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Central-Verein-Zeitung · 1937-02-11 · 6 (11.2.1937) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
6 (11.2.1937)
Date
1937-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6*1. Beiblatt C.YTeitunq 11. Februar 1937 Wirtschaft und Wanderung in Chile Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Bruno Weil Santiago de Chile, Ende Januar 1937. Chile lebt immer noch zu 40 Prozent von Ackerbau und Viehzucht. Herrliche Früchte jeder Art werden erzeugt. Ein ausgezeichneter Wein, der vielfach an den Rhein- und an französische Weine erinnert, wird zu fünf Sechstel nach Europa exportiert. Allerdings ist die Lage so, dass der grösste Teil des Gebietes, das mit Erfolg landwirtschaftlich bestellt wird, in dea Händen einer kleinen Oberschicht liegt. Die fortgesetzte Entwertung des chilenischen Pesos, der im Laufe von fünf Jahren auf ein Sechstel herabgesunken ist, hat die hypothekarische Belastung der etwa 600 Riesenbesitzungen natürlich ausserordent- 'Jtemnami fflafärnann Herren- und Damen- Axisstattungen Berlin SW, Friedrichstr. 50-51 lieh erleichtert. Infolge dieser Entschuldung, den niedrigen Löhnen und eines gewissen Ansteigens der Preise für die landwirtschaftlichen Produkte, wird eine Rente auch aus diesen Riesengebieten herausgewirtsch'aftet. Der Viehbestand des Landes ist betrachtlich, wenn er auch nicht mit Argentinien verglichen werden kann. Wo immer man in diesen Erntetagen vorüberfährt, hängen Schilder aus, mit denen Arbeitskräfte gesucht werden. Es wird mir von allen Seiten versichert, dass es überhaupt keine Schwierigkeiten böte, Menschen aus Deutschland in der Landwirtschaft unterzubringen. Allerdings müssen, die Einwanderer hier in vielem nochmehr umlernen, als dies an der Ostküste der Fall ist. Chile hatte das Weltmonopol für SalpeterundJod. Sein Staatshaushalt war ausgeglichen, so lange es aus der Exportabgabe für diese Produkte grosse Summen zog. Die Erfindung des künstlichen Stickstoffs durch Professor Haber ist der zweite schwere Schlag gewesen, der Chile nach der Eröffnung des Panamakanals getroffen hat. Allerdings hat Chile in Kupfer einen weiteren höchst wichtigen Exportgegenstand. Chile steht heute in der Kupferproduktion an zweiter Stelle der Welt; aber alle wirklich ausbeutbaren Kupfergruben befinden sich in den Händen ausländischer (nordamerikanischer) Gruppen. Hier gibt es für eine beschränkte Anzahl von Auswanderern ein Betätigungsfeld als Angestellte der verschiedensten Art in den Bergbaubetrieben. Es bleibt die Frage einer Schaffung neuer Industrien. Die chilenische Regierung zeigt eine grosse Neigung, nach dieser Richtung fördernd zu wirken. Sie ist auch die einzige, die ich bisher gefunden habe, die bereit ist, Verhandlungen zu diesem Zweck zu fördern. Ich habe Grund, anzunehmen, dass die hiesige Regierung Anweisungen an die Konsuln nochmals nachprüfen wird, die sehr einwanderungshemmend sind. Aber auch solange diese Anweisung besteht, wird eine gewisse Einwanderung stattfinden können, und sie hat auch bis in die letzte Zeit stattgefunden. Es wird, wie schon ausgeführt, der landwirtschaftlichen Einwanderung nichts in den Weg gelegt werden. Auch die Kapitalisteneinwanderung wird ihren weiteren Fortgang nehmen können. Die Höhe des jeweilslür das Einreisevisum verlangten Kapitals liegt im Ermessen des Konsuls. Auch in den Fällen der Verwandtenchamaden, müssen die Konsuln das Visum erteilen. Es können sich hierher „rufen" die Ehegatten gegenseitig, Eltern ihre minderjährigen Kinder bis zum Alter von 24 Jahren, Kinder ihre Eltern immer, Geschwister sich gegenseitig, falls der Gerufene minderjährig ist. Die Behörden dieses Landes zählen jeden Ein- und Auswanderer, und sie geben die folgenden Ziffern: Es sind: eingereist 1931 29195 ausgereist 29 888 „ 1932 25151 „ 25 878 „ 1933 25 396 „ 23 671 1934 26 550 „ 26901 „ 1935 25 396 „ 23 671 ersteHälftel936 21326 „ 20643 Die Einwanderung hat also in diesen fünfeinhalb Jahren 153 000 Menschen betragen, während die Auswanderung rund 150 600 Personen beträgt, insgesamt nur ein Einwanderungsüberschuss von 2400 Personen sich ergibt'.! Ueber den Anteil, den die jüdische Bevölkerung aus Deutschland und anderen Ländern an diesem Ueberschuss hat, werde ich besondere Zahlen noch geben. lieber das chilenische Judentum selbst ist wenig und zum Teil Unrichtiges in Europa berichtet worden. Genaue Angaben über die Zahl konnte ich trotz aller Bemühungen nicht erhalten, aber es unterliegt keinem Zweifel, dass die Gesamtzahl der Juden gegenwärtig zwischen 15 00C1 und 20 000 für das gesamte Gebiet liegt. Unter ihnen befindet sich eine grosse Gruppe von Sef ardim, von denen allein 5000 in Santiago wohnen sollen. Diese Gruppe lebt von allen anderen Juden, auch orthodoxen Ostjuden, völlig getrennt. Sie ist zum Teil sehr lange hier ansässig, alle sprechen hebräisch neben spanisch. Die Sefardim haben es zum Teil zu höherem Ansehen und guter Stellung gebracht. Daneben wird mir die Zahl der Ostjuden mit etwa 10 0CO angegeben. Die Einwanderung hat in den Jahren 1931 bis zum 1. April 1932 insgesamt 192 jüdische Personen betragen. Sie betrug vom 1. April 1933 bis zum 31. August 1936 915 Personen, von denen aus Deutschland nur 343 stammen. Eine erheblichere Einwanderung aus Deutschland hat es erst seit Ende 1935 gegeben. Vom August bis zum 31. Dezember 1936 sind weitere 200 Personen eingewandert, davon 70 durch die HICEM geschickt, aus Deutsehland direkt 60 und etwa 70 aus anderen Ländern. Diese 1307 Personen (im Laufe von fünf Jahren) stellen natürlich keine erhebliche Einwanderung dar. Da dies aber nur die Ziffer der durch die Komitees gegangenen Personen darstellt, so liegt die Ziffer der wirklichen Einwanderung darüber. Es sind nicht durch die Komitees gegangen, aber statistisch festgestellt worden weitere 435 Personen, von ihnen nur 340 Auswanderer aus Deutschland. Die Gesamteinwanderung hat also in den fünf Jahren (es muss ja immerhin berücksichtigt werden, dass auch Personen ankommen, die sich bei keiner Stelle melden) etwa 20.C0 Personen betragen, von denen etwa 1000 als direkte Auswanderer aus Deutschland betrachtet werden können. Das chilenische Parlament hat schon im Jahre 1933 einen Beschluss gefasst, der sich mit der Frage der deutschen Juden beschäftigt. Wie in so vielen amerikanischen Staaten ist ihm kürzlich ein Gesetzentwurf über die Sicherheit des Staates vorgelegt worden, der sich im wesentlichen mit dem Kampf gegen den Bolschewismus beschäftigt. Im Entwurf dieses Gesetzes befand sich auch eine Bestimmung, nach der die Regierung das Recht haben sollte, Einwanderern bestimmter Rassen oder Abstammung generell die Einwanderung zu untersagen. Diese Bestimmung ist in der parlamentarischen Diskussion stark bekämpft und gestrichen worden. Dagegen ist in letzter Stunde in das Gesetz, das gegenwärtig der Beratung des Senats unterliegt, eine Bestimmung aufgenommen worden, durch die die Existenz und Organisation jeder Bewegung verboten wird, die die Einführung eines Regimes in der Republik verfolgt, das der Demokratie entgegengesetzt ist. Das Wirtschaftsleben Chiles befindet sich ebenso wie das der Staaten an der Ostküste Südamerikas auf dem Wege der Erholung, wenn auch die Erholung nicht die stürmischen Formen angenommen hat, die zum Beispiel in Argentinien feststellbar sind. Die Lebenshaltungskosten sind, wenn über eine Goldvaluta gerechnet wird, natürlich entsprechend niedrig, denn der Anstieg der Preise ist der Entwertung des Pesos nicht ganz gefolgt; aber auch hier entsprechen den verhältnismässig niedrigen Lebensmittelpreisen entsprechend niedrige Gehälter und Löhne. Weibliche Arbeitskräfte sind hier, wie in allen anderen Ländern, sehr gesucht. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die nach Chile ausgewanderten Personen in der Produktion und in den Arbeitsprozess des Landes untergebracht werden. Als gegenwärtig geltende Preise wurden mir für monatliche Pension 300 bis 400 Pesos für eine Person ^angegeben, wofür schon ziemlich nach europäischen Begriffen gelebt werden kann. Ueber Gold gerechnet macht das nur 25 bis 30 RM aus. Die Erholung vom Tiefstand der Krisis ergibt sich auch aus den Zahlen über den Ausfuhrüberschuss. Alle südamerikanischen Länder können nur leben, wTenn sie einen entsprechenden Ausfuhrüberschuss haben, der ihnen erlaubt, ihre internationalen Schuldenlasten zu beheben. Auf dem Höhepunkt der grossen Hausse im Jahre 1929 hatte Chile 560 Millionen Pesos Ausfuhrüberschuss. Er sank im schlimmsten Jahr 1932 auf 67 Millionen Pesos und erholte sich bis 1934 auf das Dreifache, nämlich auf 228 Millionen Pesos, um im Jahre 1935 wieder bei gleichbleibender Ausfuhr, aber bei gesteigerter Einfuhr etwas abzusinken. Ausserordentlich belebt ist die Bautätigkeit in der Hauptstadt Santiago, die grosse Ausmasse angenommen hat. Die Banknoten des Landes sind mit 34 Prozent in Gold gedeckt. Aus dem hier gegebenen Ueberblick können unsere Freunde in Deutschland selbst^ die Schlussfolgerungen ziehen, die für die Einwanderung nach Chile zu ziehen sind. Chile ist kein Land einer grossen Masseneinwanderung. Die Erschwerungen, die für die Einreise bisher vorlagen, werden gemildert werden, aber nicht so, das ungezählte Personen daran denken könnten, hierher zu kommen. „Wir haben hier nie einen Antisemitismus gehabt," hat der massgebende Minister mir erklärt, „wir wollen auch in Zukunft keinen Antisemitismus haben, und wir glauben darum nicht antisemitisch zu sein, sondern eher im gegenteiligen Sinne zu handeln, wenn wir in Zukunft dafür sorgen, dass die Einwanderung nur nach einem gewissen Ausleseprinzip stattfinden wird." Die Personen, die hierherkommen wollen, dürfen nie vergessen, dass sie in eine ganz anders geartete menschliche, geistige und seelische Atmosphäre geraten, wie es diejenige gewesen ist, aus der sie stammen. Das jüdische Leben ist selbst im Entwicklungszustand begriffen. Die Verhältnisse in dem deutschen Hilfsverein sind noch ungeregelt. Die Zahl und die wirtschaftliche Kraft der schon seit längerer Zeit hier ansässigen, aus Deutschland stammenden Juden ist gering, und was vorhanden ist, wird nicht einmal voll eingesetzt. Eine jüdische Gemeinde für die Eingewanderten ist im Entstehen. Die zionistische Organisation war immer verhältnismässig stark. Besonders bemerkenswert ist, dass einige Personen jüdischer Abstammung, deren Familien längst katholisch geworden sind, an der Betreuung und Unterbringung der jüdischen Auswanderer aus Deutschland grossen Anteil nehmen. Staatsmänner und Politiker, deren Familien seit Jahrhunderten katholisch geworden sind, bekennen sich mit grossem Freimut zu ihrer jüdischen Abstammung. Die Sociedad de Proteccion a los Immigrantes Israelitas en el Uruguay in Montevideo bittet uns, festzustellen, dass die in einem Aufsatz von Bruno Weil vertretene Ansicht, wonach „die Einwanderungsbehörden ermächtigt seien, auch in denjenigen Fällen das Anlandgehen jedes Passagiers zu verhindern, in denen die Ankommenden im Besitze aller Ausweise sind, selbst wenn das ■konsularische Zeugnis vorgelegt wird", in praxi nicht zutreffe. Die Anwendung dieses Paragraphen auf politisch einwandfreie Einwanderer sei keinesfalls zu befürchten. Der Bunflessenator Machad ans dem Staate Sao Paulo hat bekanntgegeben, dass er eine Abänderung der Verfassungsgesetze beantragen werde, durch die Beschränkungen der Einwanderung, insbesondere für den Staat Sao Paulo, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht, aufgehoben werden sollen. _ Eine schöne Geste des Präsidenten Koosevelt Der vor einiger Zeit von der Stadtverwaltung Luck entlassene städtische Beamte, Baruch Maranc, hatte an Präsident Franklin D. Roosevelt ein Schreiben gerichtet, in dem er seine verzweifelte Lage schilderte und um die Gewährung eines Einreisevisums nach den Vereinigten Staaten bat. Nunmehr hat Maranc vom Weissen Haus in Washington eine Antwort auf sein Schreiben erhalten, in der ihm mitgeteilt wird, dass er das Einreisevisum erhält und ausserdem eine Schiffskarte zu ermässigtem Preis für die Ueberfahrt nach New-York. {lllll!llllll]|]III!llllIIIIIIHIIIlinilllll!lllllllllllIIIIIlllll!l!l!!llIinHllllllll!ll!!l!!Iinillllin!II1imill Am 14. Februar, 20 Uhr 30 Min., findet im Festsaal des Berliner Logenha-uses, Kleiststrasse 10, ein Liederabend (Kompositionen von Julius Zellermayer) statt. Mitwirkende: Elfriede B o r o d i n (Vorsprach), Thea Stuckens chmidt (Gesang), Hellmuth S p i 11 e I (Geige), Bernhard Chrzelitzer (Gesang), Heinz Mondschein (Gesang), Wilhelm Meyersohn (Gesang), Werner Simon (Gesang), Heinz Friedlaener (Gesang), Dr. Richard Hirsch (am Flügel). Karten: Buchhandlung Kedem, Dahlmannstrasse 8, Konditorei I. Dobrin, Hackescher Markt und Jerusalemer Strasse 16. Hauswart Kleiststrasse 10 und an der Abendkasse. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet am 28. Februar 1937, nachmittags 1 Uhr 30 Min. einen Bridge- und Skat- Abend in den Räumen des Brüdervereins, Kurfürstenstr. 1151116. Eintrittspreis 3,50 RM einschl. Abendgedeck. Anmeldungen erbeten an die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Berlin C 2, Rosenstr. 2—4 (D 1 6711 Apparat 60), Postscheckkonto: Berlin 93 446 U!!l!IMIItlll!li:il!lll!i!llli!l!l||||||||||il!|l!|||!ll!li!l!||!|||!!!!|lj||![|l!l||!Hl|!|||!!||ü C.-V. - Veranstaltungen Landesverband Hessen-Nassau und Hessen 17. Februar: Kassel, Gemeindehaus, Rosenstrasse 22, 20 Uhr 30 Min.: Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach): „Jüdische Gegenwart". 18. Februar: Frankfurt a. M., Gemeindehaus, Fahrgasse 146, 20 Uhr 30 Min.: Bezirksrabbiner Dr. Ulrich Steuer (Heidelberg): „Jüdische Kultur". 18. Februar: Mainz, Versammlungssaal der Hauptsynagoge, 20 Uhr 30 Min.: Dr. Max Dienemann (Offenbach): „Vom Sinn jüdischen Schicksals". * C.-V.-Oberschlesien: Die für den 9. Februar angesetzte Arbeitstagung ist mit Rücksicht auf die am gleichen Abend stattfindende Kulturbundaufführung ausgefallen und findet am Mittwoch, dem 17. Februar, 20 Uhr 30 Min. pünktlich im Gemeindesitzungssaal in Gleiwitz, Niederwallstrasse 9, statt. Baurat i. R. Kurt W o 1 f f (Beuthen) spricht über das Thema „König Saul, eine grosse tragische Gestalt in der Geschichte Israels". Die Mitglieder werden hiermit eingeladen. * äge in Palästina ohne Devisenschwierigkeiten mit unserer Gesellschaftsreise, da in Reichsmark zahlbar mit M/S Vulcania (24000 t) 26. Febr. ab Genua, 25. März an Venedig über Korsika—Neapel—Sizilien—Biserta—Malta—Tripolis—Port Said—Wüste Sinai—Telaviv— Kolonien— Jerusalem— Jericho—Totes Meer—Emek-Tiberias— Safed — Haifa — Beirut — Rhodos - Istanbul - Athen—Korfu - Cattaro - Ragusa Palestine Express Co.m.b.H., Berlin NW 7 Preis 3. Klasse einschl. Landausflüge in Palästina, Istanbul, Athen laut Programm RM 540, Genera -Vertretung: Atlantic Express <3. m. b. H., Friedrichstr. 100 Telef.: A 6 2916 Wir besorgen die Visen sowie italienischen Kreditbrief für weitere LandausHüge in Italien

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