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Blätter · 1919-08-01 · 8 (8.1919) · p. Seite 146

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
5 (1919)
Issue
8 (8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 146 (sequence 12)
Language
German
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146 bende Auslösung kennen zu lernen, mehr noch, wenn dieser Mensch nach all dem, was man über ihn hat sprechen und urteilen hören, selbst aktiv eingreift, und dadurch eine Flut von ״Tatsachen“ wie selbstverständlich über Bord wirft, wenn er selbst das für seine Entwicklung Wesentliche hervorhebt, gewissermaßen eigenhänhändig die Genesis seiner Geistesrichtung aufweist. Ein solches Buch hat daher zwiefachen Wert. Einmal verfolgt es den Selbstzweck, dann aber gestattet es Rückschlösse auf Tiefe und Durchdringung des auf den Schild gehobenen Stoffes. Eine solche autobiographische Skizze hat Martin Buber — der Enkel eines Salomon Buber — nach Erscheinen seiner Bücher ״Drei Reden über das Judentum“, ״Geschichten des Rabbi Nachman“, ״Legende des Baal-Schern“, ״Die jüdische Bewegung“, ״Vom Geiste des Judentums“ der Oeffentüchkeit übergeben. Und ich glaube, daß sie geeignet ist, uns mit Buber über einen Punkt zu verständigen, — nämlich den Trennungsstrich noch kräftiger als bisher zu ziehen. Zunächst eine periphere Bemerkung. Wie der Titel des Büchleins besagt, beschäftigt sich Buber vornehmlich mit dem Chassidismus, über den er hier nur noch bekanntes wiederholt, auf selbst ausgetretenen Wegen wandelt. Einmal durchbricht er aber den selbst gezogenen Damm, um ein recht wesentliches Bekenntnis zu machen, das zu all seinen früheren Auslassungen in einem sonderbaren Kontrast steht und geeignet ist, ein Mißverständnis zu erzeugen Am klarsten wird diese Merkwürdigkeit durch den Passus dokumentiert, der, auch aus dem Zusammenhang gerissen, nicht mißverstanden werden kann, ״ln der Tat, nirgends in den letzten Jahrhunderten hat sich die Seelenkraft des Judentums so kundgegeben wie im Chassidismus. Die alte Kraft lebt in ihm, die einst, wie Jakob den Engel, mit starken Armen das Unsterbliche auf der Erde festhielt, auf daß es sich im sterbliehen Leben erfülle. Zugleich aber gibt sich darin eine neue Freiheit kund. Ohne daß am Gesetz, am Ritus, an der überlieferten Lebensnorm ein Iota geändert würde, ersteht die Altgewohnte in einem jungen Licht und Sinn. Dem äußern Anschein nach noch mittelalterlich gebunden, ist das chassidische Judentum.“. (Von uns gesperrt gedruckt) (M. Weg zum Chass. 8. 8/9.)— Wer Bubers Stellung zum gesetzestreuen Judentum, wie zum Chassidismus kennt, kann durch diese Sätze leicht irregeführt werden. Wer aber weiß, was Buber alles unter ״Entartung“ — ein recht dehnbarer Begriff — versteht, daß für ihn Entartung und miD-treue ganz adäquate Werte sind, wird sich nicht dem Schiffe Bubers durch das gefährliche Meer der Kabbala anvertrauen. Nicht das stille an Jüdischkeit gesättigte Milieu, nicht die Innigkeit jüdischer Feste, nicht die Freude am ״Lernen“, auch nicht das Leben im חדר oder der ישיבה , nicht die jüdische Erziehung können, als von ihm genannte, erwähnenswerte Tatsachen genannt werden. Im Anfang war (in jüdischer Beziehung) das Nichts. Großstadt! — Frühzeitig kam er nach Sadagora, aber hier sind es nur die peripheren Eigenschaften der Umgebung, die ihm in die Augen springen. ״Der Rebbe ist der wahrhafte Führer, die anderen Chassidim die wahrhafte Gemeinde.“ — Im Knabenalter kam wieder das Nichts. ״Die frühe Ahnung begann ins Unbewußte zu gleiten.“ Er sah nichts mehr vom Leben der Chassidim, auch wenn er dicht daran vorüberging: weil er nicht sehen wollte. Selbst die vielen Jahre, die er im Hause des alten Salomon Buber (Midrascherklärer) verbrachte, ״vermochten ihn nicht in den Wurzeln zu festigen.“ Dann ״nahmen ihn die Wirbel des Zeitalters hin“. Es folgte wieder das Nichts. In den entscheidendsten

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