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Der Morgen · 1936-07-01 · Heft 4 (Juli 1936) · p. 177

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Journal
Der Morgen
Volume
12 (1936-1937)
Issue
Heft 4 (Juli 1936)
Article
Heine-Kompositionen
Date
1936-07-01
Page
177 (sequence 3)
Language
German
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Heine-Kompositionen Versmelodie ist der stärkste Grund, warum seine Dichtungen so zahlreiche Vertonungen gefunden haben. Bei Heine scheint das Gefühl für den nachgestaltend sich einfühlenden Komponisten stets bloßzuliegen: so vielfältig gebrochen und differenziert es auch sei, es bietet sich sozusagen von selbst an, springt unmittelbar auf den Musiker über. Auch Heines unaufgelöste Dissonanzen, sein phantasievolles Neben- und Ineinander von Bildern aus dem Natur- und Liebesleben lockte und reizte gerade die junge Künstlerphantasie. Goethes Gedichte erfordern fast immer den gereiften Menschen im Musiker. Denn hinter Goethes Versen, so leichtfließend sie auch scheinen, liegt oft tiefe Gedankenarbeit, ihre Geschlossenheit und Prägnanz verschließen den Gefühlsgehalt oft mehr, als sie ihn äußern. Auffallend ist es, daß einzelne Heine-Gedichte immer wieder, ohne Rücksicht auf vorangegangene, unübertreffliche Meisterleistungen, fast wie unter einem suggestiven Zwang komponiert wurden: Bis 1900 waren mehr als 160 Vertonungen von „Du bist wie eine Blume" veröffentlicht, und die Balladen, Chorstücke und Melodramen, die als Vorwurf „Die Wallfahrt nach Kevlaar" erwählten, dürften bis heute kaum zu zählen sein. Dabei ist es von Bedeutung, daß die meisten der Heine-Tonlyriker nicht nur (eben als Liedersänger) sich selber, d.h. ihren Eigenton, am Heineschen Gedicht fanden, sondern daß sie unbewußt auch einen musikalischen Heine-Stil entdeckten. Wer überhaupt für solche feineren stilistischen Unterschiede ein Organ hat, der wird diesen Stil schon bei den ersten und genialsten Heine-Vertonern, Schubert und Schumann, in zweiter Linie auch bei Mendelssohn entdeckt haben. Sie erfühlten mit feinstem Instinkt das poetische Fluidum und die Stimmungssphäre eines Heineschen Gedichtes, seinen Stimmungszauber, seine bald leuchtende, bald geheimnisvoll umschattete und gebrochene Farbgebung und seinen Gedankenhintergrund. Und diese spontanen und reflexionslosen Musiker ließen in und mit ihren Tongebilden einen neuen, unwiederholbaren Heine-Liedstil erstehen. Man sehe Schuberts berühmte sechs Heine-Lieder aus dem letzten Schaffensjahre 1828, denen der Komponist das erst kurz zuvor (im Oktober 1827) erschienene „Buch der Lieder" zu- Im Juniheft schrieben u. a.: Der schwerere Mui / Ignaz Maybaum, Organisation der Diaspora / Jüdisches Theaier in Deutschland I Edith L. Meyer, Gedicht / Gina Gärtier, Flucht in die Welt (Novelle) f Max Grunwald, Hollekreisch / Schriften um Maimuni. Das Äuguslheä steht unier dem Thema: Körper, Sport, — Judentum. 177

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