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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-07-24 · 30 (24.7.1935) · page 8

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
30 (24.7.1935)
Date
1935-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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det*. JÜDISCHEN ALLGEMEINEN^ Berliner UmfcJiau Tennis-Klubkampf Rot-Weiß Leipzig gegen Bar Kochba ,; Das für Sonnabend und Sonntag vorgesehene Rückspiel deB Tennis-Klubs RotrWeiß Leipzig gegen den Berliner Tennisclub Bar Kochba mußte infolge des schlechten Wetters nach 10 Spielen am Sonnabend abgebrochen werden. Bis dahin stand der Kampf überraschenderweiso, 5:5, obwohl man nach den Leipziger Ergebnissen de» Himpiels mit einer Fuhrung des Bar Kochba rechnen mußte. In ganz ausgezeichneter Vorfassung zeigte sich der junge GoldBtaub, der es verstand, Dr. Plaut in drei Sfitzen auszuschalten. Von Goldstaub, der trotz seiner Jugend ein sehr überlegtes und variiertes Tennis spielt und dessen aus dem Handgelenk geschlagener Vorhand besonders wirkungsvoll erscheint, dürfte noch sehr viel zu erwarten seih. v ': Ein interessantes' Spiellieforten sich auch Fischer, (Leipzig) und 'Lichtenstein (Berlin). Nachdem der Berliner den ersten Satz knapp mit 14:12 für sich entschieden hatte, kam Fischer, dessen Läüfarbeit besonders gefiel, immer mehr auf, gewann den zweiten Satz. 6:1 und führte im dritten bereits 5:0 mit 2 Matchballen, als sich Lichtenstein auf Bein Können besann, nun seinerseits Punkt für Punkt aufholte, den 5:5-Gleichstnnd erzielte und nach gleichwertigem Spiel, bei dem sich beide bis zum letzten ausgaben, nur 9:7den dritten Satz und damit die Punkte abgeben mußte. Die Begegnung zwischen Heppner (Leipzig) und Dr. Grünberg (Berlin) mußte beim Stande von 7:5, 0:4 wegen Dunkelheil! abgebrochen werden. Ergebnisse (Leipzig zuerst genannt): Goldstuub — Dr. Plaut 6:4, 5:7, 6:4; Kaufmann — Moser 4:6, 6:3, 9:7; Fischer — Lichtenstein 12:14, 6:1, 9:7; Fuchs — Ehrenfried 3.-6, 6.-8; Bromberg — Roscnthal 7:9, 0:6; Michaelis :— Ballin 4:6, 8:6, 6:3; Frau Halpcrn — Frau Dr. Grünberg 2:6, 4:6; Ollcndorf — Frl. Heidemann 6:4, 4: 6, 6:4: Fr). Heine — Frl. Uziel 0: 6, 1:6. Berliner Vorfchau Bezirks-Meisterschaften des Makkabi Der Bezirk Brandenburg des Deutschen Makkabikreiscs veranstaltet am kommenden Sonntag seine diesjährigen lcichtathlc- tischen Bezirks-Mcistcrschaftcn auf dem Sportplatz am Bahhnhof Grunewald. Beginn 15 Uhr. Tonnis - K1ubk&mp f e Die Tennisabtcihirigen der BSG 33 und des ISK haben zum Sonntag' einen Klübkampf zweier Herrenmannschaften vereinbart. Die ersten Mannschaften spielen ab 10 Uhr auf der ISK-Anlagc, die zweiten Mannschaften zur gleichen Zeit bei der BSG. * Tennisclub Bar Kochba, dessen erste Mannschaft in Nürnborg und München weilt, spielt mit einer kombinierten Herrenmannschaft gegen die Tennisvercinigung Württcmbcrgischo Straße. Sport im Reich Faustballturnier in Frankfurt a. M. „S c h i 1 d"-Frankfurt u. M. veranstaltete unter großer Beteiligung am Sonntag das ersto südwestdeutsche Faustballturnicr. Sieger blieb nach schweren Kämpfen die Mannschaft des RjF- Bruchsal, die' allerdings im letzten Spiel eine überraschende Niederlage der Frankfurter Schildmannschaft hinnehmen mußte, vor dem RjF-Sprendlingon. Von den bayerischen Tennismeisterschaften Die bayerischen" Tennismeisterschaften, die der JTSV-Münchcri . auf .seinen Plätzen unter großer Beteiligung zum Austrug brachte, wurde im Damen-Einzel von Loni Gutmann (München) vor Frl. Mann (Augsburg), im Herren-Einzel von Goldstern gegen Kahn (beide München), da3 :Hcrrcn - Dopp c 1 von Goldstern-Kahn und das Gemischte Doppel von Loni Gutmann-Goldstern gewonnen. Westdeutsche R j F - Mci s t e r schn f ten , Am 28. Juli kommen in Düsseldorf auf dem Sportplatz Golzheim die westdeutschen Leichtathletik-Meisterschaften des RjF- Sportbundes für Damen und Herren zum Austrag; Man kann auf die Ergebnisse sehr gespannt sein, da die gesamte Elite des westdeutschen RjF am Start sein wird. Sportliches Allerlei Ruderregatten in Berlin Der WnsScrspo'rtverbanddes R j F-Sp o r tbü'n - des veranstaltet.dm,Sonntag, den 1. September auf der Spree vor den Bootshäusern von „Helvetia" und „Obcrsprcc" seine 1. Reichs-Rudcr-Rcgntta. Meldungen mehrerer auswärtiger Rudcrabtcilungen sind mit Sicherheit zü erwarten. * .Die A r b e i t s gc mcirisch af t 'j üdisehC r WasStvrsportvercinc hat' ihre' ilcgatita 14 T&ic spater auf den 15. September angesetzt. Sie findet vor dem Bootshaus von „Ündinc" in Grünau, Duhmestraße 15, statt. Aus Frankfurt a. O., Breslau, Mamburg und Stettin liegen außer den Berliner Vereinen bereits Meldungen vor. Prcnri schlBgt Perry Im Rahmen der Tennis-Meisterschaften von Ost-Englandstanden sich in einem Exlübitionskampf der Wimbledori-Sleger Fred Perry und der ehemalige deutsche Spitzenspieler Daniel Prcnn gegenüber. Nach hervorragendem Spiel gab der sich in bester Form befindliche Prcnn dem etwas müde wirkenden Engländer mit 6:2, 6:8, 6:4 das Nachsehen. Rätselraten um die Weltmeisterschaft Im Schwergewicht Nachdem vor einiger Zeit schon mit Sicherheit eine Revancho in Amsterdam zwischen Max Schmcling und Max Buer angenommen werden konnte und kurz darauf dann von einem bereits abgeschlossenen Projekt zwischen Schmcling und dem Neger Louis, dem k. o. Sieger über Carncra gesprochen wurde, taucht J'etzt wieder eine Meldung auf, die besagt, daß am 2 5'. Septem - t e r das Revanchotrcf fen zwischen Baer und Sclüneung ' im Madison Square Garden vereinbart worden sei. Indes soll um 7. August King Lewinsky gegen den Neger Joe Louis in Chicago antreten. Beim Schwimmlanderkampf Deutschland-Ungarn entschied erst daB Wasscrballsplcl den Kampf zugunsten .der Ungarn. In der imgarischen Mannschaft taten sich neben dem hervorragenden B r o d y im Tor noch S a r k a n y als Stürmer besonders hervor. * Der Mannschaft des Hagibor-Prag gelang es, in diesem Jahre im Endspiel um die tschechische Wasserballmeistcrschaft den Vorjahrsmeistcr mit 2:1 zu schlagen und damit Wasserballmeister für das Jahr 1935 zu werden. . Fußball-Endspiel am 1. September in Leipzig Das Endspiel um die Reichsmeisterschaft des RjF im Fußball findet nun endgültig 'ain ); September in Leipzig statt. Als Gegner stehen sich gegenüber „S chi ld" - Le-i pzi g, durch seinen Sieg über den Vorjahrsmeister. BSG 33, und „Schild"- Frankfurt,. der im Wiederholungsspiel einen überlegenen 3:0-Sieg über dio Mannschaft deB RjF-Stuttgart davontragen konnte. , Ein aufsehenerregendes Vorhaben führen im Augenblick 6 jüdische Ruderer des- Makkabi-Warschau durch, die in Kajaks nach Palästina zu fuhren beabsichtigen. Sie haben bereits den ersten Teil der Strecke hinter sich und werden über das Schwarze Meer ihre schwierige Fahrt fortsetzen. Gretel Bergmann fflnftbeste Hochspringerin Die „B. Z. am Mittag" veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 18. Juli 1935 eine Aufstellung der füjif weitbesten Frauen in jeder olympischen Leichtathletik-Konkurrenz. Gretel Bergmann (RjF- Stuttgart) nimmt hiernach mit 1,55 m den fünften Hang ein. Predigten an das Judentum von heute Einer der bedeutendsten Kanzelrcdrier der Berliner Jüdischen Gemeinde war der. 1919 verstorbene Rabbiner Siegmund Mayhaum. Neben seiner rabbinischen Tätigkeit wirkte er auch alB Dozent der Predigtkunst an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. In einer Vorlesung, in der er seinen Hörern die Bedeutung der Predigt zu erklären hatte, meinte er: „Jede Predigt beginnt, wenn die Gemeinde mit „meine andächtigem Zuhörer" angeredet wird, mit einer Lügo. Denn: erstens sind sie nicht mein, zweitens sind sio nicht and&chtig, und drittens hören sie nicht zu". Dicso iii ironischer Form gekleideten Worte haben durch den Wandol der Zeiten vieles von ihrer Gültigkeit eingebüßt. Gerade heute hat die Predigt, mit ihren Möglichkeiten, die großen Wahrheiten des Glaubens an den Geschehnissen der Geschichte und der Gegenwart zu erläutern, das Kanzelwort als eines dor eindringlichsten Mittel, neben den Stimmen der Vergangenheit auch den dringenden Froblcnren des Alltags mit seinen Folgerungen und Forde« ungeh Gehör zu schaffen, erneut Bedeutsamkeit erhalten. Der Rabbiner ist zum Sprecher der Zeit geworden. Wenn man die erste deutsche Predigt,'.die der Lehrer Jösef Wolft im Jahre 1808 inder Dessauer Synagoge gehalten hat,- mit den ,;Prcdigtcn an das Judentum von heute" vergleicht, dio Willv Leven als ersten Band der „Bücher der Erneuerung" im Felix Goldstein Verlag, Berlin, herausgegeben hat, so wird dio ganze Wandlung der Predigt, ebenso wie der Gestalt des Predigers, offenbar. Die Predigt kann, will und braucht ihre Herkunft aus der freien Andeutung des Bibelwortcs nicht, zu leugnen. Aber sie hat die Grenzen gesprengt, Sie ist —'■ wenigstens in violcn Fallen — ein Plädoyer für' das Leben geworden, sie weicht den Tagcsproblcmen nicht feige aus, um sich in unfruchtbarem homiletischem Gestrüpp zu verkriechen. Nicht alle Predigten, die in dieser Sammlung, scheinbar durch gewisse Zufälligkeiten bedingt, zusammengeraten sind, sind wert, daß sie über die Stunde des Gottesdienstes hinaus im Buch festgehalten werden. Wenn der Herausgeber davon abgesehen hat, Predigten solcher Rabbiner aufzunehmen, die die KanzcJ. zu einer Rednertribüne in einer Volksversammlung herabwürdigen, so kann man ihm nur beipflichten. Aber warum fehlt z. B. einer der führenden Männer des religiösen Liberalismus wie Max Dienemann 1 Im übrigen kommen Vertreter aller Richtungen zu Wort, die älteren Rabbiner ebenso wie Repräsentanten der jüngsten Rabbinergeneration,, wie Ignaz Maybaum und der Frankfurter Jugendrabbiner Heinrich Lemle. Die Festtage ziehen vorüber. Midraschim werden in fruchtbare Parallele zu Zeitereignissen gesetzt. Immer wieder klingt dor Appell an den jüdischen -Gemeinschaftssinn durch. Hennann Saenger findet kluge Worte über die Not des Augenblicks, die das große und starke Bekenntnis zum Judentum erzwungen hat und über den Glauben an sein Geschick und seine Geschichte, die den jüdischen Menschen aufrecht hält. Eine SchowuaUspredigt Manfred Swarsenskys' wirft die Frage auf: „Was ist jüdischer Geist?", nicht ohne Bio zu beantworten. Dr. Warschauers Gedächtnisrede für Max Licbcrmonn hat Aufnahme gefunden und besonders verdienstvoll eine vom flammenden und mitreißenden Geist Felix Goldmanns durchdrungene Roschhaschonoh-Predigt aus dem Nachlaß des Verstorbenen. Predigten aller religiösen und weltanschaulichen Richtungen . und aller Geschmacksrichtungen sind in dem hübsch ausgestatteten und klar gedruckten Bändchen veroint. Fünfzehn: an der Zahl. Man wird dabei an eine Erzählung des Talmud erinnert. Zwei große Lehrer kamen in die Stadt, um dort zum Volk zu sprechen. Rabbi Chijah hielt einen sehr gelehrten Vortrag über «ine entlegeno Gesetzesfrage. Dio Folge dav<>n war, daß die Zuhörer sich verliofen und sich dem Midrasch-Erzähler Rabbi Abahu zuwandten, der seine Reden mit Anekdoten und gegenwartsnahen Beispielen würzte, ohne Wissen und Denkkraft seiner Zuhörer auf eine allzu harte Probe zu stellen. Als sich Rabbi Chijah über seinen Mißerfolg beklagte, meinte Rabbi Abahu in weiser Selbsterkenntnis: „Perlen und Edelsteine finden immer weniger Käufer als Nippsachen und Leckerbissen". Der Leser der gesammelten Predigten ah das heutige Judentum hat die-Wahl. \ E. Ta. Arbeitsgericht entfeheidet Gefahr der GcBchaftsschüdigung rechtfertigt Entlassung Das Amtsblatt des Reichsjustizministers gibt eine wichtige Entscheidung des Ländosarbeitsgerichts Frankfurta.M. bekannt, die feststellt, daß die. Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit einer jüdischen Angestellten nicht sitten- oder rechtswidrig ist, wenn sio durch triftige wirtschaftliche Erwägungen begründet ist. Das Erkenntnis (A. C. 437/34) stellt fest, daß es anerkanntes Recht ist, daß eine Kündigung wegen ihres Motivs sittenwidrig und nichtig sein kann. Eine solche Sittenwidrigkeit, sei anzunehmen, wenn die Kündigung nach ihrem gesamten Charakter dem Anstandgefühl aller billig und gerecht denkenden Volksgenossen subjektiv und objektiv widerspricht. Im vorliegenden Falle war die Kündigung einer jüdischen Angestellten aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt, um die von zahlreichen Kunden und von der Kreisleitung angedrohten schweren geschäftlichen Nachteile zu vermeiden. Das Gericht sagt, daß eine solche durch „triftige wirtschaftliche Erwägungen" begründete Kündigung niemals sittenwidrig im Sinne des § 138 BGB seilt könne. * Der Begriff des Anstandsgefühls der billig und gerecht denkenden Volksgenossen unterliege der Wandlung; bei ihm sei jetzt der nationalsozialistischen Weltanschauung ala Richtschnur eine maßgebliche Bedeutung beizumessen. Die beklagte Firma habe einen ausgedehnten Kundenkreis aus den Reihen der Kreisleitung Wiesbaden, der Arbeitsfront, der NS-Volkswohlfahrt, des Winterhilfswerks, dor. MJ, des BdM und der NS-Frauenschaft. Hatte sie dem Drängen ihrer Kunden auf Entfernung der jüdischen Klägerin nicht nachgegeben, wäre ihro Weiteroxistenz in Frage gestellt gewesen Da es sich bei der Judenfrage und der Zurückdrängung des übermachtigen jüdischen Einflusses um einen Happtprogramm- Sunkt der NSDAP handelt und eine weltanschauliche Frage, bei er es ein Zurückweichen nicht gobe, sei keinesfalls anzunehmen, daß bei Schaltung der Klägerin schwere wirtschaftliche Nachteile und Gefahren für die Firma vermieden worden wären. . scheiden, die sich ■ in Treis a. d. Lunda ereignet hatten. Nach einer Mitteilung des Staatsanwalts bestand an diesem Orte zwischen der Einwohnerschaft und dem jüdischen Bevölkerungsteil ein besonders gespanntes Verhältnis, so daß in einem Falle auf Veranlassung des hessischen Staatspolizei-Amtes eingegriffen werden mußte, um dio Ruhe wieder herzustellen. Gegen eine Reihe von Strafbefehlen hatten die Betroffenen Einspruch eingelegt, über don jetzt entschieden wurde. , . Auf dem Bahnhof in Treis kam es in der Nacht nach Fastnacht zu einer schworen Schlägerei mit judischen Einwohnern, die beim Vieheinladen beschäftigt waren.. Einem Mann, der wegen schwerer Körperletzung einen Strafbefehl auf zwei Monate, eine Woche Gefängnis und 15 Mark Geldstrafe erhalten hatte, wurde vom Gericht eino Strafermäßigungauf einen Monat Gefängnis und fünf Mark Geldstrafe zugebilligt; in zwei. weiteren Fällen wurden Strafbefehlc über 30 und über 50 Mark Geldstrafe auf je 20 Mark Geldstrafe ermäßigt. In sämtlichen Fällen wurden mildernde Umstände zugebilligt.-In fünf Fällen waren'Strafbefehle über je 25 Mark ergangen, weil die Betreffenden Fens te r - Scheiben an mehreren Häusern eingeschlagen hatten. Die Angeklagten machten vor Gericht geltend, 'sie hätten den Juden wegen provozierenden Auftretens einen .Denkzettel geben wollen. Der Staatsanwalt hob u. a. hervor, daß durch derartige Handlungen der Greuelpropaganda Vorschub geleistet werde. Das Gericht ermäßigte die Geldstrafen auf je 10 Mark. Der Vorsitzende erklärte, daß die Angeklagten den bestehenden Befehlen entgegengehandelt hätten. Die geringe Geldstrafe habe aber ihren Grund in der berechtigten Erregung. Eine Verhandlung, in der es sich um das Einwerfen eines Fensters der Synagogo handelte, wurde ausgesetzt, um die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen zu prüfen. Ein Angeklagter, der einen Strafbefehl über 30 Mark erhalten hatte, weil er einen Mann mit dessen eigenem Stock körperlich mißhandelte, versuchte die Tat zu leugnen: Er wurde aber überführt und das Gericht beließ es hier bei der Höhe der Geldstrafe. Ans Treis a. d. Lunda Körperverletzungen und Sachbeschädigungen vor Gericht Gießen, 18. Juli. Das Schöffengericht in Gießen hatte, einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" zufolge, über eine ganzo Anzahl von Körperverletzung- und Sachbeschadigungs-Dcliktcii zü ent- Rabbinerdelegation beim Staatspräsidenten von Litauen Kowno. Der Staatspräsident von Litauen, S m e t o n a , empfing eine Rabbinerdelegation, die ihm im Hinblick auf die Lage der Juden in Litauen verschiedene Wünsclio der jüdischen Bevölkeruiig, insbesondere für die Gestaltung ihrer wirtschaftlichen Situation'^ vortrug. Präsident Smctöna versprach, das Erforderliche zu veranlassen. Nicfatarier als Voritandsmitglied Eine Entscheidung des Reichsjustizministers In der neuesten Nummer der „Deutschen Justiz" teilt',Oberregierungsrnt Dr. Doemer eine gruhdsgtelich bedeutsame Entscheidung mit, die der Reichsnüniste£!~T[er Justiz als oberste Beschwerdeinstanz in einer Angelegenheit der freiwilligen Gerichtsbarkeit getroffen hat. . Das Oberlandesgoricht hätte als Aufsichtsbehörde einer Stiftung zur Förderung der inneren Kolonisation ein rtichtiariBch.es Vorstandsmitglied der Stiftung seines Amtes enthoben. Gegen diesen Beschluß haben der Vorstand der Stiftung und der Enthobene Beschwerde eingelegt und geltend gemacht, der Aufsichtsbehörde stehe nicht die Befugnis zu, em Vorstandsmitglied zu entlassen. Die Entlassung stelle einen ungesetzlichen Eingriff in einen privatwirtschaftlichcn Betrieb dar. Sie sei auch sachlich ungerechtfertigt. Der Reichsminister der Justiz hat die Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen. In der Entscheidung wird ausgeführt: Alsstaatliche Aufsichtsbehörde habe das Oberlandesgericht bei der Beaufsichtigung der Stiftung die öffentlichen Interessen zu wahren. Hierzu sei aber die Enthebung der nichtarischen Vorstandsmitglieder der Stiftung notwendig. Die Stiftung bezwecke die Förderung der inneren Kolonisation durch Schaffung und langfristige Verpachtung kleinerer landwirtschaftlicher Botriebe. Ihre Ziele lägen auf einem Gebiet, .das von nationalsozialistischen Grundsätzen und Gedanken aufs stärkste erfaßt sei. Diesen müßte, da andernfalls die staatlichen Interessen gefährdet würden, auch bei der Stiftung voll und rückhaltlos Geltung verschafft werden, namentlich auch, soweit sie Fragen der Rasse berührten. Hiorfür bestehe aber nicht die Gewähr, wenn in dem Vorstand der Stiftung ein Nichtarier mitwirke. Oberregierungsrat Dr. Doemer bezeichnet die Entscheidung , als über die entsprechend gelagerten Fälle hinaus richtunggebend. Der Grundsatz, der in ihr ausgesprochen werde, daß Nichtarier auf Gebieten, die von nationalsozialistischen Gedanken besonders stark erfaßt seien, nicht mitzuwirken hätten, verdiene — von dieser autoritativen Seite in einem gerichtlichen Verfahren ausgesprochen—- stürkste Beachtung. ~ Hauptschrlftlelter: Dt. Eugen Tannenbaum; Bertin - Wilmersdorf. . Leiter der Anzelgen-Abtellum- und verantwortlich lür den Inhalt der Anzeigen: Hjni Ehrlich, Berlin W 15. — DA II 2600. Zur Zelt Ist Preisliste Nr.'2 gultle. Verlag: Vcrlagsgenojsenscha't In Deutschland ansässiger Juden zu Berlin eOinbrl., Berlln-Charlottenbunj 2,' BlelbtreustraOe 2. Druck: Sonnendruckerei QmbH. (Felix Wolf), BerllnrCharlottenburg 4.

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