Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 6 (11.2.1937)
- Date
- 1937-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Heinrich Lemle 2× ep/1012616
- Wrocław 2× ep/1002369
- Alexander Altmann 1× ep/1002827
- Alfred Dreyfus 1× ep/1003356
- Emden 1× ep/1044505
- Ignaz Maybaum 1× ep/1002573
- Julius Rosenwald 1× ep/1005553
- Leo Hirsch 1× ep/1706939
- Peretz Hirschbein 1× ep/1011112
- Quakenbrück 1× ep/1045493
- Walter Frank 1× ep/1026103
- Émile Zola 1× ep/1025797
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Amerikanische Finanzaktionen Am 6. Februar abends wurde in Anwesenheit lausender Delegierter und Gäste in Washington eine amerikanische Palästina-Konferenz eröffnet, an der nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann, sondern der Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan, teilnahm. Als das wichtigste Ergebnis der Konferenz wird der Beschluss bezeichnet, in den Vereinigten Staaten sofort mit der Durchführung eines 4%-Millionen-Dollar- Drives zu beginnen, dessen Ergebnis den Notstands- und Wiederaufbau-Aktionen des Keren Kajemet und des Keren Hajessod zufliessen soll. Dieser Beschluss stand sichtlich im Zeichen einer Denkschrift über die Wirtschaftslage in Palästina, die das Londoner Mitglied des Zionistischen Aktions- Komitees, Joseph L. Cohen, der Palästina-Konferenz vorgelegt hatte. Die Denkschrift gipfelte in dem Vorschlag, die Einwanderung nach Palästina in Zukunft entsprechend der Höhe des investierten Kapitals zu regeln. Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Rabbiner Dr. Stephen S. Wise, erklärte in einer mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Eröffnungsansprache, dass Zionisten und Nichtzionisten in Amerika sich in der Forderung nach Offenhalten der Tore Palästinas einig seien. Er wurde zum Vorsitzenden des United Palestine Appeal wiedergewählt. Neben anderen sprach auch Dr. M. J. Karpf sowie der Senator Morris C. E. Rüssel. Der amerikanische Landw.irtschaftsminister Wallace hielt eine Ansprache, in der er betonte, dass das Streben sowohl der Juden wie der Amerikaner auf Frieden und religiöse Freiheit gerichtet sei. Im Anschluss an die Konferenz fand ein Festbankett statt, bei dem die Senatoren Borah, Lodge "und Austin, sowie Rabbiner A. H. Silver Ansprachen hielten. Präsident Roosevelt hat an die Washingtoner Palästina-Konferenz eine Botschaft gerichtet, in der er auf die Bedeutung der Balfour-Deklaration hinweist und rühmend von der ,,Lebenskraft und Vision der jüdischen Pioniere Palästinas" spricht. Etwa gleichzeitig fand in Pittsburg eine Sitzung des Planungskomites des American Jewish Joint Distribution Committee statt. Hierbei wurde für das Jahr 1937 einstimmig eine Verteilungsquote von 4 650 000 Dollars festgesetzt. Von diesem Betrag sollen für Hilfsarbeiten in Polen und anderen osteuropäischen Ländern 2 150 000, in Mitteleuropa 1300 000 Dollars und in den Ländern, die Auswanderern Zuflucht gewährt haben, 850 000 Dollars verwendet werden. In der Aussprache wurde darauf hingewiesen, dass angesichts der immer verzweifelter werdenden Lage in Mittel- und Osteuropa an die jüdische soziale Fürsorge die höchsten Anforderungen gestellt werden müssten. Zum Vorsitzenden des neuen Joint Campaign wurde der Ehrenpräsident des Joint Distribution Commitee, Felix M. Warburg, gewählt. Mitvorsitzende sind der Präsident des Joint, Paul Baerwald, Julius Rosenwald und Rabbi Jonah B. Wise. Ä Das Zusammentreffen der beiden Finanzaktionen ist nicht ohne Interesse. Ueberall wird für Palästina gesammelt und gegeben. Das ist gut so, denn es gilt, eine überparteilich grosse jüdische Sache "zu erhalten und zu fördern. Eben erst hat der Direktor des Keren Hajessod, Leib Jaffe, in einer Pressekonferenz in Jerusalem bekanntgegeben, dass die Eingänge dieses Fonds im Jahre 1936 gegenüber dem vorangegangenen Jahre um 15 Prozent gesteigert werden konnten. Auch das ist zu begrüssen als Ausdruck der Kraft und Hoffnung auch in schwerer Zeit, obgleich der Vergleich zwischen Palästina und anderen Immigrationsländern unbedingt die Forderung erheben lässt, dass die Gebefreudigkeit sich in ernsthafter Abschätzung der Hilfsmöglichkeiten zwischen ihnen zu verteilen habe. Die drei bis vier "Millionen Juden, die von den ziffernmissig beträchtlichen, aber in der Wirkung um einen Bruchteil der Not lindernden Jointbeträge Hilfe erwarten, werden sich freilich Gedanken über das Missverhältnis der 434 Millionen Dollars des Palästina- Drives zu den 4,6 Millionen Dollars für notleidende Millionenmassen machen. amtierte Kirschner 2 0 j ä b r i g als Kantor an der Neuen Synagoge und als Lehrer an der jüdischen Knabenschule in Berlin. 1881 wurde er als Oberkantor nach München berufen und gleichzeitig als Professor und Gesanglehrer an die Akademie der Tonkunst. Von diesem Posten trat er nach zwei Jahren zurück, um sich seinem Amt und wissenschaftlichen Forschungen zu widmen. In andächtigem Gemüte hat er sein Gebet dem Höchsten geweiht. Bahnbrechend und wegweisend veröffentlichte er zahlreiche Abhandlungen über Tempel- und Synagogenmusik, mittelalterliche Poesie und ihre Singweisen. Sein Meisterwerk, das seinen Namen weit hinaustrug, : bilden die: „Tehillot leel eljon" 4 Bd. Synagogengesänge für Kantor und Chor mit Orgelbegleütung, deren Veröffentlichung er 1896 begann und 1926 abschloss. Dieses kurze Lebensbild wäre unvollständig, wenn ich nicht seines Hauses gedächte, das er an der Seite seiner Gattin zu einem Mittelpunkt echt jüdischen Familienlebens gestaltete, in dem besonders die studierende jüdische Jugend Generationen hindurch Anregung, Teilnahme und Hilfe fand. — Mit stolzer Genugtuung wird dieser Festtag von der Münchener Gemeinde als Ehrentag gefeiert. Michael Fraenkel (Breslau). schach-ecki Schachaufgabe Nr. 89. Von Martin Sanier (Berlin). (Schachwart 1932.) BJ^B^SI^«, Der Präsident des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland, Professor Walter Frank, hat den Präsidenten der Physikalisch - Technischen Reichsanstalt, Professor Dr. Johannes Stark, in die Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland berufen. Präsident Professor Stark wird dort zusammen mit Geheimrat Professor Philipp Lenard das Referat „Naturwissenschaft und Judentum" leiten. Ferner hat Professor Frank den kommissarischen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor Dr. Rudolf Mentzel, in die Forschungsabteilung Judenfrage berufen. Zur Erinnerung an die Dreyfus-Affäre hat der Stadtrat von Crosne, einer kleinen Stadt in der Nähe von Paris, eine Strasse nach Hauptmann Alfred Dreyfus und eine andere nach ■Emile Zola benannt. An der Feierlichkeit, die mit dieser Namensverleihung verbunden war, nahmen u. a. auch Frau Alfred Dreyfus und ihr Sohn Pierre Dreyfus sowie Frau Le Blond-Zolä teil. _ Oberkantor Professor Kirschner-Münclien 80 Jahre alt Am 15. Februar begeht Emanuel Kirsch- .ner, Oberkantor in München, seinen achtzigsten Geburtstag. Ein nicht nur an äusseren Erfolgen gesegnetes Leben findet mit diesem Tage seinen Höhepunkt. Wer die Persönlichkeit Kirschners würdigen will, muss sie in der Vielseitigkeit als Sendbote der Gemeinde, Künstler, Forscher, Lehrer und Mensch erfassen. Die weitverzweigte Lebensbetätigung ist in seiner reich veranlagten Natur begründet, in der das Menschliche und Künstlerische unlösbar verbunden eine Einheit bildet. InRokottnitz (Oberschlesien) geboren, Aus den Familien Hugo Grünberg (Marienwerder, Westpr.) be> geht am 12. Februar seinen 75. Geburtstag. —• Jakob Zander (Berlin N 54) vollendet am 13. Februar sein 75. Lebensjahr. — Frau Minna Löwenstein geb. Eichholz (Altenheerse b. Warburg, Westf.) wird am 14. Februar 75 Jahre alt. — Richard Zacharias (Berlin NW21) feiert am 15. Februar seinen 75. Geburtstag. — Frau Minna Lucas geb. Kaufmann (Köln-Riehl) begeht am 15. Februar ihren 70. Geburtstag. — Louis Mamroth (Berlin- Neukölln) -wird am 17. Februar 70 Jahre alt. — Frau Jeanette Marx geb. Oestreicher (Bebra) feiert am 20. Februar ihren 80. Geburtstag. — Moritz Redelmeyer. Mitglied des Ortsgruppenvorstands des Central-Vereins in Halle, ist gestorben. — Am 1. Februar starb im Alter von 83 Jahren Viehhändler Josef Jacobs (Werlte/Hannover), der sich durch seine besondere Frömmigkeit ausserordentlicher Achtung und Auszeichnung erfreute. Lehrer Speier aus Sögel, Landrabbiner Dr. Blum aus Emden und Lehrer Beer aus Quakenbrück widmeten bei der Trauerfeier dem Verstorbenen warme Nachrufe. Matt in drei Zügen. Weiss: Kd7, Td2, Te3, Lb4. Sf2, Ba3, f3 (7) Schwarz: Kd5, Thö, Lg7, Sg8, Bb3, b5, d4, e7 fß (9) Schachaufgabe Nr. 90. Von Dr. M. Lewitt. (Schweizerische Schachzeitung 1931.)" ■ Ä 'h%M A'WM A'WK4 JliJlL» s§ w ®&m>. m. WA ^p^j^ Voranzeigen Berlin: 13. Februar, 20 Tjhr 30 Min.: Synagogenverband Berlin, Gruppe Rykestrasse N ö. Vortragsabend. Rabbiner Nobel „Jüdisches Heldentum in der Bibel und in der Geschichte.'* Kantor Säuler (Gesang). Richard Altmann (Harmonium). Synagoge Rykestrasse. 16. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Agudas Jisroel. Rabbiner Dr. J. Jakobovits „Sinn und Wert jüdischen Lebens". Aula £'iegmundshof 11. IS. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Rambam-Lehrhaus. Professor Dr. Bruno Kisch, Köln, „Das Verhältnis des Judentums zur Natur". Grosser Saal des Logenhauses, Kleiststrasse 10. 18. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Professor Dr. J. Elbogen „Don Issak Abravanel". Logenhaus. Kleiststr. JO. 29. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Rambam-Lehrhaus. Rabbiner Dr. Alexander Altmann „Rabbi Jizchak Abravanel". Svnagoge Kaiserstrasse 29-30. 2fl. Februar: Verband polnischer Juden. GeseUschaftsabend. Mascha Benjakowska und Max Mansfeld (Volkslieder), Max Koninski (Rezitation), Kapelle Ader. Brüdervereinshaus. Frankfurt a. M.: 13. Februar: Alexander Kipnis. Grosser Saal des Saalbaus. 29. Februar: „Zwei Stunden Lachen mit Alfons Fink". .Vereinshaus. In die Jüdische Lehrerbildungsanstalt Würz- T)urg können im Frühjahr wieder Schüler und Schülerinnen für alle Klassen aufgenommen werden. Der Lehrplan der ersten 5 Klassen entspricht dem Lehrplan der Aufbauschulen. An Fremdsprachen werden unterrichtet Iwrit, Englisch und (wahlfrei) Französisch. Nach erfolgreichem Besuch der drei unteren Klassen wird das Zeugnis der mittleren Reife erteilt. Weiss zieht und gewinnt. Weiss: Kf4, Ld3, Bc6, b.6 (4) Schwarz: Kb6, Lg8, Bf6, fo (4) Eine gefällige und scharf pointierte Endspielstudie des im vorigen Jahre verstorbenen Problemkomponisten. * Lösung der Aufgabe Nr. 88: 1. Se7—f5, (drohend 2. DM—e7 matt) ... LhSXfö, 2. Db4-*1 matt , . . Ke5Xf6, 2. Db4—d6 matt . . . Keö—e4, 2. Tf3—e3 matt . . . Sb3-cö, 2. Db4Xd4 matt. Auf 1. Se7—c8? antwortet Schwarz Sb3—cö! Auf 1. Tf3—e3f, Ke5Xf6 steht der weisse König im Schach! * Richtige Lösungen gingen ein von: Sanitätsrat Dr. Ritterband (Osterode), Hans Steinberger (Bayreuth), Martin Hirsch (Grottkau), Herbert Heimann (Ratibor), Michael Levy (Krefeld), Tierarzt Max Koschminski (Lnadsberg), Dr. med. J. .Meyerhoff (Rotenfels), Siegmünd Austerlitz (Glessen), Karl Bechhöfer (Nürnberg), Kantor D. Cohn (Koblenz), Fritz Ollendorff, Adolf Schüek (Breslau), Gustav Lewj, Rechtsanwalt Dr. Ernst Meyer, Wirtschaftsprüfer Dr. Herbert E. Hirschberg, Dr. med. Herbert Picard, Sanitätsrat Dr. S. Domke (Berlin), Dr. Oster (München). * Schachwettkampf in Köln. Am 24. Januar trafen sich die Schachabteilungen das S. C. Haküah Köln und des Makkabi M.-Gladbach zu einem Klubkampf an 15 Brettern, der mit 1% zu 7% Punkten unentschieden endete. * Schachbriefkasten. J. N. — Besten Bank für die Aufgabe, die leider nicht verwendbar und auch nebenlösig ist. (Durch 1. Dd4, Df8-f7;- 2. Dd4-e3!) Das Februar-Heft des „Morgen" Dieses neue Heft des „Morgen" verpflichtet zu Dank. Es gibt jene Haltung zu erkennen, die in den Tagen unserer Einsamkeit so selten zu werden beginnt, und die darin besteht, dass man sich weder an die Dinge verliert noch sich ihnen verloren gibt, sondern durch sie hindurch und über sie hinaus zu blicken vermag. „Es weist" — ich zitiere den einleitenden Aufsatz .von Leo Baeck statt aller weiteren Erklärung — „auf etwas hin, w7as hinter ihm ist und wovon es lebendig zeugt, auf ein Allgemeines, Umschlingendes,- Bleibendes, auf ein ünerforschliches, auf einen Sinn, einen Gehalt, ein Schicksal, eine Bestimmung. Etwas, was grösser, höher ist, als der Gegenstand an sich ist, spricht aus ihm die europäischen Fundamente der Diaspora, so könnte man die inhaltliche Weite dieses Heftes am gerechtesten benennen. Die geschickte Komposition der behandelten Themen setzt mit einem vollen Akkord ein. Leo Baeck schickt dem Heft mit einem Essay „Europa" ein Motto voraus, das, wie fast immer hei diesem Autor, in seiner Grundsätzlichkeit über das Aktuelle hinwegsteigend, den Grundriss unserer geistesgeschichtlichen Situation im europäischen Raum entwirft. Wir wären Baeck schon dankbar, wenn er nichts weiter gewünscht hätte, als eine Analyse, dieses Landes im Nebel einer wenig exakten zeitgemässen Terminologie zu geben. Aber Baeck ist es nicht nur um die Darstellung., dessen zu tun, was denn Europa eigentlich sei; ihm kommt es auf die Einordnung dieses Europa, richtiger noch auf die Einfügung des europäischen Bewusstseins in den Rahmen des jüdischen Bewusstseins an. Europa nicht als Land der Verheissung, sondern der Bewährung, die ihren Sinn aus tieferen Quellen empfängt. Sodann schreibt Ignaz Maybaum über «Die jüdische Betreuung der nichtpalästinensischen Auswanderung". In glücklicher Weise setzt die Redaktion mit diesem Beitrag eine Themenreihe fort, die bereits äusserst wirkungsvoll mit dem Aufsatz von Arthur Prinz im letzten Heft eröffnet wurde, und die es sich zur Aufgabe macht, die Auswanderung nach anderen Ländern als nach Palästina von dem parteioffiziellen Verdacht der jüdischen Illegitimität endlich einmal zu reinigen. Während Prinz die ökonomische und allgemein wanderungspolitische Seite dieser Frage betrachtete, wendet sich Maybaum nicht ohne polemische Schärfe der ideologischen zu. Wie man überhaupt mit innerer Anteilnahme feststellen muss, dass der jüdische Positivismus universalistischer Prägnanz in Maybaum mehr und mehr einen seiner stärksten und. vor allem federführenden Vertreter, der jüdische Nationalismus dagegen in ihm einen seiner ernsthaftesten und verantwortungsvollsten Kritiker findet. Worte wie die: „Wovor fürchtet sich der Zionismus gegenüber der nichtpalästinensischen Auswanderung? Glaubt er, dass das Judentum nur in der Gasse Gemeinschaft sein kann, nicht in der Welt? Die Emanzipation hat die jüdische Gasse aufgelöst; nun soll Palästina diese Gasse sein ..." Solche mutigen und sicheren Worte haben wir lange nicht mehr vernommen. Dabei beurteilt Maybaum den Zionismus keineswegs einheitlich, sondern räumt im Gegenteil mit den grossen Worten, die dazu dienen, eine magere Wirklichkeit mit fetten Ideologien zu stopfen, temperamentvoll auf. Rügt Baeck die Auflösung jüdischer Substanz in ausserjüdischem Geistesmilieu, so protestiert Maybaum gegen den Anheimfall jüdischen Geistes an die Aeusserlichkeit politischer Ambitionen. Auch dieses Veto tut wohl — und not. „Alexandrien oder das Tor in die Welt" ist der Titel eines weiteren Aufsatzes aus der Feder von Fritz Benjamin. Ein Feuilleton über die Diaspora. Amüsant, flüssig im glänzenden Stil, und etwas obenhin plaudernd, skizziert der Verfasser an dem historischen Beispiel jener grossen hellenistisch-judaistischen Sozietät Alexandria, flüchtige Station auf dem Weg nach Europa, in_nuce das ganze Schicksal der europäischen Diaspora. Vielleicht sind wir momentan etwas zu ernst gestimmt, um diesen Reisebericht ganz vorbehaltlos zu vertragen. Aber — wer genauer hinhört, spürt es — auch die Heiterkeit dieser schwungvollen Schilderung kommt aus der Tiefe der Entsagung. — Ganz Herz und Gemüt ist die von Leo Hirsch vorgenommene Uebertragung des Jiddischen Stückes „Bebele" von Perez Hirschbein, etwas unvermutet in die geistige Prosa eingefügt. Eine halbnaive, halbsentimentale Milieuschilderung, die über das ganze Stück noch kein abschliessendes Urteil zulässt. Heinrich Lemle spricht „Ein Wort zur Lage im religiösen Liberalismus" und betitelt seinen Beitrag „Vernachlässigung aus Armut?" Die Frage wird von ihm gestellt, um von ihm selbst verneint zu werden. Auch dieser Aufsatz bringt erneut den Beweis dafür, wie starke Ansatzmöglichkeiten der religiöse Liberalismus heute gerade in Deutschland besitzt. Die Kritik, die Lemle übt, ist zum Teil sehr berechtigt, und sie ist selbst dort kraft ihrer grundsätzlichen Fassung noch wesentlich, wo sie oft gehörte Vorwürfe repetiert. Liberalismus wird von Lemle nicht als System, sondern als schöpferische Möglichkeit zu neuer Leistung verstanden, auf die nach seiner Ansicht weniger aus Armut als aus glattem Versäumnis verzichtet wurde. Richtig! Aber genug der Kritik. Wer fasst nunmehr die fruchtbaren Ansätze zusammen und lenkt den guten Willen in den Fluss der Bewegung. Gesagt ist alles, getan,..? Die Aufsatzreihe schliesst mit einer äusserst lebendigen und instruktiven Rezension über Abraham Heschels neues Buch: „Die Prophetie". Die junge Dichterin Gina Gärtier ist wieder einmal mit einem Gedicht vertreten, das durch die Behutsamkeit der Sprache und die Zartheit der Empfindung seinen besonderen Reiz und seine für die Autorin nun schon bald charakteristische Note besitzt. Die Presseschau steht unter der Deyi6e3 die. das ganze Heft gleichfalls tragen könnte: „Europäisches Denken". U. a. wird ein Aufsatz von Max B e u s e „Neue Strömungen in der französischen Philosophie" besprochen, der eine Gegenüberstellung von Nietzsche und Kierkegaard als den Schöpfern von zwei Formen der Existentialphilosophie bringt. Interessante Aufschlüsse über das Judentum in Holland ergeben sich aus der Besprechung dreier holländischer Bücher („Demografie von de Joden in Nederland" von Boekman; „De Diamantbewerkers von Amsterdam" von Heertje; „Over Joodsche Problematiek" von Bernstein). Ebenfalls finden Niels Hoyers „Heimwärts" und Friedrich Sieburgs „Robespierre" eine literarische Würdigung. Max Spanier gibt eine kurze Uebersicht über das Werk Jacob Picards bei Gelegenheit der Besprechung seines „Gezeichneten". Die Rezension einer Reihe weiterer jüdischer Schriften und Autoren vervollständigt den Inhalt dieses sehr lesenswerten Morgenheftes. . Heinz Kellermann „Wir haben ein ganz neues jüdisches Buch, das nicht in eine Ecke des Nöte sehranks gehört, sondern neben PentateuchundHaggadah..." sagt das Gemeindeblatt f. d. jüd. Gem. in Rhein!, u. Westfalen über Sabbathklang und Festessang Ein musikalischer Wegweiser von Oberkantor Hans John Jacobsohn Preis karf. 1.70 M Zu beziehen durch den Buchhandel u. Philo Verlag u. Buchhandlung G. m. b. H., Berlin W. 15, Poriser Str. 44, Ferntpr, J 2,1375