Das jüdische Centralblatt
- Journal
- Das jüdische Centralblatt
- Volume
- 1 (1882)
- Issue
- 13 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DAS JÜDISCHE CENTRALBLATT. 147 und stellen das gestörte Gleichgewicht in den Seeleni kräften wieder her. Wie das Begehrungsvermögen, so bringt Juda Halevi auch den Zorn mit dem Denkvermögen in Verbindung (5). (In dieser Anschauung von der Anwendung des Zornes neigt sich J. H. mehr Gebirol als Bacbja [Chobat 3,5'469] den Zorn für die gute göttliche Sache zu weiten Spielraum gewährt. Als Hülfe des Denkvermögens gegen die Begierden wie bei Plato [Kap. IV. S. 440]. Gazali erwähnt ihn J. H. nirgends. Denn gleich der Begierde trübt der Zorn die Klarheit unseres Denkens. Und weil dieser in eifrigem Streben sich kundthut, die eigene Meinung, das eigene Recht den ^ebenmenschen gegenüber geltend zu machen, wechselt der Ausdruck Grimm mit pPIiM Herrschtrieb. Diesen beschränkt die Thora durch die so vielen Gebote (rTFjiTJEX welche uns die Achtung der Rechte Anderer zur unbedingten Pflicht machen und nicht, wie die Philosophen glauben, sie unserem jeweiligen Ermessen und Bedürfnisse als gebührlich und löblich, anheim stellen. Es sind dies die Verbote des Mordes, Raubes, Diebstahls, Ehebrechens, Betruges, falscher Zeugnisse und Wucherns, die Gebote der Ältern-Nächsten- und Freundesliebe, des richtigen Gewichtes und Masses und der Armenspenden. Inmitten dieser sovieler Verordnungen, welche den Herrscher - und Zorntrieb unterdrücken, findet sich aber auch ein Gebot, für dessen Bethätigung und nützliche Verwerthung, das der Zurechtweisung unseres Nächsten nämlich. Wo wir gesellschaftliche sittliche Pflichten übei treten sehen; im wissenschaftlichen Streite, im Kampfe für das Recht und zur Steuerung der Gewalt und Bosheit, des Niedrigen und des Gemeinen, da sollen wir unseren Zorneifer loslassen. Doch hat die Thora zugleich diesem Gebote eine Gränze gezogen, damit wir nicht bei dessen Erfüllung in Groll und Hass übergehen, und uns von der heftigen Erregung einst zur Rachesucht hinreissen lassen, weiche uns die Herrschaft über die Sinne raubt, unser Wollen und Denken beugt und schwächt, die Heiligkeit unserer Seelen entweiht und unsere Menschenwürde befleckt, So bewirkt die jüd. Religion die harmonische Bethätigung der drei von Gott uns eingepflanzten Hauptkräfte, von denen jede in ihrer Weise gleich-und rechtmässig zur Vervollkommnung des Ganzen ihren Antheil beiträgt. Wer sich von ihr belehren lässt, wird, frei von heftigen Leidenschaften, das Begehrungs-und Zornvermögen gleich zwei Wagschalen in seiner Hand haben, er wird der wahrhaft Tugendhafte sein (Kus. 5, 10) (5) Kus. 3, 70. 5, 1. hat dieses Wort die Bedeutung von Dialektik; vgl. Steinschneider bei Ersch und Gruber Sect. 2. Band 27 S. 409. Rabbi David Deutsch. Rabbi David Deutsch wurde am 11. Adar 5569 zu Zilz in Oberschlesien geboren. Sein Vater s. A. war Y"t2} p*T Rabbinats - Assessor und Prediger in dieser damals hochbedeutenden Gemeinde. Sein Vater starb bald. In Mandel Deutsch fand er einen liebevollen Erzieher und Pflegevater. Er liess den hochbegabten Knaben, der damals schon in seiner Vaterstadt als tlh*V 0) bekannt war, sorgfältig erziehen und unterrichten, zumal als er nach Breslau zog. Hier fand er die beste Gelegenheit, sich sowol in der hebräischen Sprache, als auch im Talmud und in den andern profanen Wissenschaften vollkommen auszubilden. Salomon Diktin war in Talmudicis sein Lehrer in Breslau. Zu seiner Barmizwahfeier fasste er ein elegantes, treffliches hebräisches Gedicht ab, seinem Gönner und Pflegevater gewidmet, welches von den damaligen hebräischen Gelehrten in Breslau allgemein bewundert und angestaunt wurde. Mit dem Tode Mandel Deutsch's, kurz nach seiner Barmizwahfeier, begann für ihn eine sehr traurige Zeit. Nachdem er einige Jahre in Breslau unter den grössten Entbehrungen bei seinem immensen Fleisse sich bedeutende Kenntnisse im Talmud und in den andern Wissenschaften erworben hatte, ging er nach Nikolsburg, um die damalige Hochschule (Jeschivah) das sei. Landesrabbiners Rabbi Markus Benedikt zu frequentiren, und in der That machte er als junger tüchtiger Talmudist und als deutsch-gebildeter Mann, der Latein, Griechisch, Französisch und Englisch recht gut inne hatte, nicht wenig Sensation. Ja schon sein reines Deutsch, das er als Preusse correkt sprach, zog ihm zu jener Zeit von den meisten Seiten Freunde und Bewunderer zu. Der damalige Normallehrer Hr. Denneberger in Nikolsburg, der ihn auch bald näher kennen und achten lernte, liess seine beiden Söhne von ihm im Französischen und Englischen instruiren, was eben auch sofort den Neid bei seinen Collegen (Baehurim) erregte, die ihn bei dem Landesrabbiner s. A. denunciirteu, sein Jünger Dawid Deutsch befasse sich mit profanen Wissenschaften, ertheile Unterricht im Deutschen und beeinträchtige dadurch sein Talmudstudium. Doch die Insinuation hat durchaus nichts gefruchtet, denn der sei. Landesrabbioer hatte sich vollständig von dem unermüdlichen Fleisse desselben, sowie von seinem hellen Geist und Scharfsinn überzeugt, und war auch tolerant genug, ihm ob seines profanen Wissens nicht abgeneigt zu werden. (-) (1) Ein Ausdruck, der zu jener Zeit auf ein selten begabtes, in geistiger Beziehung auf ein Wunderkind angewendet wurde. (2) Nach obgenannter Denunciation liess der sei. Landrabbiner seinen Jünger D. Deutsch, rufen, und sagte ihm folgendes: Wie ich vernommen, seid Ihr nicht nur ein guter tüchtiger Bachur, sondern auch ein sehr geschickter gebildeter, deutscher Mann, lernt nur weiter so tieissig, so wird Euch hoffentlich das deutsche Wissen nicht schaden, denn ""iTl HTtPl HS* i UDd bei Euch in Preussen ist wahrscheinlich unter dem t^HX 11*1 das deutsche Wissen verstanden.