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Der Morgen · 1938-05-01 · Heft 2 (Mai 1938) · p. 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
14 (1938)
Issue
Heft 2 (Mai 1938)
Article
Zur Aussprache des Hebräischen
Date
1938-05-01
Page
80 (sequence 3)
Language
German
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Fritz Aronstein: Zur Aussprache des Hebräischen denn sie besagt nichts über die Aussprache ihrer Verfasser, sondern nur über die Art des Vortrags im Gottesdienst des frühen Mittelalters. Experimente dürfen nicht gemacht werden, und es ist unmöglich zu sagen, wie die Entwicklung weitergehen wird. Völlig anders ist die Torczyner'sehe Arbeit aufgebaut. Zeigt Sister die Hauptprobleme der in Palästina gesprochenen Sprache und ihrer Entwicklung auf, so will Torczyner in leichtem Plauderton Fehler verbessern und seine Hörer und Leser zum sauberen und klaren Lesen und Sprechen bringen. Daß keine Aussprachegruppe und kein Dialekt als „richtig" bezeichnet werden kann, erklärt auch er. Aber da man sich einmal zur sephardischen Aussprache, die wohl am reinsten überliefert ist, bekannt hat, so muß man ihre Gesetze streng wahren. Und zum Unterschied von Sister legt Torczyner großen Wert auf die Aussprache der Kehlbuchstaben und der Aspiraten. Die Unterschiede zwischen K und j?,n und 2, a und n etc. werden genau besprochen, und Torczyner will sie auch sprechen können: 'ajin sei 'alef mit einem „Schlucker", cheth sei he mit einem „Schlucker", teth gleich thaw mit einem „Schlucker" und kof wie kaf mit einem „Schlucker". Darauf müsse in der Aussprache geachtet werden. Und so behandelt Torczyner eine Reihe von Konsonanten (schin, ssin, ssamech; beth und waw etc.), spricht eingehend über die Vokale, über Kürze und Länge, über Einfluß des Akzents, über Wortformen und grammatische Bildungen und versucht, Regeln für den täglichen Gebrauch zu geben. Im Unterhaltungsstil werden Worte und Begriffe des Lebens aufgegriffen und „Felder" aller Art verbessert. Hübsche Denkverse, die jeden Vortrag abschließen, fassen das Gesagte zusammen und prägen es ein. Ohne Zweifel gibt Torczyner ein sehr reiches Material, und er hat recht, wenn er auf vielerlei aus Unbildung und Nachlässigkeit entstandene Mängel hinweist und sie verbessern will. Seine Broschüre ist eine Fundgrube wertvoller Einzelheiten, die dem Lehrer und dem Lernenden helfen können. Doch wird sich die im Lande gesprochene Sprache nicht immer nach den Regeln richten, und die Aussprache- Vorschriflen scheinen etwas übertrieben theoretisch. Wer von uns europäischen Juden kann alle diese Kehl- und Quetschlaute natürlich und ungezwungen sprechen (und auch gezwungen wird es schwer sein)! Sister, der die lebendige Sprachentwicklung als maßgebend anerkennt, scheint den richtigeren Weg zu gehen; denn auch er verlangt eine reine und saubere Sprache und wird die meisten der von Torczyner gerügten Mängel auch nur ungern sehen. Zum Schluß soll noch auf eine Arbeit Torczyners hingewiesen werden, die mit den oben besprochenen Schriften im Zusammenhang steht. Im 4. Heft der „Monatsschrift" veröffentlichte er einen Aufsalz über „Die Aussprache der Begad-Kefat in der Geschichte der hebräischen Sprache". Torczyner kommt bei seiner sehr sorgfältigen Untersuchung zu dem Ergebnis, daß man drei verschiedene Perioden in der Aspiration dieser Laute zu unterscheiden habe, von denen die älteste vorexilische alle Laute unaspiriert sprach. Für die Betrachtung der hebräischen Grammatik ist auch diese Untersuchung sehr wichtig, da jede sprachgeschichtliche Arbeit — besonders wo das Material so schwer zu erfassen ist wie in der hebräischen Sprache — für die Entwicklung der lebendigen Sprache von Wert sein kann. Fritz Aronstekl 80

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