Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2096 (26.12.1964)
- Date
- 1964-12-26
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — N? 2096 — 5 Sábado, 26 de Diciembre de 1964 Kibbuzmaedchen wird Multimillionaerin Auf einem leeren Bauplatz ln einem der Wohnviertel Jerusalems versammelten sich an einem ungewöhnlich warmen Chamssinabend des israelischen Oktobers eine Anzahl! von Würdenträgern mit Staatspräsident Salman Sha. gar an der Spitze. Fahnen wehten im trockenen Wüstenwinde, der Bürgermeister hielt eine begeisterte Ansprache, und nach ihm ergriff ein unscheinbar aussehender, noch kaum grauhaariger Mann das Wort. „Ich freue mich, einen alten und doppelten Traum verwirklichen zu können“, sagte Miles M. Sherover in schlichtem amerikanischen Englisch. „Ich freue mich, etwas für Jerusalem tun zu können, das ich so liebe, ■und für die Kunst, der ich, als Weltbürger, so ergeben bin.“ Damit war die Grundsteinlegung für das erste städtische Theater der israelischen Hauptstadt, zu dessen Bau Sherover zwei Millionen DM spendete, abge. schlossen. Wer ist Miles M. Sherover und wie kam er dazu, eine so grosse Summe an eine Stadt zu verschenken, deren Existenz ihm noch vor zehn Jahren nicht mehr als ein Namen war? Die Antwort auf diese Frage lieferte mir eine hochgewachsene, gut aussehende Frau, die mir, am Morgen vor der Grundsteinlegung, das Tor der feudalsten Villa des Landes öffnete. Während ich die Perserteppiche und teuren Oelgemälde an der Wand bewunderte. fiel mein Blick auf den riesigen Garten, in des- ZwLKessel.Preise Mexico-City. — Die seit 18 Jahren alljährlich zur Verteilung gelangenden Zwi- Kessel-Preise für jüdische für 1964 Alepih Katz und Zwi für 1964 Alpeh Katz und Zwi Sharstein aus New York und I. Papiernikow aus Tel Aviv zuerkannt. Obzwar mit diesen Preisen nur ein Betrag von 400 Dollar ausgezahlt wird, so wird diese Auszeichnicht in der jüdischen Literaturwelt als eine grosse Ehre betrachtet. (ITA) yon HA1M MASS sen Mitte ein geräumiges Schwimmbassin angelegt war. Die Villa von Miles M. Sherover ist bestimmt das Prunkvollste, was sich selbst ein verwöhnter Potentate wünschen könnte. Frau Gita Sherover stand dazu, in ihrer offensichtlichen Bescheidenheit, in krassem Gegensatz. Es war ihr leicht anzu. merken, dass sie ihren irdischen Reichtum mit der gleichen Selbstverständlichkeit hinnahm, mit der sie einst, in ihrem Kibbuz in Israel, beim Küchendienst Kartoffeln für die Gemeinschaft geschält hatte. SAGENHAFTE ERFOLGSGESCHICHTE „Bitte nennen Sie mich nicht einen Millionär, ich kann das Wort nicht leiden“, sagte mir kurz danach der Herr des Hauses, als wir beim Friihstüclsskaffee im mondänen Speisezimmer sassen. „Ich habe im Leben schon viel Geld verdient, aber glauben Sie mir, es ist angenehmer es auszugeben.“ Die Story von Miles M. Sherover hört sich wie ein amerikanischer Erfolgsroman an. Br wurde vor 68 Jahren in Krakau als Sohn einer orthodoxen jüdischen Familie geboren und wanderte mit seinen Eltern im sechsten Lebensjahr nach Amerika aus. Nach absolvierter Mittelschule und einem unterbrochenen Hochschulstudium beschloss er, sich als freier Journalist für amerikanische Bildmagazine zu betätigen. Eines dieser Blätter entsandte ihn nach Japan, wo er mehrere Jahre als Korrespondent verblieb. Nach einem Abstecher nach China kehrte er in die USA zurück und trat als Unternehmer in das Baugewerbe ein. Während der Depression im Jahre 1930 reiste er in die Sowjetunion, wo ihm die Regierung einen grossen Bauauftrag vergab, den er zu ihrer vollsten Zufriedenheit ausführen konnte. Dabei lernte er einige der führenden Wirtschaftler des Landes kennen. Die Krise in den USA war mittlerweile bewältigt, und DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER 94 ARenby Rd. TEL AVIV O B. 4444 JUAN JULIUSBURG RARBEITEN BLANCO ENCALADA 1646 AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „ B E N 0r BEÑO HUTSCHNECKEF Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 Sherover unterbreitete seinen russischen Freunden den Vorschlag, in Amerika eine russische Regierungsanleihe zu vertreiben, deren Zinsen in Bargeld zahlbar sein sollten. Die Russen erklärten sich einverstanden, und die Emission wurde ein Bombenerfolg. Sherover wurde durch die Provision ein reicher Mann. Er hatte sich bei den Russen so beliebt gemacht, dass sie ihn dem republikanischen Regime in Spanien als Gewährsmann empfahlen. Als dort der Bürgerkrieg ausbrach, ernannten ihn die gegen Franco kämpfenden Spanier zum Haupt ihrer Einkaufsmission in New York. Sherover zog dabei nicht den kürzeren. Der Kriegsausbruch fand ihn in Südamerika, wo er — in Chile und Venezuela — zwei Reifenfabriken errichtete. Sein Partner war die amerikanische Firma General Tyre and Rubber Co, doch bis heute ist Sherover der Hauptaktionär dieser beiden Grossunternehmen. Im Jahre 1948 errichtete er eine grosse Stahlfabrik in Venezuela, die sich als äusserst rentabel erwies. Im Nu war er einer der reichsten Männer Südamerikas geworden. Als er, im Jahre 1954, eine Reise nach Israel unternahm, um sich das Land anzusehen, drahtete der damalige israelische Botschafter in Caracas, Aluf David Schaltiel, an das Aussenministeri. um, man möge den wichtigen Touristen als V.I.P. (very important person) behandeln, da er vielleicht in Israel Geld investieren wimde. Das Auswärtige Amt in Jerusalem teilte ihm auch unverzüglich eine seiner fähig sten Angestellten als Fremdenführerin zu — das ehemalige Kibbuzmädchen Gita Tate, eine gebürtige Rigae. rin, die ihre Kindheit in Berlin zugebracht hatte. LIEBE AUF DEN ersten blick Gita hatte einige Tage vorher ihren Mann verloren und widmete .sich mit Hingabe der Erziehung ihres einzigen Sohnes, Gabi. Ihre Persönlichkeit machte einen unverwischbaren Eindruck auf den reichen Venezolaner. „Ich habe mich in Sie verliebt. Wollen Sie mich heiraten, trotzdem ich viel älter und viel reicher bin als Sie?“ fragte Miles. Die Hoch zeit wurde wenige Wochen später in Caracas begangen. Doch die Liebe auf den ersten Blick für Gita hatte sich auch auf Israel übertragen. Frau Sherover dräng te ihren Gatten, sich von seinen zahlreichen Geschäf. ten zuriickzuziehen und sich in Jerusalem sesshaft zu manchen. Sie brauchte nicht grosse Ueberredungskunst anzuwenden. So zog das Ehepaar mit dem Sohn — der jetzt in Israel im Militärdienst steht — vier Jahre später in die neugebaute Villa in Jerusalem ein. Das Leben inmitten der biblischen Landschaft — sechs Monate im Jahre — war dem erfolgsmüden Industriemagnaten ein wahrer Genuss. Nur eines fehlte ihm: Ein gutes Theater. Jerusalem hatte kein Theatergebäude, und die wenigen Gastvorführungen der hebräischen und ausländischen Theater fanden in einem unzulänglichen, schäbig ausgestatteten Kinosaal statt. Sherover beklagte diesen Zustand in einem Gespräch mit dem Bürgermeister. „Dem können wir abhelfen!“, sagte der Stadtvater. .Wieviel wollen Sie beitragen?“ — „Ein Drittel“, erwiderte der Multimillionär ohne mit der Wimper zu zuk. ken. Miles M. Sherover ist ein Mann, dessen Wort so gut wie ein Wechsel ist. Das neue jerusalemer Stadttheater, dessen Grundsteinlegung eine zweijährige Bautätigkeit einleitet, wird sechs Millionen DM kosten und 1.300 Sitzplätze haben. Sherover hat der Stadt bereits seine zwei Millionen übertragen. „In zwei Jahren, so Gott will..gehen wir ins Theater“ sagte er lächelnd zu seiner vor Freude strahlenden Gattin. Mittlerweile vertrösten sie sich mit Theatern von Caracas und Genf — zwei Städten, in denen sie nicht weniger prunkvolle Villen besitzen. „Alle Achtung“, sagten die Vertreter des Kibbuz, in dem Gita ihre israelische Karriere begonnen hatte, während der Grundsteinlegungs-Zeremonie. zu welcher auch sie geladen waren. „Du warst immer produktiv, aber was du in den letzten Jahren für Israel getan hast, setzt allem die Krone auf!“ 1 miliir Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung ★ MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG ★ LOHNANFERTIGUNG Ernst Koppel Maipü 982 TeL 31-7845 Lord Marks gestorben London. — Der englische Grossindustrielle und Zionist Lord Simon Marks starb im Alter von 76 Jahren. Er wurde in Manchester geboren und war der Gründel1 und langjährige Leiter des Warenhauskonzerns Marks & Spencer. Im Jahre 1944 wurde er in den Adelsstand erhoben. Lord Marks gehörte zu den Gründern des Welzmann- Instituts. Er war auch Präsident der Einheitskampagne für Israel, des Keren Hajes, sod und Vizepräsident der englischen Zionistischen Föj deration und des Verbandes für die aus Deutschland stammenden Juden. (ITA) Umerziehung in Deutschland Bonn. — „Die bürgerliche und politische Erziehung in Westdeutschland muss von Grund auf geändert werden“, erklärte Bundeskanzler Erhard in einer Ansprache vor der Liga der Erzieher für Studien in den Vereinigten Staaten. In der Vergangenheit war sie nur Propaganda, so fügte er hinzu. Das Programm der Studienmission, das auf Anregungen von Prof. Max Hork. heimer vom Institut für soziale Studien der Universität Frankfurt am Main basiert, wurde vom American Jewish Committee aufgesteilt, nachdem sich die Welle der Hakenkreuz Schmierereien, die 1959 in Köln ihren Anfang nahm, über die ganze Welt verbreitete und Be- . stürzung hervorrief, well so zahlreiche Jugendliche Urheber dieser Attentate waren. (ITA' Geschickte In der modernen "Zeit hat es eine, wenn auch nicht grosse Reihe jüdischer Zeitschritten gegeben, die sich der Erforschung unserer Geschichte in allen ihren Verzweigungen gewidmet haoen. Der Philo.Verlag im Berlin der Vorkriegszeit hatte im Jahre 1929 damit begonnen, eine „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ herauszugeben, die dann infolge der politischen Lage im Jahre 1937 ihr Erscheinen einstellen musste. Hervorragende Historiker, Forscher, Wissenschaftler und andere Mitarbeiter haben der Zeitschrift von ihrer ersten Ausgabe an ein vorzügliches Niveau gegeben. Als Herausgeber wirkten zunächst Prof. Ismar Ellbogen, Aron Freiman (Frankfurt) und Max Freudenthal (Nürnberg) alles hervorragende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens und der wissenschaftlichen Arbeit. Die Hefte dieser Zeitschrift, in der meist Artikel von bleibendem Wert veröffentlicht worden sind, wird man auch heute noch mit grossem Gewinn lesen. Natürlich sind sie schwer zugänglich. Der letzte Redak. teur der Zeitschrift war Dr. Ernst G. Loewent.hal, ein vielseitiger Publizist, der heute auch zu den ständigen Mitarbeitern der Jüdischen Wochenschau zählt. Seit einigen Jahren publi ziert das Leo Baeck-Institut ein .Bulletin“, dessen letzte Nummer 23 (6. Jahrgang, 1964) kürzlich erschienen ist. Ueber dieses Bulletin, das in Wirklichkeit eine ernste wissenschaftliche Zeitschrift ist und über den Cha. rakter eines .Bulletins“ weit hinausgeht, ist hier schon des öfteren berichtet worden. Man könnte in diesem Bulletin des Baeck-Instituts deshalb eine Verlängerung oder Nachfolge der alten Zeitschrift des Philo.Verlags erblicken, weil im Blickfeld der behandelten Themen die Geschichte der deutschen i-eder ehemals deutschen Juden steht. Hier werden Themen dargestellt, die mitunter algemeines Interesse fin den sollten und für die Analyse jüdischer Geschichte in Deutschland von Wert und Bedeutung sind. Allerdings ist der Kreis der Menschen, der hinter der Philo-Verlog- Zeitschrift stand und dem des Leo Baeck-Instituts recht verschieden. Ebenso haben sich die Zeiten grundlegend geändert, was auch bei Betrachtung der beiden Editio nen jedem Betrachter und Leser bewusst wird. — Jetzt ist eine neue Zeitschrift herausgegeben worden. Der wagehalsige Herausgeber ist der unermüdliche Dr. Hugo Gold, Tel Aviv. dessen Verlag OLAMENU un. seien Lesern bekannt ist. Die Standardwerke über die Juden in der Bukowina (bereits erschienen!, in Wien (in Vorbereitung), in der CSR usw. sind Fionlerwerke auf geistig - geschichtlichem Gebiet, die allgemeinen Beifall und höchste Anerkennung verdienen. Es bleibt zu hoffen, dass diese wissen, schaftliche Tätigkeit auch von den zuständigen Steilen unterstützt und finanziell — ähnlich dem Leo Baeck-In- -stitut — gefördert wird. Herausgeber Gold nennt seine vierteljährlich erscheinende Publikation „Zeit. Schrift für die Geschichte der Juden“. Die typografische Wiedergabe des Titels entspricht genau der alten „Zeitschrift für die Geschichte der Juden“, nur fehlt der damalige Zusatz „in Deutschland“. Wahrscheinlich wollte der Herausgeber und sein Mitarbeiter,stab dadurch die Kontinuität jüdischer Geschichte demonstrieren. Das vorliegende Heft 2/3, also eine Doppelnummer, ist ausserordentlich interessant. Die meisten Beiträge beschäftigen sich mit der jüdischen Vergangenheit im zentraleuropäischen Raum. Die Zusammenstellung der Themen ist geschickt. Nicht jeder liest gern und mit Interesse historische Berichte usw. Ich jedenfalls habe alle diese Aufsätze studiert, die einmal mehr die Buntheit unseres j ü d i sehen Lebe ns zeigen, wenn sie auch meist einen bitteren, traurigen Ton anschlagen und über Leiden und Demütigungen berichten müssen. Aber es ist auch interessant nacbzuerleben, wie sich der einfache Mann, der kleine verfolgte Press. burger Jude im Ochsenstreit verhalten und erfolgreich zur Wehr gesetzt hat. Nicht alle Aufsätze können hier erwähnt werden. Was wissen wir aus der Geschichte der persischen Juden? Hierüber belehrt uns plastisch ein Aufsatz aus dieser Nummer. Sehr sympathisch wird von dem bedeutenden Zeithistoriker Alex Bein, dem Biographen Herzls, dessen Nachfolger David Wolffsohn dargestellt. Bemerkens, wert ist eine lange Arbeit von Dr. Oskar Karbaeh über die „politischen Grundlagen des deutsch-österreichischen Antisemitismus“, die in Fortsetzungen erscheint. Ein ganz spezielles Gebiet berührt Dr. K J. Ball-Kaduri mit seinem Aufsatz: „Die Wehrmacht und die deutschen Juden im Zweiten Weltkrieg“. Jedenfalls dürfte es ebenfalls bemerkenswert sein» dass eine solche Zeitschrift auf einem hohen Niveau er„ scheint, (h. s.) — HOTEL LAGO 'b’r Inhaber: Leo Kahn RIO CEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft in Buenos Aires: 76-2009 v. 8—10 Uhr BEKANNT DITRCH AUFMERKSAME BEDIENUNG UND HERRLICHE LAGE ALFREDO STERN MALIRARBEITEN ALLER ART Deportamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit T.E* 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 "’’EPOSITO: Y. de ia Plaza 1779