Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04207-2297489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Gründung und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. 21 rat Teller, in welchem die Ausmerzung des Religionsgesetzes als Preis für die augestrebte Verschmelzung des Judentums mit einem Christentum ohne Trinitätsglauben angeboten wurde, sieht Israel Hildesheimer die erste, ehrliche, rückhaltlose und offene Kundgebung der Reform, der gegenüber alle späteren als Verschleierungea des eigentlichen Standpunkts angesehen werden müssen. ״Ein in’s Christentum einmündender Deismus, tabula rasa für das praktische Judentum mit der Ab־ und Aussicht ״die Kinder eines froheren Genusses des Lebens teilhaftig werden zu lassen*.3) Ein in der Hitze späterer Kämpfe gefälltes Urteil, das, soweit eben die späteren Bestrebungen in Betracht kommen, in den Tatsachen nicht mehr seine Berechtigung findet, für die erste Zeit aber zutreffend sein dürfte. Was die allerersten Reformversuche sehr rasch zum Scheitern brachte, war der völlige Mangel an geschichtlichem Sinn und Verantwortungsgefiibl. Da konnten eben nur Schöpfungen ins Leben treten, die bald überholt von ihren eigenen Vätern preisgegeben und verleugnet wurden. Die Orthodoxie stand all diesen Bestrebungen zwar nicht ganz wehr- und waffenlos, aber doch nicht wehrhaft und gerüstet genug gegenüber. Sie erhob, wo ihr das Heiligste nur immer bedroht erschien, ihre Stimme, aber diese Stimme drang nicht weit, erreichte vor allem die Kreise nicht, auf die sie Einfluss gewinnen wollte. Ohne das Rüstzeug der Zeitbildung vermochte sie zu ihren Gegnern, die nur diese anerkannten, nicht in einer Sprache zu reden, die jene verstanden. Bei der Begründung des Hamburger Tempels und der Veröffentlichung des neuen Gebetbuchs, in welchem eine jüdische Gemeinde zum ersten Mal die Verleugnung grundlegender Glaubensanschauungen, Sätze und Lehren des Judentums forderte und verkündete, fanden sich die hervorragendsten Autoritäten der damaligen Zeit, R. Moses Sofer, R. Akiba Eger mit vielen Anderen zu schärfster Abwehr und Verteidigung der überkommenen Heiligtümer zusammen. Aber schon der Umstand beeinträchtigte ihren Erfolg, dass die 3) Isr. Hildesheimer, Besprechung des Religionsbuchs von Gerson Lasch, Leipzig 1861, im Israelit 1861 p. 555.