Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1806 (23.8.1960)
- Date
- 1960-08-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Martes, 23 de Agosto de 1960 L A SEMANA ISRAELITA No. 1906 Año XXI Samuel Holdheim s. Ä. Seit dem Jahre 1832, als Leopold Zunz sein epochemachendes Werk ,.Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden“ hatte erscheinen lassen, tobte im damaligen mitteleuropäischen Judentum ein heftiger religiöser Streit. Dieser Kampf, durch die vorangegangene Entwicklung zu Beginn des Jahrhunderts bereits angebahnt, führte in der Folgezeit zu schweren Auseinandersetzungen zwischen denjenigen führenden Persönlichkeiten, welche das unbedingte Festhalten an allem Ueberlieferten befürchteten, und den anderen, die einen „gemässigten Fortschritt” bezw. eine „sich lebendig weiterentwickelnde Tradition” anstrebten. Eine Reihe von Ereignissen wie der „Hamburger Tempelstreit”, die Braunsehweiger Rabinerversamm. lUng. die Breslauer Fehde Tiktin-Geiger und schliesslich die Gründung des „Frankfurter Reformverefns” hatten einen allgemeinen Aufruhr innerhalb des Gemeindelebens und des wissenschaftlichen Meinungsaustausches hervorgerufen. Und nun (im Jahre 1843) warf ein Mann eine „Brandfackel” in das Gebälk des damaligen deutschen Judentums, die zu einer furchtbasen Katastrophe hätte föhnen können. Dieser Mann, den man vorurteilslos und gerecht beurteilten sollte, hiess Samuel Holdheim, dessen hundertster Todestag am 22. August begangen wurde. Geboren 1806 zu Kempen, war Holdheim zweifellos eine der stärksten Persönlichkeiten unter den Rabbinern des 19. Jahrhunderts. Talmudisch hervorragend ausgebildet, versuchte er später, das gewaltige Werk des Talmud mit den gleichen Waffen zu erschüttern, die er selbst aus dessen Reservoir entnommen hatte. Als junger Rabbiner zu Frankfurt a. O. wirktj er streng orthodox, dann aber als Landesrabbiner zu Mecklenburg-Schwerin (1840) hatte er die dortige Regierung bei der Einführung von Reformen unterstützt. Man sagt, Holdheim habe damals begonnen, sich zwanglos gehen zu hassen und alles abzulegen, was ihm innerlich oder äusserlich unbequem schien. Der Historiker Heinrich Graetz, sein erbitterter Gegner, sagt von ihm, „dass das Judentum seit Paulus von Tarsus keinen solchen inneren Feind wie Holdheim erlebt habe.” Hiergegen wandte sich u. a. Abraham Geiger, der ganz gewiss Holdheims Radikalismus ablehnte, seine Aufricntigkeit der Gesinnung jedoch anerkannte. Wie geteilt die Meinungen über Holdheim waren, geht aus einem Nachruf des berühmten Predigers Einhorn in Baltimore hervor, der ihn „einen grossen Meister in Israel” nennt, „den Hohepriester der jüdischtheologischen Wissenschaft, den Löwen im Kampf für Lieht und Wahrheit.” Worin bestand nun das Ungewöhnliche seines Eingreifens in den Gang der Geschehnisse? Es ist dies sein Buch „Ueber die Autonomie der Rabbiner”. Holdheim wendet sich gegen das einstige Recht der Rabbiner, gesetzliche Entscheidungerl nach dem jüdischen Recht zu treffen. Nun, so sagte er, nachdem die richterliche Macht von den Rabbinern auf den Staat übergegangen ist müsse alles, was irgendwie mit dem einstigen Staat und der Nationalität des Judentums zusammenhinge, aus dem Judentum ausgeschieden und dem modernen Staat überlassen werden. Entscheidend ist für Holdheim die Trennung des Religiösen im Judentum, das Ewigkeitswert habe, vom Nationalen, das vergänglich ist, das zur Nationalität des Vaterlandes im Gegensatz steht und nur auf Grund der „irrigen Anschauung. dass es religiös sei, beibehalten worden ist. Israel sei unter die Völker zerstreut, nur als „mosaische Lehre” zum Erbe geblieben; das sogenannte „Religionsgesetz” sei zerbrochen und damit jede Schranke zwischen Israel und den Völkern aufgehoben. Nur die Vorschriften des Staates seien für den Juden verbindlich; jüdischem Recht und jüdischem Gesetz habe der Jude nur dann zu gehorchen, wenn sie vom Staate angeordnet, nicht, weil sie jüdischen Ursprungs sind. Holdheims Gedanken erschienen den Juden def Zeit als revolutionäre Kampfansage, die eine tiefe Erschütterung hervorrufen musste. Man fühlte, dass Holdheim das Judentum vom „Zwang des Rabbinismus” befreien wollte, um es einer fremden „Nationalkirche” zu unterwerfen. Der Kampf hat lange und heftig getobt. Auch Männer, die keineswegs als streng-gesetzestreu, sondern eher als gemässigt - fortschrittlich zu bezeichnen sind, verwarfen mit Entschiedenheit Holdheims Theorien. Scharf geisselt ihn Graetz: „Alle Befugnisse, welche ehemals das gesetzgebende Synhechion gehabt hatte, wollte Holdheim auf den christlichen Staat übertragen wissen, selbst das Recht, Eingriffe in Gewissenssaehen zu machen.” Die weitere Entwicklung ist bekannt; Holdheims völ- -liges Aufgehen in der Reformgenossenschaft trennte ihn von der Majorität der Amtskollegen. Dies führte zur Gründung der Berliner „Jüdischen Reformgemeinde”, deren Negierung aller positiv-historischen Momen- 1 te diese Gemeinde, welche niemals die staatliche Anerkennung als „Gemeinde” erhielt, mehr und mehr isolieren musste. Die fast völlige Verdeutschung der Liturgie, das Abschaffen der Kopfbedeckung, des 2. Feiertages an den Wallfahrtsfesten, des Schofarblasens, der Laubhütte, des Kiddusch, des Chanukkalichtes, etc. machte jenen Gottsdienst zu einem „haibjiidisehen”, um ein Wort des liberalen Rabbiners Seligmann zu gebrauchen. Holdheim war der erste Prediger dieses reformierten Tempels, der 1846 in der Johannisstrasse zu Berlin eingeweiht wurde. Selbst der Hamburger Tempelverein verbot seinen Predigern, an jener Eröffnungszeremonie teilzunehmen. Abraham Geiger hat bekanntlich wiederholt einen Ruf an diese Gemeinde abgelehnt, die :n Europa keine Nachahmung fand und sich ■ vor allem durch die völlige . Verlegung des Sabbatgottes- T. H. G. N. C. I. Gemeinsamer Gottesdienst AN DEN HOHEN FEIERTAGEN ALLGEMEINE KARTENAUSGABE: Mittwoch, 24. August, 19—21 Uhr Sonntag, 28. August, 10—12 Uhr im Salon Sarmienio 2523 LETZTE BEITRAGSQUITTUNG MITBRINGEN! Glückwünsche zu Rosch Haschono Sie können Ihren Freunde Ihre Wünsche zum Neuen Jahr übermitteln und gleichzeitig dabei ein gutes Werk tun. Wenden Sie sich an uns, damit Sie in unserem nun schon traditionellen Glückwunschheft erscheinen. Die Spende, die sie uns dafür machen, kommt unseren Armen zugute. Auskünfte: ASOC. FILANTROPICA ISRAELITA CANGALLO 147$ 40-4900 40.9535 LUACH ( K a 1 e h di Dienstag, den 23 August Mittwoch, den 24. August Donnerstag, den 25. August Freitag, den 26. August Sonnabend, den 27. August Schabbat SCHOFTIM Haftara: Yeschayahu LT 21 — LII Sonntag, den 28. August Montag, den 29. August Dienstag, den 30. August Mittwoch, den 31. August Donnerstag, den 1. September Freitag, den 2. September r) 30. Aw 1. Elul 2. Elul 3. Elul 4 Elul — VI 3. Elul 6. Elul 7. Elul 8. Elul 9 Elul 10. Elul Spende aus Westberlin Berlin. — Der Senat von Westberlin hat beschlossen, 20.000 Mark seines Budgets für die Hebräische Universität zu spenden. Die Summe soll für die Schaffung einer Universitäts-Bibliothek dienen. Der Senat gab keine Erklärung für diese_| I Spende, doch handelt es sich anscheinend um einen Beitrag zur intellektuellen Entschädigung für die Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen Westberlin und Jerusalem. (ITA) Gemeinden und Vereine Kritik an Pius XII.; Rom. — Die Zeitung „Paese Sera” kritisiert die Haltung des verstorbenen Papstes Pius XII., der gegen die Verhaftung der römischen Juden und ihre Massendeportation in die Todeslager im Jahre 1943 nicht energisch protestiert habe. Das Blatt veröffentlicht Unterlagen aus dem pariser „Centre de Documentation”, aus denen hgrvorgeht, dass die Deutschen erwartet hatten, der Papst werde seine Stimme gegen die Massenverhaftung der Juden erheben. „Die Deutschen”, schreibt die Zeitung, „sahen eine offizielle Reaktion des Heiligen Stuhls auf die Massendeportationen römischer Juden voraus, die sich jedoch nie ereignete, und dies erleichterte das brutale Vorgehen der Nazis.” Es wird im weiteren daran erinnert, dass die Nazis in Rom rund 2.000 Juden festnahmen, die in den Todeslagern endeten. Später, so gibt der Schreiber des Artikels zu, „standen die Tore der Klöster den Verfolgten offen, doch diese Tat posthumer Nächstenliebe kann keine Verzeihung einer offiziellen Haltung beanspruchen, die in der Praxis den Anteil des Vatikans an der Schuld der Nazis bedeutet.” (ITA) •dienstes auf den Sonntag (in den ersten drei Jahren liefen beide Andachten nebeneinander) eine Sonderposition schuf. Holdheim selbst hat später einige Gebetsstellen wiederum „reformiert”, ohne zu einer grundsätzlichen Umgestaltung zu gelangen. Die Berliner Reformgemeinde, die fast hundert Jahre bestand und bedeutende Prediger wie Levin, Lehmann, Jelski, Coblenz, Gottschalk etc. besass, war niemals populär; „das Volk” lehnte sie ab, darunter auch Menschen, deren Sinn für Ueberlieferung nicht gross gewesen sein mochte; aber irgendwie stiess man sich an ihrem extremen, gefühls- und empfindungsarmen Charakter, an ihrem mangelnden Verständnis für das symbolische und zeremonielle Moment. Holdheim, der reine Verstandesmensch, den der Wiener Oberrabbiner Jellinek einen „rationalistischen Seiltänzer” nannte, besass keine Gefühlswärme, keinen Schwung, keinen Enthusiasmus; „der stille Hauch des Irrationalen hat ihn nicht gestreift”, meint einer seiner Biographen. Pietätswerte kannte er nicht, aber auch sein Feind Graetz gibt zu. dass er kein Heuchler war, sondern von der Richtigkeit seines Standpunktes durchdrungen gewesen ist. C«*t WiUc Círculo Religioso Israelita BET ISRAEL Buenos Aires Conde 1345 GOTTESDIENSTE AN DEN HOHEN FEIERTAGEN Die vorbestellten Karten zu unseren Gottesdiensten in der Ciudad de La Paz 1754 und Moldes 2155 bitten wir bis Ende dieser Woche in unserem Sekretariat Sucre 1896. T. E. 73-1929, zu entnehmen, da wir sie sonst an andere Antragsteller ausgeben müssen. KULTURARBEIT Im Rahmen der Vortragsreihe „Beitrag der Juden zum Kulturleben der Völker während der letzten 100 Jahre” spricht am Mittwoch, 7. September 1960 Herr Dr. Hardi Swarsensky über „Juden in der Weltpolitik”. CIRCUL J MATRIMONIOS JOVENES Nächstes Treffen am Mittwoch, den 31. 8., um 21 Uhr in Pampa 3335. JUGENDGRUPPE Am Mittwoch, 24. August pünktlich um 8 Uhr in Conde 1345 zeigt Herr Dr. S. Krebs Lichtoilder von Ausgrabungen der Hebräischen Universität in Jerusalem und erklärte sie in spanischer Sprache. Gäste, Jugend und Erwachsene sind herzlich willkommen. Miércoles, 24. 8. a las 20 hs. en Conde 1345. Proyección de dispositivos sobre la Universiaad Hebrea de Jerusalén, explicados por el Dr. S. Krebs, presidente de la Asociación Amigos de la Universidad Hebrea de Jerusalén. STRICKNACHMITTAGE Unsere Damen stricken am Dienstag um 15 Uhr 30. IVRIT-KURSE IM BET ISRAEL Zweij Anfängerkurse um 17 und um 20 Uhr am Montag, und um 17 Uhr 30 und um 20 Uhr am Mittwoch. — Neuanmeldungen unter 76- 7452 erbeten, : EINHEITSKAMPAGNE Hast DU Deine Pflicht zum Aufbau Israels noch nicht beigetragen, so säume nicht länger. Wende Dich sofort an unseren CU-Delegierten. . M&smm Privatinvestitionen in Israel Montreal. — Investitionen grossen Umfangs will die kanadische Familie Bronfman in Israel vornehmen. Die Mittel sollen vorwiegend zur Wiederherstellung von im Befreiungskrieg beschädigten Ortschaften dienen und zur Errichtung von Wohnungen, Hotels, Supermarkets, etc. verwendet werden. (AWZ) Aräoz 2854 T. E. 71-9059 GOTTESDIENST: Heute, Dienstag, den 23. August, letzter Tag des Neuverkaufs der Karten für Mitglieder und Nichmitglieder in der Zeit von 18—20 Uhr. JUGENDGOTTESDIENST Die Karten für den Jugendgottesdienst werden heute unentgeltlich zur gleichen Zeit ausgegeben. KULTUR. VERANSTALTUNG Mittwoch, den 24. August,, um 21 Uhr. „Länder, Sitten, Musik”. Ueber dieses Thema wird Dr. Kurt Pahlen, der interessante Schriftsteller, Musikgeschichtler und Musiker, zu uns sprechen. Er schrieb über seine Spezialwissenschaft, die Musik, eine Reihe hochinteressanter Bücher, die in zehn Sprachen übersetzt wurden. Er ist augenblicklich Professor an der Universität Montevideo und bereist che ganze Welt, um Vorträge zu halten. IV er ihn das vorige Mal in der ACI- BA gehört hat, wird sich be. stimmt des besonders fesselnden Abends erinnern. — Eintritt frei. — Gäste willkommen. CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL AUGUST : 1 der MOBILISIERUNGSMONAT der EINHEITSKAMPAGNE dem Angedenken von THEODOR HERZL gewidmet Erfüllet Eure ÍPFLICHT m | und (gebt mehr I Annahmestellen: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL | COMITE CENTROEUHOPEO I; Sarmiento 2376 3'? — T. E, 417-3820 i und sämtliche Sekretariate der an. j i geschlossenen Organisationen und; i Gemeinden