Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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um öeu verehrten Großvater zu begrüßen. Der Aaiser war hocherfreut, plauderte vergnügt mit ihnen und ließ sich von ihren: Thun und Treiben berichten. Die Prinzessin erzählte, wie herrlich es in den Bergen sei, welch schöne Touren sie mit ihren: Gemahl unternehme, und wie sie beide die köstliche Luft stärke und erfrische. „5-o geht es Dir also vollkommen gut, inein Air.d?" fragte der Aaiser. Beklommenen Herzens antwortete die Prinzessin: „5-o ganz gut doch nicht, ich sehne nrich oft sehr nach meinen Aindern." „Aber warum nehmt Ihr sie denn nicht mit Luch in die schönen Berge?" fragte der Aaiser. Verlegen und leise antwortete die Prinzessin: „Ach, es kostet soviel." Der Aaiser erwiderte nichts, aber er wußte nur zu gut, daß es recht teuer kommt, drei kleine Prinzen mit all 6cm bedienenden Personal am fremden Orte zu versorgen und zu beherbergen, und faßte einen geheimen plan. Als er am Abend bei Tisch neben der Prinzessin saß, erhielt er ein Telegramm, las es und sprach dann zu der Lnkelin: „Ls ist die Antwort j auf ein Telegramm meinerseits; ich laste Deine Ainder herüberkonunen, jedoch auf meine Aosten." Die Prinzessin küßte in freudiger Aührung den: kaiserlichen Großvater die Hand, und dieser hatte die köstliche Genugthuung, ein liebendes Blntterherz auf's höchste beglückt zu haben. Aus dem Leben des K. Akiba Eger. Geehrter Herr Redakteur! In einer Nummer des vorigen Jahrganges Ihrer werten Zeitschrift brachten Sie einLebensbild unseres berühmten Gelehrten, des Oberrabbiners Rabbi Akiba Eger. Es dürfte Ihre kleinen Leser und Leserinnen interessieren, noch einige Episoden aus seinem Leben zu erfahren. Von seinen vielen Tugenden ist besonders seine Freigebigkeit hervorzuheben. In diesem Punkte kannte er weder Mass noch Ziel; stats war seine wohlthätige Hand den Armen und Dürftigen geöffnet. Bei ihn bewährte sich der Spruch: „Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe“ in der vollsten Bedeutung des Wortes. Interessant ist folgende Thatsache aus dem Leben jenes grossen Mannes, deren volle Wahrheit vielseitig verbürgt wird. An einem Winterabend, als Eger in seinem stillen Studierzimmer ernst und tiefdenkend in seine starken Folianten schaute, pochte es an die Thür, und herein trat weinend und schluchzend ein etwa dreizehnjähriges Mädchen, dem Rabbi ein Briefchen nachstehenden Inhalts überreichend: