Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 31 (30.7.1930)
- Date
- 1930-07-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Prayer Book", das m England und auchin Bombay gebraucht wird, verkörpert manch einen klassischen Zug der traditionellen Liturgie, obgleich fctrx große Freiheit nn Auswahl und Anordnung gelassen ist. . . Es muß zur Kenntnis genommen werde?;, daß euuge Gemeinden noch den traditionellen Gottesdienst beibehalten haben. Aber wo Veränderungen gemacht worden sind, können die Abweichungen summarisch unter zwei Gesichtspunkten geordnet werden: Erstens Aenderungen, die aus dogmatischen -Differenzen hervorgehen, und zweitens Kürzungen und Vereinfachungen. Für erftere können folgende Grundsätze angeführt werden: Eliminierung der Gebete für einen nationalen und opserdienstlichen Wiederaufbau, Austausch engherziger, exklusiver Gebete gegen solche mit weiterem Ausblick, Verkündigung des Begriffs eines messianischen Zeitalters gegenüber dem eines persönlichen Messias, Ausmerzung etiie» verwerflichen Anthropomorphismus und der Engellehre, Substitution der Unsterblichkeit anstatt der Auferstehung und ähnliches. Unter den zweiten Punkt sind sowohl die Auslastung von Wiederholungen zu setzen, wie sie deren die traditionelle Reihenfolge aufweist, als auch das Fallenlassen zahlreichen „Pijutim", der Vereinfachung wegen wurden prunkende Ausdrücke beseitigt und ebenso die orientalische Neigung zur Häufung von Synonima. Beträchtliche Differenz gibt sich auch beim Vortragen der Gebete kund in bezug auf das Verhältnis des Lesens in hebräischer und in der Landessprache. In den deutschen Gemeinden herrscht das Hebräische vor, so daß fast neun Zehntel oder zwei Tritte! der Gebete hebräisch gesagt werden, in einem Ausnahmefall s agt man alle Gebete in der Landessprache, nur die „klassischen" Zitate bleiben hebräisch. In Frankrc'h wird das Verhältnis als ungefähr zu gleichen Teilen angegeben; in Amerika ist die Turchschnittsanwendung des Hebräischen etwas weniger als die Hälfte, und so verhält es sich auch bei den liberalen Gemeinden in England. Tie Thoravorlesung geschieht überwiegend der traditionellen Einteilung entsprechend. Tie meisten Antworten aus Amerika geben den einjährigen Cyklus an mit ausgewählten Schriftstellen aus oen traditionellen Abschnitten; in Teutschland ist auch der dreijährige Cyklus gewöhnlich; in Frankreich hält sich die traditionelle Einteilung. Vereinzelte Fälle in Amerika und Teutschland haben wahlfreie Thoravorlesungen, die von den Geistlichen ausgesucht werden; dies ist auch der gewöhnliche Usus in allen liberalen Synagogen Englands. Tie Abhaltung von Sonntagsgottesdiensten ist noch ungewöhnlich. Eine Anzahl Gemeinden in Amerika, die von einen; Korrespondenten auf ungefähr 10 geschätzt werden, besonders in den größeren Centren, haben ihre Sonntagsgottesdienste. Sie werden auch in Frankreich abgehalten und in nur vereinzelten Fällen in Teutschland. Bei der Liberalen Synagoge in London wurden vor einigen Jahren die Sonntagsgottesdienste eingeführt. Nirgendwo sonst als nur in England zeigt sich eine bemerkenswerte Neigung, neues Material in die Liturgie einzusühren. Tas „Liberal Jewish Prager Book" enthält eine große Anzahl neuer Gebete. Tas „Union Prayer Boot" enthält etwas neues Material, z. B. im Jomkippurgottesdienst. Material aus nichtjüdischen Quellen zu verwenden, ist in Amerika nicht gebräuchlich. Ein amerikanischer Korrespondent gibt seiner Meinung Ausdruck, daß die Synagoge unbedingt nur Material aus jüdischen Quellen nehmen dürfe, während andere wieder gelegentlich aus nichtjüdischen Quellen schöpfen. Alle deutschen Antworten, die diese Frage behandelten, wiesen darauf hin, daß ein solcher Weg nicht beschritten werden solle; dasselbe gilt für Frankreich. Tas „Li^ berat Jewish Prayer Boot" jepoch hat nicht gezögert, nichtjüdische Quellen zu gebrauchen, wenn das Material nur gut und angemessen war. Tas „Liberal Jewish Prayer Boot" -erweist sich als das einzige ,das eine Ergänzung englischer Gedichte religiösen Inhalts eingefügt hat, zugleich mit Anregungen für verschiedene Gottesdienste, wo diese Auswahl eingeführt werden könne. Verschiedene Vorschläge firid auch gemacht, um das Interesse für die Schlußfeste von Pessach und Sukkoth zu erhöhen. Pessach halten eine Anzahl der Befragten einen Gedächtnisgottesdienst ab, man nimmt ihn zum Anlaß eines patriotischen Gottesdienstes für den Freiheitsgedanken; ein anderer hat einen Laiengottesdienst eingerichtet; ein deutscher Korrespondent hat ihn dem „Matnar Jad-Gedanken" (wohltätige spenden) geweiht. Für Snkkoth empfehlen viele den Schmini Azeret durch den Simchat-Thora-Tag zu ersetze?;; manche haben chn als Erntedankfest direkc zu einem Kindersreudentag gemacht. Vorgeschlagen hat man auch eine noch malige Weihe konfirmierter Kinder mit modifizierter „.Hakofot", einen von Jugendlichen geleiteten Gottesdienst, oder eine Verbindung des Festes mit der Wiedereröffnung der Rcligionsschute, oder der Promotionsfcier von der Hochschule. Tie verschiedenen untergeordneten Fest- und Fastzeiten, z. B. der Ä. Ab, werden von der liberalen Gemeinde in England nicht beobachtet und auch nicht in Amerika, dagegen in Frankreich und in Teutschland, wenn auch oft in veränderter Form. Eine Anzahl deutscher Gemeinden hält auch noch die Selichothtage. Einige liberale Synagogen in England begehen auch das Purimsest nicht mehr, doch scheinen sie iu dieser Auffassung allein zu stehen. Große Meinungsverschiedenheit herrscht über das Problem, die Liturgie den besonderen Fragen unserer Zeit anzupassen. Ein deutscher Korrespondent meint, daß man nur die Predigt behalten könne, und ein anderer, daß nichts laut vorgetrageu Werder; solle, was mit beit heutigen Gefühlen im Widerspruch stehe. Ein Amerikaner antwortet, daß in dieser Richtung mit dem „Union Prayer Boot" wenig erreicht ist, denn das Ritual-Conntee glaubte, daß die Liturgie nicht für irgendwelche besonderen Zeitströmungen, wie der jetzigen, bestimmt sei, sondern daß sie mit den'bleibenden Zuständen und Bestrebungen des menschlichen Lebens zu tun habe. Tas „Union Prayer Book" enthält aber in seinem Jomkippurgottesdienst eine lange Betrachtung über ge genwärtige soziale Nöte. Ter Kompilator des „Union Prayer Book" muß. der ständigen Anpassung der Liturgie an die besonderen Probleme der heutigen Zeit Rechnung tragen, denn er sieht ein, daß uns von Zeit zu Zeit — in'nicht zu langen Zwischenräumen, alle .zehn Jahre vielleicht — eine regelmäßige Revision des Gebetbuches wünschenswert erscheint, wodurch es auch enger den herrschenden Problemen der Zeitströmnngen angepastt werden kann. Mit Ausnahme der Gemeinden, die das „Liberal Jewish Prayer Boot" benutzen, bei'teht für dje Form des Gottesdienstes für jede Gelegenheit eine sestgelegte Ordnung ohne irgendwelche Aenderung; das „Union Prayer Book" jedoch enthält einige spezielle Gebote für die verschiedenen Sabbathtage im Monat, was auch in Frankreich der Fall ist. Ter «erste Band des „Liberal Jewish. Prayer Boot" enthält sünfzehn. verschiedene Sabbathgottesdienste, außerdem ist Vorsorge getroffen für noch weitere Variationen, die eine große Auswahl ermöglichen. Ein amerikanischer Rabbiner legt dar, wie er manchmal einen Abschnitt des Rituals „erläutere", anstatt ihn vorzulesen, „um der lötenden Monotonie beständiger Wiederholung zu begegnen". Tie Notwendigkeit für eine Abwechslung im Gottesdienst spiegelt sich auch in der Antwort eines andern Amerikaners wieder, der sagt: „Gebetbücher erlauben keine Variationen, aber wie variieren sie trotzdem." In einigen Gemeinden versucht man, durch Originalgebete der Geistlichen einige Uebelstände des starren Rituals zu überwinden, aber ein Amerikaner beklagt sich, daß sich das in der Praxis nur zu selten bewahre. In Teutschland scheinen solche Originalgebete selten vorgetragen zu werden, obgleich sie manchmal beim Beginn oder Schluß einer Predigt gesagt werden. Tie meisten Andachtsübungen in dem „Liberal Jewish Prayer Book" enthalten Anweisungen xnr derartige Gebete der Geistlichen. Für private und häusliche Andachtsübungen enthält das „Union Prayer Book" einen Abschnitt, der „Gebet für private Andacht" betitelt ist, und wir haben auch eine amerikanische Publikation „Segenssvrüche und Lobgebete", zum häuslichen Gebrauch bestimmt. Tie „Jüdisch>-liberale Synagoge in London" hat ein Buch über „Gottesdienste und Gebete für das jüdische Haus" zusammengestellt, und ein deutscher Korrespondent teilte mit, daß man auch in Teutschland die Zusammenstellung eines ähnlichen Buches plane. Häusliche religiöse Gebräuche kann man pflegen, indem man die Kinder der Religionsschule ermuntert, die Sabbathlichter anzuzünden, ihnen Gedenkblättchen gibt, die den Sabbath-Kiddusch ent- 1>allen, indem man sie zum Anzünden des Chanukalichtes und zur Verrichtung des Tischgebetes, des Abend- und Morgengebetes veranlaßt und dergleichen mehr. Im Tragen der Hüte in der Synagoge gibt sich auch ein beträchtlicher Unterschied in der Anwendung kund. Mit kaum einer Ausnahme verrichten die liberalen jüdischen Gemeinde?! überall in den Vereinigten Staaten ihre Andacht ohne Kopfbedeckung, einige wenige Geistliche tragen das Barett. In Teutschland ist das Entgegengesetzte zu konstatieren, nur in einem einzigen Falte werden keine Hüte getragen, uno in nur einem andern Falt ist das Tragen derselben freigestellt. In Frankreich und in den liberalen Gemeinden Englands tragen die Geistlichen das Barett, aber sonst ist das Bedecken des Hauptes jedem nach Belieben überlassen. In Hinsicht auf die Sitze für Männer und Frauen herrscht der auffallendste Unterschied. In liberalen Gemeinden in Amerika, Frankreich und England — tatsächlich überall außer in Teutschland — sitzt man zusammen, nicht ein einziger Fall getrennter Sitze kommt vor. In Deutschland sind die Frauen gewöhnlich auf die Gaelrie beschränkt, und nur in einem vereinzelten Falle sind Männer und Frauen in Familiensiyen beieinander. Beinahe alle Antworte?; aus Amerika sprechen sich günstig für das Amtieren und Predigen von Laien — Männern und Frauen — aus, und in manchen Gemeinde;; werden besondere Gottesdienste von ilmei; geleitet (z. B. Sisterhood mtb Brotberyood Sabbaths). Tas ist auch in dm; liberalen Synagogen Englands ständiger Brauch und ebenso in Frankreich.“ Ter größte Teil der deutschen Antworten lautet negativ. ~ - v . v ^! i. *• Auch in den Zerernonien der Einsegnung und der Barmizwah zeigen sich bedauernswerte Unterschiede. In Amerika, Frankreich und England bat man sowohl die Konfirmation der Knaben wie der Mädchen eingeführt, nur die Antworten aus Teutschland erzählen bloß von einer Konfirmation der Mädchen, mit nur einer einzigen Ausnahme, wo Knaben und Mädchen zusammen eingefegnet werden. Tas Tnrchschnittseinsegnungsalter, so wie es die eingegangenen Antworten erweisen, ist ungefähr 15 Jahre in Amerika, über 16 in England, ungefähr 13 in Frankreich und ungefähr 15 in Teutschland. Die liberalen Synagogen in England haben die Barmizwah fallen lassen, und in Ainerika findet es irur noch selten statt und dann in Verbindung mit der Einsegnung. In Frankreich gibt es Leides. Barmizwah und Einsegnung. I»? Teutschland hat man die Barmizwah überall be'ibeha'lteri, mit einer Ausnahme, die auch zugleich die Ausnahme bildet, welche Knaben u??d Mädchen zusammen einsegnet. Unter der; Autworteu war eine Anzahl Anregungen in bezug auf den Gottesdienst gegeben, die von allgemeinem Interesse sind, z. B. der in einigen Gemeinden übliche Brauch, vor dem Segen am Schliff; des Gottesdienstes einen Augenblick eilt stilles Gebet zu verrichten; oder ein Gottesdienst von entschieden kurzer Tauer wird vorgeschlagen, auch die Abhaltung von „Goodwill Services", an welchen Nichtjude?? teilnehmeu und der Austausch von Kanzetrednern, eingeschlosseu nichtjüdische. Andere Vorschläge, das Interesse zu erhöhen, sind: Tas Stattfinden einer öffentlichen Diskussion nach den; Sonntagsgoitesdienst, das Verlesen der Namen der Verstvrbenen vor dem Kaddifch, aus Wunsch- Gebete für die neugeborenen Kinder oder für die Kranken, Oeffnen der Lade während des Aletrugebetes us>v. Unter de?; verschiedenartigen Vorschlägen praktischer Art mag auch das Grammophon' erwähnt werden, das in Deutschland aus die Melodie für die verschiedenen Gottesdienste eingestellt wird, und so aus diese Weise bei Gemeinden, die sonst nicht in der Lage sind, Orgel und Chor zu halten, Anwendung finden kann. Diejenigen, die mit der Frage des Schofars oder eines Ersatzes etwas zu tun haben, werden sich für den Vorschlag eine* Amerikaners interessieren, der sagt, daß durch das Anffigen eines Hornmlmdstückes an das Schofar ein ausgezeichnetes Resultat erzielt worden wäre. Wie schon erwähnt, will dieser Bericht keine erschöpfende Analyse all dieser Fragen versuchen, seine Absicht fft, nur kurz den Zweck der Umfrage anzudeuten und die Art der Resultate aufzuzeigen, die man erwarten könnte. Unsere U?lion ist der Sammelpunkt für die fortschrittlichen Gemeinden der ganzen Welt, nnd kann begreiflicherweise als „cleari?rg house" für die Ideen und Gebräuche der verschiedenen Mitglieder dienen. Tie Hauptversammlung amerikanischer Rabbiner hat es sich schon angelegen sein lassen, solches Material von seinen eigenen Milgliedern zu sammeln, und unsere Weltunion sollte in ähnlicher Weise Weiterarbeiten. Tie gegenwärtige Umfrage bezeichnet nur einen Anfang in dieser Richtung. Ein sorgfältiges, vergleichendes Prüfen der Gebetbücher, die bei den fortschrittliche?; Gemeinden in Gebrauch sind, würde zweifellos sehr wertvoll sein. Wie wichtig und zeitgemäß die Sache ist, wird aus dem Beschluß der Hauptversammlung amerikanischer Rabbiner ersichtlich, das „Union Prayer Book" noch einmal zu revidieren, trotz der Tatsache, daß es erst vor wenigen Jahren einer Verbesserung unterzogen wurde. Tie neue Revision soll in; Wesentlichen die Zusammensetzung und nicht bloß den Wortlaut berücksichtige?;, wie es die vorige tat. A?;dere Untersuchungen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern sollte?!, sind z.'B. die Jugendgottesdienste, die Zulassung von Proselyten, worin ein bestimmtes Maß von Uebereinftimmung sehr wünschenswert erscheinen würde, wie überhaupt jeder Punkt von allgemeinem Interesse im ganzen Bereich synagogaler Gebräuche. Manche Probleme einzelner Gemeinden sind schließlich solche, die allen gemein sind, und der Vorteil, den die einen aus den Versuchen und Erfahrungen der andern gewinnen, erschließt den Quell gegenseitiger Hilfeleistungen. Tas Material des Fragebogens ist zur Hand, weiterem Studium zu Tiensten. Nur einige der Punkte, die darin enthalten sind, wurden in diesem Bericht erwähnt. Tie Untersuchungen können gern erweitert oder einige besondere Materien für eine ausführlichere Betrachtung ausgewählt werden. Was unser zukünftiges Programm nach dieser Rich«- tung hin sein wird, hat die Union zu entscheiden. Als Referent für das Unterkomitee für soziale Arbeit sprach Mr. Milford Stern (Detroit, U.S.A.). Dieser Vortrag, der von besonderer Bedeutung war, wird auf allgemeinen Wunsch, aus technischen Gründen aber erst in der nächsten Nummer, im Wortlaut hier veröffentlicht. Schließlich sprach über die Jugendbewegung Rev. M. L. Perl zweig von der Liberal Jewish Synagogue. (Der Abdruck auch dieses Vortrages muß aus techh nischen Gründen für die nächste Nummer dieses Blattes zurückgestellt werden. Tie Red.) Zur Frage der Eherechts-Reform war von der zustä;ü>igen Kommission eine Resolution vorgelegt worden, um die sich eine lebhafte Debatte entspann: Herr Goetz (Berlin) wies darauf hin, wie freudig alle Konferenzteilnehmer an diesem geschäftlichen Teil und insbesondere an dieser allerwichtigsten Frage für das heutige Judentum Mitarbeiten. Er bat, bei zukünftigen Tagungen den geschäftlichen Sitzungen größeren Raum zu gewähren und die theoretischen Vorträge sowie die Kundgebungen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Oberkantor Alt (Aachen): Die Annahme der Resolution ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Aber praktisch genommen würde die Resolutio?; nur eine schöne Geste sein, wenn nicht die Rabbiner sich verpflichten, gemäß differ Resolution zu verfahren und zu entscheiden. Rabbiner Dr. Lubasch (Barmen) wirft die Frage auf, ob die Konferenz zu einer Resolution berechtigt ist, die über den Schulchan Aruch hinweggeht, ... - Rabbiner Dr. Appel (Dortmund) erwidert den beiden letzten Rednern, daß die liberalen Rabbiner derartige Resolutionen als Rückendeckung brauchen. Aus dem heutigen Beschluß geht hervor, daß große Massen mit uns einer Meinung sind, und ich bin sicher, daß alle liberalen Rabbiner die ihnen so gebotene Handhabe bei ihren Entscheidungen benutzen werden. „? § *-.7 ** & - In gleichem Sinne äußerte sich auch Herr Rabbiner Dr. B o g e l st e i n (Breslau). Hierauf gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme. Resolution. Die World Union for Progressive Judaism erklärt in Beantwortung des Antrags des Weltoerbandes Jüdischer Frchmr, sie „möge ohne Verzug die geeigneten Schritte tun, um die Notstände auf dem Gebiete des jüdischen Eherechts M beseitigen": Die World Union erblickt in der gewaltigen Umwälzung der modernen Auffassung von -er Stellung der Frau eine zwingende Macht, welche die gesamte die Frauen betreffende Gesetzgebung und sittliche Anschauung entscheidend beeinflussen muß. Die World Union for Progressive Jndaßsm ist sich bewußt, daß im Laufe der Entwicklung der Halacha sd. i. der religiösen Norm, die die Praris regeltj immer wieder das starke und mutige Bestreben erkennbar ist, die Stellung der jüdischen Frau durch Sicherung ihrer Rechte bei Eheschließung und Ehescheidung zu verbessern, und daß in der Vergangenheit große rabbinische Autoritäten besonderen Notständen zu begegnen wußten, indem sie die Anwendung des Gesetzes modifizierten, wenn sie eine unbillige und unvvrhrrgeschene Härte mit sich gchracht hätte. Die World Union ist sich bewußt, daß in der Haggada überaus häufig das geläuterte und vertiefte religiöse unsittliche Empfinden, dm im Judentum wie in allen religiösen Gemeinschaften und bei allen Völkern stets dem jeweils geltenden Gesetz voraus ist und es schließlich umsormt, die höchste Auffassung der Ehe lehrt, und der Frau im jüdischen tLeben eine hohe Stellung gidt, die in keiner anderen Religionsgemeinschaft überragt wird. Unter Anerkennung der wertvollen Errungenschaften auf diesem Gebiete, wie sie in der jüdischen Tradition in Erscheinung treten, gibt die World Union der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Jude der Gegenwart das Recht besitzt, welches fein religiöses und sittliches Gewissen ihm gibt, im Geiste dieser Entwicklung auf diesem Wege weiter zu gehen. 1. Demgemäß erklärt die World Union, daß in Bezug auf Eheschließung und Ehescheidung die Frauen auf der Stufe STRAHL & FALKE BLUMEN-AUSSTELLUNQ BERLIN-W 66 S MAUERSTR. 79 FERNRUF, ZENTRUM 5023 u. S02« BLUNENSPENDEN . TRAUERSPENDEN TAFELSCHMUCK IHREHDEKORATIOHEHIIIHOHSTLERISCHER AUSFOHRUflO