Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 23 (1937)
- Issue
- 31-32 (17.9.1937)
- Date
- 1937-09-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nnt)ttn»e t^plaü>4 poroten^ ffadit paät a telegrafov v Bfatislave tis, «SW-ltt•:» V. b. b. ppgggg Zeltaagen am Verte«» «etsairief Journal est^dl« par r&iiisti* WtEN-BRATlSLAVA m 17. SEPT. 1937 , ^׳ •׳ י״ג תשרי תרצ״ח ’■•׳■• 23. Jahrgang / Nummer 31/32 l Redaktion and Administration*. Wie», II., Malzgasse 12a, , Telephon-cNr. A-46-0-15; Tsfchechoslowakei: Bratislava* Republikplatz Nt, 37, Postfach 381 /׳ Erscheint jeden Freitag / Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnement preise: Ganzjährig! liir Oesterreich S 16, Tschechoslowakei Kg 80, Jugoslawien Dinar 130׳, das übrige Ausland Schw. Fr. 14. Einzelnummer 8st. Gr# 40. Zahlungen für »jüdische Tresse«, Wien, auf fötgencle Post** Sparkassenkonti: Wien Nr. D-93.614, Brünn Nr. 126.658, Budapest Nr. 50.170, Warschau Nr. 193.316, Zagreb Nr. 40.217, Zürich Nr. VIII, 4117, Berlin Nr, 122.619; lür »Jüdische Presse«, Bratislava: Prag Nr. 53.386. 0RGnn pür dig imeReesen Des oRTHOüonen juüerrrums TMotnas Q. fHasatyk Die Hütte des Friedens Neben dem »Emess«, der »Wahrbeit«, die das Siegel G—ttes ist, bildet der »Scholaum«, der »Friede«, das allerhöchste Attribut für Juden und Judentum. Auch »Scholaum« gilt als Name G—ttes. »Liebet die Wahrheit, liebet den Frieden!« verkündet der Prophet als höchstes Gebot, und die Weisen des Talmud stellen fest, daß. der Heilige, gelobt sei Er, kein würdigeres, Segen enthaltendes Gefäß für das jüdische Volk ausfindig machen konnte, als den Frieden. Die höchsten Verheißungen der Thora für das jüdische Volk als Lohn für die Einhaltung der religiösen Gebote gipfeln in der Zusicherung eines Friedens, und der Prophet Jesaja konnte als Symbol für das verkündete goldene Zeitalter kein besseres finden, als den ewigen Frieden. Leider sind wir gerade jetzt von diesem Ziel weiter entfernt als je — und wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, daß wir in einer degenerierten Periode leben, so eben dieser fast ununterbrochene Krieg an allen Ecken und Enden. Man hat sogar den Begriff »Krieg ohne Kriegserklärung« erfinden müssen, um einem Zustand einen Namen geben zu können, der alles bisher dagewesene auf den Kopf stellt. Man überzieht den Nachbar mit Feuer und Schwert, vernichtet ganze Städte, und Provinzen, pottet Tausende und aber Tausende aus — unterhalt jedoch weiterhin die »diplomatischen Beziehungen« und leugnet es, Eroberungen anzustreben. Man schickt »Freiwillige« in ein fremdes Land, läßt diese offen unter eigener Flagge Kriegshandlungen vollziehen, freut sich ob ihrer »Siege«, bleibt aber »neutral« und tut höchst entrüstet, wenn sich jemand darüber beschwert... Man predigt Frieden und führt Krieg... Wir leben buchstäblich in einer verkehrten Welt. Was hinsichtlich des Völkerrechtes, der internationalen Tradition gilt, gelangt aber auch im Verhältnis der verschiedenen Volksgruppen in manchen Staaten zum Ausdruck. Man spricht von Minderheitenredht und bekundet eine extreme Verfolgungspolitik, woran der Umstand nichts ändert, daß in manchen Staaten die Minderheiten es sind, die so gerne der Mehrheit ihren von außen her diktierten Willen auf drängen möchten. Das gleiche gilt׳ aber auch für das Verhältnis innerhalb der verschiedenen Völker imd Nationen. Auch da gibt es selten aufrichtigen Frieden; auch da wird mit allen zulässigen und unzulässigen Mitteln Krieg geführt. Man predigt »Befriedung« und meint Beherrschung. Wenn »Wahrheit« und »Friede«, wenn »Emess« und »Scholaum« synonime Begriffe sind, dann ist dieser »Krieg im Frieden« eben die beste Charakteristik der Sachlage, wie weit wir von der Wahrheit entfernt sind und wie sehr die Lüge zur Herrschaft gelangte. Wenn das allgemeine Weltbild sich so traurig und düster darstellt — was Wunder, wenn gerade das jüdische Volk, das ja stets und überall den Sündenbock abgeben muß, am meisten darunter zu leiden hat? Wenn gerade gegen die Kinder Israels in den meisten Ländern mit lügenhaften Begründungen und heuchlerischen Festr Stellungen ein Krieg geführt wird? Und wenn auch innerhalb des jüdischen Lagers trotz des Ernstes der Zeit der Bruderkrieg in verschiedenen Formen weitertobt, wenn wir noch entfernt von dem sind, was unter »Frieden im Innern« zu verstehen ist, wenn sich hie und da Unduldsamkeit vordrängt und Maulhelden sich anmaßen, der Volksmehrheit ihren Willen aufzudrängen — so ist auch das ein »Krieg im Frieden«. ׳ Wir haben gerade jetzt die »Jomim nauröim«* die »furchtbaren Tage« hinter uns. Auch in diesen Tagen mußten wir einen Krieg ausfechten, eineif Kampf gegen den bösen Geist, den »Jezer horaa«, der uns zum Bösen verleitet und dann als Ankläger und Belastungszeuge gegen uns auftrat. Nach der Auffassung des Sohar bedeutet das Sukkoth-Fest und die festliche Manifestation, mit Lulow und Esrog den äußeren Beweis, daß die Juden in diesem Kampf die Oberhand behielten und es nun wagen dürfen, in freien Hütten ihr Fest zu feiern und ihre Siegeslorbeeren öffentlich zu zeigen. Wir wollen hoffen, daß es auch heuer so war und daß wir mit vollster Berechtigung und Begründung unser traditionelles Gebet Vorbringen dürfen: ופרוס עלינו סוכת שלומך! An der 'Bahre des Altpräsidenten Thomas G. Masaryk, dem sein Volk das Attribut »Präsident-Befreier« Verlieh, trauert das cechoslovakische Volk, dem er unter schweren Kämpfen und Gefahren die nationale Freiheit, die Staatlichkeit brachte, trauert der cechosloyakische Staat, dem er die weitestgehenden Grenzen verschaffte, dem er zu großem internationalen Ansehen verhalf und dem er unter schwierigen Verhältnissen eine innerpolitische Struktur gab, die fest verankert ist und bisher allen Anstür־ men standzuhalten vermochte. Die Verdienste Masaryks um sein Volk sind derart unbestreitbar, daß selbst seine Gegner ihm die gebührende Achtung nicht versagen konnten und er in seinem Lande zweifellos der populärste Mann war. An der Bahre dieses Mannes trauert aber auch die gesamte Kulturwelt, denn Masaryk war einer der seltenen Staatsmänner, die den Beweis lieferten, daß extremer Nationalismus, ja Chauvinismus mit Demokratie, Recht und Gerechtigkeit für alle nicht unvereinbar ist. Alt- Präsident Masaryk war zweifellos ein Chauvinist extremster Färbung; als es galt, cläs nationale Ziel der Cechen und Slowaken zu erkämpfen, da gab es. kein Schwanken und keine Rücksicht. So wirkte er an der Zerreißung des alten Habsburgerreiches mit, um auf dessen Trümmern seinen eigenen Staat errichten zu können. Als er aber sein Ziel erreichte, da unterließ er jeden Haß gegen die Besiegten und wirkte dahin, daß die Beziehungen seines Staates zu den Nachbarstaaten korrekt, ja freundschaftlich sich gestalteten. Das gleiche galt auch hinsichtlich der Innenpolitik der Cechoslovakei, hinsichtlich des Verhältnisses zu den nationalen und . konfessionellen Minderheiten. Masaryk zeigte, daß Nationalismus nicht unbedingt mit Brutalität synonim sein müsse, daß man jeder nationalen und konfessionellen Minderheit ihr Eigenleben ermöglieben könne. Wenn diese Politik gegenüber allen Bewohnern der Cechoslovakei galt, so besonders gegenüber den Juden. Schon der unter großen persönlichen Opfern geführte Kampf Masaryks gegen die Aufrollung des Blutmärchens im Hilsner- Prozeß lieferte den Beweis, daß dieser Mann stets bereit war, gegen jede Lüge anzustürmen und für Recht und Gerechtigkeit eine Lanze einzulegen. Diesem (Grundsatz blieb er stets treu und die Juden der Cechoslovakei waren dessen sicher, beim Staatspräsidenten stets Gehör Und Schutz zu finden. Der extreme Demokrat, der Freimaurer, hatte Verständnis für religiöse Wiinsehe und Forderungen und das religiöse Judentxim konnte am Plradschin immer Gehör finden. Thomas G, Masaryk war einer jener חסידי אומות העולם deren Platz an der Seite der Gerechten aller Völker ist, Das Judentum in der Cechoslovakei, aber auch die Juden aller Länder, werden seiner stets in Dankbarkeit und Ehren gedenken, רבי עקיבא איגד זצ״ל (Zu seinem 100. Todestage.) Am 13. Tiscliri (17. September 1. J.) .fährt sich zum 100. Male der Tag, an dem der berühmte Gaon, Rabbi Akiba Eger s. Z. 1״ vom irdischen Leben abberufen worden ist. Für die Bedeutung dieser Persönlichkeit spricht der Umstand, daß sein Leben und Wirken mit einem Legendenkranz umgeben ist. Man feiert ihn als Gaon, als maßgebende Autorität auf dem Gebiete des, rahbinischen Schrifttums, dessen Kommentare und Entscheidungen allgemeine Anerkennung und Geltung finden; man verherrlicht seine Tätigkeit als »Askon Ziburi«, als Initiator, Gründer und Leiter sozialer und charitativer Institutionen und Aktionen; man rühmt seine Tatkraft im Kampf gegen die Reformbewegung, er wird aber auch als Kabalist, als Wundertäter gefeiert, dessen Fürsprache im Hirnmel von besonderer Wirkung zu sein pflegte. Diese Vielseitigkeit ist die beste Charakteristik des großen Mannes, dessen Andenken noch heute in allen jüdischen Kreisen so lebendig ist. Würden wir nicht in einer sehr ernsten Zeit leben, deren Sorgen und Bedrängnisse so furchtbar auf uns drückten — die 100. Jahrzeit des großen Gaon würde sicherlich sich zu einer großen!Manifestation des religiosen Judentums gestaltet haben. Unter den heutigen Um־' ständen muß sich das Judentum damit begnügen, diesem Gedenktag einige Zeitungsartikel zu widmen. Im nachfolgenden veröffentlichen wir zwei kurze Würdigungen des Gaon von berufener Seite — behalten uns aber vor, diese noch entsprechend zu ergänzen.*) I. .'׳־•' Außerhalb des orthodoxen Judentums würde man zum Andenken eines so hervorragenden Mannes öffentliehe Totenmale errichten. Gar kein Zweifel, daß Eisenstadt, wo Rabbi Akiba zur Welt kam, und Posen, wo er lebte und starb, Gedenkfeste und allerlei Kundgebungen veranstaltet und verschiedene Akte der Pietät erwiesen!hätten. Für das gesetzestreue Judentum gilt aber noch immer das alte Wort: »Die Werke der Gerechten sind die besten Erinnerungen an sie!« *) Das diesem Aufsatz beigefügte Porträt ist dem im Verlag der Buchhandlung Josef Schlesinger in Wien erschienenen Buch »lgrot Sofrim« .entnommen. Der gegenwärtige Inhaber dieser Firma, Herr Moritz Schlesinger, ist ein Ururenkel des Rabb, Eger. - 1 Zu den hohen Feiertagen nur die gute Erstklassig in Material und Ausführung, tadelloser Sitz, stets lagernd Wien I., Kärntnerrlng 6 Telephon u-43-0-16 Für durchreisende Damen sofort erhältlich