Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 561 Der jüdische Humor wäre nicht, was. er ist, wäre er an dem Narrenmotiv achtlos vorübergegangen. Erst die Chelmer Neronim, mit denen die „Posener Neronim" aufs engste verwandt sind, setzen das I-Tüpferl auf den jüdischen Witz. Ziteratur. Lassalle, ein Leben für Freiheit und Liebe ist der Titel des neuen epochemachenden Romanes, den Alfred Schirokauer bei R. Bong in Berlin erscheinen ließ. Man liest auf dem1 Titelblatt: „Erstes bis fünfzehntes Tausend“, und fragt sich zweifelnd: Wird es zu dieser hohen Auflage kommen? Nachdem man das Werk gesehen, zweifelt man nicht mehr daran. Lassalle, der Volksbeglücker, der Autor des Heraklit, wird uns im Verkehr mit hervorragenden Männern und Frauen seiner Zeit geschildert; er weiß sie alle durch die Kraft seines Geistes, durch seine stets siegende Rednergabe in seinen Bann zu zwingen, sich von Freundes- und Frauengunst getragen, eine Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Sein Ideal ist, das Los der Arbeiter zu bessern, einen allgemeinen deutschen Arbeiterverein zu gründen, der für die Einführung des allgemeinen und direkten Wahlrechtes in allen deutschen Ländern agitieren soll. Diesem Ziel weiht er sein Leben, ihm opfert er Euhe und häusliches Glück. Meisterhaft ist sein Streben geschildert, die Arbeiter der hohen Aufgabe, die er sich gestellt, entgegen zu führen. Lassalles Verkehr mit der Gräfin Hatzfeld, mit Ludmilla Assing, mit Helene v. Döniges ist oft geschildert worden; wohl nie so wahrheitsgemäß wie in dem vorliegenden Eoman; der Feuergeist dieses Volkshelden wollte, konnte sich nicht in die engen Fesseln eines Liebeslebens bannen; sein Wirken gehörte der Allgemeinheit. Männer wie Dunker, Humboldt, Dohm, Bücher, Marx, Schulze-Deutsch, Bebel werden uns wahrheitsgetreu in dem Romane vorgeführt und erregen Interesse; sie alle nehmen lebhaften Anteil an Lassalles Bestrebungen; wie in einem Wandel-Panorama sieht man die bedeutenden Männer der 60er Jahre vorüberziehen; aber die ehemaligen Freunde bleiben dem Volksbeglücker Lassalle nicht treu, als er, mit Bismarck gemeinsame Sache machend, der Fortschrittspartei entgegentritt. Fesselnd ist die Szene geschildert» in der Lassalle den Grafen Bismarck für seine Idee zu gewinnen sucht. „Geben Sie uns das allgemeine, direkte Wahlrecht, so bürge ich Ihnen für die Stimmen sämtlichen Arbeiter des Deutschen Reiches,“ sagt Lassalle selbstbewußt. „Das möchte Ihnen wohl passen,“ erwiderte Bismarck; „nee, is nich, lieber Doktor; Wahlrecht is nich!“ Und als Lassalle sieht, wie sein Lebenswerk, dem er alle seine Kräfte geweiht, überall auf Widerstand stößt, wie selbst seine Parteigenossen von ihm abfallen, wird er mutlos; auch seine Geliebte, die schöne Helene Döniges, verläßt ihn; ein Duell endet das hoffnungsreiche Leben des genialen Volksmannes, dessen Charakterbild der Autor meisterhaft zu malen verstanden hat. J. Barber. P. Wiernik, History of the Jews in America, New- York, 1912.' The Jewish Press Publishing Co., 102 Bowery. Eine gut ausgestattete Zusammenfassung der Riesenarbeit, die das Judentum Amerikas — auch Südamerika wird berücksichtigt — auf den Gebieten öffentlicher Betätigung im Dienste des Vaterlandes geleistet hat. Jeder Jude wird das Buch mit dem stolzen Gefühl lesen: „Alles das vermag mein ewiges Volk, wo es sich frei regen und seine Kräfte ungehemmt entfalten darf.“ Da erfährt man von einer Stadt A,aronsburg, die nach ihrem jüdischen Gründer den Namen trägt (95), von einem Juden, der es bis zum Gouverneur eines der Vereinigten Staaten gebracht hat (144), von hohen jüdischen Offizieren in Landheer und Marine, von hohen Richtern und Politikern, vor allem von einer beispiellosen sozialen Fürsorgetätigkeit. Selbst diese schlicht aneinander angereihten Daten hauchen die Wärme der Bewunderung, wenn nicht der Begeisterung, ein. M. , B. Planer, Die notwendige Vorbereitung für eine gute Erziehung. 2. vermehrte Auflage. Wien 1912. Verlag Julius Herz. Preis K 1.—. Billig, wie früher der Titel eines „Professors“, eines „Colonels“, „Direktors“ und dergleichen mehr*, ist jetzt der des „tüchtigen Pädagogen“ geworden. Wem man sonst an Prädikaten keines nachrühmen kann, den stempelt man in gewissen Kreisen taxfrei zum „ausgezeichneten Schulmann“, so daß die nicht nur berufliche, sondern wirklich berufene Lehrerschaft, will sie nicht in Mißkredit geraten, gegen solche Schoßanhängsel ihrer an sich so ehrsamen Gilde energisch Front machen sollte. Um so freudiger begrüßt man eine literarische Erscheinung, wie dieses Heftchen, daß sich so bescheiden gibt, aber in wenigen kernigen Sätzen so viel gesunder, praktisch erprobter Erziehungsweisheit konzentriert, daß es keine junge Mutter geben sollte, die es nicht immer und immer wieder läse, nicht wie mit einem Morgengebet mit diesem unübertrefflichen Berater an die Mutterpflichten des neuen Tages heranträte. Der Verfasser, dessen Ruf als Leiter eines unserer bekanntesten Erziehungsinstitute wohlbegründet ist, zeigt hier ohne protzigen Zitatenschwulst seine intime Vertrautheit mit der neuesten psychologischen und pädagogischen, Literatur, erteilt aber auch Winke und eröffnet Gesichtspunkte, die offenbar originell, sein geistiges Eigentum sind, und die das Buch für jedermann zu einer lehrreichen Lektüre machen. Denn wo lebt der Sonderling, den das Problem „des Kindes“, das Geheimnis des Werdens und Förderns unserer Seelenkräfte, mit einem Worte „der Mensch“ nicht irgendwie zu interessieren imstande wäre. Und vieles in diesem Schriftchen betrifft nicht nur das Kindesalter vor der Schulzeit, sondern kann sehr wohl auch noch für eine spätere Periode berücksichtigt werden. Wir empfehlen das Büchlein allen, denen das Wohl ihres Kindes ernstlich am Herzen liegt. Hier spricht ein wirklicher, „tüchtiger Pädagoge“. 8. H. Eiden, Jahrbuch der Erfindungen, Teschen 1913, Karl Prohaska. Preis Mark 1,50 (K 1,80). Dieses Jahrbuch muß jeder lesen, der einigermaßen über die Fortschritte der Technik unterrichtet, d. h. zu den Gebildeten gezählt sein will. Sie erfüllen ihre Aufgabe Vortrefflich. M. Dr. Max Grunwald. Die Feldzüge Napoleons nach Aufzeichnungen jüdischer Teilnehmer und Augenzeugen. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler. 1913. Preis K 4.50. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann. 57. Jahrgang. Heft 5/6. Mai—Juni 1913. Inhaltsverzeichnis: Julius Hessen: Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. — V. Aptowitzer: Christliche Talmudforschung. (Schluß.) — Louis Gin zb erg: Eine unbekannte jüdische Sekte. (Fortsetzung.; — Stephan Braßloff: Ein neuentdecktes Grabgedicht einer römischen Jüdin. — A. Z. Idelsohn: Die Maqamen in der hebräischen Poesie der orientalischen Juden. — Jakob Guttmann: Die Familie Sehemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. (Fortsetzung.) — Leopold Löwenstein: Die Familie Teomim. — Nachbemerkung des Herausgebers. — Reinhold Lew in: Die Judengesetzgebung Friedrich Wilhelms II. (Fortsetzung.) — Besprechungen. — Koebernsche Verlagsbuchhandlung (Barasch und Riesenfeld), Breslau, Schmiedebrücke 17/18. f KrirfKaste«. E. P in HinterbrüHh Wir haben mit Berichten über Kunstausstellungen unangenehme Erfahrungen. Adolf S. in Hohenau. Die Familie des Herrn Dozenten Dr. Paul Cohn stammt aus Deutschland. Aus welcher Ursache das Pseudonym Hohenau gewählt worden ist. entzieht sich unserer Beurteilung. H. S. B. Der 17. Dezember 1900 war am 25. Kislev 5661. N N. Unser Herrgott sieht bekanntlich auf das Herz und nicht auf die Orthographie. Ehrwürde« St. M. Die Erörterungen über die Herkunft des Familiennamens „Weil" fortzusktzen, ist für die Leser der „Oesterr. Wochenschrift" ohne Interesse. L. Stiaßny. Ueber das Uebereinkommen der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Wiener Magistrat wird in der ersten Plenarsitzung ein ausführlicher Bericht erstattet werden. Bis dahin muß das Urteil Zurückbleiben. I. L. in T. Die Hebbel-Liüratur aufzuführen kann doch nicht im Ernst unsere Aufgabe sein. AUFRUF! Die Tochter eines der bedeutendsten und um die Ordnung der Verhältnisse in Jerusalem verdientesten Rabbiners hat in den Wirren der letzten Jahre ihr Vermögen eingebüßt, und weilt gegenwärtig mittellos zum Kuraufenthalt in Karlsbad. Spenden für sie nimmt die Redaktion d. Bl. entgegen.