Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 13 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620166-9626018-9625299--152-9625303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
148 DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. Sein immenser Fleiss Hess ihn jeden Augenblick wahrnehmen, und obwohl er durch Unterricht sehr leicht eine sorgenlose Existenz sich hätte gründen können, darbte er oft lieber und sass nicht selten im Winter im ungeheitzten Zimmer, als dass. er seine Zeit für Geld hingegeben hätte. Von Nikolsburg gieng er nach Pressburg, um die Hochschule der sei. Oberrabbiners Rabbi Moses Sofer zu besuchen, der ihn nicht minder bald nach seinen Verdiensten liebte, schätzte und auszeichnete, und als er demselben sein Morenu-Üiplom von dem sei. Landesrabbiner Rabbi Markus Benedikt vorlegte und unter unter anderen auch von seinem profanen Wissen erfuhr sagte er zu ihm: Nun es freut mich einen Jünger bekommen zu haben, von den man sagen kann: wm b^wa vyri bzb nri Auch von Rabbi Moses Sofer wurde er vor meinem Weggehen von Pressburg mit einem glänzenden Morenu- Diplom ausgezeichnet. Von Pressburg zurückgekehrt lebte er einige Zeit bei seinem Bruder, dem damaligen Rabbiner Israel Deutsch s. A. in Beuthen. Der Oberrabbiner von Breslau ertheilte ihm bald darauf eine in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefasste HKTn mm Rabbinats Autorisation. In dem obengenannten profanen Wissenschaften war er Autodidakt. 30 Jahre alt, erhielt er das Rabbinat in Misslowitz. [in Oberschlesien]. Im selben Jahre heiratete er die Tochter seines Amtsvorgängers, die wegen ihrer seltenen Klugheit und ausgezeichneten Frömmigkeit und Liebenswürdigkeit sehr weit berühmt war, mit der er in 30. jähriger überaus glücklicher Ehe lebte. Nach siebenjähriger segensreicher Wirksamkeit daselbst, folgte er einem ehrenvollen Rufe nach Sohrau Oberschlesien, woselbst er volle 27 Jahre für Gemeinde, Schule und Jugend segensreich und fruchtbringend wirkte. Im Jahre 1873. als er nach dem Tode seiner terffliehen unvergleichlichen Gattin von dem Curorte Salzbrunn [Preussen] nach Hause reiste, starb er plötzlich, nachdem er in das Coupe der Eisenbahn in Begleitung zweier seiner Kinder eingestiegen war ♦(Hp"'£'w3) (3) Er wurde am 9. Ab. Nachmittag beerdigt. Sein Leichenbegängniss war ein imposantes. Die meisten Gemeinden in Oberschlesien sandten Deputationen, und an seinem Sarge hielten viele Rabbinen ergreifende Leichenreden. Schreiber dieses, der Schwiegersohn des Verewigten, dem die Hiobsnachricht verspätet telegraphisch zukam, hielt während der 30 Trauertage einen separaten Hesped im Tempel zu Sohrau. (3) Zu wiederholten Malen erhielt er von vielen grossen Gemeinden Rufe als ihr erwählter Rabbiner, allein es hatte für ihn immer einen religiösen Haken, so z. R. war es da der Wochenmarkt am Sabbath, dort die offenen Geschäftslokale am Sabbath u. dgl. in Folge dessen er immer dankend ablehnte. Sein Sohn Hr. Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch, wurde nach dem Trauerjahre von der Gemeinde Sohrau mit Acclamation zu seinem Amtsnachfolger berufen. Seine Schriften, die er edirte, sind folgende: deutsch übersetzt, und trefflich commentirt, mit sehr elegant geschriebener hebräischer Einleitung [sehr selten jetzt], deutsch-und hebräisch. Zur Würdigung der Braunschweiger-Frankfurter und Breslauer- Rabbiner-Versammlung. Rücksprache mit den Gläubigen gegen Dr. Geiger, verfasst gemeinsam mit seinem Bruder dem sei. Rabbiner Israel Deutsch in Beuthen Oberschlesien. Proben aus dem literarischen Nachlasse von seinem Bruder, dem sei. Beuthner-Rabbiner Israel Deutsch. Orgel in der Synagoge. Chisuk emunah. Befestigung im Glauben. I. und II. Auflage. Ausserdem viele Monographien in Liebermann's Jahrbuch u. z. Proselitenmacherei. Das Kapitel vom leidenden Knechte. Der Eid. More Judaico in Preussen. Gedichte u. s. w. Ferner im J^schur von Hirsch, im Israelit von Lehmann. Orient von Fürst, Hamaggid von Silbermann, Halwonon von Brüll, viele Reden. Unter seinem geistigen Nachlasse befindet sich noch: eine Masse zum Drucke bereitete Predigten, (*) viele scharfsinnige exegetische Piecen in elegantem hebräischen Style, scharfsinnige talmudische Compositionen und Produkte, sowie viele verschiedene an ihn gerichtete, talmudische und rituelle Fragen [Responsen] Schaloth; endlich eine vollkommenes talmudisches Werk über Hilchoth-Gitin. Wenn Zeit und finanzielle Verhältnisse es erlauben werden, so wird Schreiber dieses als Schwiegersohn vereint mit dem Sohne des Verewigten, dem Hr. Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch, so manches Interessante aus dem literarischen Nachlasse durch den Druck veröffentlichen. Der Allgütige helfe dazu! Dambofitz in Mähren den 28. April. 1882. Samuel Hahn. Bez. Rabbiner und Prediger* (4) £r war ein ausgezeichneter, beliebter und höchst interessanter Redner, dessen Organ, Vortrag und Inhalt seine Zuhörer fesselte und mit sich f>rtriss, daher er auch oft sehr weit in grossen Gemeinden zu funktioniren, als z. B. Trauungen, Leichenbegängnissen, Synagogeneinweihungen u. d. gl. berufen wurde. Ebenso wurde er stets in dem Curorte Salzbrun, den er viele Jahre besuchte, von den intelligenten Curgästen höflich ersucht einmal wenigstens während seines Dortseins zu sprechen, was er auch in der Regel that. Und stets erfreute er sich auch dort wie überall eines stürmischen Beifalls.