Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 6 (11.2.1937)
- Date
- 1937-02-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ILO EINER GEMEINDE Von Dr. Margarete Edelheim sbhs Die jüdische Gemeinde Neue Folge der Jüdischen Allgemeinen Zeitung 2. Beiblatt rur C-V.-Zeitung Nr. 6 / 11. Februar 1937 Collen eyn kroyn UBoven allen Stedten schoyn. ralt ist die Geschichte der Juden auf rheinischer Erde, und Köln, als Colonia Agrippina im Jahre 50 n. Chr. von Römern gegründet, Sitz des Statthalters von Untergermanien, militärisches Lager von Bedeutung und Schnittpunkt wichtiger Handelsstrassen, hat schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus jüdische Kaufleute angezogen. Die oft genannte Handschrift, das Edikt des Kaisers Konstantin an die jüdische Gemeinde in Köln aus dem Jahre 321, beweist, dass eben in jenen Jahren nicht nur einzelne Juden, sondern bereits eine jüdische Gemeinschaft in Köln lebte. So nimmt die Kölner jüdische Gemeinde noch heute für sich den Ruhm in Anspruch, die älteste jüdische Siedlung in Deutschland zu sein, wenngleich Ausgrabungen und Funde in Trier auch dort auf eine sehr frühe Ansiedlung von Juden deuten. Den Federstreit darüber zu führen, welche von beiden Siedlungen die älteste wrar, möge den Wissenschaftlern überlassen bleiben, denen wir überhaupt die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser historischen Periode verdanken, Rabbiner Dr. Adolf Kober in Köln und Oberrabbiner Dr. Altmann in Trier. Die Kölner jüdische Gemeinde aus der Römerzeit wurde von der Völkerwanderung verdrängt. Diese jüdische Gemeinde, die seit altersher an einer Grenzscheide liegt, hat nicht nur all die wechselvollen Schicksale durchgemacht, der die Stadt Köln im Laufe von fast zwei Jahrtausenden ausgesetzt war, sondern musste daneben stets noch ihr zusätzliches Judenschicksal erleiden. Verfolgungen, Plünderungen, Gefährdung und Vernichtung von Erbe und Besitz — dazwischen immer wieder blühendes geistiges Leben unter dem Schutze der katholischen Bischöfe, die das von aussen kommende Unheil und Unrecht zu verhindern und wieder gutzumachen suchten. Aus jener Zeit zeugen keine Baudenkmäler von jüdischem Leben in Köln. Nur wenige Grabsteine, die im Jahre 1922 bei Ausgrabungen am Bonner Tore beim alten Judenbüchel gefunden wurden und die eben in diesen Tagen auf dem neuen jüdischen Friedhof in Bocklemünd Das Rathaus in einem besonderen Gebäude aufgestellt werden sollen, geben dem Historiker Aufschluss über das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde in Köln auch im frühen Mittelalter. Aber es gibt päpstliche Judenschutzbullen und Grundbücher, Dekrete und Erlasse, die uns ermöglichen, die verschiedenen Epochen jüdischen Lebens in Köln zu rekonstruieren. Nichts allerdings wissen wir aus der fränkischen Zeit. Im 11. Jahrhundert spielte die Kölner jüdische Gemeinde wieder eine Rolle, sowohl in geistiger Beziehung wie auch als Treffpunkt für viele auswärtige Juden, die die Kölner Märkte besuchten. Bis sie im Jahre 1096 von Kreuzfahrern zerstört wurde. Erzbischöf Hermann III. hatte, als das Unheil nahte, soweit möglich die Juden aus Köln entfernt und sie in sieben Ortschaften rechts des Rheins untergebracht Dennoch fielen die meisten den fanatisierten Scharen zum Opfer. Aber bald konnte sich wieder eine neue Gemeinde gründen, und mehrere Jahrhunderte lebten die Kölner Juden noch in friedlicher Gemeinschaft mit der Umwelt ihrem Handel, ihrer Wissenschaft und ihrem Glauben. Ihre Gemeinschaft war durch eine besondere Verfassung geregelt, die denen anderer alter jüdischer Gemeinden am Rhein, vor allem denen von Speyer und Worms, entsprach. Sie hatten ihre Häuser vornehmlich im Pfarrbezirk von St. Laurenz, im östlichen Winkel des alten Köln an . der alten Römermauer. Mitten in der Judengasse stand das städtische Bürgerhaus,- in dessen Kapelle das Edikt Konstantins gefunden wurde, Sinnbild des guten Zusammenlebens der Bürgerschaft mit den Juden; aber dieses friedliche, an Blüten jüdischen Geistes und Wissens reiche Leben nahm im Jahre 1349 ein furchtbares Ende. Die Gemeinde wurde völlig vernichtet; die Menschen wurden erschlagen oder starben freiwillig den Verbrennungstod, die Häuser wurden geplündert, und das Vermögen zwischen dem Erzbischof und der Stadt geteilt. Noch einmal werden dann für kurze Zeit Juden auf Grund hoch zu bezahlender städtischer Schutzbriefe in Köln aufgenommen: von 1372 bis 1424. Dann wurde da3 Aufenthaltsrecht nicht mehr verlängert, und erst mehr als 350 Jahre später, vier Jahre nachdem die Franzosen Köln besetzt hatten, am 10. März 1798, wurde den ersten Juden in Köln wieder die Niederlassung erlaubt. Diese grosse Spanne Zeit hat natürlich alles, was an Familientradition in anderen jüdischen Gemeinden Deutschlands, vor allem im Osten, durch Jahrhunderte erhalten geblieben ist, in Köln verlöscht. Und wenn man heute durch die Strassen von Köln wandert,, so erinnert nur noch das Strassenschild der Judengasse an die Stätte, wo vor einem Jahrtausend jüdisches Leben mit all seiner Beglückung und all seinem Leid gelebt hat. Die heutigen Kölner Juden stammen zum grössten Teil aus anderen Städten des linksrheinischen Gebiets, deren jüdische Gemeinden die Jahrhunderte ununterbrochen überdauern konnten, oder aus rechtsrheinischen Ortschaften, die den Kölner Juden bei der Vernichtung ihrer Gemeinde im Mittelalter Zuflucht gewährt hatten. Auch aus Westfalen, aus dem Ruhrgebiet, vom Niederrhein kam seit Jahrzehnten starker Zuzug nach Köln, und als die Stadt Ende des' Jahrhunderts wirtschaftlich starken Aufschwung nahm, zogen auch Juden aus dem Osten in nicht unbeträchtlicher Zahl in die rheinische Metropole. Heute ist sie erneut Zielpunkt jüdischer Binnenwanderung vor allem aus den kleinen Ortschaften des Rheinlands und Westfalens geworden. Auch diese junge Kölner Gemeinde hat ihre Geschichte; denn, wenn sie auch Napoleon ihre Entstehung verdankt, so galt doch das sogenannte „infame Dekret" Napoleons, das die Gleichberechtigung der Juden zum Teil wieder ausser Kraft setzte, im Rheinland noch Jahrzehnte lang, als in Preussen bereits die volle Gleichberechtigung galt. So hatten die Kölner Juden ihren Spezialkampf um die Gleichberechtigung zu führen. In ihm traten besonders äie Söhne des Mitbegründers der Kölner jüdischen Gemeinde, des Bankiers Salomon Oppenheim, Abraham und Simon Oppenheim, hervor. Sie erbaten in einer Immediateingabe an den König im Jahre 1841 die Aufhebung des napoleonischen Dekrets. Aber erst das Judengesetz des Vereinigten Landtags vom 23. Juli 1847 und die Verfassung vom 31. Januar 1850 regelten die staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden für das Rheinland im gleichen Umfang wie in Preussen. Diese staatsbürgerlichen Schwierigkeiten hemmten naturgemäss die zahlenmässige Entwicklung der Gemeinde. So gab es um 1850, also ein haibes Jahrhundert nach der Neugründung der Gemeinde, erst etwa 1500 Juden in Köln. Aber ihre 29. August 1861 einweihen konnte. Ihm folgte im Jahre 1876 der hervorragende Kanzelredner Rabbiner Dr. Abraham Frank, im Jahre 1897 trat ihm Gemeinderabbiner Dr. Ludwig Rosenthal zur Seite; ihm wurde das Glück zuteil, 1911 das fünfzigjährige und 1936 das fünfund- Synagoge Glockengasse Fot. (2) Ulli Szkolny (Berlin) Zahl wuchs dann entsprechend der grossen Zunahme der Gesamtbevölkerung in Köln, . als die volle Gleichberechtigung besiegelt war. Im Jahre 1885 dürften es etwa 5000 gewesen sein, und ihre stärkste Bevölkerungsziffer hatte die Kölner jüdische Gemeinde im Juni 1933 mit rund 17 600 Mitgliedern. Guten Klang haben die Namen der Männer und Frauen, die die Gemeinde bis zu dieser Blüte geführt und unzählige soziale Einrichtungen in ihr geschaffen haben. Da sind wiederum die Oppenheim, deren einer, Abraham v. Oppenheim, die herrliche Synagoge in der Glockengasse aus eigenen Mitteln gebaut hat. Wie ein Wahrzeichen des Zusammenlebens der Kölner Juden mit ihrer Umwelt wurde dieses Gotteshaus eingebaut in die Strassenflucht der engen Glockengasse. Ihr Erbauer war der Dombaumeister Geheimer Baurat Ernst Zwirner. In streng maurischem Stil gebaut, ragt ihre Kuppel, von vier kleineren Turmkuppeln flankiert, über die Häuserreihe wreit hinaus. Tritt man in das Gotteshaus hinein, so erschrickt man fast vor der Gewalt dieses Kuppelraumes, der trotz des maurischen Stils hoch zum Himmel strebt. Herrlich abgetönt ist die reiche Ornamentik der Wände, und bunte Scheiben lassen das Sonnenlicht gedämpft über dem Almena or in der Mitte des Betraums und über die reichen holzgeschnitzten Bänke spielen. Hier wirkte als erster Rabbiner Dr. Israel Schwarz, der das Gotteshaus am DANENMODEN KÖLN, DOMHOF 2. RUF: 225271 siebzigjährige Bestehen dieses Gotteshauses feierlich begehen zu dürfen. Im Jahre 1919 wurde ein zweiter Tempel in der Roonstrass errichtet, und mit ihm wurde das Gemeindehaus verbunden, das noch jetzt Mittelpunkt des eigentlichen gemeindlichen Lebens ist. In dieser neuen Synagoge amtiert Gemeinderabbiner Dr. Adolf Kober, der es besonders verstanden hat, durch Ausbau des Oneg Schabbat im Anschluss an den Sabbatgottesdienst in der Roonstrasse die Jugend wieder an das Gotteshaus zu binden. Als jüngster Gemeindetempel ist schliesslich die Synagoge in Köln-Ehrenfeld zu nennen, deren schüchter, stimmungsvoller Bau — ebenso wie die Friedhofshallen auf dem neuen Friedhof Köln-Bocklemünd — von dem Kölner Baumeister Robert Stern errichtet wurde. Hier amtiert Rabbiner Dr. I. C a r o. Waisenhäuser und Altersheime, Kinderhorte, Schulen und das grosse Krankenhaus erinnern an Gründer und Stifter, deren Namen es verdienen, in der Kölner Gemeinde fortzuleben. Es sind die Neokarsulmer und Heidenheim, die Eitzbacher und Blumenau, die Auerbach und Eliel, Callmann, Koblenz, Schwarzschild, Breitenbach, Kaufmann, Drucker-Emden, Hess und andere mehr. Die Arbeit für das Judentum war ihnen Tradition und für viele war es ebenso selbstverständlich, ihre Kraft auch in den Dienst der allgemeinen Körperschaften zu stellen: Justizrat Dr. Max Callmann und Louis Eliel waren Mitglieder des Stadtverordnetenkollegiums, Justizrat Bernhard Falk gehörte auch dem Preussischen Landtag an. So befriedet das Leben der Kölner jüdischen Gemeinde nach aussen hin war, so heftige Kämpfe gab es im Innern. Der Bau der Synagoge Roonstrasse, für die eine Orgel und ein gemischter Chor vorgesehen waren, löste den Widerstand der Orthodoxen aus, die von ihren Steuermitteln Neue Synagoge Roonstrasse