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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 6 (1897) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
6 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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95 Geehrter Herr Oberlandes-Rabbiner! „Soeben ist uns unter Gottes Beistand das' zehnte Kind, ein Knabe, geboren worden. Sedum bei der Erziehung meiner neun Kinder litt ich an Brotmangel, und nun der zehnte Ankömmling. — Bei mehreren Herren bat ich um Hilfe, aber vergebens. — Ich, ein schlichter Handwerker, kann durch meiner Hände Fleiss nicht so viel in einem Jahre verdienen, als mancher Kaufmann an einem Ressource-Abend verspielt. — Herr Rabbiner! Vertraute ich nicht auf Gott und Ihren Beistand, ich müsste verzweifeln.“ Jacob Herz. Der Rabbi griff schnell in seine Tasche, worin sich aber nur zwei Dukaten befanden. „Zwei Dukaten," sprach er halblaut zu sich selbst, „was sind zwei Dukaten für eine so zahlreiche Familie.“ Er sann einige Augenblicke nach, und wie ein elektrischer Strahl durchzuckte «in köstlicher Gedanke sein Herz und Gemüt. „Zeige mir, liebes Kind, den Eingang in den Ressourcesaal.“ Dies geschah. „Bleib draussen,“ sagte er, „und warte bis ich dich rufe." Der Rabbi trat in den Saal, in welchem die vornehmsten Bürger und Kaufleute Posens gemütlich versammelt waren. Die plötzliche Erscheinung des Rabbi erregte selbstverständlich grosses Aufsehen; alle erhoben sich ehrerbietig von ihren Sitzen; alle Augen richteten sich auf den unerwarteten Gast: „Die Herren,“ begann Akiba Eger, „haben sich gewiss beim Kartenspiel unterhalten, und warum habt Ihr Euch in dieser Unterhaltung gestört? Kartenspielen ist ja an und für sich keine Sünde und ein unschuldiges Vergnügen, Sünde ist es nur dann, wenn es zur Leidenschaft wird und wenn Haus und Hof durch dasselbe vernachlässigt wird!" Die Herren plagten sich mit Grübeleien verschiedener Art, welche Ursache dem seltsamen Besuche des Rabbi wohl zu Grunde liegen möchte. Endlich nahm der Rabbi an dem Tische Platz und rief aus: „Es kann beginnen, ich spiele mit, aber ich setze voraus, dass ich auch nicht mit zu niedrigem Einsätze spiele.“ Und schon legte er zwei Dukaten — seinen ganzen Kassenbestand — in die auf der Mitte des Tisches stehende Kasse. Den beteiligten Herren war es recht, und der Einsatz von zehn Dukaten lag da. Jeder der Herren spielte seine Karte aus, und als die Reihe an Herrn Eger kam, hatte er anstatt seiner Karte das von dem armen Handwerker empfangene Briefchen ausgespielt unter dem Rufe: „Herz, Herz ist Trumpf! "Wenn ich nicht irre, habe ich gewonnen.“ Der Brief von Jakob Herz flog von Hand zu Hand. Alle lasen ihn und wiederholten: „Gewiss! Der Rabbi hat gewonnen!" „Ich kann nun“, sprach der Rabbi, „über meinen Gewinn unbeschränkt verfügen.“ — Er rief das Mädchen und sprach zu ihr: „Meine Tochter, gehe gleich nach Hause, sage Deinen Eltern, dass der Rabbi heute in (i*

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