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Neue jüdische Presse · 1922-02-02 · Heft 5 (2.2.1922) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 5 (2.2.1922)
Date
1922-02-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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toeue 2. iwn, wie das so üblich am Sabbat Tcschuvvh; ach Herr, ich bin ja selbst ein Mann unreiner Lippen! Männer und Frauen, fühlt ihr jetzt, was er durchlebt, der da oben, wenn nun eilt Augenblick seine Rede stockt; fühlt ihr den bittendeit Schrei dieses Schweigens, und seid ihr nicht im Innersten ergriffen von dieser Demut, die sich nicht rein genug hält vor bm Reinen und Heiligen, um rügen zu dürfen, was so rügcnswert ist? Ach nein, ein Batcr öffttcl fegt die Lippen, um von der Größe und Schönheit zu künden, von der Fülle des unendlichen Segens, der für unser und unserer Kinder Dasein und Zukunft aus der Feier heiliger Feste im häuslichen Kreise, aus der Hingabe an uns erlösende und beseligende Weihe des Sabbat sich ergibt. Ach wahrtich, . in solchen Augenblicken umschwebten ihn sichtbar die heiligen Dienstengel, die eben erst, ihr „dreimal Heilig" angestimmt, und das Wehen ihres Flngclschlages ward verspürt im heiligen Raume. Sabbat der Weltschöpftmg, wie du rittst, die Geistcsnacht des Völkerdaseins erhellend, aus der schöpferischen Urkraft der Offenbarung des jüdischen Geistes dich erhobst, Freiheit verkündend inmitten aller Gebundenheit des notwendigen Geschehens, uitd die schöpferische Freiheit des Göttlichen an den Anfang des Weltenlebens stelltest, Freiheit verkündend .allem, was Menschenantlitz rrägt, — so offenbarte sich deine heilige Kraft von tieuem, das Chaos unseres eigenen Dafeiits erhellend und durchdringend, wenn dieser Dichterprcdigcr seine sabbatliche Braut mit seinen Lippen küßte und des Kusses holder Rachklang dann wie ein Lied unseres Herzens Saiten erschwingen ließ. Ja, ein Dichtcrprediger ivar der Verblichene, dem, wie cs nur dem Dichter geschieht, die Schönheit der Sprache sich offenbarte, weil er in den Poikilecn Japhcts sich ergangen, weil er die Lieder Homers ebenso beherrschte wie die Sprache der Bibel, darum aber auch nachforschte dem, ivas einst der Dichtcrthcologe Herder ausgesprochen: „Die griechische Sprache klingt, die hebräische aber har eine Seele." Wem hat sic so ihre Seele, ihr pulsierendes Leben gezeigt, ivie dein Manne, der in die Rätselsprache, in die Wort- und Buchstabcndcutnng des Sohar sich' vertieft, und der oft, unter Schutt vergraben, Goldkörncr jüdischen Geistcslebeits, Geist vom Geiste seines Volkes, fand, das nur dent \ein wahrhaftes Denken und Fühleit offenbart, der sich ganz in die Seele seiner Sprache vertiefen kann. Mit genialer Intuition erschaute er, >vas andcren verborgen blieb, und ivas er auf diesem Gebiete anbahnte, wird künftig den Unterricht beleben und verschönen. Und weil er genial schaute, darum betete er auch mit einer Jnbrmrst, die uns eiitpfinden ließ, was einst der Baal Schein gesprochen: „Wie wenn ein Arensch, der, ins Wasser geraten, gegen die Elcinente angcht mit allen ihm zu Gebote stchcndcn Kräften, den psychischen und physischen, also ringt die Seele mit dem Göttlichen im Gebete." Ja, unseres Rabbi Seele rang, denri sein Gebet war ein Denken des Herzens, eine unendliche Inbrunst, die zugleich aus der Intuition, aus hem Wissen, dem Schauen dessen, was der tiefere Sinn des gesprochenen Wortes und Gedankens war, entströmte. War sein Gebet ein Denken des Herzens, so irar sein Lernen ein Gebet des Verstandes. Viele mag cs geben, die gleich Nobel erfahren sind in Rijchaunim und Acharaunim, die vicUcicht, vielleicht sagen wir, einen Schaagas Arje und Chavat ' Daas und die vielen anderen gelesen, die zum Schülerkrcise eines Rabbi Akiba Eger und Rabbi Mose Sofer gehören, vor allem aber dent Scharfsinn eines Nauda bi Jehudo so nachgespürr haben wie er, — wenige aber gibt es, die es so verstanden haben, auch bei Schülern das Verständnis für diese. Literatur und den Talinud an sich zu wecken und ihr Interesse dadurch zu fesseln, daß immer die historische Entwicklung der zuletzt sich ergebenden als Halacha gültigen Ansicht aufgczeigt, vor allem aber hei den scheinbar entlegensten Fragen, wie beispielsweise bei Abhandlungen über Taharoh und Tunwh, die Beziehungen, die sich auch hier zum Gegenwartslcben ergeben, aufgezcigt wurden Um wie viel mehr aber geschcch das dann, wenn aus den Nefikin-Traktalcn die diene Jüdische Presse. Parallelen zum römischen oder nwdcrneit Rechtskodex cntivickelk iverden konnten. Aber mehr, weit mehr als das alles ivar cs der Rabbi selbst in seiner "Art, in seiner ganz rein aufgelösten' Menschlichkeit, der sich da beim Lerneit offenbarte. Wahrlich, er betete, er juchte auch in den .Halochoth die Halichoth, er suchte überall seinen Schülern auszuzeigeii, wie der ström des Denkens, der durch die Starrheit der Halacha floß, getränkt würde von den Wassern, die aus den Nebenbachen der Hagada sich dazu ergießen und wie cs im letzten Grunde die Vereinigung der beiden Strömungen ist,' die dem Wissensslnsse seine lebcntragende Kraft verleiht. Wenn wir daher die Macht rühmen, mit der sein Wort die Gemüter getroffen, .kam diese Macht wirtlich nicht nur ans einer formalen Anlage, die Worte geschickt zu setzen, nein, es . sprach ein "Mann, der eine aus emsigster Erforschung der Thoraquellcn und mühsamen Denken über die Zeit geschöpfte Erkenntnis und Uebcrzcugung. — allerdings formvollendet — zu uns überleitete. Es war der Gelehrte und in erster Linie der Lamden, der in dem Heimgegangenen dem Redner die Bedeutung gab. Wer aber noch daran zweifeln möchte, ob Ncheniia Zwi Nobel wirklich der „große Lamden", dem sagen wir: Wer cs in Frankfurt a. M. unternommen hat, den Eref einzurichten, der muß ein großer, man kann wirklich schon sagen ein geivaltiger Lamden sein, ohne das; .man dabei die Männer in den .Hintergrund stellt, die ihm bei Schaffung dieser Einrichtung, das für ihn ein monuineiituni acrc percnnius sein wird, als Dajonim zur Seite standen. Aber gerade diese Schöpfung osscnbarte dieses Mannes ganzes Wesen. Ihm ivar dieser Eruf wirtlich nicht der Ausdruck bloß der Ncbcrwindung starrer Legalität, wie es die einen, oder gar Mittel zur Bequemlichkeit, >vie es die.anderen beurteilten, nein, lver die Geschichte dieser Einrichtung kennt, weiß, daß Nobel guck; hier mit der Seele arbeitete, daß des Wortes Bedeutung schon sich ihm enthüllte als Vermischung, als Bürgschaft, als Herbeiführung „schattender" Zeit nach heiße», lräfteverzehrcndcn Kämpfen, ivie sie die Zeit einer mißverstandenen Aufklärung hcraujbeschworen, die . dann eine Trennung einstcns vielleicht rechtserligle, die aber die am Ende des 19., die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich gebärende jungsüdische Kulturbcwegung als überwunden, als von denen, die künftig unseres Volkes Führer und seine Geführten auSmachcn, als übcnvunden empfunden ivnrden. Darum, ja ivcil Nobel Misrachift ivar, schuf er auch hier einen Eruf, ivollte er auch in Frankfurr a. M. die Gesamtheit zil einer großen gemeinsame» jüdischen Familie ninschafseii und hat es getan — trotz alledem! „Höre, mein Israel, suche deine Große in Einigkeit und stärke, cs gibt eine Einheit des Judentums. Sie ist uns verbürgt durch die Ewigkeit der Thora. Sie ist uns verbürgt durch die Gemeinsamkeit der Geschichte, die wir erlebt haben. Sic ist uns verbürgt durch diesen großen Tag, an dem alle Anteil haben, deren Seele ans die Kniee fällt vor dem Batcr der Barmherzigkeit, um sein Angesicht zu suchen." So sprach der große Rabbi einst zu Ncilah. Diese Gedanken, die Sehnsucht nach dem Zusammenschluß seines Volkes unter dem großen Gesichtspunkt: ein Volk zu fein, begleitete ihn bis zur Neilah seines Daseins. „Al haj fchnfro de bolei bearo ko bochino", lieber diesen schönen Geist, daß er nun körperlos geworden, weine ich. Wollen wir über die Kürze seines Hieniedcnseins klagen? Wir sagen lieber im Sinne des 'Talmud: „Jcmci schenei chajof", Jeder Tag, jedes Jahr in diesen 50 Jahren ivar etwas Bedeutendes, er hat in die 50 Jahre, seines Lebens mehr zusammcngedrängt, als sonst in zehn Menschenleben geht. Er hat in den Gemeinden, in denen er gewirkt, eine Begeisterung für das Religiöse gciveckt, die noch lauge als nachhaltig sich bewähre». wird. Wir dürfen abschließend sagen: Wenn heute Markus Horovitz, der Esra unserer Gemeinde, käme und sehen würde, wie der Bau, den er begonnen, weiter geführt, wie er, dem er sein Werk überlassen, Schwert und Kelle, Verteidigung und "Aufbau weiter ge- Nr. 5. führt, — er würde die Hand, ihm .reichen und sprechen: Nehemja Zmi Nobel, Dw bist ein würdiges Glied in der Kette der Frankfurter Rabbinen. Dr. B- M ay. Der Denker. Ueber die Denkerseele, die in unserem hingegangenen Lehrer gewohnt hat, ein Wort zu sagen, ist meine Aufgabe. Ich übernehme sie gern. Das Gedankenhafte seiner Rede war ein gewichtiger Bestandteil des ersten Eindrucks, damals als ich vor nunmehr bald drei Jahren zu ihm kam und, nach einem Scdcr-Abend in seinem .Hause, an dem ich wohl den .Hauch seiner Persönlichkeit verspürte, ohne doch schon eigentlich in ihren Bann - geschlagen zu sein, aw Morgen die Festtagspredigt hörte, die wich für alle Folgezeit zu seinem Gefangenen machte. Es war mir zum ersten Mal'begegnet, daß von einer Kanzel Gedanken, wirkliche Gedanken, und in verschwenderischer Menge ausgestrcut wurde». Jener intellektuelle Zug, der der jüdischen Drösche gegenüber der wesentlich „erbaulichen" christlichen Predigt ihr eigentüiiillchcs Gesicht gibt, kehrte darin in einer inodcrnisicrten Form wieder; die geistige Anstrengung und der Genuß an dieser geistigen Anstrengung bezog sich hier nicht so sehr auf die Widersprüche der Texte, obwohl auch die ojt den Ausgangspunkt bildeten, als vielmehr aus die. Widersprüche des Lebens selber. Es waren metaphysische Kaschjcs und — nun allerdings nicht metaphysische, sondern religiöse Tiruzinr. Anders gesagt: menschliche Frageil und göttliche Antworten. Und dmuit ist vielleicht das Wesen dieses Denkens augedeutet. Die Gedanken schlossen sich nicht zum System. Das ivar in gewissem Sinn ihre Schwäche. Systematisch 'denken heißt nämlich: auf die mciischlicheil Fragen die menschlichen Antivorten sindcil. Schon das zil unternehmen, ist Sache des großen Denkers: dem kleinen stoßen nur die gelehrten Fragen auf. und er findet darauf auch nur die — gelehrten Aiilworten. Sind aber im Geiste des großen Tenlcrs den menschlichen Fragen die inciischlichen Antworten gesunden, so ist dex Kreislauf .des Gedaniciis geiv>>ser»ias;en au seinen Allsgangspiliitt zurückgekehrt, — das Systenr „geschloffen." Dieser Lorbeer, ivenn er nach ihm gelangt hätte, iväre ihm versagt geblieben. Ein höherer Kranz aber ist ihm geworden, vielleicht ohne daß er mit Beivußlsein um ihn gerungen. Der Kreislauf feines Tenlcns blieb ungefchlof scn, es schwang ftch in spiralförmigen Windungen aufwärts. Der Frage ivard leine „erschöpfende", keine sie ans- und leerschöpfende Antwort. Sondern indem er sie hinaufführte in den Bezirk einer Antivort, die jenseits des Bezirkes der Frage, lag, hielt er doch die Frage selbst offen. Er ivar lein Mann jener leicht fertigen, leichtscrligen Lösungen. Tie Schärfe der Widersprüche des Lebens blieb ihm unabgestuliipft. Die Rätsel- , fragen der menschlichen Freiheit, des göttlichen Daseins, der Wirklichkeit der Welt blieben ihm Rätsel, die er in der Einsamkeit seines Studierziinmers immer nur miss neue zu fragen, nicht zu bcaiitworten verstand, und ans die ihm erst dann, wenn er vor den Bielen ans der Kanzel seines Gotteshauses stand, Antivort und Lösung geschenkt wurde. Denn cs ist das Geheimnis dieser letzten Fragen, daß wir ihre Lösung, nur dann wissen, ivenn wir sie wissen müssen, wenn sie von uns verlangt wird, verlangt von - denen, die ein Recht haben, sic von uns zu verlangen. Er aber ivar menschlich-ehrlich.genug, daß er noch in diesen höchsten Augenblicken seines — und unsres — Lebens, wo ihm die göttliche Antivort über die Lippen sprang, nicht vergaß und nicht vergessen ivollte, ivie antivortlos er vorher zeftagr hatte. Er machte die Gabe Gottes, die er in.solchem "Augenblick anszuteilen berufen jvar, nie zum eigenen Besitz, mit dem er nachher geprunkt hätte, als „habe" er die Lösung. Er „hatte" sie nicht, aber er durfte sie geben. So ivard unter den Denkern Schopenhauer doch der, dem er pon früh auf Neigung entgegenbracht? Geiviß ivar er darin auch ein Kind einer heut schon vergangenen Zeit, die aus Schopenhauer sich das herausnahm, was dieser Spätling der philosophischen Bewegung von 1800, nur in gefälligerer Form, aus dem Gemeineigentum des deutschen Jdealis- .mns bot. Aber tiefer noch war es doch wohl Nr. Schos und -luge tvicdc kreis >rar eines feste zieh» ivird sie n geivc einen war, Jenii ,er f jeden tt b e ich habe uns den hefte frag« Und Enke ten -tilg worl nichl Wir rücke ivorl Fral vcrst Ra und; «er '' kinn freu ans Fre dich um selb sehr ihre rnil ist fte selb I"! run Sir in tun den des mit er erst Gef küh kon der , ' Sa mii feit Bo hie! uns Er ihn Bo Ute Hel der das wa Er keil

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