Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 31-32 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite:* jüDiscttE Presse Nr. 51/12 Man nannte diesen Glaubensstreiter Israels »der dritte im Bunde«, denn ef galt ku seiner Zelt rieben Rabbi J a Je ם b L o r b e e r b a u m. dem Weisen von Lissa (berühmt unter dem Namen seines populärsten Werkes Chawat Daat) und Rabbi Moses Sofer. Oberrabbiner rri Rreßburg fChatarri Safer), sozusagen Zu d.211 klassischen Führern des religiösen Judentums der letzten Jahrhunderte. Der dreien Rechtsgnlachten und rituellen Entscheidungen wurden im Volke zum Gesetz erhoben: Chatam Sofer ehelichte ■in zweiter Ehe auch die Tochter Rabbi Akibas, mit Chawat Daat war er wie verbrüdert. Egers Wirken fällt in eine stürmische Zeit, als dev Feind im Innern wütete, da das Feuer der R c f o r m und G—ttfosigkeit in deutschen Landen und in Ungarn entbrannte, das ganze europäische Judentum zu entzünden begann und nach dem Osten hinüberzugreifen drohte. Rabbi Akiba verkündete: »Halt!«: er darf mit Recht als einer der kühnsten Gegner dieser verhängnisvollen Strömungen bezeichnet werden. Er kämpfte für die Erhaltung der sittlichen Güter des Judentums mit Zähigkeit und Unermiidlichkeit und stand an der Abwehrfront gegen religiöse Neuerungen und Abfallbestrebungen. deren Hochbürg damals Hamburg war. Eger rief bei seinem Auftreten gegen die Reformbewegung in Deutschland den denkwürdigen Satz aus: »Wenn wir uns, G—tt behüte, gestatten würden, bloß einen einzigen Buchstaben in der heiligen Schrift als überflüssig und belanglos, als überjährt Und unzeitgemäß zu bezeichnen, wenn wir uns nnmaßen, unsere Religionsgcsetze der jeweiligen Gegenwart anztipassen, ihnen in irgend einer Weise ein modernes Gepräge zu geben, dann richten wir Wirrnisse in unserer jüdischen Denkweise an, bringen wir unsere ganze Lehre in Gefahr, verleugnen wir unseren Glauben, treiben wir Israel dem Untergang zu.« — »Müßten wir uns nicht geradezu schämen«, rief Rabbi Akiba, »daß die christlichen Bewohner des Landes, welche die Heilige Schrift erst ■durch unsere Vermittlung erhalten haben, die Thora hoohhnlten, in unserer Gemeinschaft aber üble Menschen sieh bemühen, die Grundfesten der Thora zu untergraben? Israel und die Thora sind wie Körper und Seele aneinander geheftet, Reißt man Seele und Körper auseinander und teilt sie entzwei, um eines vom andern unabhängig zu machen, dann bleiben beide regungslos. Letzten Endes müßte das G. b. ׳zu einem Erlöschen des geistigen Judentums führen und wir aber eine tote Masse ■unter den Völkern werden. Rabbi Akiba trat in wahrem Eifer gegen die Bibelkritiker auf, clie er mit den! Namen »Götzendiener«, »falsche Propheten«, »Vernichter Israels« ־belegte. In einem Schreiben an den frommen Verfasser des Werkes »Edoth Tlsrael«, Rabbi Salomon Plessner, schreibt Eger: »Es ist tief verwurzelt im Herzen all jener, die an G—tt und die Wahrheit seiner, Lehre glauben, daß in unserer heiligen Lehre kein übriges Wort vorhanden ist.« Muß es erst gesagt werden, daß unser Rabbi Akiba ein wahrhafter Streiter gegen. Assimilation und freidenkerische Haskala war, selbst wenn sie sich in ein gutjiidisches Gewand hüllten? Er trat in einer Predigt gegen die Assimüatkmsfanatikev •auf, weil sie, in dein Bemühen, sich in jeder ׳Kleinigkeit fremden Ideologien anzujmssen, statt ■den altehrwürdigen Namen »Israelit«, der ihnen ghettomäßig und veraltet erschien, das Wort »Jude« und »Judentum« in Anwendung brachten, einzig und allein, weil sich die Heideivwelt seit altersher der Ansprache »Jude« bediente. Ein Jahr vor dem Hinscheiden Rabbi Akibas begann Ludwig Philipsohn die »Allgemeine Zeitung des Judentums« herauszngebeiL Rabbi Akiba erklärte* Philipsohn schäme sieh seines Isfaenteritums und er schon durch den Titel |eiries Blattes Seihe assimilatörischen Absichten verrate; Eger geissölte diese Namensänderung^ die er als eine Nachäffung des Heidentums bezeichriefd Uhct wies darauf hin. daß sich unsere Weisen vornehmlich des Wortes »Israel«. »Kinder Israels«, »Haus Israel« bedienten. Vor seinem Tode soll er sich geäußert haben, er fürchte, der Altgerechte werde ihn dafür strafen, daß er ruhig in Posen blieb und nicht in der Welt umhergezogen ist. tun das jüdischeHerz aufzu rütteln und die religionsfreien Gedanken auszurotteu. (Mitteilungen meines unvergeßlichen Lehrers, des Hunsdorfer Gaons. Rabbi Samuel Rosenberg s. Z: 1.) Eger verstand es, die junge Generation in der Zucht des Glaubens und der Disziplin der religiösen Tradition zu halten und sie dazu anzusporuen und zu ermtitigen, in Stolz und Freude und Aufopferung der Glaubensgemeinschnft Treue zu bewahren, um so den Bestand des jüdischen Volkes zu sichern. Er hat dein gesetzestreuen Judentum die Bestimmung gegeben, welche die höheren Werte jüdischen Idealismus und religiöser Sittlichkeit, Menschenliebe und Vaterlandstreue darstellen soll, um den »׳Namen Israels unter den Völkern zu heiligen«, das heißt, ihm Ehre zu verschaffen. ‘Der gütige Akiba, dessen Haltung als Mensch lind geistiger Würdenträger auf die ganze Gemeinschaft Israels geradezu bezaubernd wirkte, trat mit seltener Entschlossenheit und Hartnäckigkeit gegen jede Entartung im Judentum auf. Er, der in seinem Rabbinatsamte seine G—ttesselinsucht stillte, bekämpfte den L n x u s. das Kart e n & p i e 1, den Wufcher rind die BerufstttäfiLge Rpe k ri l a t i o m Rabbi Akiba erblickte am 14׳. Cheschwan 5522 (1*61) Zit Eiseristädt das Licht der Welt. Der ursprüngliche Familienriame Gii ft s zeigt auf die Herkunft seines Stammahnen aus dem kleinen Orte gleichen Namens in Ungarn. Seifte Mutter Gitil war die Tochter des Preßburger Rabbiners Rabbi Akiba Eger. »des ersten«, Verfasser des »Mischriat cTRabbiAkiba« (Fürth, tT8I), der aus Eger stammte und von Biographen oft mit seinem großen Töchtersohn verwechselt wird. Der junge Akiba zeigte schon als Kind eine gewaltige Begabung und Erinnerungskraft. Nach Zurückleguüg seiner rabbinisch-wissenscliaftlichen Studien in Breslau, wo sein Mutterbrndei־ Rabbi Wolf Eger, nachmalig Rabbiner in Leipzig, lebte, vermählte sich Rabbi Akiba mit der Tochter eines frommen und gelehrten Kaufmannes Isak Margulies in Lissa, wohin er auch nach seiner Hochzeit übersiedelte, ln seiner Bescheidenheit wehrte er sich gegen die Annahme eines Rabbineramtes und leitete in Lissa eine Talmudschule. Sein Vermögen ging aber verloren und schließlich zwangen ihn die Umstände, ״ der Bitte der Gemeinde in Mark. Friedland, das Rabbineramt anzunehmen, zu folgen. In seinem neuen Wirklingskreis setzte gleich eine ungemein fruchtbare Schaffens- Periode Egers ein, die daun die Krönung seines Lebens bilden sollte. Vierundzwanzig Jahre übte er hier sein geistliches Amt aus und wurde als rabbinische Autorität bekannt. Im Jahre 1815 berief ihn die Gemeinde Posen, die damals eine wahre »Mutterstadt in Israel« war, zu ihrem Rabbiner, wo er bis zu seinem tHinscheiclen wirkte. Er leitete hier eine große Je.schibn und wurde der geistige Vater von fünfzehnhundert späteren Rabbinern. Wir begegnen unter ihnen die »klingendsten« Namen jener Zeit. Trotz seiner starken Inanspruchnahme als Oberrabbiner, ließ er auch seine Feder nicht rosten. Er verfaßte eine ganze Reihe von rabbinisclien Werken, in welchen das Gedankengut dieses 11 eiligen Marines bewahrt ist und clie nach seinem Ableben durch seine Kinder der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Aber abgesehen von seiner hervorragenden Gelehrsamkeit, zeichnete sich Rabbi Akiba durch gute!Eigenschäften aus. Er war vor allem ein Vorbild der!Demut und Bescheidenheit. Auch stellte er seine Arbeitskraft und seinen Idealismus in den Dienst der Allgemeinheit, war in seiner 1 Gemeinde der Mittelpunkt der Wohltätigkeit und machte dem jüdischen Sittengesetz entsprechend, in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen den eigenen Glaubensgenossen und den Andersgläubigen. Er sorgte nicht nur für die seelischen, sondern ■auch für die leibliehen Nöte seiner Mitmenschen. Als im Jahre 1851 in Posen die Cholera wütete und der Tod tausendfache Opfer forderte, übte Rabbi Akiba, obwohl stark geblickt von der Last der Jahre, todesverachiend Krankenbesuche, tröstete, pflegte und stützte Juden und Christen unterschiedslos. Hiefiir wurde ihm auch höchste Anerkennung König Wilhelms HL zuteil. Als Rabbi Akiba am 15. Tischri 559S, siebenundsiebzig Jahre alt, starb, löste sein Hinscheiden im Judentum der ganzen Diaspora tiefste Trauer aus. Es wird in der Tat schwer sein, aus den letzten •Jahrhunderten, einen Rabbiner zu nennen, der mehr geleistet hätte als Rabbi Akiba Eger. Als er sich zur letzten Krankheit uiedergelegt und den Tod herannahen fühlte, sagte er den Um- Det Wfy mm leBet* Vom Ljubawitscher Rebben. (Aus dem Jiddischen übertragen von ■Meir B 0 g n e r.) ' H. Der Mensch, der gleich dem Tiere nur den körperliehen Gelüsten folgt, sinkt noch viel tiefer als das Tier, das Tier, dem jedes Erkennen versagt ist, handelt, wenn es den körperlichen Instinkten folgt, natürlich, der Mensch aber, als vernunftbegabtes . Wesen, bandelt, wenn er die sittliche Erkenntnis seines Verstandes ignoriert, widernatürlich, d. 11. schlecht. Ja hoch mehr! Dadurch, daß er seinen Verstand in den Dienst seiner körperlichen Gelüste stellt, gelingt es ihm, Bosheitsakte und Verbrechen zu begehen, die dem Tiere vollkommen unmöglich sind. Die Aufgabe cles Menschen ist es vielmehr, die körperlichen Gelüste rücklialtslos• dein denkenden und erkennenden Verstände unterzuordnen. Aber nicht nur clie Verwendung des Verstandes zum Bösen, auch seine ausschließliche Beschäftigung mit den körperlichen Bedürfnissen ist seinem Wesen nicht entsprechend. Es ist ja klar und unmittelbar einleuchtend, daß diese hevrliehe Gottesgabe dem Menschen nicht ausschließlich, zur Beschaffung seines Unterhaltes verliehen sein kann, gewinnt doch das Tier ohne diesen Verstand seinen Unterhalt, noch obendrein mit bedeutend geringerer Mühe als der Mensch, nie es im Talmud heißt (Ende Kiduschin): Rabbi Schimeon ben Elieser sagt: Noch liie sah ich einen Hirschen Früchte trocknen, einen Löwen als Lastenträger, oder einen Fuchs als Krämer, uncl clennoch gibt ihnen der Heilige g. s. E. ihr Essen ohne Mühe und Plage; ich (Mensch) habe eben böse gehandelt und mich dadurch meines (sorglosen) Lebensunterhaltes beraubt, Weiters heißt es im Talmud: Armut lind Reichtum des Menschen kommen nicht von seinem Beruf, sondern nur nach seinem (sittlichen) Verdienst. Der Verstand ist dem Menschen vielmehr verliehen, damit er sich mittels seiner mit hohen und erhabenen Dingen beschäftige. Dies ist die eigentliche Aufgabe des Menschen, derziiliebe ist er erschaffen worden. Bedenkt dies der Mensch und betrachtet dann, wie wenig seine Lebensführung und clie seiner Familienmitglieder dieser hohen Aufgabe entsprechen, so überkommt ihn tiefer Schmerz und starkes Reuegefülil und aus bedrücktem Herzen fleht er den Heiligen g. ls, E. an, (laß Er über ihn und seine Familienmitglieder einen Geist der Reinigung sende, damit sie die Thora und ihre Gebote wahrhaft hüten mögen. * * ׳ , Es steht geschrieben (Jesaia. 56): Suchet den Herrn» (in der Zeit) da er sich finden läßt! Unsere Weisen sagen: Dies sind die zehn Tage dev Reue von Rausch Hauschono Bis Jom Kippur. In dieser Zeit findet vor dem Heiligen g. s. E. nicht wie sonst nur das Gebet einer Gemeinde, sondern auch dasjenige eines einzelnen Erhörung. Es ist eine Zeit g—ttlichen Wohlgefallens, in der sich die Pforten der Rückkehr für jeden öffnen; denn in dieser Zeit offenhart sich der »Quell des Lichtes« dem »Funken«; das will folgendes sagen: Die Seele eines jeden Juden ist ein Funke der G—ttlichkeit, wie geschrieben steht (5. Buch Moses): Kinder seid ihr dein Ewigen Euren G—tte. Ebenso wie das Kind aus einem Wesensteil seines Vaters bestellt, so ist die Seele jedes Juden ein Funken der G—ttlichkeit. ■Nun ist die Liebe des Vaters zu seinem Kinde Liebe an sich, die weder eine Begründung verlangt, noch verträgt, so daß sogar ein, G—tt behüte, ungeratenes Kind von■ seinem Vater noch immer geliebt wird, wie es heißt (Sprüche): Alle Fehler bedeckt die Liebe. Und ebenso clie Liebe des Kindes zu seinem Vater. Mag das Kind seinem Vater noch so sehr entfremdet sein, es bleibt in der Tiefe seines Herzens eine Liebe zurück, die durch verschiedene Umstände nur zuriickgeclrängt, niemals aber beseitigt werden kann. Wird daher eines Tages durch irgend einen Umstand diese im Herzen schluinmerucle Liebe wieder erweckt, dann erweist sie sich in ihrer ganzen Reinheit und Klarheit. Genau so verhält es sich niit'der Liebe des Heiligen g. s. E., der doch unser Aller Vater ist, zu uns. Es heißt da: Ich liebe Euch, spricht der Ewige. Und ebenso Ist auch clie Liebe eines jeden Juden zu dein Heiligen g. s. E. sehr stark, doch ist sie während cles ganzen Jahres infolge der. verschiedenen Ablenkungen zurückgedrängt. In diesen zehn Tagen wird der im Herzen schlummernde Funke wieder erweckt, der zugleich der Funke des Judentums ist, das Gefühl des Jucle-seins, Es ist die wiedererweckte Liebe au sieh, die im Schofarrufe symbolisiert wird. Langton (Tekio), gebrochene Töne (Scheworim), Kurztöne (Teruo), sie gleidien dem Seufzen, Klagen uncl Weinen cles Menschen. In der Zeit, cla der Satan (= Ankläger) seine Stimme gegen Israel erhebt, daß sie sündig seien, beten wir alle das Lmrinazeach (Psalm 47) und sprechen das Gebet, das mit clen Worten beginnt: Aus der Bedrängnis rufe ich Dich, oh Herr, gleich einem Kinde, das »Vater, Vater!« schreit; mag das Kind sich auch gegen clen Vater, G—tt behüte, versündigt haben, der aus tiefem Herzen kommende Ruf »Vater, Vater!« erweckt das Erbarmen des Vaters zu seinein Kinde. So auch, wenn wir, die wir des Heiligen g. s. E. Kinder sind, wahrhaftig rufen: »Unser Vater, unser König (Owinu, malkenu) hab mit uns Erbarmen!«, wenn wir den Schofar blasen und wir in aufrichtiger Reue zu G—tt g, s. E. zurückkelireu, dann hat er mit uns Erbarmeu uncl er rettet uns aus den Händen des Anklägers und' gibt uns ein gutes Jahr. A Diese Reue aber muß aufrichtig und wahr sein, d. h, sie muß tatsächlich das Herz des Menschen^ ergreifen, wie Rabbi Mosche ben Maimon sagt: Der Ruf cles Schofar bedeutet: Erwachet ihr Schlafenden von Eurem Schlafe, prüfet Euer Handeln, kehret in Reue'um uncl erinnert Euch Eures Schöpfers g. s. E. Ihr alle, die ihr in dev Geschäftigkeit des Alltags über den weltlichen Dingen, die ja in Wirklichkeit nichts sind — liegt doch Reichtum und Armut ausschließlich in cler heiligen Hand cles Schöpfers — auf die wahren Werte vergeßt, seht Euch doch um, wie es mit Euch bestellt ist, jeder bessere seine Fehler aus, ,verlasse den schlechten Weg und kehre in Reue zurück. Im neuen Jahr hat nun der in Reue zurück gekehrte Mensch sich zu bewähren uncl die am Rausch Hauschono gefaßten Vorsätze in die Tat nmzusetzen. Bewährt er sich, so erhält er all das ihm am Rausch Hauschono bestimmte Gute. Versagt er aber, so vergeht ihn! all der ihm hestimmte Reichtum, sobald er in seine Hände gelangt ist, auf Krankheiten, Schäden ׳u. dgl.• Nur der sich in seinen guten Vorsätzen durch die Tat bewährende Mensch ge• langt zum Genüsse des Ihm am Rausch Hauschono bestimmten Guten. ׳ # Der Gerichtstag am Rausch Hauschono ist ein Tag des Zitterns für alle Geschöpfe. Denn an ihm ergeht für sie alle der Richtspruch. Es ist die Zeit der Rückkehr, die Zeit wahrhafter Reue über alles getane Schlechte und cler festen Vorsätze für die Zukunft, selbst nur gut zu handeln und seine Familienmitglieder zu gutem Handeln anzuleiten. Denn es ist ja zugleich die Zeit, cla der »Funke« im Herzen erweckt wird: An diesem Tage kann jeder sich uncl seinem Hause für ein Jahr Leben uncl Glück erwerben. Es muß nur der Mensch die Härte seines Herzens brechen und es zur Reue führen, dann erhört der Heilige g. s. E. seine Bitten, wie geschrieben steht (Psalm 51): Ein Opfer vor G—tt ist ein gebrochenes Gemüt, ferner: Ein gebroebenes uncl zermürbtes Herz, oh Gott, verschmähst Du nicht. Der Furchtbare uncl Heilige, der, im Gegensatz zu menschlichem Verhalten, in seiner unendlichen Erhabenheit unendlich Demütige, er sieht mit Erbarmen auf gebrochene Herzen und ist ihnen mit seiner Hilfe nahe, wie geschrieben steht (Psalm 54): Nahe ist der Ewige denen, die gebrochenen Herzens sind, und denen, die gedrückten Gemütes, .hilft er. Ferner heißt es (Jesaia 57): So spricht cler Hohe uncl Erhabene, cler in Ewigkeit thront uncl dessen Name heilig ist: »In Erhabenheit und Heiligkeit throne ich, und bin bei dem Gedrückten, und dem, der gebeugten Gemütes ist, um zu beleben das Herz cler Gedrückten und um zu beleben das Gemüt der Gebeugten.« Und im Miclrascli (Wajikro 87) heißt es: Wer in Reue zurückkehrt, clem rechnet es cler Heilige g. s. E, so hoch an, als ob er nach Jeruscholajim gekommen wäre, daselbst das Heiligtum erbaut, clen Altar errichtet uncl auf demselben alle in der Thora vorgeschriebenen Opfer dargebracht hätte. Ferner heißt es (Sain. I. 15.): Gehorchen ist besser als Opfer, •* An jenen beiden Tagen von Rausch Hauschono, da cler Mensch durch Rückkehr zu G—tt sich Leben und Glück erwerben kann, ist jeder Augenblick von unermeßlichem Werte. Es bete der Mensch mit restlos hingegebeuem Herzen, jeder Bruchteil der Zeit sei erfüllt von Gedanken der Reue und cler festen, unerschütterlichen Vorsätze guten Handelns für die Zukunft. So wird er eines gütigen, freudvollen Ürteilsspruches würdig befunden werden.