Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1938)
- Article
- Zur Aussprache des Hebräischen
- Date
- 1938-05-01
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Aronstein: Zur Aussprache des Hebräischen bräischen"1), und Sisters Vorgänger auf dem Berliner Lehrstuhl, der Jerusalemer Professor Dr. N. H. T o r c z y n e r in einer am Jerusalemer Sender gehaltenen Vortragsreihe „Hammiwta ha'allis"2). Die Ansichten beider sollen kurz skizziert werden. Der Ausgangspunkt von Sister wie von Torczyner ist die Feststellung, daß in Palästina beim Lesen unvokalisierter Texte eine große Anzahl von Fehlern gemacht werden und daß selbst gebildete Menschen oft sehr unbedachtsam mit der hebräischen Sprache umgehen. Das erste Problem — so sagt Sister — ist das der Orthographie: die Piene- Schreibung, das heißt die Einführung von Hilfsbuchstaben, wird immer häufiger. Die Wortformen werden unter dem Einfluß der speziellen Entwicklung hebräischer Worte im jiddisch sprechenden Osten und auch aus Analogie zu andern Worten verändert. Solche Veränderungen sind . nicht ohne weiteres abzulehnen: bei den Analogiebildungen z. B., die hauptsächlich von Kindern gebraucht werden, zeigt sich eine lebendige Kraft, die zur Vereinfachung und Abschleifung der Sprache drängt. Am wichtigsten ist jedoch die Frage nach der Aussprache der Konsonanten und der Qualität und Quantität der Vokale. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Dialekten der Juden sind hier besonders groß; 90% der Juden gehören dem europäischen Sprachkreis an, während nur ein kleiner Teil Kehllaute und emphatische Laute besitzt. Eine spezifisch palästinensische Aussprache gibt es nicht; manche Eigentümlichkeiten haben sich entwickelt, doch eine Norm ist nicht da. „Zwar gibt es in Palästina einige sehr geschätzte Gelehrte, die sich einbilden, ein echtes Hebräisch zu sprechen, wenn sie es auf arabische Art aussprechen, indem sie die Aussprache der Kehllaute, der emphatischen Laute, der Qualität und Quantität der Vokale den Arabern nachahmen; von ihrer Wirkung aber in Palästina selbst ist vorläufig nichts zu hören und zu merken." Sister warnt vor der Aufstellung eines normierenden Schemas: „Man möge sich von den Vorurteilen befreien, als ob die tausendjährige Entwicklung der Aussprache des Hebräischen innerhalb der verschiedenen jüdischen Gemeinschaften nur aus Fehlern bestehe." Er glaubt an die lebendige Entwicklung der Sprache, die im ständigen Fluß aus sich schafft und deren Wege nicht vorgezeichnet werden dürfen. „Der jeder jüdischen Gemeinschaft überlieferte Dialekt" ist „die einzig sichere und echte Basis für die Aussprache des Hebräischen". Zu dieser Feststellung kommt Sister nach einer sorgfältigen Untersuchung der Sprachunterschiede, die sich zur Zeit der Septuaginta, der Kirchenväter und des Talmud zeigen. Auch die massoretiscne Überlieferung gibt nicht die gesprochene Aussprache wieder; 1) Berlin, Scholem 1937. 2) „Die fröhliche Aussprache", herausgegeben vom Wa'ad hallaschon, Jerusalem Chanukka 5G97. Das Aprillieft enihieli u. a.: Selbstbewußtsein / Ignaz Maybaum, Der Zionismus als säkularer Idealismus und als religiöse Bewegung / lakob Picard, Erinnerung eigenen Lebens / Max Grunwald, Sieinchen auf Grabmälern / Felix Hepner, Die abessinischen Falascha Im Juniheft schreiben u. a. B. Weinryb, Grenzen der Normalisierung / Hugo Siriemer, Laut und Wort H / M. Y. Ben Gavriel, Mahaschawi und die Landwirtschaft 79