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Jüdische Presse · 1937-09-17 · 31-32 (17.9.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
23 (1937)
Issue
31-32 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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stehenden: »Wisset, dafi alle Menschen vor dem hifflnili* sthen Weltriehter gleich sind. Der Israelit aber trägt nur noch eine größere Verantwortung für seine sündhafte Laufbahn«. Von Rabbi Äikiba Eger ist ein Wort überliefert: »Die Gerechten und ׳Gelehrten Israels sind das Antlitz des Volkes Israel«, — und er war das Antlitz seines Zeitalters. Chajiffl Bloch. # II. Trotzdem sich mit dem 13. Tischri d. J. (1?. September 1037) der weitgespannte Ring eines ganzen Jahrhunderts schließt, seit Rabbi Akiba Eger verschied, ist die Erittnerung an ihn, diese große Leuchte des Judentums, nicht verblaßt. Es gibt Leute, deren Worte Taten sind, und es gibt Leute, deren Taten beredter als Worte sind. Rabbi Akiba Eger war ein Mann, dessen Worte Taten und des* sen Taten Worte waren. Er, der Hochgestellte und Ehren* reiche, kannte keinen Stolz. Sanft und freundlich beugte er sich nieder auch zu dem Geringsten. Und die Liebe, die er übte, kannte nur die eine Frage nach der iNot des Nebenmenschen, kannte keine Schranken und Grenzen. Von schwächlicher Körperbeschaffenheit und kränklich, kannte er nie für sich Schonung. So besaß er eine beWündernswerte Schaffensfreudigkeit, gönnte sich, rastlos tätig, keine Muße, wofür ihm auch alle Herzen in Liebe zuflogen. Bei hoch und niedrig, bei seinen Stammes* brüdern wie bei den Andersgläubigen erfreute er sich höchster Verehrung und Liebe. So wurde er von der Posener Bevölkerung der »Judenpapst« genannt. Er nahm an vielen Wohltätigkeitsaktionen teil. In Posen veranfaßte er die Stiftung einer Krankenanstalt, die er selbst verwaltete. Im Cholerajahre 1831 dankte ihm •Friedrich Wilhelm III. für seine Umsicht zur Abwehrung und Hei* lung der Krankheit in einem Kabinettsschreiben. Aber so milde er auch sonst war, so kannte er in bezug der orthodoxen Belange keine Kompromisse. So wie die zeitgenössischen Rabbiner in ihm eine Stütze fanden, wenn sie gegen die Reform ihrer Gemeinden ankämpften, so trat er wieder andererseits gegen manche Rabbiner auf, die mit der Reformbewegung liebäugelten. Als Rabbiner in Posen entfaltete er seine besondere Tätigkeit, insbesondere als Führer im Kampfe gegen die damals beginnende Reformbewegung. In Zusammenhang damit, suchte er mit aller Energie durchzusetzen, daß Rabbinatsämter nur an Würdige und Gelehrte übertragen werden sollten. Auch in die die Gesamtjudenheit bewegenden Fragen griff er bisweilen ein, so durch sein Gutachten über die Berliner und Hamburger Reformbestrebungen, dahingehend, daß, wenn der öffentliche G—ttesdienst nicht in hebräischer Sprache und unter Wahrung der überlieferten Formen stattfinden könnte, er lieber gar nicht abgehalten werden sollte. 1807, als er anläßlich der Errichtung des Großherzogtums Warschau durch" Napoleon I. von den Gemeinden Posen und Lissa mit der Führung einer Deputation betraut wurde, setzte er sich für die Beseitigung der Rekrutengelder ein, die den Militärdienst der Juden zur Folge haben mußte, sowie lür den Wegfall der Trauschein- und Handlungsgelder. Unter den vielen Schriften, die von ihm erhalten geblieben sind, ■sind besonders hervorzuheben die »iHaggahot« zur Mischna > sowie Tossefot R.A.E.. ferner sein »Giljon-Haschass« und »Chiddusche R.A.E.« zum Talmud, ferner »Ilaggahot zum Schulchan Aruch«, sowie insbesondere seine »Tesehubot«. Seine individuelle Lehrmethode übte insbesondere auf die Gelehrtenwelt Polens, Litauens lind Ungarns einen tiefen Einfluß aus. Auch heute wirken zwei seiner Nachfahren als' jüdische Führer! In Polen der Rabbi von Lublin, Grofirabbiner Eger, Führer einer großen Chassidimgemeinschaft, und in der Tschechosloväkei der Preßburger Raw Öberrabbitter Akiwa Schreiber, der Führer der westeuropäischen Orthodoxie, an dessen berühmter Jeschiwah (aus der seit ihrer Grün* düng durch den Eidam R.A.E., dem Chassam Safer, zahl* reiche Führer des Judentums im Geiste R. A. Egers erzogen, hervorgingen) noch heute nach hundert Jahren die Chidduschim des Rabbi Akiba Eger gelehrt und gelernt werden...; Er hinterließ acht Söhne, deren einer Rabbi Schlorao Eger von Kalisch, wo er als Rabbiner wirkte, als Nachfolger seines Vaters nach Posen berufen wurde und des* sen Sohn Rabbi Leb Eger die Rabbeimdynastie von Lublin begründete, sowie acht Töchter, deren eine die zweite Gattin des Chassam Sofer und Mutter des Koaw Sofer und Rabbi Schimon Sofer war« Rabb. Benj. Benedikt ~ Wien. \ Franzbranntwein und jetzt auch Zahn-Creme J)aS Die öffentliche Diskussion der berufenen jüdischen Faktoren zum Palästinaproblem in seiner neuen Form ist beendet und nun haben die anderen Faktoren das Wort. Die Mandatskommission hat ihren Bericht bereits erstattet und nun soll der Völkerbundrat seine Stellungnahme präzisieren. Angeblich soll hiebei England einen modifizierten Plan hinsichtlich der Teilung des Landes. vertreten. Die Einzelheiten dürften in den allernächsten Tagen bekannt werden. Immerhin scheinen die Entschließungen des Zionistenkongresses, der Jewisli Agency und der Kenessio Gedaulo auf das Londoner Kabinett nicht ohne Einfluß ge• blieben zu sein. Ob der neue Plan den jüdischen Wünschen besser zusagen würde, bleibt abzuwarten. Eines muß aber schon heute festgestellt werden: Während ‘es sich für Zionisten und Jewish Agency hauptsächlich ,um politische und wärtschaftliche ׳Postulate handelt, wäre der neue Plan für die Orthodoxie nur dann annehmbar, wenn die religiösen Postulate Berücksichtigung fänden. Die Gegner der Orthodoxie in allen ihren Schattierungen mögen sich heute noch den! Wahne hingeben, es würde ihnen gelingen, mit einh gen hämischen Bemerkungen die Glaubenstreuen an die Wand drücken und über ihre Forderungen zur Tagesordnung übergehen zu können. Sie werden •sich bakl überzeugen, daß die Orthodoxie ein Faktor ist, mit dem ernstlieh zu rechnen ist, und sie würden gut tun, recht bald, die sich aus dieser Erkenntnis ergebenden Schlußfoigerungen zu ziehen. Inzwischen lebt im Heiligen Lande der Terror wieder auf und fordert täglich neue Opfer. Auch dieser Umstund beweist, daß der Weg über das Mandat nicht mehf fttl gangbar ist. Selbstverständlich könnte dieser Terror mit fester Hand bald unterdrückt werden; aber er würde voll Zeit zu Zeit wieder aufleben und die luhige Enttvickluttg des Landes unterbinden. Man mag über die moralisch! Verpflichtung Englands, das Mandat durchzüführen,;wie immer denken — auch der Völkerbund wird es der tött* doner Regierung nicht zumuten können, unter solchen Be■4 dingungen die bisherige Politik fort2usetzen. Diejenige« »Unentwegten«, die heute bereits über die »Torpeaierttug des Judenstaatspianes« frohlocken, könnten bald Zür Ueberzeugung gelangen, daß dieses Frohlocken allzu verfriiht war. Kein Mensch •weiß, was die allernächste Zukunft bringen wird — aber das Palästinaproblem erfordert gerade jetzt eine überaus ernste Behandlung und das jüdi* sehe Volk darf es nicht so weit kommen lassen, daß es eines Tages unangenehmen Üeberraschungen gegenüber* steht. Der Bericht der Mandats-Kommission Der vollständige Bericht, den die Permanente Man* datskommission dem am 10. September zusammengetretenen Völkerbundrat über ihre letzte außerordentliche Palästina* tagung vorlegte, ist am Sonnabend, 4. September, veröffentlicht worden. Der Bericht gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil, der bereits früher veröffentlicht wurde, behandelt die Zukunft Palästinas; der zweite Teil befaßt sich mit der Verwaltung des Landes im letzten Jahr, der dritte mit den der Kommission unterbreiteten Petitionen. Der zweite Teil zerfällt wiederum in zwei Unterabteil ungen, von denem die erste allgemeine Bemerkungen der Mandatskommission über die Gründe der Einberufung •ihrer letzten außerordentlichen Tagung enthält. Bei der Prüfung der Berichte der Palästinaverwaltüng für 1935 lind 1936 hat die Mandatskommission festgestellt, daß i. J. 1935 und in den ersten Monaten von 1936 gewisse Anzeichen einer wachsenden Spannung zwischen Juden und Arabern zu bemerken waren. Diese Spannung sei auf den starken Eindruck zurückzuführen gewesen, den die jüdische Einwanderung auf die Araber gemacht habe, auf eine heftige Pressekampagne und scharfe Reden .bei politischen Versammlungen, auf den Zusammenschluß aller arabischen Parteien mit Ausnahme der Mufti-Partei, auf die Agitation gegen den Plan der Schaffung eines Legislntive Council und auf die schwere Enttäuschung, die bei den Arabern nach der Debatte im englischen Pariament •über den geplanten Legislative Council im Februar 1936 herrschte. Diese!Enttäuschung, so heißt es in dem Bericht weiter, sei geringer geworden, nachdem der Kolonienminister eine arabische Abordnung nach London ein-, geladen hatte. Bei der Erörterung der Unruhen weist der Bericht der Mandatskommission darauf hin, daß die zahllosen Angriffe auf jüdische Siedlungen der Gesamtbevölkerung schweren Schaden zugefügt haben. Allmählich hätten die Unruhen den Charakter , einer arabischen Revolte gegen die Palästinaregierung angenommen. Diese Revolte sei von Elementen außerhalb des Landes weitgehend unterstützt worden. Die Juden hätten Gewaltakte nur in Notwehr begangen. Weiter wird in dem Bericht betont, daß der Leitge* danke bei den, arabischen;Unruhen der war,, die Errichr tung eines Jüdischen Nationalheims zu verhindern und die jüdische Einwanderung־ zum Stillstand zu bringen. Somit seien die Unruhen hauptsächlich gegen das Palästinairtandat gerichtet gewesen. Die Beendigung der Unruhen wird in dem Bericht Zum Hüttenfest, dem Feste der Freude, ist die schönste Zierde der »Hütte« der appetitlich gedeckte ,Tisch.; Einen solchen herzustellen, ist die Sorge der Hausfrau.: Da helfen aber verläßlich die bekannten, guten Oetker-;!Erzeugnisse, das koschere Backpulver »Backin« und Dr. Oetkers־ Vanillinzucker »Heller Kopf«. Alle Arten von Backwerk lassen sich damit leicht, billig und wirklich schmackhaft hersteilen.; Esrogim und Lulawim während der Weltkriegs jahre (Ein Kapitel aus meinen Erinnerungen.) Mit dem Ausbruch des Weltkrieges entstand für die Juden in den Ländern der Mittelmächte auch das Problem der Versorgung mit •Esrogim und Lulawim. Seit jeher bildete Triest den Markt hiefür; dorthin sandten die Produzenten aus dem Orient, Griechenland, Italien usw. ihre Waren, dort hatten die Großhändler an der »alten Börse« ihren Sitz und dorthin •kamen die Wiederverkäufer aus Mittel- und Osteuropa, um ihren Einkauf zu besorgen. Nun galt Triest als Kriegsgebiet und die Einreise dorthin konnte nur mit schwerer Mühe erwirkt werden. Es gelang dennoch, für einige bekannte Händler diese zu erwirken und die Versorgung konnte noch rechtzeitig bewerkstelligt werden. 1915 war bereits Italien in den Krieg eingetreten und die Adria ward Kriegsgebiet. Die Versorgung mit Es^rogim und Lulawim mußte daher aus dem Orient via Konstantinopel, Bulgarien und Rumänien umdirigiert werden, was auch gelang. 1916 stand der Weg über den Balkan offen und alles ging halbwegs glatt vonstatten. Etwas komplizierter war die Situation 1917. Weder aus' Italien noch aus Griechenland waren Lulawim zu erhalten. Man mußte sich vielfach mit. den vorjährigen behelfen. Frische Lulawim gab es in geringer Menge und zu hohen Preisen. Als der in Wien residierende Rabbi von Husiatyn einen frischen Lulaw um 100 Kronen erwarb, galt dies als große Sensation, Esrogim langten hingegen genügend aus Palästina über den Balkan ein. Diese Versorgung hatte allerdings eine interessante Begleiterscheinung.■ Ein Komitee der österivungar. Kolonie in Jerusalem hat unter Garantie des österr,«ungar. Generalkonsulates bei der dortigen Filiale der Deutschen Bank ein Darlehen von 10,000 Türkenpfund aufgenommen, um den Einkauf und die Versendung besorgen zu können. Unmittelbar nach Sukkoth setzte die englische Offensive gegen Jerusalem und damit auch die Evakuierung der Stadt ein. Das Ko* mitee stattete wohl gerade um diese Zeit die Hälfte des Darlehensbetrages ab, doch waren die Schalter der Deut* sehen Bank bereits geschlossen und sä wurde das Geld dem deutschen Militärkommando übergeben, Dieses wan* derte nun über Mesopotamien nach Persien, blieb irgend* wo stecken und kam buch* und kassamäßig nicht mehr zum Vorschein, so daß es der Bank nioht abgeführt wer* den konnte, Die anc|mre Hälfte wurde einige Zeit später gleichfalls dem deutschen Militärkommando in Konstantin* opel erlegt, u. zw, in Romanow*Rubeln. Dieses übermit* telte den Betrag dem Kommando der Mackensen-Armee in Rumänien, dieser blieb aber dort so lange liegen, bis diese Rubel vollständig entwertet wurden. So entstand die Si* tuation, daß die ( Schuldner wohl alles bezahlt hatten, die Bank aber den Betrag nicht erhielt, 1933 wandte diese sieh nun auf diplomatischem Wege an das österreichische Außenamt mit dem Ersuchen, für die Abdeckung der Schuld Sorge tragen zu wollen, da diese vom k. u. k. Generalkonsulat . garantiert •worden war. Nun hatte das neue Oesterreich keine Verpflichtung hinsichtlich der Schulden der alten Monarchie. Aber die zuständige Stelle des Außenamtes meinte, es wäre vielleicht moralische Pflicht der jüdischen Faktoren,, für die Abdeckung der Schuld Sorge zu tragen, besonders da es sich um eine religiöse Augelegenheit handelt, und so wurde ich um meine Meinungsäußerung־ ersucht. Ich erklärte natürlich, daß von einer moralischen Verpflichtung־ jiidischerseits keine Rede sein könne, da diese ja den Betrag׳ voll und ganz bezahlt habe. Die moralische Verpflichtung־ obliege vielmehr der deutsehen Militärverwaltung, zu deren Händen das Geld erlegt worden ist. Damit war die Sache für das Wiener Außenamt erledigt. Sehr kompliziert gestaltete sich die Frage zu Sukkoth 1918. Der Weg über die Adria und den Balkan war ge* sperrt. Wohl versuchte die Agudas Jisroel auf dem Wege über den Vatikan bei der italienischen Regierung die Erlaubnis zu erwirken, ein gewisses Quantum Esrogim und Lulawim frei passieren zu lassen, Aber die Regierung in Rom blieb hart und wollte nicht nacligeben. Schon standen wir unmittelbar vor Rosch-Haschanah. Für Esrogim wurde irgendwo in/Bosnien eine Alt Ersatz gefunden; es handelte sich um eine dunkelgrüne Frucht, die weder dem Aussehen nach noch hinsichtlich der Form den Esrogim gleichkam, immerhin nach Ansicht der rab'binisehen Autoritäten als Ersatz »bescliaath-hadchak« verwendet werden durfte. Lulawim hingegen waren nicht aufzutreiben und die wenigen vorjährigen, die zumeist auch schon vom Jahre, 1916 stammten, kaum verwendbar, In einem Gespräch mit dem damaligem Pressechef-Stellver* treter Dr, v, Praznovszky erzählte ich diesem den Stand der Dinge und dabei fiel;mb׳ ein, daß es eveut. möglich wäre, im kaiserlichen Palraengarten zu Schönbrunn einige koschere Lulawim ausfindig zu machen, so daß zumindest Wien und die anderen Hauptstädte des Reiches zur Not versorgt werden könnten, Ich meinte hiebei, es wäre dies ein schöner Zug seitens des Kaisers angesichts der intransigenten Haltung Italiens und könnte auch propagandi* stisch sehr gut winken, Meine Anregung fand Anklang. Am nächsten Tage wurde ich zum Referenten für kirenliehe Angelegenheiten im Außenamt, Baron de Dipauli, berufen, der sich über die Bedeutung der MizwathrLulaw informieren ließ und mich schließlich ersuchte, einen ent* sprechend formulierten Vorschlag auszuarbeiten, der der kaiserlichen Kabinettskanzlei übermittelt werden sollte. In meinem Vorschlag bezeichnete ich neben Rabbiner Fürst (Schiffschul) auch den Rabbi von Czortkow s, Z. 1. und den Oberrabbiner Dr. Chajes als Mitglieder der rabbiaisehen Kommission, die im Schönbrunner Palmengarten Nachschau um koschere Lulawim zu halten hätte. Als der Vorschlag jedoch an die Kabinettskanzlei weitergeleitet werden sollte, meinte der damalige Erste Sektionschef Baron Flotow, dieser müßte den Weg über das Kultusministerium nehmen, da es sich um eine religiöse Angelegen* heit handle. So trat eine Verzögerung in der Erledigung ein. Inzwischen erhielt man die »Bssura«, es sei gelungen, in Dalmatien Lulawim aufzutreiben. Die Sorge war im letzten Moment behoben und die Frage, ob man in Schönbrunn koschere Lulawim hätte finden können, blieb iingelöst. Reg.-Rat J. Kreppei. Berl Schneider wendet eine ״Gesere” ab Den alten Chassidim nacherzühlt von Jakob M. Frostig. Erew-JonnKippiu־ in Berditschew. Eine feierliche, heilige Stille füllt die Gassen. Es ist,, als ob die Weihe des kommenden Tages sich materialisiert hätte und greifbar in der Luft zu spüren sei. Selbst der nicht jüdische Teil der Bevölkerung־ kann sich der Stimmung nicht entziehen und es ist, als'ob auch er von der Weihe der kommenden Stunden ergriffen wurde. Die jüdischen Straßen sind menschenleer: Alles hat sich bereits zum Kol-Nädre begeben. Die Sonne neigt sich dem Westen zu und schüttet in mütterlicher Milde unzählige Garben goldiger Strahlen ■aber die schiefen Dächer der engen Ghetto-Häuser, als ob sie den angst- und erwartungsvollen Inwohnern derselben himmlische Grüße und Trost für den kommenden Tag überb rängen wollte. 1 Die Bethäuser sind zum Bersten voll: sie sind bis zum letzten Plätzchen gefüllt lind ein angsterfülltes und zugleich beängstigendes Gemurre und Gesumme erfüllt den Raum. Von der Frauenabteilung her drängt lautes Schluchzen, das oft in langanhaltendes Weinen übergeht; die alten vergilbten »Techinoth«, aus denen noch ihre Mütter, ja, noch ihre Großmütter beteten, und ihr Herz vor dem himmlischen Vater ausschütteten, wirken auf die Enkelkinder mit nicht verminderter Kraft,,. Das Jahr ist groß, man ist ja nur Me.n3.ch und Neid und Zank und Scheelsucht , sind •stark.., wie oft kann man da den Versuchungen nicht widerstehen.., und jetzt nur noch eine kleine Spanne Zeit — -** bevor es zu spät ist.., — Das Bethuraidrasqh, das größte Bethaus der Stadt, in dem Rabbi Levi jizehak vorbetet, kann die Leute nicht fassen; von allen Seiten sind sie hergezogen gekommen,; jeder der schweren Gemütes und beladenen Herzens ist, um bei •ihm. dem großen Fürsprecher, wie das Volk ihm nennt und liebt, Schutz zu finden, Die Armen und, Beladeneu wissen, daß Rabbi Levi Jizehak sich hneh; d1^ Letzten und Niedrigsten unter ihnen am Tage des Großen Gerichtes.־annehmen wird und ihr Gebet, gereinigt und •geheiligt, vor den Füßen des Thrones des himmli^ehblL Vaters ausbreiten,:wird,/.׳■.־ Eine sonderbare, beängstigend# Stille erfüllt den Raum! Längst haben die Betende« das große Bußegebet , des »Chajei-Adam« gesagt, längst das %her*Stück: »Rabbi Simeon stand auf und erhob seine

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