Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 20 (1922)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1922)
- Date
- 1922-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt Erscheint wöchentlich am Donnerstag. BezngspreiSpro Vtertelsahr: Bei der Post abonniert Mt. 6.75, bei der Neuen Jüdischen Presse Mk. V.50 frei ins Haus. Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland Mk. 60.00. für Ausland 10 franz., 5 schweiz Frcs., 3 holl. Fl., 6 Shilling, 2 Dollar jährlich. im Voraus zahlbar. Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis Jnserttonspreis für die sechsgespaltene Nonpareille-Zeile Mk. 3.—, für die Reklamezeile Mt. 12.—. Platz- und Datum- Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Expedition und in allen Snnoncen-Bureaus. — Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4864. isti Wb nft so. >ei?C’I Itwl eil Ht| 29. Jahrgang. Donnerstag, de« 4. Scliwat 5682 (2. Februar 1922) Rr. 5 I t Dem A des ,/ ftufiGiaeis De. 1. ft. Ilolief. ■ '■*- Iris Matt luarb bei» Pali, ivard ängstlich und genau, Flicht edles Uebermaft, entsagt dein Schwung/ i Wacht tausend Aengste, träumt Erinnerung,. Gleich einer »lüdgelebten alten Frau. Man mischt aus Schwarz und Weift ein kluges Grau, Schlucit Wilsensstaub, entbehrt des Glückes Trunk, Schon dorrt dein Volk — da schlägst du quellend jung Ten ewigen Felsen schöpserischer Schau. In Tagen, da der Mut zur Gräfte starb, Fandst du ein Wort, das uns durch Schönheit , warb Und das uns auf des Herzens Kniee zwingt. Nie flogen höher wir — und lagen tief Gebeugt vor dem, der aus dem Dunkel rief: Ich segne den allein, der mich erringt! ia< Rabbiner Dr. Nobel über den Rabbinerberuf. „Ich halte dafür, daft der Rabbiner gedeihlich nur dann zu wirken vermag, ivenn er über allen Parteien innerhalb und aufterhalb seiner Gemeinde erhaben ist. Er muft sich einen festen und unverrückbaren Standpunlt für die Beurteilung aller religiösen Zeit- und Streitfragen gewonnen haben. Für mich ist dieser Standpunlt derjenige, den das geschichtlich überlieferte Judentum darbietct. Dieser allein scheint mir eine feste Gewähr für gedeihliche Fortentwicklunggesunde Weiterbildung zu bieten. Ich halte ' es aber für meine Pflicht, jede religiöse Richtung innerhalb des Judentums zu studieren, ihr mit sachlichen Gründen, allein zu begegnen und Vertreter entgegengesetzter Meinungen diejenige Hochachtung entgegenzubringcn, die man dem überzeugten Gegner schuldet, sowie innerhalb meiner öffentlichen Wirksamkeit das mehr zu betonen, -was die verschiedenen Richtungen eint, als das, was sie. trennt. Zur öffentlichen Wirksamkeit hat die private zu treten: Der Einflnft, über den eine milde, in sich gefestigte und eben darum allen mit gleichem Verständnis begegnende Persönlichkeit notwendig verfügt, ist in freundschaftlichem Verkehr mit den Gliedern der Gemeinde im heilsamsten Sinne auszuüben. Eben dies Eindrucksvolle in der Persönlichkeit des Lehrers muß ihm die Herzen der Jugend gewinnen, und wem hie Jugend gehört, dem gehört die Zukunft. Aus der Reinheit der Lebensanschauung muft reine Selbstlosigkeit und Opserjreudigkeit in der heiligen Arbeit des Berufes erwachsen. Das. ist mein Ideal eines Rabbiners, den:! nachzustreben die Ausgabe meines Lebens ist."*) -*) Aus „Gabe, Herrn Rabb. Dr. Nobel dargebracht", IVerlag I. Kauffmaun, Frankfurt a. M. - •-—- - R. A. Nobel als Rabbiner. Noch ist das .Herz im Innersten erschüttert ob dessen, was uns geschehen; noch stehen ivir wie betäubt von dem Schlag, der uns getroffen, und nur der Schmerzensschrei entringt sich unseren Lippen, der einst Elias Lippen löste, als fein Meister von seiner Seite entrissen ward: „Twi. Sivi, rechew Jisroel nvorofchof", Mein Barer, meili Vater, Wagen Israels uuö feine Reiter, Zierde unseres Daseins und unser Stolz. Noch können ivir es kaum fassen, — und schon sollte das Wirten dessen, der so lebendig noch vor uns steht, deft' Dasein und Hiersein schon bei seinem Leben in die Sphäre des unendlichen Seins hineinrcichte, in den engen Rahmen arm-, seliger Worte gefaßt werden, die doch immer nur das Aufteniveseu eines Menschen berühren, nur ein Gleichnis seiner Wesciiharigleit bilden können'? Zu viel Unsagbares liegt dem Verhältnis jedes Einzelnen von uns zu „fcineur Vater" zu Grunde, als daft wir annähernd es ausdrücken lönnten, — und nun sollen ivir, das ist die an uns ergangene Aufforderuiig, nun sollen wir in Worte tleiden, was dieser „unser Vater" als Rabbiner uns gewesen? Die beiden Begriffe lassen sich ja vom jüdischen Standpunkte nicht trennen, kknd wahrlich, — wer in der Gemeinde möchte Dich nicht Vater nennen, edler Verblichener, der Du jedes Kind der Gemeinde, ja wirtlich jedes einzelne Kind in Deinem Herzen init Liebe unlsaßtest? Welcher Vater hätte nicht in verklärter Herzensliebe es aufleuchten sehen das wunderbar schütte, gütige Auge des Rabbi, wenn er mit seinem Kinde zw ihm hintrat, es „benschen" zu lassen? „Al haj schufro devoter bearo ko bochino". Ach, iveinet über dieses Auges Schönheit, daß kalte Erde sie deckt! Wer möchte Dich nicht Batcr nennen, teuerer Verblichener, der Du ganz Israel getragen all Deinem liebenden Herzen, „Kol veis JiSroel"! das ganze „Haus" Israel, wie es ja auch der Prophet nennt, wohl wi-send, daß ein Haus, eine Familie Kinder verschiedener Art, verschiedener Anlagen und verschiedener Anschauung umschließt, gute und böse, auch „Bonim schamvoivim", abgefallene, verirrte Kinder. Aber dem Propheten wie seinem Gotte bleiben sic Kinder, Kinder des jüdischen Volkes, getrennt wohnend im Tsten und Westen, daher verschiedenen Schicksalen unterworfen, aus denen verschiedene Charaktereigenschaften resultierten, aber wie fern sich und wie italje: Kinder eines Volkes, zu denen auch ihr Himmelsvater spricht: „Scholanm, larvchauk velalorauf!" Dem Fernen. > gilt der göttliche Friedensgruft zuerst pnd dann denr Nahen. 'Aber widerspricht dem nicht, rvenn es' heißt: „Ein fcholaum omar Elok. larschoim!" Kein Friede, spricht Gott, mit den Frevelnden! Ach nein, der heilige Sinn der Kaparah, der Versöhnung, würde ja dem widersprechen; lies anders, deute anders: den „E-n Scholanm", den Unfrieden gab Gott dem Sünder: die Unruhe des Gewissens? gab Gott dem Sünder, und eben damit und damit am meisten erweist cs sich, daß Gott deit Sünder liebt, daß er ihn tauchen will in die Wogen seiner Barmherzigkeit und seiner grenzenlosen Begnadung. So predigte unser Rabbiner! Wie habt ihr diesen Rabbiner predigen hören? TaS irar .kein Predigen eines Rabbiners, nein, daS war das Ergießen einer HerzenMlut eines Vaters, der eigentlich garnicht reden möchte zu den Kindern, sondern nur still ruhig sie anlächeln, mit dem 'Ausdruck des redenden Blicks' sie beherrschen, der aber dann, ivenn die Heiligkeit der Zeit es gebieterisch erfordert, sieh - bestimmen läßt und dann, ja dann — wie von unsichtbarer Macht gepackt und sottgetrieben — zu ihnen redet, nein schluchzt, jauchzt, betet, dichtet Worte, Gedanken, von edlenr Rhythmus getragen, von Schönheit verklärt, aus der Tiefe der Gedantenhastigkeit aussteigend, jeden zum Nachdenken, zunz Nachfühlen, zur Wehmut und zuni 'Ausjauchzen stimmend, der unter dem Bannkreis dieser . Worte stand? Wer kann da gleichgültig bleiben, wer gar körperlichen Schwächen geräuschvoll Ausdruck verleihen? Menge, verstehst du nicht, wie der 'da oben spricht, niedergebeugt, angesichtverhüllt vor seinem Gotte, atemlos anbetend, wirklichkeitsfern und doch - allem Wirklichen, allem Menschlichen so nahe, redend, wie wenn er betet, losgelöst von sich selbst, nur die Schwere, die Last der Hand Gottes fühlend, die mit glühenden Kohlen seinen Mund berührt. Ach, höret shr nicht, wie er gleich jenem Großen aufschrie unter dieser Berührung: „Di Ir. ki nidmeisi, ki isch themei sesosajim onauchi", Herr, ick» kann, ich darf nicht reden, denn ich selbst, ich bin ja auch nur ein Mensch, und denen da. Deinen Kindern, unseren Kindern soll ich Verweisung erteilen ob ihrer Sünden, soll Tauchochoh und Mujar sprechen, pielleicht würden sie es gar noch . , gerne hören, wenn die Sünden ihrer Kleinheit, ihrer Engherzigkeit, wem» ihr Abirren von heiliger Vötersitte und Väterbrauch hier ansgezählt wer- - -- - eis -A-, >- % es t-Ze- "! Ä I v; jfs'v'v«. v 447905 462706