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Jüdische Schulzeitung · 1937-09-01 · 9 (1.9.1937) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
9 (1.9.1937)
Date
1937-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 J ü dis ch e S chu Izeituh g < ^Nummer ~9: ständige, in den Bibeltext eingesprengte Sprachdenkmäler, oft kleinste hergebrachte Redeformen, Anekdoten, Tier- und Pflanzenfabeln, Lieder, Klagegesänge deutlich, in der neuen Uebersetzung wieder sichtbar werden,, transponiert in die Gedankenwelt des Neuhochdeutschen, ohne die leiseste Verrückung oder gar Vergewaltigung des Originals. Als Glanzleistungen aus dem vielgestaltigen imponierenden Uebersetzungswerk erweisen sich Max Wieners „Jescha'jähu" und Torczyners „Ijob". Da sprichts: „Bahnt, bahnet, Macht frei den Weg, Hebt auf den Strauchelstein Von meines Volkes Weg." Denn so spricht er, Der Hohe und Erhabne, Der ewig Thronende, Des Name heilig: Hoch, heilig thron ich Und bei Zerschlagenem und Geistgebeugtem, Um zu beleben der Gebeugten Geist Und zu beleben der Zerschlagnen Herz! Denn ewighin nicht will ich hadern, Und nicht für immer zürne ich, Hat ja von mir der Odem sich erfacht. Die Seelen, ich Ii ab sie gewirkt. Um seines Raffens Schuld hab ich gezürnt Und es geschlagen, mich verbergend, zürnend; . Da wandelt' es verführt auf seines Herzens Weg. Ich schaute seine Wege Und will es heilen, Es leiten, Tröstung ihm gewähren ... - - ' (Jesäiia 57, 14—18.) Diese Töne der Jom-Kippur-Haphtara vor Mussaph mit der Friedens Verkündigung in der Mitte: „Frieden, Frieden dem Fernen und dem Nahen!, spricht der JEwige, ich heile es!" m ihrer einzigartigen Wirkung und jede Spur des Alltäglichen aufhebenden Kraft diese Töne sind nicht übersetzbar; sie leben im hebräischen Vortrag in der Mitte einer verstehenden, betenden Gemeinde, die von e i n e m Herzschlag auf der Höhe des Versöhnungstages durchpulst ist. Wir sehen an diesem Beispiel den Funktionswandel einer Uebersetzung,. einer „Hausbibel" in deutscher oder auch englischer Sprache. Eine gute deutsche Uebertragung ist zum unentbehrlichen Lehrmittel geworden. Nur das hebräisch aus der Tora-Rolle vorgetragene oder sonst als Gebet, als Haphtara rezitierte Wort ist religiö's gesprochen die Bibel. Die Uebersetzung bleibt Kommentar unter Kommentaren, mit dem Unterschied, daß sie keine Begründung ihrer exegetischen- Entscheidungen abgibt. Wortwahl, Zahl-und Art der Wortneilbildungen, Unterschiede von anderen Uebersetzungen, Auffassungen über rhythmisch gebundene Stücke, vor allem Abbiegungen vom masoretischen Text sind für einen Leser, der nur das geschlossene Ganze in seiner Muttersprache in einer kommentarlosen „Laienbibei" in sich aufnehmen .will, gleichgültig. Der kritisch geschulte, gute Kenner des hebräischen Textes würdigt dagegen jede, „exegetische Entscheidung", die der Uebersetzer getroffen hat, im vollen Umfang. In Torczsniers H r o b - U e b e r s e t z u n g ist die neu erarbeitete Deutung im Einzelnen wie im Ganzen am sichtbarsten und seine eigene kritische Analyse des überlieferten Hiob- Textes aus dem Jahr 1920 verwertet, mannigfach korrigiert, in gewissen Hauptresultaten aber auch schon wieder überwunden. Das Verständnis des einzigartigen Buches und seiner eigentlichen Absicht wird immer schwierig und strittig bleiben, es hängt im allerstärksten Maße von einer sicheren literarischen Analyse und Worterklärung ab. Das „Lob der Weisheit", die Demonstration ihrer Unergründlichkeit und Unkäuf- Iichkeit, das großartige Thema des Kapitels 28, muß beispielsweise auch nach Ueberwindung aller Worterklärungsschwierigkeiten, den richtigen Platz in dem Gesamtgefüge der 42 Hiob-Kapitel erhalten. „Hab ich ob des Geschickbeladnen nicht geweint, > r Hat meine Seele um den Armen nicht geseufzt? *~ Denn Glück erhofft ich, doch das Böse kam, - Ich harrt des Lichts, und Düster 'ward <; -r«■■' Mein Innres siedet, wird nicht still, Des Elends Tage haben mich ereilt. Tiefdüster schreit ich ohne Sonnenlicht, Steh vor dem Volk ich, muß ich klagen. ';. Ein Bruder ward ich den.Schakalen .. ■•- Und ein'Genoß den Wüstenstraußen. : . Die Haut ward schwarz an mir, Versengt ist mein Gebein von Glut. -; - So ward.-'zum Trauersang die Zither mir Und die Schalmei zu Jammertönen." (Hiob 30, 25—31.) Die Glätte dieses Rhythmus-im Hiob-Monolog scheint aufden ersten Blick auf Kosten der Empfindlichkeit , und Behutsamkeit in der Wortwahl zu gehen. Buber wird in seiner künftigen Hiob-Ueb er tragung nicht so „geläufig": . den deutschen Text fließen lassen. Und doch lehrt eine Nachprüfung, daß Torczyner -treu aus dem Hebräischen übersetzt hat; Kap. ,30, 28 b („Steh vor dem Volk ich, muß ich klagen") allerdings bleibt befremdend: qamthij waqahal äschawwea; „Ich stehe auf in 'der Versammlung uncf schreie auf", damit ist wenig an-v zufangen. Andere haben korrigiert: biqhal meschawea -„Ich habe im Verein der "Heulenden meinen Stand" (so P. Paul Szczygiel). Völlig zweifelsfreie Erklärungen wird man hier so wenig wie an zahlreichen änderen Hiob-Stellen erreichen. Die Gottesreden (Kap. 38—41) mit ihren Belehrungen über die. Unergründlichkeit der göttlichen Schöpfung und über die jenseits aller - menschlichen Einsicht waltende Schöpferweisheit, und überirdische Majestät (Schilderung des Nilpferds 40, 15—24 und des Krokodils 40, 25—41, 26) sind von Torczyner prachtvoll und in einer überlegenen Wortwahl wiedergegeben. Es gäbe des Zitierens, Fragens und Abwägens kein-Ende, wollte man allein die Hiob-Interpretation des neuen Bibelwerkes ausschöpfen. Andere Teile, auch aus dem vierten letzten Band, den Ketubim, hatten leichtere Aufgaben, zu bewältigen;^ Sie geben schlicht, unter spürbarem Verzicht um jeden Preis originell.zu sein, den einfachen Text im Deutschen wieder,,mit dem Mut, sich an das Schondagewesene, ja Hergebrachte im deutschen Ausdruck anzulehnen. Die Buber'sche Psalmen- Übersetzung wird von Emil Bernhard-Cohn nicht erreicht; es fehlt dieser an der rückhaltlosen Leidenschaft-Bubers, von dergerade in dem „Buch der Preisungen" das Ringen mit der hebräischen Sprache und mit dem tausendmal gehörten und geläufig gewordenen Wortlaut angetrieben wird. Vergleichende- Zitate würden den Unterschied ohne weiteres dartun. Der hingebenden Arbeit der vierzehn treuen Uebersetzer haben wir ein abgeschlossenes bedeutendes neues Bibelwerkzu verdanken. Man kann sich nur mit den beiden großen .Uebertragungen, mit „Buber-Rosenzweig" und mit "der „Torczyner-Bibel" freuen, aus ihren wichtigen . grundsätzlichen und einzelnen Verschiedenheiten das Wesen der hebräischen und der deutschen Sprache noch tiefer erfassen. Lehrende und Lernende werden sich mit den alten guten Uebersetzungen, etwa der Zunz- und der Bernfeld-Bibel nicht mehr begnügen, sondern, namentlich bei schwierigen und allzu abgeschliffenen Partien, neben der noch unvollständigen Buber-" Übersetzung die jetzt vollständige „Berliner Bibel" mit heranziehen und sie für alle Erklärungen mitverwenden. ■■■■,■■<.. Palästinareise Es haben sich zu der für Frühjahr-1938 geplanten zweiten Palästinareise für Lehrer eine Reihe von Kollegen und Kolleginnen gemeldet, die nicht mehr im Dienst stehen. Leider können — so war es ja auch bereits in der ersten Notiz ausgesprochen— derlei Meldungen nicht berücksichtigt werden. Dagegen werden Anmeldungen, die vorläufig unverbindlich sind, von Kollegen im Dienst noch entgegengenommen. , . ■ Braun. "

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