Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 9 (1.9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'Nummer-v9 Jüdische Schul zeit ung Seite 5 kleinere Kohnsche Tafel Bezug, welche allein der Referent vom Sehen kennt. Was ergibt ein Vergleich der beiden Tafeln und Systeme? Die Berliner Tafel enthält nur die nackten Buchstaben ohne alle Erläuterungen und Anmerkungen, die Kohnsche ist dagegen reich ausgestattet, ohne doch an und für sich überladen zu erscheinen. Wir finden ahf ihr zunächst in praktischer Anordnung auch die hebräischen Vokalzeichen und die Angabe-ihres Lautwertes in lateinischen Buchstaben, sodann ü b e r jedem Schreibbuchstaben den entsprechenden gedruckten, unter ihm die deutsche Umschreibung und ne,ben ihm, rechts an seinem Fuße, seinen Zahlenwert. Ferner zeigt ein Pfeil an, wo das Schreiben beginnt und iri-welcher Richtung es erfolgen soll. Bei zusammengesetzten Buchstaben fehlt auch nichtder Hinweis, welcher Teil zuerst geschrieben werden soll. Aus der Gruppe „Bgadkfat" treten Bet und Gimel nur einmal auf, ohne Dagesch, die andern, auch das Taw, mit und ohne Härtungspurikt und mit entsprechender Aussprache. Grundsätzlich kann diese Anlage als glücklich bezeichnet werden; wenn der Tafel die Aufgabe zugewiesen wird, dem (nicht sicheren) Lehrer als methodischer Wegweiser zu dienen und auch wenn man sich Reifere als Lernende vorstellt, denen die Tabelle nicht nur Anleitung eben, für die Schreibschrift, sondern durch ihren stetigen Anblick auch eine Stütze beim Lesen und eine Einprägungshilfe für den Zahlenwert der Buchstaben sein soll. Die hebräische Arbeit unserer Tage muß aber schon früh mit dem Hebräisch-Schreiben einsetzen. Ge-. rade für die Anfängerklassen sollten die Schreibvorlagen, so- . fern sich jedes Kind eine solche anschaffen soll, in Betracht kommen, und da wird es sich erst erweisen müssen, ob nicht die Fülle des Gebotenen etwas verwirrend wirkt. - Unbedingt richtig ist die Hinzufügung der Druckform der Buchstaben, nützlich und gut die Pfeilmarkierung des Anfangs/und der Richtung, nicht durchaus notwendig die Angabe des Laut- und Zahlenwertes, da es sich ja in erster Reihe um ein S c h r i f t system handelt. Nun zur Hauptsache, der Form der Buchstaben. Kohn- Asulay hat einige etwas abweichend von der üblichen Art gestaltet, um sie dem Typus der übrigen anzugleichen, so daß nun von einem „einheitlichen System" gesprochen werden könne. Das betritt das * und das T> die nun wie die meisten andern Buchstaben mit ihrem Bogen den Abstand der Doppellinien . Tillen, aber nicht die Grundlinie unterschreiten. Die breitere Form, die sie dem System zuliebe (Kreis und Halbkreis) bekommen haben, ist etwas ungewohnt. Das Schluß- *] und das Schlußp in der jetzt herrschend gewordnen Form (siehe auch Berliner Tafel), stehen auf der Grundlinie und haben nur zwei Längen, keine Unterlänge mehr; entsprechend hat das Schluß- *| keine Oberlänge, was durchaus zu billigen ist; so sind die übermäßigen Längen vermieden und Charakter und Deutlichkeit dennoch gewahrt. Das 3 ist an der Stelle, wo die Berliner Tafel eine scharfe Spitze zeigt, abgerundet, was für Erleichterung und Flüssigkeit des Schreibens von Vorteil ist. Während auf der Berliner Tafel das Schluß- D den Strich, der es. vom o unterscheiden soll, als leichten, nach links offenen Bogen an die Rundung anlehnt, was ein Neuansetzen erfordert, schließt er sich bei Kohn-Asulay als Schleife unmittelbar an die Rundlinie an, was leichter und schneller zu bewerkstelligen ist. Schließlich sei noch erwähnt, daß das ttf ohne Unterscheidungspunkt bleibt, das fcr aber durch einen kreuzenden Strich gekennzeichnet wird, um der möglichen Verwechselung mit dem Vokal. - beim Lesen vorzubeugen. In allen diesen Punkten, die einzeln schon vielfach angewendet wurden, könnte dem Entwurf von Kohn- Asuiay der Vorzug gegeben werden. Jedoch in einem nicht. Unseres Erachtens soll die hebräische Schreibschrift wohl auch an und für sich schön und gefällig sein, vor allem aber soll sie dazu dienen, schnell, viel und ohne Anstrengung schreiben zu können, was bei, der Quadratschrift nicht ohne weiteres und nicht immer der Fall ist. Deswegen muß sie vermeiden, was besonderes Aufpassen erheischt und nach Zier und Beigabe aussieht. Dazu rechnen wir, worauf Kohn ersichtlich hohes Gewicht legt: das An- und Abschwellen der Bogen und die Keilform der geraden Striche. Wir möchten glauben, daß es sich empfiehlt, ganz gleichförmig, ohne allen Druck zu schreiben, wie es die Berliner Tafel tut. In gleicher Weise sollte für eine Schreibvorlage der Vokal t durch zwei einfache Striche gegeben werden, nicht aber statt des senkrechten Striches ein dicker Punkt vorgezeichnet werden, der erst wieder durch einen wenn auch kurzen Strich mit dem waagerechten Strich verbunden werden muß. Wahl von Buchstabenformen wird — wie Wahl von Formen überhaupt — immer Sache des persönlichen Geschmacks und auch der liebgewordenen Gewohnheit bleiben. Auch wer nicht für absolute; Uniformität in allen Dingen ist, wird doch wünschen, daß in unsere jüdische Zerrissenheit, so weit wie möglich, Einigkeit und. Einheitlichkeit gebracht werde, Einheit auch auf dem wieder wichtig gewordenen Gebiete der hebräischen Schreibschrift. In diesem Sinne sind die Kohn-Asulayschen Tafeln nicht nur in unterrichtlich-methodischem, sondern auch im allgemeinen jüdischen Interesse mit Dank zu begrüßen. Von einer andern Vereinheitlichung, über die zu sprechen diese Tafeln erneut Anlaß bieten, nämlich der Vereinheitlichung der Umschreibung des Hebräischen, soll in einem zweiten Artikel die Rede sein. Zur Vollendung der neuen Bibelübersetzung Von Dr. Ludwig Feuchtwanger- München Die Heilige Schrift, neu ins Deutsche übertragen. Auf Veranlassung der Jüdischen Gemeinde Berlin herausgegeben von Harry Torczyner unter Mitarbeit von Elias Auerbach etc. etc., Frankfurt a. M. (J. Kauffmann), Vier Bände, 1934—1937. In vier handlichen Bänden liegt seit kurzem die neue deutsche Bibelübersetzung vollständig vor, die von der jüdischen Gemeinde Berlin schon vor dem Krieg geplant, vor fünfzehn Jahren in Angriff genommen und unter der Herausgeberschaft von Professor Torczyner durchgeführt wurde. Von 1934—1937 sind in rascher Folge (im Verlag J. Kauffmann- Frankfurt a. M., neben einer Sonderausgabe der Jüdischen Buchvereinigung und einer einbändigen Dünndruckausgabe) Tora („Fünfbuch") — Nebiim Rischonim („Volksgeschichte") — Nebiim Aharonim („Die Gottbegeisteten") — Ketubim („Schrifttum") in einer deutlichen, übersichtlichen Satzanordnung in Antiqua-Schrift mit bequemer Kapitel- und Verszählung erschienen. Vierzehn Uebersetzer waren an der Gesamtarbeit beteiligt. Neben dem Herausgeber, der vor allem Jirmejahu und Ijob, ferner Hoschea, Obadja, Micha, Nahum, Habakkuk, Zefania und Secharja übertragen hat, arbeiteten mit: EliasAuerbach (Jehoschua, Jona, Haggai, Ester, Danijel, Esra, Nehemia, Dibre-ha-Jamim), Emil Bernhard-Cohn (Tehillim), Max. Dienemann (Arnos), Julius Gallin e r (Schemuel), S a 11 y Gans (Schofetim), Benno Jacob (Melachim), Emil Levy (Mischle), Ludwig Levy (Maleachi, Kohelet), S e 1 i g m a n n Pick s. A. (Joel), Georg Salzberger (Schir-ha-Schirim), Hermann Schreiber (Die Tora), Caesar Seligmann (Echa, Rut) und Max Wiener (Jescha'jahu, Jeheskel). Für die Einheitlichkeit des Ganzen sorgte nach deutlichen Grundsätzen Professor Torczyner ihm oblag nicht nur die einheitliche Wiedergabe sich wiederholender Partien, Ausdrücke und Wörter, er bestimmte darüber hinaus den durchgehenden Stilcharakter aller Teile, die einheitliche Umschrift der Eigennamen und Wiedergabe religiös wichtiger Termini (Gottesnamen usw.), fernerdie Anordnung in Prosaform oder in rhythmischer Gliederung unter strengster Bewahrung des überlieferten Textes. Er machte die Rahmen-, erzählung mit dichterischen Einlagen kenntlich und ließ auch in einigen Teilen die Zusammensetzung der Bibel aus Stücken zeitlich und weltanschaulich verschiedener Herkunft bei aller Treue der Uebersetzung durchscheinen, so daß zwanglos selb-