Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Die Gründung und Bedeutung dsa Rabbinerseminars in Berlin. Gutachten, hebräisch geschrieben, nur ein massiges Publikum hatten und vor allem nicht bis zu denen gelangten, denen ihr Widerspruch wirklich galt. Die Rabbinen alten Schlages standen sich auch dadurch selber im Licht, dass sie im Kampf gegen die aufkommende Reform und in begründeter Besorgnis vor ihren verderblichen Folgen, dem Abfall, den sie erleichtern und ver- Ursachen werde, auch die kleinste Abweichung vom Herkommen, auch die Beseitigung offenkundiger Misstände ab wehrten und alles auf eine Linie stellten. Ohne die Bildungsmittel der Zeit waren sie auch nicht in der Lage, die Blossen der Gegner richtig aufzu decken und für sich zu nützen, die Halbheit, den Mangel an Logik und Konsequenz, die Unwahrhaftigkeit und UnWissenschaftlichkeit des damaligen Reformstandpunkts nachzuweisen. 4) Aber die Gefahr, durch fortschreitende Assimilierung das bestehende Judentum der Auflösung entgegenzuführen — genügte doch ein leiser Anstoss, eine Enttäuschung im Kampf um politische Rechte und soziale Geltung, um welk gewordene Blätter in Massen vom jüdischen Stamm herabzuwehen — schärfte in dem Rabbinergeschlecht, das in den ersten 50 Jahren des 19. Jahrhunderts herangewachsen und der Reform freundlich gesinnt war, das Verantwortungsgefühl. Man wollte nicht mehr plan- und grundsatzlos, nicht mehr aus äusseren und Opportunitätsrüeksichten umgestalten. Die jüdische Wissenschaft, besonders die Geschichte und Altertumskunde, die durch Zunz’s tiefschür־ fende Forschungen angebahnt war, sollte die Unterlagen für eine gesicherte Erkenntnis des ״Kerns“ des überlieferten Juden־ tums schaffen. Auf dem Wege und mit den Mitteln der wissenschaftlichen Kritik wollte man diesen Kern von der Schale lösen und die Religion von dem Wust, den angeblich die Jahrtausende angehäuft hatten, befreien. II. Mit der ״Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theo־ logie“, die 1835 erschien, hat Abraham Geiger die neue Rieh־ 4) Vergl. Geiger, Nachgelassene Schriften heransgeg. v. Ludwig Geiger Berlin 1875, I. 176.