Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- 8 (8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 147 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Jahren seines Lebens blieb er ohne תורה. Erst der Zionismus gab den ersten Anstoß zur geistigen Befreiung. Sein zweiter Schritt war das ,Erkennenwollen“. Er versenkte sich deshalb in das lange völlig vernachlässigte Studium der hebräisehen Sprache, und ,erlebte“, als er die von den Schülern des Rabbi Nachman von Bratzlow niedergeschriebenen ״Sippure Maaßijot“ aus sich heraus erzählte, ״auch in den Stücken, die er völlig neu einführte, (von uns gesperrt gedruckt) seine Einheit mit dem Geiste Nachmans.“ ״Er hatte die wahre Treue gefunden: zulänglicher als die unmittelbaren Jünger empfing und vollzog er den Auftrag, ein später Sendling in fremdem Sprachreich. Man bedenke: Ein Fremder, dessen Schule, dessen Lebensführung, dessen Gedankenkreise unjüdisch, erfuhr ״die Einheit mit dem Geiste Nachmans“, dessen Welt die arba amauss der Halacha war. — Eines Weiteren bedarf es nicht. Wir raten jedem gesetzestreuen Juden, der nicht völlig in der תירה und allen ihren Kommentaren zu Hause ist, zur Einführung in Bubers Werke ״Meinen Weg zum Chassidismus“ zu lesen. Dieser Weg erspart viele unnötige Gewissenskämpfe. Die schöne Schlichtheit der Sprache, wie die — sonst so oft vermißte — Klarheit lassen keinerlei Auslegungen zu. (An den zitierten Stellen ist jedes Mal Personenwechsel vorgenommen worden.) B. Strauss. Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums. Dr. Joseph Norden 1918 Frankfurt a. M. (Siehe Besprechung in dem in Frankfurt erscheinenden liberalen Monatsorgan Januar/Februarheft, ferner ״Neue jüdische Monatshefte“ III. Jahrgang Heft 1 Dr. Sonderling: Die neueren Bestrebungen des Hamburger Tempels.) Es ist seit den ״Richtlinien* recht still im liberalen Lager geworden. Nicht zuletzt die zionistische Bewegung hat dem Assimilantentypus Abbruch getan, dessen Kampfeskräfte absorbiert, sodass sich Orthodoxe und Liberale — benennen wir sie in der gebräuchlichen Terminologie — fast friedlich gegenüberliegen. Dualismen wie Theorie und Praxis, Wissenschaft und Religion, Nation (national-jüdisch) und Wirtsvolk (deutsch), sie alle verdunkeln nur die ״Daseinsberechtigung“, machen das Problem scheinbar verwickelt, sie alle sind nur Verschleierungen für die offensichtliche Lossagung vom Gtteswort, die nachträglich motiviert und sanktioniert wurde. Was hilft es auch, dass neologe Rabbiner durch schönes Orgelspiel, gute Predigten von Humanismus, Menschheits- Verbrüderung und Gebetbuchreform ihre Synagogen zu füllen suchen, mehr als — ein Minjan bezahlter Leute wird in den seltensten Fällen am שבת aufgebracht. Kein neutraler Jugendverein vermag das mangelnde Interesse zu beheben, die Intelligenz fühlt sich allen Versuchen zum Trotz abgestoßen. Offensichtlich erkennt sie die Hohlheit des Liberalismus, der sich in ״Negierungen erschöpft.“ Ihm gegenüber begnügen wir uns mit ״einfacher Absage.“ Kraftlos liegt er am Boden, und kein Gerede vermag den saftlosen Organismus zu beleben. Von Dr. J. Norden ist im Aufträge der ״Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland“ eine Broschüre ״Grundlagen und Ziele des religiösliberalen Judentums“ erschienen, die in allgemein verständlichen Worten das Alte noch einmal aufwärmt — was sollte auch nach 100 Jahren der Diskussion noch Neues ins Treffen zu führen sein? — und im neuen Kleide dem Erbfeind auf den Leib zu rücken sucht . . . dem Indifferentismus. Die Auseinander-