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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-07-30 · 31 (30.7.1930) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
31 (30.7.1930)
Date
1930-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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liguug des Lebens besteht darin, daß. man jede Gelegenheit benutzt, um oas Gefühl einer persönlichen Verbundenheit mit Gott zu erlangen. Anstelle des durch Trauerfall verhinderten Herrn Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach) hielt das nächste Referat: Rabbiner Dr. Caesar Seligmann vonderWestend-SynagogeFrankfurt a. Main: „Wir ist die persönliche Frömmigkeit zu fördern?" Die größte Schwierigkeit des liberalen Judentums besteht darin, daß es die faktisch fast unüberwindlichen Hindernisse bewältigen muß, die sich der Verbreitung und Beeinflussung persönlicher Frömmigkeit Und Sittlichkeit entgegenstellen. Scheinen doch Individuum und verbindliche Lehre Gegensätze in sich selbst zu sein. Wir dürfen uns aber von diesen Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen. Wir müssen uns im Gegenteil stark machen, sie zu überwinden. (Das Referat wird nächste Woche in seinem vollen Wortlaut hier veröffentlicht werden. Tie Red.) Die Diskussion eröffnete Harold F. Reinhart, Prediger der West Synagogue of British Jews. Er sagte, man höre oft, es sei schwerer, ein liberaler Jude zn sein als ein orthodoxer. Der allgemeine Eindruck fei aber der umgekehrte, weil man den liberalen Juden eher als den ansieht, der Bindungen abwirst, und nicht als den, der oas höhere Gesetz aus sicb nimmt. Wenn ein Durchschnittsmensch jemanden als fromm be,eichnet, so meint er damit, daß er die religiösen Riten hält. Die Anschauung, daß Frömmigkeit mit der Einhaltung von Riten nicht notwendig verbunden ist, ist noch nicht weit verbreitet. Obgleich es viele Formen der Frömmigkeit gibt, gibt es doch nur eine Frömmigkeit. An keinem Ort können die liberalen Inden heute besser lernen, als __ bei unseren orthodoxen Vorfahren. Rabbi L. Germain Levy ^Parisl verglich das Gebet mit der Musik und legte dar, daß man das Gebet genau so nur durch Uebung verstehen könne, wie man für die Musik das Ohr bereitgemackt haben muß. Rabbiner Dr. Max Wiener (Berlin) setzt sich hauptsächlich mit der Frage des Gebetes auseinander. Dr. Seligmann habe davon gesprochen, daß wir unsere Gebete, auch die Gemeinschaftsgebete des öffentlichen Gottesdienstes, in der Sprache unseres Herzens, in der Landessprache sagen müßten. Bei dem gestrigen Festgottesdienst in der Upper Berkely Streer sei fast der ganze Gottesdienst imch dem alttraditionellen Siddur, aber'in der englischen Sprache zelebriert worden. Da ich das Englische lange nicht so gut verstehe wie das Deutsche, so hatte dieser Gottesdienst für mich etwas Geheimnisvolles und Irrationales, kurz er war relr giös ergreifend. Oeffentliche Gebete in der Landessprache dagegen schleifen sich allzu rasch ab. Das scheint mir einer der vielen Gründe zu sein, die für die Beibehaltung der hebräischen Gebete sprechen. An der Diskussion beteiligten sich noch eine Anzahl von Rednern, darunter auch C. G. Mont es io re, der sagte, daß ein gewisses Maß von Disziplin, Einfalt und Ritus noch für den liberalsten Juden zur Anregung der. Frömmigkeit nötig sei. # Am Sonntag abend fand eine Oeffentliche Kundgebung statt. Den Vorsitz führte Rabbi Dr. Mattuck, der einleitend darauf hinwies, daß seit der Gründung der World Union for Progressive Judaism nunmehr vier Jahre verstrichen sind, es sei an der Zeit, daß die Union vor breiterer Oeffentlichkeit ihre Ziele darlegt. Als erster Redner sprach der bekannte französische Schrift steller EdmondFleg. Es war ein Höhepunkt der Tagung, diesen vornehmen und tiefgründigen Schriftsteller am Vor tragspult zu sehen und zu hören. Spontaner lauter Beifall begrüßte ihn, und fand in einem, wenn auch leisen, so doch deutlich merkbaren Beifall seine Fortsetzung, als der Redner zur allgemeinen Ueberraschung seinen Vortrag in einem klar und angenehm gesprochenen, eleganten und graziösen Englisch begann. Cdmond Flegs Referat über die Mission Israels. In der ganzen Welt stellt mau die Tatsache einer jüdi scheu Renaissance fest; und doch scheinen die Juden in ihrer Spaltung in Gruppen mit bisweilen ganz gegensätzlichen Tendenzen, Orthodoxe wie Liberale wie Zionisten, sich noch auf der Suche nach der Zentralidee zu befinden, die imstande sein wird, ihnen ihre Einheit zurückzugewinnen. Diese Idee nun, die geeignet wäre, die verschiedenen Gruppen miteinander zu versöhnen, und die trotzdem jede von ihnen durchaus aus dem ihr eigenen Kampfplatz beläßt, scheint sich in dem uralten Begriff von der Mission Israels zn finden, sofern man ihn nur im Lichte der Vergangenheit und der Gegen wart verjüngt und wieder zum Leben erweckt. Die Mission Israels ist auf den ersten Blick vielleicht nur ein stolzer und geheimnisvoller Traum: aber es ist leicht, an Hand der Tatsachen diesen Traum im ständigen Fortschritt sich in der Geschichte Israels und der Menschheit verwirklichen zu sehen. Die Mission legte nach den Bibeltexten als erste Pflicht auf: die Verkündung der Einheit Gottes. An diese Pflicht waren ein Versprechen und eine Drohung geknüpft: wenn Israel dem einig-einzigen Gott treu bliebe, sv würde cs leben; wenn es in seiner Untreue verharrt-.-, so würde cs untergeben. Was ist nun geschehen? Auf der einen Seite ist dank Israel und der ihm entstammenden Religionen der Götzendienst fast völlig von der Erde verschwunden; aus der anderen Seite bestehen die dem Götzendienst unrettbar verfallenen 10 Stämme nicht mehr; einzig und allein Benjamin und Juda, die zwei treuen Stämme, leben noch nnd leben in uns weiter. Die Prophezeiungen in dieser Hinsicht sind also in Erfüllung gegangen: Der einig-einzige Gott, der durch Israel verkündet worden ist, hat den Sieg über die Götzen daDongetragen, und durch die Erhaltung des einig einzigen Gottes hat sich Israel selbst erhalten. Die Mission begriff noch eine zweite Pflicht in sich: den Dienst am Reich des einig-einzigen Gottes, der irr dcr Begründung der Einheit der Menschheit aus Erden durch Gerechtigkeit und Frieden besteht. Hierdurch erst haben das Judentum und die von ihm abstammenden Religionen das Ideal der Sittlichkeit und des sozialen Gedankens unter die Nationen getragen. Gleichzeitig wurde Israel, das überall den gleichen Nöten ansgesetzt war, gerade durch das Faktum seiner Geschichte zn einer menschlichen Gemeinschaft, die sich gefühlsmäßig viel stärker als die anderen für Frieden und Gerechtigkeit begeisterte: Lange Zeiten beiseite gedrängt, mußten die Juden geradezu dafür qualifiziert sein, als Band zwischen den Völkern zu dienen, das ihnen gestattete, gleichsam aus einer inneren Notwendigkeit heraus, dort dem Werk ihrer uralten Mission nachzugehen. Jedoch verstreut unter die Völker, würden sie zn verschwinden drohen, wenn nicht die palästinensische Heimstätte ihnen durch ihre geistige Ausstrahlung das Bewußtsein ihrer Eigenpersönlichkeit und ihrer Menschheitspflichten bewahren würde, die sie in sich birgt. In unseren Prophezeiungen wurde der Friede aus Erden verbünden, mit der Rückkehr Israels in das Heilige Land; es ist erstaunlich, daß der schüchterne Friedensversuch, als der sich der Völkerbund darstellt, und der schüchterne Versuch einer Rückkehr, wie er in der palästinensischen Heimstätte zum Ausdruck kommt, gleichzeitig beschlossen worden sind und kraft der gleichen internationalen Abmachung. Jetzt erst gehen die Prophezeiungen in Erfüllung und der geheimnisvolle Traum der Mission tritt unter dem Gesichtspunkt einer erst werdenden, aber lebendigen und wirksamen Wirklichkeit in Erscheinung. Diese Feststellungen können und müssen alle Juden miteinander vereinen ohne Rücksicht auf die Sondertendenzen einer jeden Gruppe; sie können und müssen zu miteinander in Einklang stehenden gemeinsamen Taten führen, dergestalt, daß Israel vollbewußt die Missionsrolle wieder zuerteilt wird, welche Gott ihm für die Welt zugedacht hat. Als zweiter Redner sprach Rabbi Felix A. Levy (Chicago) über: Die Aufgabe des liberalen Judentums. Der Redner sprach über die Auseinandersetzung der Religion mit der modernen Welt. Drei Kräfte sind in der modernen Welt wirksam: Wissenschaft, Nationalismus und Industrialismus. Die Wissenschaft hat uns die Kontrolle über die Welt gegeben, sie hat das Leben für Millionen reichten mrd besser gemacht. Aber sie hat auch gelehrt, Leben zu vernichten. Industrialismus und Nationalismus sind die beiden Feinde der Religion, und die Religion befindet sich heute in einem Kampf ans Leben und Tod mit dem zweiköpfigen Ungeheuer. Unterliegt die Religion in diesem Kampf, dann wird sie verschwinden, weil sie damr nicht wert ist, erhalten zu werden: überwindet sie aber das Ungetüm, dann tritt sie erst in die eigentliche Phase der Erfüllung ihrer Aufgabe ein. Das Judentum ist die Religion eines Volkes, keine Religion der Persönlichkeit. Das liberale Judentum, sagte der Redner unter starkem Applaus, ist durch und durch jüdisch. Tie Intellektuellen sind für uns wichtig, aber wichtiger ist die Gewinnung der jüdischen Massen. Diese wird uns aber nur gelingen, wenn die Massen fühlen, daß unsere Wurzeln im Erdboden der jüdischen Vergangenheit stecken und daß wir jüdisch bis ins Mark hinein sind. Das letzte, ganz außerordentlich eindrucksvolle Referat des Abends hielt der deutsche Nobelpreisträger Pros. D r. Richard W i l l st ä t t e r (München.) über „Die Juden in der modernen Welt". Ern in der modernen Welt ist den Inden die Mög lichten geworden, am geistigen Fortschritt der Menschheit roll mitzuwir'ken, irr manchen Staaten gleichberechtigt mit Nichtjuden, i:r anderen noch gehemmt durch Gegenströmungen. Bon den Gebieten der kulturellen Entwicklung seien drei betrachtet, aus denen dem Judentum gemäß seiner geistigen Struktur ein bedeutender Anteil zufällt. Das erste Gebiet ist da sder Wissenschaften, namentlich der Aaturwisserischasten und ihren Anwendungen: Medizin und Technik. Nur hier haben die Menschen in den letzten Jahrtausenden sichere, große Fortschritte erreicht. Nur in gewissen Wissenschaften arbeitet der Einzelne von der Stelle aus weiter, wo seine Lehrer und Vorgänger ausgehört haben, bfs ist das Schicksal des Naturforschers, auf die Schultern des Vordermannes zu steigen und darum weiterzuschauen uls Jener. Besonders in den exakten Wissenschaften türmt die Menschbeil einen bleibenden und wachsenden Schatz von Erfahrungen und Erkenntnissen auf. Als ein zweites Gebiet sei das der Staatsiuust und das dcr Rechtspflege genannt, vier in meine Auffassung vom Fortschritt in den Jahrtausenden zögernder, bescheidener. Es ist kaum zu sehe», daß die Leiter dcr Staaten aus der Ge schichte genug gelernt haben, die Fehler und Torheiten der Individuen bei den Gemeinschaftsgebilden aus sehr vielen Fortschritte. Die Rechtssicherheit int gewachsen, die Rechts pflege ist humaner geworden. Der erreichte Fortschritt besteht vor allem darin, daß ein immer größerer Teil der Menschheit in Freiheit und Sicherheit und unter günstigen Lebenshedingungen existiert. Zu einem dritten Gebiet des geistigen Lebens sei das Grüfte zusamurengefaßt: Religion, Philosophie, Ethik und Kunst. In diesem Gebiet scheinen mir große Zeiträume ohne wesentlichen Fortschritt zu verlausen. Auf großen Gebieten geistigen Schaffens beginnt jeder Einzelne für sich ganz von Anfang, zu denken uno zu schassen. Der Fortschritt wird nicht durch Zusammenarbeiten vieler, als Gemeinschaftsarbeit erzielt, sondern er ist oas Werk vereinzelter, genialer Führer Die Entwicklung dcr Juden in der modernen Welt soll zur völligen Uebrrwindung derjenigen Charaktereigenschaften führen, welche durch Abschließung und Ausschließung. Unterdrückung und Verfolgung, Unsicherheit und Zurücksetzung ausgeprägt werden mußten. Seit der Befreiung aus dem Ghetto ist der Anteil .gewaltig gewachsen, den das Judentum zur Rechtspflege, zur Volkswohlfrhrt, zur Kunst, zur Ethik beiträgt. Auf dem ersten der drei betrachteten Gebiete ist es eine starke Eigentümlichkeit der jüdischen Art, die den Juden zum erfolgreichen Teilnehmer an wissenschaftlicher Arbeit befähigt. Ter Jude scheint mir in besonderem Maße ausgerüstet zu sein durch Vereinigung von Wirklichkeitssinn und Phantasie. Diese glückliche Verbindung bedingt wachsende erfolgreiche Beteiligung der Juden in den Wissenschaften. Auf dem zweiten Gebiete möchte ich eine Aufgabe für den modernen Juden herausgreifen: das ist ausgleicheude Vereinigung von Nationalismus und Internationalismus, von Vaterlandsliebe und Humanität; mit anderen Worten ist diese Aufgabe Förderung des Friedens. Ter moderne Jude hat sich tausendfältig als guter Bürger seines Landes bewährt, als Patriot. Aber der Jude ist befähigt und bestimmt, der Uebertreibung und Uebersteigerung des nationalen Empfindens, dem Chauvinismus, entgegenzutreten uud noch höher als den Staat das Menschentum zu stellen. Vielfach gilt das Wort Pazifist noch als Schimpfwort. Es gibt in der Welt ,in der alten und in der neuen, sogar bei den Frauen, noch zu wenig Trauer und Reue über den Krieg. Friedensliebe und Arbeit am Frieden gehört zu den höchsten Aufgaben. Mögen die Juden sich vor allem dafür einsetzen, daß zwischen den divergierenden Interessen der Völker uud Staaten gerechter Ausgleich gefunden, daß auf Erden Blutvergießen vermieden werde. Das dritte Gebiet des geistigen Lebens stM penr fortschrittlichen Juden die größten Aufgaben. Ten Völkern sind Religionen vor Jahrtausenden gegeben worden, in Zeilen primitiver Kulturen. In den Gegensätzen, die sich aus der kulturellen Entwicklung, den Fortschritten in naturwissenschaftlichem Erkennen und technischem Können auf der einen Seite, aus der Unveränderlichkeit der alten Ueberlieferungen andererseits ergeben, sind-die schwierigsten Fragen für das Judentum, für seine zukünftige Entwicklung begründet. Ter Zwiespalt zwischen religiöser Geschichtstreue und der freien Entwicklung des Judentums unter dm Bedingungen der Gegenwart bedarf der Ue-rrbrückung. Tie Menschheit ist tief erfüllt von Sehnsucht nach Erhebung, Veredlung, nach Ewigkeitswertm. Möge es eine Mission der Juden sein, entgegenzuwirken der Ueberschätzung materieller Interessen und der Ueberschätzung des Sports und zu arbeiten an sittlichen Werten und Werken. Zur Ueberwindung der Gegensätze und Ländergrenzen und der Weltmeere bedarf es besserer Brücken und Verbindungen. als die Technik zu erreichen vermag: suchen wir sie in Werken der Kunst und Wissenschaft, in Ethik und Religion. Gegen 11 Uhr abends fand die eindrucksvolle Kundgebung ihr Ende. * Am Montag-Vormittag fand die Geschäftliche Sitzung unter Vorsitz von Dr. Mattuck statt. Aus den einzelnm Ländern, lagen Berichte über dm Stand des liberalen Judentums vor, u. a. über England von Lionel Jacob und Harok> F. Reinhart; über Frankreich von Rabbin Germain Levy (Paris); über Deutschland von R.-A. Heinrich Stern (Berlin). Ueber die Tätigkeit des Weltveröandes berichtete The Hon. Li ly H. Montagu. Es haben seit der Berliner Tagung 1928 drei Sitzungen der leitenden Körperschaft der Weltunion für liberales Judentum stattgefunden, davon zwei in Berlin und eine in London. Ans Südafrika, Holland, Polen, Australim und Kuba wurde um Mithilfe bei der Organisation jüdisch-liberaler Gruppen ge- 1 beten, die entweder liberale Synagogmgcmeinden errichten 4 oder ans andere Weise die Lehren des liberalen Judentums verbreiten sollen. Die Leitung hat drei Unterkomitees, uud zwar für Liturgie, soziale Arbeit und Jugendarbeit, eingesetzt. In der Diskussion, die sich an diesen Bericht sowie an den von dem Schatzmeister, Mr. Turk (London), erstatteten Finanzbericht anschloß, war besonders bemerkenswert eine Rede des bekannten Führers der „Ort"-Bewegung, .Herrn Wilhelm Graetz (Berlin), der auf die Notwendigkeit hinwies, sich an der religiösen und wirtschaftlichen Arbeit für die Juden im gesamten Gebiet des ehemaligen Kaiser- >. reiches Rußland zu beteiligen. Als Vertreter der Unterkommission für Liturgie' berichtete Rabbi S. W. Starrels von der Liberal Jewish Synagogue. Tie liturgische Frage stellt nur eine bescheidene Anregung seitens unserer Union dar, um in betreff der mannigfachen synagogcclen Gebräuche Angaben von den Synagogengemeinden zu sammeln, die zu den konstituierenden Organisationen der Union in den verschiedenen Ländern gehören. Ein kleines Spezialkomitee entwarf einen Fragebogen über die Liturgie und den Gottesdienst, und — als ein erster Schritt — sandte man ihn in Anbetracht der Aehnlichkeit der Praktiken innerhalb der Synagogengemeinden eines jeden Landes an eine verhältnismäßig kleine Zahl angesehener Gemeinden in den verschiedenen Ländern. Antworten liefen ein von 16 Gemeinden in Amerika, von 14 in Deutschland, von einer in Frankreich und einer in Indien. Tie Gebräuche der liberalen Synagogen Englands haben durchweg Beachtung gefunden. Eine Reformgemeinde in London schloß sich der Weltunion an, nachdem das ganze Material bearbeitet war, und ist daher in dieser Umfrage nicht mit einbegriffen, die Auskünfte von England beschränken sich deshalb in dieser Hinsicht nur auf die liberalen Religionsgemeinschaften. Es mnß nachdrücklich hervorgehoben werden, daß der Fragebogen nur ein erster Versuch war, eine Uebersicht über die Liturgie in dm verschiedenen Ländern zu ermitteln, sein Umlauf war begrenzt, und das gesammelte Material gibt nicht genug Unterlagen für eine ausgearbeitele statistische Schlußfolgerung. Aber trotz der offensichtlichen Beschränkung weisen doch die Antwortm die mannigfachen Richtungen in den verschiedenen Ländern auf, was sogar — in diesem frühen Status der Untersuchung — für ein allgemeines Interesse zeugt. Dabei muß man sich daran erinnern, daß unsere Vereinigung die breite Grundlage einer Gemeinschaft repräsentiert. Und während einige von ihren angeschlossenen Gemeinden sich stark an die Tradition lehnen, sind andere dagegen zugänglich und betrachten Aenderungen als nottven- Z big, um synagogale Praktiken modernen Geschmacksrichtungen und Forderungen anzupassen. Es soll hier keine erschöpfende Tatsachenanalyse versucht werden, das höchste, was erwartet werden kann, ist, einige ziemlich allgemeine, auf die Enuiderungen gestützte Beobachtungen aufzuzeigen. Eine vollständigere Behandlung muß einer anderen Gelegenheit und einer weiteren Forschung bewahrt bleiben. Was die Zusammensetzung der Liturgie anbetrifft, so haben die' deutschen Gemeinden im Gcnrzen die historische Struktur der traditionellen Gebetsordnung beibehalten,. nur bei einer Instanz war zu konstatieren, daß sie der traditionellen Ordnung nicht auhing. Diese Ausnahme bildet die Reformgemeinde in Berlin, welche auch in anderer Hinsicht von den gewohnheitsmäßigen, traditionellen Gebräuchen, die in Deutschland herrschen, abweicht, und eigentlich die einzige Ausnahme von der allgemeinen deutschen Praxis ist, die auch in anderen Zusammenhängen festzustellen ist. Auch in Frankreich wird die Tradition befolgt, in Amerika folgt das .,Union Pr aber Book", welches praktisch allüberall dort unter unseren Gemeiudemitgliedern in Gebrauch ist, in der .Hauptfach«, wenn auch nur in großen Umrissen, der traditionellen Form, obgleich cs auch bedeutende Abweichungen gibt, z. B. durch die Auslassung des Mussafgebetes. Das „Liberal Jewish

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