosen Glaubensbrüder, die, aus antisemitischen Motiven als Zugehörige ihrer Heimat verleugnet, wie ein Freiwild in den Staaten herumirren und keinen Platz finden, um ein ruhiges Leben führen zu können. Der Redner berührte in seinen Ausführungen auch die durch den Internationalen Tierschutz- Kongreß wieder aktuell gewordene Frage des Schächtverbotes. Hinter dieser Aktion steht bestimmt eine Art Antisemitismus, da die Beratung nicht mit jener Objektivität geführt wurde, die notwendig ist, um eine solche Frage, die bei einem Großteile der Judenschaft eine Lebensfrage ist, zu behandeln. Es wäre Pflicht der im Vorstand des Tierschutzvereines sitzenden Juden gewesen, die Rechte ihrer Glaubensbrüder zu wahren und zu vertreten. Es wäre ihre Pflicht gewesen, in dieser Frage vor allem die Kenner der Schlachtungsvorschriften zu befragen. Es gibt viele Fürsprecher des Schlachtens, es gibt ebenso viele Gegner des Schlachtens, aber es gibt jedenfalls unter den Gegnern des Schlachtens einen großen Teil, die nur aus antisemitischen Gründen Gegner des Schlachtens sind. Zum Schlüsse besprach der Redner noch die Notwendigkeit des Religionsunterrichtes als die einzige Quelle der ethischen und moralischen Läuterung der Juden. An diese Ausführungen knüpfte sich eine eifrige Diskussion, die sich auch mit den Verhältnissen an den Wiener Hochschulen beschäftigte. An der Diskussion beteiligten sich insbesondere die Herren Kommerzialrat Gustav StÖssler, Leopold Kammer, Herbert Stein, N. Schlesinger, Hans Arnstein, Sigmund Ernst, Ing. Hugo Koditschek, Edmund Hofmann, Heinrich Glaser und Felix Wachsb e r g e r. Im Schlußworte führte Herr Regierungsrat Dr. Max Lenk die Notwendigkeit der Ausbreitung des „Union"-Gedankens gerade in den Kreisen jener Juden aus, die vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht den Mut besitzen, sich offen zur „Union" zu bekennen. Herr . Oskar T o n e 11 o führte wie immer in ausgezeichneter Weise den Vorsitz und griff selbst wiederholt in die Diskussion ein. Marienbad Franzensbad Grand Ttestaurant „TürstenQof \ I 1^ streng orthodoxe Küchen^ SlfHOH Rddb 1^ streng orthodoxe Kfiche nt^2 j %f$fALfäNATT„GoföenerSc0fQsset