Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Herzogtum Salzburg, um sich hier in der Natur der Alpenwelt zu stärken. Auch in: Jafyi'c \876 weilte er hier, und au jedem Ukorgen ging er an einem kleinen Hause vorüber, in welchem eine Ulutter wohnte, die einen kleinen Sohn, Namens Karl hatte. Als das Büblein eines Tages den Kaiser konunen sah, ries es: Guten Ukorgen, Ukajestät!" freundlich blickte der hohe Herr den Knaben an und dankte in huldreicher Weise. Am folgenden Ukorgen sah der Kaiser den Knaben um dieselbe Zeit mit entblößten! Haupte dastehen, aber der Kleine grüßte nicht, weil jeine Ukutter es ihm verboten hatte, damit der Ukonarch nicht belästigt werde. Da trat der Kaiser zur Amtier und sagte: „Warum steht der Knabe so stwnm da? Ich erlaube es ihm, daß er immer laut zu mir spricht." Niemaud aber war nun froher, als unser Karl, der von zetzt ab dem Kaiser täglich einen fröhlichen Atorgengruß bot. An dein kleinen Hause war eine Pforte, die der hohe Herr sich täglich öffnen nmßte, um den Weg fortsetzen zu können. Als dieselbe einmal nicht aufgehen wollte, sprang Karl hinzu und öffnete sie behende, freundlich sagte darauf der Kaiser zu ihm: „Non heute an sollst Du mein kleiner Page sein und rnir an jeden! Morgen öffnen!" So war auch der Kleine an jedem Morgen auf seinen! Kosten, und der Kaiser unterhielt sich mit ihn! auf's herzlichste. Tr fragte, ob er schon in die Schule gehe, in welcher Klasse er sitze, ob ihm das Lernen schwer falle, wie sein Zeugnis laute u. s. w. Zur Mutter aber sagte er: „Ihr Sohn versteht seinen Posten sehr brav und!nacht!nir durch seine offenen Antworten viel freude." Endlich gingen Karls ferien zu Ende. Als seine Abreise bevorstand, sagte er an! letzten Morgen den! kaiserlichen freunde Lebewohl. Dieser aber zog sein eigenes Bild aus der Tasche, schrieb den Namen „VO ilhel m" darunter und schenkte es den! Knaben. Dann reichte er Amtier und Sohn die Hand zum Abschied und sprach: „Ich habe den Karl recht lieb gewonnen, sein offenes Wesen hat mir viel freude gemacht. Adieu! Ubers Jahr wieder gesuud in Gastein!" d) Per Kaiser als Großvater. Es ist bekannt, daß in unserrn Hohenzollernhause das schönste, innigste familienleben gepflegt wird, und daß Kaiser U)ilheln! es verstand, auf die Wünsche und borgen jedes familiengliedes einzugehen. Das erfuhr seine Großtochter, die dainalige Prinzessin und jetzige Kaiserin Augusta Viktoria im Sommer s886 in rührender Weise. Sie verlebte mit ihrem Gemahl einige Zeit im schönen Berchtesgaden, wo beide Gatten Stärkung suchten nach überstandener Krankheit. Da nun der Kaiser auf seiuer Reise nach Gastein das unweit Berchtesgaden gelegene Salzburg berührte, so begaben sich Prinz und Prinzessin Wilhelm nach dort, 6