Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 13 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 149 Nachtrag zur Biographie des Rabbi Mordechai Benet bT\ (x) vom Rabb. S. Hcssl in Agram. niipwi ynsw s^io Nach dem Tode des in talmudischen Kreisen rühmlichst bekannten Rabbi Mesehulem Tissmenitz, Rabbiners zu Pressburg s. A. wurden, wie es zu jener Zeit üblich war, drei Candidaten für den vacanten Rabbinatsposten ausersehen, und zwar R. M. Benet, Landesrabbiner von Mähren, R. David Deutsch, Rabbiner zu Waag-Neustadtel- und R. Moses Schreiber, Rabbiner zu Mattersdorf s. A. Das Resultat der Wahl fiel zu Gunsten des R. M. Benet aus, demzufolge drei hiezu designirte Gemeindemitglieder nach Nikolsburg reisten, um demselben die Nachriebt zu überbringen und dessen Zustimmung einzuholen. R. M. Benet nahm ohne weiters den Rabbinatsposten an, und als die Delegirten, überrascht über diese schnelle Einwilligung, den Rabbi ersuchten, er möge ihnen zur Bekräftigung seines Wortes ein Pfand übergeben, wie es dazumal der Brauch war, entgegnete er: Das Wertvollste, was ich besitze, ist mein Wrort; es ist mein kostbarstes Kleinod, mein theuerster Schatz, seid versichert, dass ich dem Ausspruche meines Mundes unter allen Umständen Rechnung tragen werde. Diese Erklärung imponiite den Männern und sie kehrten beruhigt und zufrieden mit dem Resultate ihrer Reise nach Pressburg zurück. Als aber nachher aus mir gänzlich unbekannten Gründen,! die ich trotz eifrigem Nachforschen nicht zu eruiren vermachte, Rabbi Moses Schreiber, bekannt durch sein epochemachendes Werk „Chassam Sofer", in Pressburg als j Rabbiner aeeeptirt wurde und schon einige Zeit daselbst fungirte, kam einst zur Nachtzeit R. M. Benet heimlich nach Pressburg, und stieg in der Wohnung des damaligen Gemeindevorstandes ab. Ich bin gekommen, sprach er, um mein theueres Pfand, mein Wort, welches ich Euch gegeben, einzulösen. Die Verhältnisse haben mich wohl j gewissermassen davon entbunden, doch um mich meines nun einmal ausgesprochenen Wortes gegen Gott vollständig zu entledigen, will ich die üblichen Funktionen eines Rabbiners hier eine Wroche lang ausüben. Sofort wurden die nöthigen Vorkehrungen zu seinem Aufenthalte in der Wohnung des Vorstehers getrotten, woselbst er vor einigen miteingeweihten Gemeindenmitgliedern Lehrvorträge abhielt und sonstige rabbinische Funktionen verrichtete. Nach Ablauf der Wroche kehrte er nach Nikolsburg zurück, ohne dass jemand ausser den Augenzeugen das mindeste davon erfahren hatte. Diese Begebenheit, die wenigen bekannt sein dürfte, ist mir in meiner Jugend von einem ehrwürdigen, greisen Rabbiner der allenthalben als von ernstem, zuverlässigem Charakter (») Siehe Nr. 1 unseres Centralblattes. gekannt wurde, mitgetheilt woraen, dessen Onkel angeblich Augenzeuge dieses Vorfalles gewesen. Die Frage, ob es vom psychologischen Gesichtpunkte wahrscheinlich ist, dass ein Mann von solchem Charakter in der Verbreitung erdichteter Erzählungen Behagen rinden könnte, möge sich der Leser selbst beantworten. Rede gehalten am I. Schebuoth-Tage in der Synagoge zu Beiovar von Dr. M. Grünwald, Bezirksrabbiner daselbst. r6?bi o&r ä rvm „Forschen sollst du in der göttlichen Lehre Tag und Nacht", das m. a. Z. wäre die kürzeste Überschrift des heutigen Tages das kürzeste Wort, das die Aufgabe Israels in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft klar darstellt, das der Angelpunkt, um den sich das heutige Fest, das Wochenfest oder mit dem hebräischen Namen das Sehebuothfest genannt, dreht, Dass diess die eigentliche Aufgabe Israels ist, dass es Israels Lebenselement ja dessen Lebensvern ist, sagt uns die heilige Schrift in zahlreichen Stellen, so zB. in der bezeichnenden Stelle "plKI -pTT K71 *D dein Leben ist die Lehre, sie ist es, die dir ewiges Leben zusichert. Ja selbst die Nachbarvölker anerkannten diess in dem Masse, dass Israel von ihnen das Volk der Lehre genannt wurde. Und Israel kann stolz auf diesen Namen sein, denn Israels Lehre war es, welche die Finsternisss der Welt erleuchtet, welche verscheucht hat das Dunkel das auf der Welt lag; Israels Lehre war es, welche gebannt hat die dänionischen Mächte der Sittenlosigkeit und Untreue; Israels Lehre endlich war es, welche den thierischen Lüsten jede Berechtigung hat abgesprochen, und dennoch vollständigen Ersatz für alle irdischen Genüsse zu bieten im Stande war. Und dieses Gefühl der berechtigten Freude und des berechtigten Stolzes, es soll am heutigen Tage, am Tage des nnn jri.C am TaSe der Gesetzgebung uns ganz erfüllen und beherrschen, es soll einen jeden einzelnen der den Namen Israel dh. Kämpfer für Göttliches trägt, erheben und beseligen. Die 10 Gebote, die heute verlesen wurden, sie wurden vor 3000 Jahren am Sinai von Gott selbst gegeben, und an der Jahreswende eines so bedeutsaman und folgenschweren Tages ist es unsere Pflicht, die Tragweite dieser 10 Gebote iirs Auge zu fassen und zu beleuchten. Zwar sind dieselben heute Gemeingut aller Völker geworden, sind in alle menschlichen Sprachen und Schriften übertragen und wiedergegeben, -werden sie aber auch beherzigt, erfüllt und bethätigt? Sind die 10 Gebote wirklich für unsere Civilisation überflüssig geworden,