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Blätter · 1919-08-01 · 8 (8.1919) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
8 (8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 148 (sequence 14)
Language
German
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148 Setzung mit den Orthodoxen bietet keine neuen Gesichtspunkte. Ueber sie soll hier — obwohl im Zentrum der Abhandlung stehend — nichts ausgesagt werden. Lächerlich ist, daß der Verfasser Jakob ben Acher und Josef Karo heranzieht, um eines seiner liberalen Postulate (Gebetbuchkürzung) bestätigt zu finden. Unhistorisch ist der Vergleich des Streites der Schulen Hillels und. Schammais mit dem Streit zwischen Orthodoxie und Liberalismus, deren Ansichten beide gleichzeitig nicht die des lebendigen Gttes darstellen können. Die diversen Meinungen um diese Güter sollen hier nicht weiter berührt werden, deren Erörterung gehört heute zu den □דברי□ בטלי. Allein von Interesse ist uns der letzte Teil: ״Liberales Judentum und Zionismus“, deshalb, weil Dr. Norden es hier vorzieht, mit der Orthodoxie (Was heißt Neuorthodoxie?) dem Zionismus gegenüber zu paktieren, als ob seine Bedenken auch die unsrigen wären. Es sei hier noch einmal hervorgehoben: Es gibt für uns keine voneinander getrennten nationalen und religi- Ösen Postulate, wir kennen die beiden Begriffe gar nicht. Der falschen Anschauung muß überall nachdrücklich entgegengetreten werden. Sie ist geeignet, Verwirrung anzurichten. הייה — Liberalismus, Kraft — Schwäche nimmer □אלו ואלו רביי אלקי St. unserer Bewegung. Der Krieg ist beendet! Volkskraft rang mit Volkskraft. Daraus ergaben sich zwei Irrlehren: Wertlos ist der Mensch — die Masse ist alles. Massenbewußtsein aber schwächt das ethische Empfinden des Einzelnen: im Kampf um die Selbsterhaltung gegenüber den ״Allzuvielen“, so an der Front und so in der Heimat, ward alles erlaubt, der Zweck heiligte die Mittel. Dieselbe Gefahr im jüdischen Volke. Der Wille zur Nation, wiedererwacht, schreit nach Volksarbeit und entwertet den Menschen vor sich selbst. Das Werk am Menschen muß belanglos erscheinen. Wahres Nationalgefühl sollte lehren: Ich will gut sein, damit die andern gut seien. Ich will die andern gut machen, damit ich selbst gut sei. Nation — ist Pflicht für mich! Dieselbe Gefahr in den jüdischen Organisationen. שהכינין שולט בו עין הרע והדבר בא אליה□. Die Herrschaft der Zahl bringt mit sich den Neid nach dem, der größer an Zahl — die Konkurrenz der Verbände, ein unseliges Wettrüsten —, und innerhalb der Masse die pestartig um sich greifende Erkrankung des sittlichen Wollens beim Einzelnen. Zur Bekämpfung dieser Gefahren ist es Pflicht der Organisationsleitung, unablässig darauf hinzuweisen, daß unserer Bewegung Endziel niemals nur in der quantitativen Ausbreitung zu suchen ist, sondern daß A. J. J. 0. die Heiligung des Menschen will. Und nur nach diesem Gesichtspunkt ist der wertende Maßstab anzulegen: Vollagudist — wer Volljude ist! Aber es genügt nicht, diesen zentralen Gedanken immer wieder in die Welt hinauszuschreien — jeder Einzelne muß straffe Selbstbeobachtung und Selbstzucht an sich üben. Nur nicht tönende Worte, machen! אמור מעט ועשה הרבה Kleinarbeit ist der Kern unseres Programmes!

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